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Überragender Erfolg von Sony

KabelfreakSpielkind Wenn die fortwährende Weiterentwicklung eines MMOGs aufgegeben wurde (oder nur noch halbherzig betrieben wird) und es daher am Ende seines Lebenszyklus angekommen ist (sprich: wenn die Mehrzahl der User es verlassen hat, weil es langweilig wurde), ist es durchaus sinnvoll, die Zahl der Server zu reduzieren, damit die verbliebenen Spieler nicht durch überwiegend leere Spielwelten rennen müssen.

Was dabei heraus kommt, wenn jede Kommunikation mit den Kunden durch die Marketingabteilung muss, demonstriert Sony mit einer Mail, die versucht, sogar den langsamen Tod von SWG noch als Erfolg zu verkaufen:

Dear Star Wars Galaxies™ Account Holder,

Due to the overwhelming success of the recent Free Character Transfer Service, we want to inform you that on October 15, 2009, at 5:00 PM PDT, Sony Online Entertainment (SOE) will close the following 12 Star Wars Galaxies servers: […]


"Weil das Abschalten von einem Dutzend Server beim letzten Mal ein solch überragender Erfolg war, schalten wir jetzt das nächste Dutzend ab." — Kommen Marketingmenschen gar nicht auf den Gedanken, dass das ein bisschen albern wirkt?

Onlineshopping leicht gemacht: Scheiß doch auf Sicherheit! (mit Nachtrag)

KabelfreakMedienjunkie Nach einigen Jahren Abstinenz hab ich eben, nach einer DVD von Magnolia Pictures fahndend, einen kanadischen Webshop (dvdboxoffice.com) besucht, bei dem ich früher mal aufgrund seiner kundenfreundlichen Geschäftspraktiken sehr gern bestellt hab: die DVDs kamen versandkostenfrei und per Remailing aus der EU, was mir das umständliche Rumgefuddel mit dem Zoll ersparte.

Die gesuchte DVD (interessanterweise eine Dokumentation über die Machenschaften von Kreditkartenfirmen, "Maxed Out") war im Angebot, mein vergessenes Passwort bekam ich nach Eingabe meiner Mailadresse binnen Sekunden zugeschickt, ich gab meine aktuellen Kreditkartendaten ein und bestellte. Dann wollte ich mein Passwort wechseln, aber ich fand im neuen, bunten Webshopsystem keine entsprechende Funktion.

Auf Anfrage teilte mir der Kundenservice mit, dass ich mein Passwort nicht selbst ändern könne — ich solle mein gewünschtes neues Passwort doch einfach per Mail an den Service schicken, es würde dann für mich geändert. Das war fischig genug, um bei mir das Bedürfnis zu wecken, meine Kreditkarteninformationen in diesem Laden nicht permanent gespeichert zu sehen. Natürlich war es nicht möglich, die einmal eingebenen Daten selbst zu löschen.

Misstrauisch, wie ich nun mal bin, ging ich mal testweise einen weiteren Bestellvorgang durch und kam bis zur Meldung "Click to complete your order", ohne dass ich nach dem CVV2 gefragt wurde, dem "Sicherheitscode", der, zumindest nach den Richtlinien der Kreditkarteninstitute, zur Sicherheit des Kunden eben nicht gespeichert werden soll.

Will ich, dass jeder, der die unverschlüsselte Mail mit meinem Passwort einsehen konnte, bei diesem Laden auf meine Kosten DVDs, Spiele oder auch 'ne PS3 bestellt? Das war für mich Paranoiker Grund genug, die Karte präventiv sperren zu lassen. Meine Bank und den Kreditkartensperrdienst haben die genauen Umstände nicht interessiert, die heften den Kartentausch einfach unter "Missbrauchsverdacht" ab und schicken mir binnen einiger Tage 'ne frische Karte.

Ich hab die Kreditkartengesellschaft auch mal direkt angeschrieben — ein Kontaktformular kann man sich auf der deutschen MasterCard-Seite leider nicht leisten, drum hab ich mich an die Mailadresse gewandt, die im Impressum versteckt war. Mal sehen, ob und wo Mail an "frankfurt@mastercard.com" ankommt und ob die Sicherheitsbemühungen der Kreditkartenhaie bloße Augenwischerei sind oder ob sie ihre selbst festgesetzten Sicherheitsregeln auch tatsächlich durchsetzen.

