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Tralafitti, verehrter Herr Dr. Wiefelspütz, tralafitti gaga!

MedienjunkieSchwarzseher Ich würde gern mal einen Tag in Ihrem Kopf verbringen, das stelle ich mir interessant vor.

Ich würde gerne selbst mal spüren, wie es sich anfühlt, wenn man behaupten kann, dass Paintball das Töten von Menschen simuliert, Fechten aber nicht, ohne dass man unwillkürlich lachen muss. Bei Paintball stehen sich zwei Mannschaften gegenüber, die sich gegenseitig aus Distanz mit Farbkügelchen beschießen, beim Fechten stehen sich zwei Individuen gegenüber, die mit modifizierten Hieb- oder Stichwaffen einen Treffer beim Gegner zu setzen versuchen, und zwar bevorzugt da, wo lebenswichtige Organe sitzen. Das eine simuliert das Töten, das andere nicht… *prust* Nein, ich kann es einfach nicht.

Ich wüsste gerne, wie das ist, wenn man die Erdung so weit verloren hat, dass man schlechten Geschmack nicht mehr von Sittenwidrigkeit unterscheiden kann. Ist das so ähnlich, wie wenn man keinen Unterschied zwischen violett und pink erkennt?

Wenn man heiliger ist als der Papst, kann man es vielleicht geschmacklos finden, dass sich Leute aus Spaß mit Farbkugeln beschießen. Sittenwidrig hingegen ist es zum Beispiel, wenn man als Politiker dazu beiträgt, den volkswirtschaftlichen Schaden, den Geldverleiher, Spekulanten, ihre marktfaschistischen Apologeten und ihre Büttel in der Politik angerichtet haben, auf die Allgemeinheit zu verteilen und dabei ausgerechnet die Verantwortlichen vor den Folgen ihres Handels zu bewahren.

Aber darum geht's ja nicht. Es geht ja um die Menschenwürde.

Wessen Menschenwürde wird denn durch Paintball gefährdet? Ihre, Herr Dr. Wiefelspütz?

Wie steht es denn um denn die Würde der bevormundeten Paintballspieler (oder der bevormundeten Internetnutzer) (oder der bevormundeten Killerspieler) (oder der bevormundeten Raucher)?

Auch hier würde ich mir interessante Einblicke versprechen, wenn ich mal einen Tag in Ihrem Kopf verbringen könnte. Hach, ich hätte auch noch ein paar Vorschläge, die ich in Ihrem Hinterkopf hinterlassen könnte. Lassen Sie uns doch Bowling verbieten, weil man dabei "eine Kugel beschleunigt, um möglichst viele Figuren mit menschlicher Silhuette 'umzulegen'." Das Kegeln lassen wir aber erlaubt, wir wollen uns ja nicht mit den Kegelvereinen anlegen, das wären zu viele Wähler. Kann man Eltern nicht auch irgendwie zwing gesetzlich verpflichten, ihre Kinder davon abzuhalten, "Cowboy und Indianer" oder "Räuber und Gendarm" zu spielen?

Mit freundlichem Textbaustein
Der Mutantenstadl

Nachtrag, 14. Mai 2009: Das ging ja flott, gestern gebloggt, heute ist das Paintballverbot vom Tisch. Geht doch. Als nächstes kippen wir die Internetzensur und von dieser Killerspieldebatte will ich auch nichts mehr hören.

Nachtrag, 18. Mai 2009: Den Hintergrund dieses Eintrags erläutert politplatschquatsch.

Sportskanonen

MedienjunkieSchwarzseher


Sportskanone (Typ HQ-7) in Peking
Quelle: tagesthemen vom 4. August 2008


Nachtrag, 8. August 2008: Aus dem taz-Kommentar "Lasst den Fernseher aus!" von Philipp Gessler:

Wenn schon die politische Spitze der freien Welt das böse Propaganda-Spiel der chinesischen Diktatur mitmacht, boykottieren wir es! Wir schauen im Fernsehen keine einzige Minute dieser schlimmsten Spiele seit der unseligen Veranstaltung von 1936 in Berlin. […]

Natürlich sind die Olympischen Spiele schon lange vor allem ein großes Geschäft. Doch in Peking ist diese Kommerzialisierung besonders abstoßend, weil davon nur die oberen Zehntausend im Reich der 1,2 Milliarden Menschen profitieren. Sie sind nichts weiter als ein ekelhaftes Geschäft internationaler Konzerne, weltweit operierender Medien-Mogule, korrupter Sport-Funktionäre und zynischer Parteikader. Wer von den Sportlern, ihren Verbandsvertretern oder hiesigen Politikern einen Boykott der Spiele erwartet, der sollte lieber selbst mit gutem Beispiel vorangehen - und seinen Fernseher aus lassen.

