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Ackermanns Moral

Schwarzseher Das kann man nicht oft genug wiederholen:

"Wir setzen uns ehrgeizige geschäftliche Ziele. Aber alle unsere Geschäfte müssen nicht nur rechtlich, sondern auch ethisch einwandfrei sein. Davon dürfen wir keine Ausnahme dulden. Es ist besser, ein Geschäft, so finanziell lukrativ es kurzfristig erscheinen mag, nicht zu machen, wenn mittel- bis langfristig daraus beachtliche Reputationsrisiken erwachsen können." — Dr. Josef Ackermann bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank, 2011


Man muss es so oft wiederholen, bis jeder verstanden hat, dass ethisches Handeln im Kapitalismus keinen Wert an sich darstellt. Wenn eine Schweinerei wahrscheinlich nicht rauskommen wird (oder, falls sie rauskommt, von der PR-Abteilung so lange gedreht werden kann, bis man sie nicht mehr als Schweinerei erkennt, sprich: wenn das Reputationsrestrisiko managebar ist), wird auch die Deutsche Bank weiterhin gerne daran verdienen.

Ghandi ist langweilig

MedienjunkieSchwarzseher Eine soziale Bewegung, die mit friedlichen Mitteln und ohne gewalttätige Auseinandersetzungen ihr Ziel erreicht, wär das nicht was für die "gute Nachricht" am Ende des heute-journals?

Das ZDF weiß nichts von Anna Hazare

Natürlich ist es keine Top-Meldung, wenn ein Inder in einen Hungerstreik gegen Korruption tritt, selbst dann nicht, wenn es ihm Tausende gleich tun und die Regierung unter dem Druck binnen weniger Tage einlenkt, schon gar nicht in einer Zeit, in der es überall auf der Welt zu brennen scheint, aber im christlichen Regierungsfernsehen kommt sowas nicht mal in einem Nebensatz vor? (Nebenbei, auf tagesschau.de sieht es auch nicht besser aus, aber ich hab mich halt auf's CDF eingeschossen.) Schaffen es soziale Bewegungen, egal ob im eigenen Land oder sonstwo auf der Welt, grundsätzlich nur ins Fernsehen, wenn es zu Gewalt kommt? Wenn ja, warum?

Passt es nicht ins gewünschte Weltbild, wenn soziale Bewegungen die Funktion beanspruchen, die ursprünglich den Medien zugedacht war, und die Kontrolle der ersten drei Gewalten selbst übernehmen und dabei auch noch gewaltfrei zum Ziel gelangen? Muss man deshalb eine Bürgerbewegung in Deutschland als "Wutbürger" vorführen und sie lächerlich machen?

Die Bilder von dem verunglückten "Gelöbnis" der S21-Gegner habe ich bei den öffentlich-rechtlichen gefühlt zigmal gesehen — ja, die waren peinlich, aber eine neue Bewegung muss halt erst mal ihre Form finden, dabei muss sie auch experimentieren können. Bemerkenswert finde ich aber, dass das, was funktioniert, in den Medien gar nicht stattfindet. Ich empfehle übrigens, ganz nebenbei, eine YouTube-Suche nach "Georg Schramm S21".

PS: Wären da nicht Urban Priol und Erwin Pelzig, ich hätte sicher schon bessere Verwendung für die "2" auf der Fernbedienung gefunden.

Nachtrag, 14. April 2011: Stimmt, Präsi… und die "heute-show", aber in erster Linie wegen der viel zu seltenen Auftritte von Martin Sonneborn. Das Vorbild ist halt um Klassen besser und Jon Stewart gehört — zusammen mit Amy Goodman und Glenn Beck — zu meinem fast-täglichen TV-Programm.

Da versagt der ZDF-Terrorismusexperte

MedienjunkieSchwarzseher Lieber Elmar Theveßen,

sicher hätten Sie darüber berichtet, wenn Osama bin Laden irgendwo auf der Welt vor Gericht gestellt und freigesprochen worden wäre?

Das ZDF weiß nichts von Luis Posada Carriles

"Mit dem Zweiten sieht man besser", wenn man auf einem Auge blind ist?