Ja, natürlich kann ich mir das auch selbst beantworten: der Payment Card Industry Data Security Standard (PCI DSS, verlinkt im Wikipedia-Eintrag zu CVV2) untersagt die Speicherung des Sicherheitscodes ausdrücklich, aber trotzdem muss ich ihn bei Blizzard nicht jeden Monat frisch eingeben, obwohl ich monatlich für WoW zahle. QED.

Nachtrag, 22. Februar 2008: (zu Franks Hinweis, wie sorglos er mit seiner Kreditkarte umgeht) Ich benutze meine Kreditkarte ausschließlich im Internet, ich hab sie ja extra dafür angeschafft. Im echten Leben bezahle ich, wenn irgend möglich, in bar, in Notfällen mit der EC-Karte — wobei ich dabei schon ein maues Gefühl habe: die modernen Kassen- und Warenwirtschaftssysteme sammeln so schon genug Informationen über mein Einkaufsverhalten, diese Daten müssen nicht auch noch personalisiert werden.

Wenn ich mal das gute, alte "Juden im Dritten Reich verstecken"-Beispiel heranziehen darf: falls ich nach der Revolution zu der Gruppe von Menschen gehöre, die aus Mitgefühl einem Manager eines DAX-Unternehmens in ihrem Keller Asyl gewähren, wäre es schade, wenn die Behörden das bloß durch Abgleich von Lebensmitteleinkäufen feststellen könnten. Solange man sich nicht schon durch die bloße Benutzung von Bargeld verdächtig macht, verzichte ich gern darauf, aktiv zur Sammlung von Daten über mich beizutragen...

Hmmm, ja, okay, das ist etwas schizophren, da die postrevolutionären Sicherheitsbehörden ja bloß nach "DAX-Manager im Keller" googeln müssten, um mich zu finden... aber dass ich paranoid bin, heißt ja noch lange nicht, dass ich nicht auch schizophren sein darf.

MasterCard hat übrigens sehr freundlich und kompetent geantwortet und das Fehlen eines Kontaktformulars damit erklärt, dass der Ansprechpartner des Kunden in den meisten Fällen die kartenausgebende Bank, bzw. der als "Karteninhaberservice" oder "Kundenservice" auftretende "Prozessor" ist. Zum Speichern des CVV2 schreibt das "MasterCard Europe Team":

Die Abfrage der Kartenprüfnummer erhöht die Sicherheit von sogenannten "card-not-present" Kreditkartentransaktionen. In der Tat fordert MasterCard von den Akzeptanzstellen, dass diese die Kartenprüfnummer nicht speichern dürfen. Die Kartenprüfnummer ist jedoch kein geheimes Sicherheitsmerkmal wie die PIN, welches vom Karteninhaber vertraulich zu halten ist und hat somit auch keinen Einfluss auf Ihre Rückbelastungsrechte als Kunde im Falle von Kreditkartenmißbrauch.


Sprich: den CVV2 im Rahmen einer Transaktion auf einer Webseite einzugeben gilt an sich noch nicht als Verletzung der Sorgfaltspflicht, man muss als Kunde also nicht schon aus Prinzip in vollem Umfang für daraus folgenden Missbrauch haften, sondern die Haftung beschränkt sich auf die übliche "Selbstbeteiligung" (in meinem Fall €50 pro Missbrauch).

Das hätte ich auch nicht anders erwartet, die Aussage lässt aber offen, wie es sich mit der Haftung des Kunden verhält, wenn eine "Akzeptanzstelle" (also z.B. ein Onlineshop, der Kartenzahlung akzeptiert) den CVV2 — entgegen der Vorgaben der Kreditkartenunternehmen — speichert, die Daten in falsche Hände geraten und so Missbrauch stattfinden kann, der ohne CVV2 nicht möglich gewesen wäre.

Hafte ich dann für jeden Missbrauchsfall mit €50 bis sie mir auf dem Kontoauszug auffallen? Bis dahin könnte sich ja schon einiges an Transaktionen angesammelt haben...

