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Ökoterroristen (mit Nachträgen)

Schwarzseher Liebes Tagebuch,

wieso erschreckt es mich immer wieder, wenn meine Befürchtungen zur Realität werden? Als im Zuge des "Kriegs gegen den Terrorismus" die Bürgerrechte abgebaut und dafür die Kompetenzen der Sicherheitsorgane erweitert wurden, war mir doch schon klar, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis immer mehr unliebsame Individuen zu Terroristen erklärt werden. Jetzt krieg ich mit, dass es längst soweit ist und bin dennoch überrascht und entsetzt.

Aus dem aktuellen "EU Terrorism Situation and Trend Report" von Europol (z.Zt. hier zu finden):





Die einen nennen es "Single Issue Terrorism", die anderen "Notwehr". Ist es nur eine Frage der Zeit, bis Portugals Beispiel Schule macht und die europäischen Länder Greenpeace und Robin Wood als terroristische Vereinigung ächten? Schließlich schrecken beide nicht vor Sachbeschädigung zurück, um ihre politischen Ziele durchzusetzen, entsprechen also eindeutig der Definition. Der Dauerauftrag an Greenpeace fiele dann unter §129a StGB, Unterstützung einer terroristischen Vereinigung.

Nachtrag, 31. Mai 2008: Wenn's nicht die Vorboten des noch kommenden Wahnsinns wären, müsste man grinsen: im Rahmen des Antiterrorkampfs sind im Flugverkehr inzwischen auch Schmuckstücke geächtet, in diesem Fall ein kleiner Silberanhänger in Form eines Revolvers (man kann ja nicht wissen, ob so'n winziger Revolver nicht auch winzige Kugeln verschießt). Ein T-Shirt kann auch eine Gefährdung darstellen, wenn darauf ein Transformer mit einer Waffe in der Hand abgebildet ist.

Quelle: Boing Boing


Wenn solche Deppen die Kontrollen durchführen, müssen wir uns ja keine Gedanken über verschärfte Sicherheitsgesetze machen... oder sollen wir genau das glauben?

Nachtrag, 30. Juni 2008: Telepolis kommentierte schon Anfang Mai (hab ich aber jetzt erst gesehen) und jetzt sind die Ökoterroristen in Deutschland am Werk:

Anfang der Woche sind auf der gesamten Fläche des Monsanto-Versuchsfeldes in Ramin bei Löcknitz die Maispflanzen einer Halmverkürzungsmaßnahme zum Opfer gefallen.

Die 3000m² (0,3ha) große Fläche war für Versuche mit einer gentechnisch veränderten "herbizidtoleranten" Sorte des Konzerns Monsanto gedacht. Doch selbst geringen mechanischen Belastungen hielten die Pflanzen nicht stand. Damit ist einer der zwei Versuche mit dieser gentechnisch veränderten Maissorte in Mecklenburg-Vorpommern gescheitert.


Nachtrag, 5. Juli 2008: Die bösen Terroristen haben schon wieder zugeschlagen. Zur Dokumentation ein Auszug aus dem Bekennerschreiben des "Kommando Biene Maja":

Wir haben in der Nacht zum 4. Juli ca. 5000m² der Genmaisversuchsfläche in Rheinstetten-Forcheim zerstört. Einen Teil davon haben wir plattgetramelt, der andere Teil ist so beschädigt, dass er nicht mehr weiter wachsen kann. Die Pflanzen können keine Kolben mehr ausbilden. Damit ist der Versuch gescheitert. […]

Saatgutkonzerne wie Monsanto machen mit der Gentechnik die Bauern weltweit von sich und ihren Produkten abhängig. Sie gefährden damit sowohl die Welternährung als auch die biologische Artenvielfalt. Das LTZ und der dafür zuständige Landwirtschaftsminister Hauk machen sich mit den Genversuchen in Rheinstetten zu Helfershelfern der Gentechnikkonzerne. Sie missachten den Willen der Bevölkerung, die Gentechnik in der Landwirtschaft mit grosser Mehrheit ablehnt.


Die arte-Dokumentation "Monsanto — Mit Gift und Genen" ist z.Zt. bei Google Video zu finden.

Nachtrag, 29. August 2008: Mehr zu den portugiesischen Ökoterroristen bei annalist.

Nachtrag, 11. November 2008: Mehr im Duckhome.