Na, vielleicht tue ich Ihnen Unrecht. Vielleicht sind Sie zwar ZDF-Terrorismusexperte, aber nicht ZDF-Staatsterrorismusexperte?

Nachtrag: Percy bittet (Percy, alter Schwede, lange nix von dir gehört! Grüße nach SB!):
Wenn Du jetzt noch einen Link hättest damit auch ich weiß worum es geht bzw. wer der nette Herr Carriles ist und warum ihn das ZDF nicht kennt aber kennen sollte, das wäre nett.


Aber gern doch. Luis Posada Carriles ist ein Exil-Kubaner, Castro-Hasser, Ex-CIA-Agent und über Jahrzehnte hinweg einer der erfolgreichsten Terroristen, u.a. verantwortlich für den Bombenanschlag auf Cubana-Flug 455, bei dem 73 Menschen starben, eine Serie von Bombenanschlägen auf Hotels und Nachtclubs in Havana und (mindestens) einen Versuch eines Attentats auf Fidel Castro.

Der stand gerade wegen einer Reihe kleinerer Vergehen vor einem US-Gericht, im Rahmen der monatelangen Verhandlung wurden massenhaft Beweise vorgelegt, dann zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück und entschieden binnen drei Stunden (!) auf Freispruch. Eine Anklage wegen seiner Attentate steht gar nicht zur Debatte — möglicherweise, weil sie teilweise von der CIA veranlasst oder zumindest geduldet wurden? Kuba und Venezuela bitten um Auslieferung, aber ausgerechnet das Land, das nicht nur ein eigenes exterritoriales Foltergefängnis (Gitmo) betreibt, sondern sich darüber hinaus auch noch fremder Folterknechte bedient hat, um sich nicht selbst die Finger schmutzig machen zu müssen (Rendition), ausgerechnet dieses Land lehnt die Auslieferung mit dem Argument ab, dass Carriles in Kuba und Venezuela Folter drohe.

Hier der Bericht von Democracy Now aus der Sendung von Montag:



Lt. Google News gibt es im gesamten deutschen Mainstream darüber einen einzigen Artikel.

Schnipsel: Fukushima, Libyen, Aristide

MedienjunkieSchwarzseher Schade, dass Mutationen im echten Leben eher unangenehm sind. Sonst könnte man sich wenigstens auf ein Japan voller Superhelden freuen, die dann nach und nach ihre Kräfte entdecken, dann einzeln an ihre Grenzen stoßen und sich schließlich zusammenraufen und Godzilla vereint zurück ins verstrahlte Meer treiben.

Ob TEPCO sich BP als Vorbild nimmt?
  • Man präsentiert im Wochentakt neue, spektakuläre Rettungspläne ("Hot Tap", "Top Hat", "Top Kill" usw. / Hubschrauber, Wasserwerfer, Feuerwehrautos usw.), die wenig bringen oder gänzlich scheitern, um die Zeit zu überbrücken, bis eine ordentliche "Liquidierung" möglich ist (oder endlich eine neue Katastrophe bzw. der nächste koksende Schauspieler die Aufmerksamkeit der Massen fesselt).
  • Man bietet frühzeitig Entschädigungen an und lässt die Leute unterschreiben, dass sie a) nicht mit den Medien reden und b) nicht klagen werden, wenn die Spätschäden auftreten.
  • Man heuert Leute, die wegen der Katastrophe eh kein Einkommen mehr haben, für die Drecksarbeit an und lässt sie mit unzulänglicher Schutzkleidung den Dreck aufklauben (natürlich mit einer Klausel im Vertrag, die sie zum Schweigen verpflichtet und den Auftraggeber von jeglicher Haftung entbindet).


In Bahrain und ähnlichen Ländern ist es egal, wenn der Diktator auf sein Volk schießen lässt; in Libyen muss man gegen den "Mad Dog" sofort mit High-Tech-Krieg durchgreifen. In Bahrain hat Chevron (kannte man bei uns früher als Texaco) schon den Fuß dick in der Tür; in Libyen liegen, größtenteils unerschlossen, die neuntgrößten Ölvorräte der Welt. Verstaatlicht. Honi soit qui mal y pense.