Spiel-Account abgelaufen

Spielkind
Mit dieser E-Mail mchten wir Sie darber informieren, dass Ihre Richard Garriott's Tabula Rasa Europa- Gratistest fr Account XXXXX abgelaufen ist. Sie knnen sich deshalb nicht mehr in das
Spiel einloggen, bis Sie sich fr Richard Garriott's Tabula Rasa Europa einen Seriennummerncode der Vollversion gekauft haben.

Ich hatte einen Drei-Tage-Testkey für Tabula Rasa, das neue SF-MMOG von Lord British. Nach der Aktivierung des Accounts erhielt ich den Downloadlink.

Den ersten Tag verbrachte ich damit, den Client zu saugen, ihn nach einem CRC-Error bei der Installation erneut zu saugen, zu installieren und zu patchen. Die verbliebene Zeit reichte für einen kurzen Blick in die Tutorialzone.

Den zweiten Tag verbrachte ich damit, meinen Char in der Anfängerzone auf 6 zu leveln. Das war in der Tat ganz nett. Okay... ein bisschen laggy... ein bisschen zu viel schlechte Stimmung und Rumgenöhle im Chat... ein bisschen zu anspruchsvoll für meinen Rechner (höchstens 30 fps bei runtergedrehter Auflösung, was auf einem TFT halt immer besonders Scheiße aussieht)... und ein bisschen seltsam lokalisiert.

Am dritten Tag hatte ich keine Zeit zum Spielen.

Jetzt ist mein Testkey abgelaufen. Schade eigentlich. Hätte ich etwas länger reingucken können, hätte ich vielleicht feststellen können, ob das Spiel was für mich ist. Hätte man mir eine Woche oder länger gegeben, hätte ich vielleicht mehr der Qualitäten des Spiels entdeckt oder nette Leute getroffen. So lautet mein Fazit: ein Drei-Tage-Testkey, von dem ein Tag eh für den arschlahmen Monsterdownload drauf geht, ist für die Katz.

Wenn ich dann noch eine Hinweismail mit verstümmelten Umlauten (wegen fehlender MIME-Header) und Deppenapostroph bekomme, deutet das für mich darauf hin, dass der Hersteller keine funktionierende deutschsprachige QA hat — und da ich die beste Lebensgefährtin von allen gerne in meine MMOGs importiere, und sie sich wohler fühlt, wenn ihr Client lokalisiert ist, könnte sowas zum Problem werden.

Nebenbei: Wieso kommt ein MMOG-Hersteller eigentlich auf die Idee, mir vorzuschreiben, dass ich den Client "nur auf EINEM Computer" installieren darf? Die Hervorhebung stammt aus den Lizenzbestimmungen von NCsoft, die man bei der Installation annehmen muss. Gerade bei einem Online-Spiel, bei dem man eh serverseitig sicherstellt, dass ein Account nicht gleichzeitig von zwei Rechnern aus benutzt werden kann, ist das in meinen Augen eine überflüssige Schikane. Vielleicht würde ich ja gerne auf dem (deutlich leistungsfähigeren) Wintendo der besten Lebensgefährtin von allen spielen, wenn sie arbeiten ist? Oder das Spiel auf dem Notebook mit in die Badewanne nehmen? Immerhin beherrschen die Mitarbeiter der Rechtsabteilung Cut'n'Paste, auch wenn sie noch nicht verstanden haben, was sie da genau verkaufen.

Nachtrag, 22. November 2008: Tabula Rasa macht dicht. Das ging ja flott.

So it is with regret that we must announce that Tabula Rasa will end live service on February 28, 2009.

Quo ludabo? 360, PS3 oder doch am PC?

KabelfreakSpielkind In ein paar Tagen kommt die PS3 raus. Seit Erscheinen der XBox 360 hab ich mich mit dem Gedanken getröstet, auf die überlegene Konsole zu warten. Jetzt ist es soweit und mir ist irgendwie die Lust vergangen. Für die PS3 spricht:
  • Die Architektur scheint geil zu sein.