Der große Bruder guckt Fußball

Schwarzseher Telepolis stellt erst Fragen zur Überwachungstechnik in Münchens neuer Fußballarena und dann fest, dass in den Wellen, die die WM06 schlägt, auch der Datenschutz untergeht:

In Bayern beaufsichtigt die Überwachungstechnologie in öffentlich zugänglichen Privaträumen die Regierung von Mittelfranken. Obwohl sich solche Räume auch in bayerischen Städten rapide ausdehnen, verfügt die Ansbacher Behörde gerade über fünf Vollzeitkräfte. Mehr als Stichproben sind deshalb nicht möglich. Undenkbar, Anlagen von der Größe des Münchner Stadions vor der Inbetriebnahme abzunehmen. Immerhin nimmt die Behörde nach längerem Hin und Her die Anfrage schließlich zum Anlass, selbst deswegen bei den Stadionbetreibern nachzufragen. Auf ihre mehrfachen schriftlichen Anfragen erhält auch sie keine Antwort. Ihr Leiter Günther Dorn erklärt, dass für diesen Fall zwar Zwangsmittel zur Verfügung stünden, die man bei einer x-beliebigen Firma auch anwenden würde. Aber im Fall der Fußballarena sieht man davon lieber ab, weil man sich angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung der Fußball-WM die Finger nicht verbrennen möchte.

WM06: Hach, ist der Rasen so schön grün...

Medienjunkie Ich war ja lange einfach nur genervt von der WM06, aber inzwischen hab ich mich damit angefreundet und mir meine kleinen Highlights rausgepickt. Nicht nur, dass man während der Übertragungen der Spiele z.B. richtig komfortabel und vollkommen ungestört von anderer Kundschaft shoppen kann, nein, dank der WM seh ich regelmäßig Interviews mit Franz Beckenbauer und Lukas Podolski – und die sind für mich mit enormem Spaßfaktor verbunden. Die beiden reden, als wären sie Parodien ihrer selbst. Beckenbauer ist zu Beginn jeder Antwort bemüht ernst, überrascht sich dann aber immer selbst mit einer Pointe und verfällt – he he – in seine typische Lachspreche, während Poldi sprechen tut, alsober ein' Original-WM-Fußball inde Backe steggnhabn tut. Vielleicht hätte er mit seinem Logopäden nicht nur Elfmeterschießen üben sollen?

Kinder und Blogger können grausam sein.

Nachtrag, 30. Juni 2006: Klose ist auch witziger als gedacht (via Webchew).

Wertlose Waren in einer digitalen Welt

KabelfreakMedienjunkieSchwarzseher In der guten alten Zeit glaubten wir noch, dass Computer und Roboter dem Menschen alle Arbeit abnehmen und ein Leben im Überfluss ermöglichen würden. Das mit dem "Arbeit abnehmen" hat für viele ja irgendwie gestimmt – auch wenn wir uns das eigentlich irgendwie anders vorgestellt hatten. Das mit dem "Leben im Überfluss" ist aber auch irgendwie schief gegangen. Klar, Tauschbörsen versorgen uns mit einem Überfluss an Medien, aber treiben uns gleichzeitig in die Kleinkriminalität, weil's in unserer ach so sozialen Gesellschaft ja verboten ist, mit Freunden oder gar mit Fremden zu teilen. Bei was darf ich meinem Nachbarn noch zur Hand gehen, ohne mich dem Vorwurf der Schwarzarbeit auszusetzen? (Und was hat es zu bedeuten, dass es einen Rechtsexperten braucht, diese rhetorische Frage zu beantworten?)

Früher konnte ich Platten oder CDs, die mir nicht (mehr) gefallen, auf Flohmärkten oder in Gebrauchtplattenläden wieder zu Geld machen. Versuch das heute mal mit Musik, die du bei einem einschlägigen Onlinehändler wie iTunes gekauft hast. Einen gefüllten iPod weiterzugeben ist in den Augen der Musikindustrie strafbar. Bei iTunes eingekaufte Songs lassen sich auf CD schreiben - aber auch nur, weil Apple das ausdrücklich erlaubt. Apple behält sich aber auch das Recht vor, das jederzeit zu ändern. Grund genug, erst mal alle iTunes-Songs auf CD zu sichern, solange es noch geht.

Das ist glücklicherweise ein Problem, das ich nicht habe: ich würde nie für ein DRM-verkrüppeltes Medium bezahlen. Ich hol mir jeden Monat ein paar CDs im Abo bei emusic (mir wären Ogg Vorbis-Dateien lieber als MP3s, aber Hauptsache kein DRM).

Nachtrag, 16. Februar 2006: Heise berichtet, dass es in den Augen der US-Musikindustrie kein "Fair Use" ist, wenn der Käufer einer CD die Musikstücke darauf auf seinen (!) MP3-Player kopiert. Und sie glauben vermutlich wirklich, dass man dem Consumer zumuten kann, Musik, die er zuhause, im Auto und beim Joggen hören will, dreimal zu kaufen. Wenn ich auf den Mainstream-Müll angewiesen wäre, was ich nicht bin, wäre das ja wieder ein Grund mehr für mich, ihn mir herzueseln statt ihn zu kaufen.

Nachtrag, 11. März 2006: Frankreich hat eine historische Chance verpasst. Schade.

Nachtrag, 11. Mai 2006: Frankreich hat eine weitere, wenn auch nicht ganz so historische Chance verpasst. Wieder schade. Ich könnte wetten, dass das Ergebnis einer Volksabstimmung anders ausgesehen hätte.

Nachtrag, 7. November 2007: Die amerikanische Baseball-Liga verhökert auf ihrer Website Videos von Baseballspielen. Jetzt hat sie ihren DRM-Anbieter gewechselt. Seither können die Kunden ihre Videos, die sie vor dem Wechsel erworben haben, nicht mehr abspielen. Mwahahahahahahaha. (via BoingBoing)