Oil reserves in Libya are the largest in Africa and the ninth largest in the world with 41.5 billion barrels (6.60×109 m3) as of 2007. Oil production was 1.8 million barrels per day (290×103 m3/d) as of 2006, giving Libya 63 years of reserves at current production rates if no new reserves were to be found. Libya is considered a highly attractive oil area due to its low cost of oil production (as low as $1 per barrel at some fields), and proximity to European markets. Libya would like to increase production from 1.8 Mbbl/d (290×103 m3/d) in 2006 to 3 Mbbl/d (480×103 m3/d) by 2010–13 but with existing oil fields undergoing a 7–8% decline rate, Libya's challenge is maintaining production at mature fields, while finding and developing new oil fields. Most of Libya remains unexplored as a result of past sanctions and disagreements with foreign oil companies. (Wikipedia, Hervorhebungen von mir)


Der Gaddafi hat sich wohl nicht von den Economic Hit Men kaufen lassen, drum muss er jetzt weg, damit jemand ran kommt, mit dem man leichter verhandeln kann. Das kann man ja auch keinem Industriestaat verübeln, Öl wird schließlich knapp und der Chinese steht vor der Tür und will Auto fahren.

Jean-Bertrand Aristide ist wieder in Haiti. Das ehemalige Nachrichtenmagazin bezeichnet ihn als "Despoten", der deutsche Wikipedia-Artikel ist sehr "kritisch" (so sehr, dass ich mich weigere, ihn zu verlinken), der ausführlichere, englische Wikipedia-Artikel scheint mir weniger einseitig und lässt auch eine Interpretation zu, die in mein Weltbild passt. Zu meinem Weltbild gehört die naive Hoffnung, dass nicht jeder, der sich für die Interessen der Schwachen einsetzt, mit der Annahme eines politischen Amtes automatisch zu einem Stalin (in der 20-Millionen-Opfer-Variante) wird. Das gilt dann auch erst mal für einen Befreiungstheologen, der behauptet, dass er zweimal mit Unterstützung der USA aus dem Amt geputscht wurde — das find ich durchaus plausibel; ich kann nachvollziehen, dass es dem Amerikaner an und für sich nicht so toll passt, wenn jemand den Armen erzählt, dass sie sowas wie Menschenrechte haben. Das könnte sich ja rumsprechen. Das kennen wir ja schon aus Lateinamerika.

In Haiti finden gerade Wahlen statt. Die Bewegung von Aristide, die vielleicht mit 60-70% der Stimmen hätte rechnen können, wurde gar nicht erst zur Wahl zugelassen. Natürlich wäre ein Aufstand in Haiti etwas ganz anderes als in Ägypten oder Libyen. In Haiti wären die Akteure ja nicht die vernetzte Mittelschichtsjugend, sondern die Lehmkeksfresser. Das wäre dann auch keine "Demokratiebewegung" oder ein "Befreiungskampf", sondern "Chaos, Krawall und Bandenkrieg". "Menschenmassen, die gegen ein Regime demonstrieren," würden zum "Mob, der Regierungsgebäude belagert." Und unsere transatlantischen Freunde, die weltweit die Demokratie verteidigen und glücklicherweise eh schon vor Ort sind, würden den (von 30%) demokratisch gewählten Präsidenten "by all means" vor den "insurgents" schützen.

Nachtrag, 22. April 2011: 23% Wahlbeteiligung, der gewählte Präsident bekam 67% der Stimmen. Netto also 15%.

Zeitkapsel: Frühe Worte des Bundeskanzlers, Teil 4

MedienjunkieSchwarzseher Aus einer Stellungnahme von Doktor Karl Theodor Maria Nikolaus Xerox Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester (soviel Zeit muss sein) Freiherr von und zu Guttenberg:

Meine, von mir verfasste, Dissertation ist kein Plagiat. Ich werfe… diesen… Können wir nochmal? Ist das live gewesen jetzt gerade? Nein? Okay, tschuldigung. Is… is möglich, oder? War nicht live? Okay. Gut. Okay. Also…


Nachtrag, 1. März 2011: Und #guttbye... bis zum Comeback.