    Man korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber mit einer Xbox 360 krieg ich einen zur Konsole abgespeckten PC von letztem Jahr (oder dem davor). [Nachtrag: ich wurde korrigiert, lt. erfahrener Xbox 360-Fanbois ist die Xbox 360 sogar noch viel geiler als die PS3, aber zumindest scheint sie tatsächlich näher an der PS3-Architektur dran zu sein als an einem PC.] Mit einer PS3 krieg ich was, was ich mir in der (theoretischen) Leistungsfähigkeit so als PC noch gar nicht zusammenstellen kann.

    Ah, Kutaragi-san's architecture...seven DSPs and a low-powered CPU. I don't like the PS3's architecture. First off, with Sony, programmers want to do well and want to create good software, but Kutaragi-san makes the final call and [designs] the [hardware and software] environment himself. So that's been really challenging. (Hironobu Sakaguchi, Schöpfer der "Final Fantasy"-Serie)

  • Sie ist verhältnismäßig leise (verglichen mit der Xbox 360).

Gegen die PS3 spricht (aus meiner ganz persönlichen Sicht):
  • Von der theoretischen Leistungsfähigkeit bleibt in der Praxis noch nix übrig.

    Zahlreiche der Spieletests, die ich gelesen hab, beklagen Treppchenbildung, ruckelige Darstellung und Bildwiederholraten deutlich unter 30fps, selbst bei Spielen, die auf die volle HD-Auflösung (1080p) verzichten und nur 720p darstellen können. Die Entwickler brauchen sicher noch 'ne Weile, um die Hardware zu beherrschen. Bis dahin könnte aber wieder der PC als Plattform aufgeholt haben.
  • Der Hersteller hat seine Glaubwürdigkeit und seinen guten Ruf verspielt.
    • Sony hat ein Rootkit auf Audio-CDs gepackt und das nachträglich verteidigt und runtergespielt.
    • Ich hab inzwischen die zweite PS2 und auch die muckt schon bei manchen Spielen rum — die in meinen Geräten verbauten DVD-Laufwerke sind wohl einfach nicht konsolentauglich und dank entsprechender Ersatzteilpreise lohnt sich ein Austausch nach der Garantiezeit nicht mehr.
    • Auch als SWG-Spieler (Star Wars Galaxies ist ein Produkt von Sony Online Entertainment) hab ich diverse Male feststellen dürfen, in welcher Form und wie häufig Sony auf seine Kunden scheißt (nach drei Jahren kostenpflichtigem Dienst fühlt es sich immer noch wie ein Betatest an).
  • An der Reihenfolge der Einführung der PS3 ist deutlich sichtbar, welche Priorität der europäische Markt bei Sony genießt. Als Europäer bin ich unter allen angeschissenen Kunden derjenige, auf den die Haufen aus der größten Höhe fallen.
  • Mit der PS3 kommt wohl über kurz oder lang auch das Bedürfnis nach einer angemessenen, gestochen scharfen Darstellung auf einem HD-Fernseher.

    Am PC hab ich schon seit Jahren HD-Monitore. Zwei meiner LCD-Displays haben sogar DVI, aber weil die schon drei Jahre alt sind, verfügen sie noch nicht über den DVI-Kopierschutz HDCP.

    Monitore ohne HDCP lassen sich nicht digital über DVI an die Playstation 3 anschließen, selbst wenn man keine Blu-Ray-Filme schauen möchte. Der Bildschirm bleibt schwarz. (c't Special Playstation 3)


    Mein Beamer kann auch höhere Auflösungen, aber der ist ja auch schon zwei Jahre alt, also wird das mit der PS3 auch nicht tun. Und jetzt erzähl mir nochmal jemand, dass ich als Kunde nicht unter der Paranoia der Medienkonzerne leide.

    Aus Nordamerika, wo die PS3 ja schon ein paar Monate im (schleppenden) Verkauf ist, berichtet man von HDCP-Problemen (z.B. Dauerblinken) zwischen der PS3 und einer Reihe von TV-Modellen — natürlich behaupten sowohl Sony als auch die TV-Hersteller, HDCP jeweils richtig implementiert zu haben und der Kunde hat den Schaden.

    In der Praxis klappte die Verbindung über HDMI aufgrund von Problemen bei der HDCP-Authentifizierung bislang nicht immer reibungslos. [...] Treten hierber zwischen Zuspieler und Verstärker oder zwischen Verstärker und Display Timingprobleme auf, bleibt der Bildschirm schwarz oder zeigt [lediglich ein Rauschmuster]. Im besten Fall muss man ein HDMI-Kabel herausziehen und wieder hineinstecken (was auf Dauer schon nervig ist), bei manchen Gerätekombinationen half aber auch das nicht. (c't Special Playstation 3)


    DVDs werden von der PS3 übrigens nicht auf HD-Auflösungen hochskaliert. Andere HD-Abspielgeräte holen so das Optimum aus der vorhandenen Filmsammlung heraus. Aber, hey, die meisten meiner DVDs sind eh importierte RC1-Scheiben, die eine europäische PS3 gar nicht abspielt.

    [Audio über SPDIF] Am optischen Ausgang (SPDIF) gibt die Konsole den Sound in Dolby Digital oder DTS mit 5.1-Kanälen sowie AAC aus, als PCM-Strom ist Stereo möglich. Mehr gibt diese Schnittstelle nicht her. Das bedeutet, dass man beim Neukauf eines A/V-Receivers sehr genau auf die unterstützten Formate achten sollte.

    [Audio über HDMI] Ein Nachteil der PCM-Übertragung soll hier nicht verschwiegen werden: Die sechskanalige PCM-Übertragung der neuen Formate zum A/V-Receiver läuft in der Praxis keineswegs immer einwandfrei, wie auch Anwender in einschlägigen Foren zu berichten wissen.

    Die PS3 besitzt als eines der ersten Geräte einen HDMI-1.3-Ausgang: damit der Audio/Video-Verstärker den Bitstream auch wirklich verarbeiten kann, muss er seinerseits aber natürlich einen HDMI-Eingang nach dem Standard 1.3 besitzen. Solche Geräte sind bislang jedoch Mangelware. (c't Special Playstation 3)


    Das Blu-Ray-Laufwerk ist also für mich kein Kaufgrund, nicht bevor der öffentliche Betatest von HDCP abgeschlossen ist (also vielleicht mit der nächsten oder übernächsten Hardwaregeneration) und der HD-Formatkrieg entschieden ist und sich herauskristallisiert, für welches HD-Format es auf Dauer mehr Content gibt.

    Wenn sich die Hersteller nicht auf einen einheitlichen Standard einigen können, geht das auf ihre Kosten. Damals, als der Heimvideo-Formatkrieg tobte, hat die Mama geduldig gewartet, bis es in den Läden nur noch VHS-Recorder gab, während die Early Adopter mit ihren Betamax- und Video2000-Recordern angeschmiert waren. Bezeichnenderweise wurde Betamax von Sony entwickelt. Genau wie MiniDisc oder ATRAC. Aus diesen Beispielen könnte man ableiten, dass Sony kein glückliches Händchen hat, wenn es darum geht, Standards im (Fast-)Alleingang durchzusetzen.

  • Die PS3 emuliert die PS2 in Software und unterstützt damit zur Zeit nur einen Bruchteil der verfügbaren Spiele... während in Japan und Nordamerika noch eine PS3 verkauft wird, die mit Hilfe von Hardware fast alle ("97,5%") PS2-Titel abspielen kann.

    Nun hab ich zugegebenermaßen auf der PS2 nur ein einziges PS1-Spiel gezockt: Front Mission — und dafür hätte ich auch die PS1 nochmal rausgekramt.

    Aber zum einen wird es meine PS2 wohl nicht mehr lange machen und zum anderen ist, wie ein Kollege anmerkte, der Platz im Multimediamöbel eine knappe Resource. Die "Emotion Engine", die Sony sich für Europa spart, wäre für mich vermutlich ein Kaufargument gewesen, wenn die PS2 abraucht... aber so werde ich in der Situation wohl eher ein paar Euro in eine gebrauchte PS2 investieren oder halt abwarten, bis es eine PS2-Emulation für PCs gibt. Länger als ein paar Jahre kann das ja auch nicht mehr dauern.

  • Sony wird Micropayment für Game-Level, Game-Features und In-Game-Items pushen.

    Ich hab ein Problem mit Micropayment, keine Ahnung, ob ich damit allein bin.

    Wenn ich etwas kaufe, insbesondere wenn es etwas teures ist, lasse ich mir mit der Kaufentscheidung gerne Zeit, dann macht mir der Kauf ein warmes, weiches Gefühl im Bauch — ich bin halt zum Konsumenten erzogen — und wenn ich dann mit der Zeit feststelle, dass der gekaufte Artikel sein Geld wirklich wert war, gibt mir das bei seiner Benutzung schon eine gewisse Befriedigung.

    Bei Micropayment funktioniert dieser Mechanismus für mich nicht.

    Unterhalb eines gewissen Betrags macht mir eine lange Entscheidungsphase keinen Spaß und wenn ich mich schnell entscheide, bezahle ich zu oft für unnötigen Kleinkram, der mir dann auch nach dem Kauf keinerlei Befriedigung bereitet.

    Wenn ich zocke, will ich zocken. Ich will mir im Kleiderladen von Grand Theft Auto IV keine Sekunde lang Gedanken drüber machen, was mich irgendein Kleidungsstück in Echtgeld kostet. Wenn ich in-game shoppen will, dann ausschließlich mit virtueller Währung — und die sollte möglichst nicht in Echtgeld umrechenbar sein (Second Life würde ich selbst mit der Kneifzange nicht mehr anfassen).

    Und wenn ich mit Geld spielen will, dann geh ich pokern, da kann ich nämlich für meinen Einsatz auch was gewinnen.

  • Obwohl die PS3 in Japan und Nordamerika schon ein paar Monate verfügbar ist, gibt es keine Killerapplikation, kein Must-Have-Spiel.

    "Home" soll im Herbst kommen und wird als "Second Life auf der Playstation" gepriesen...

    Liebe schreibende Zunft, es ist nicht zu übersehen, dass im Moment kein Artikel über Computer oder Internet ohne eine Erwähnung des Second Life-Hypes auskommt — allerortens scherzt man darüber, dass in SL inzwischen nur noch Journalisten rumlaufen. Ich hab schon seit Jahren einen aufgrund fehlenden Interesses praktisch ungenutzten Account, kannte SL also schon, bevor es zum Hype, zur Marketingplattform und zur Designerspielwiese wurde.

    Bei aller gebotenen Skepsis gegenüber diesem Hype: es ist eine Beleidigung für SL, mit "Home" verglichen zu werden, was jedem aufgehen müsste, der einen Blick in Second Life geworfen und den "Home"-Trailer aus dem Augenwinkel gesehen hat. Aber, nee, sie schreiben das alle schön voneinander ab.

    Von den Avatar-Chats, die es bereits in rauhen Mengen gibt, unterscheidet sich SL dadurch, dass die Welt fast vollständig aus Content besteht, den die Nutzer selbst erstellt haben und dass die Nutzer diesem Content mit Hilfe einer SL-eigenen Skriptsprache Leben einhauchen können.


    Sony hat da einen gewagten Schritt rückwärts getan und einen guten, alten Avatar-Chat realisiert, wie ich ihn in den 90ern schon langweilig fand — damals, als ich noch nicht Jahrzehnte vom Durchschnittsalter der Anwesenden entfernt war — und hält es für eine besonders bemerkenswerte Leistung, dass die vorhandenen Bereiche durchgängig mit Reklame befüllt werden.

    Hurra, man kann sich im virtuellen Kino Trailer ansehen! Für die, die das in der Euphorie kurz vergessen haben: Filmtrailer und Making-Ofs sind kein "Content", sondern bloß Werbung für Kinofilme.

    Yippie, man kann seinen Avatar tootaal individuell gestalten und Kleider für ihn kaufen — die exklusiveren natürlich für Echtgeld. Man hat eine virtuelle Wohnung, die man mit Möbeln ausstatten kann — wobei es einen Grundstock für lau gibt, den Rest für Echtgeld. Genau, ich hab's nötig, in einem Videospiel damit anzugeben, was ich mir alles leisten kann. Als würde es nicht ausreichen, dass ich allein durch meine Anwesenheit demonstriere, dass es für die mit Abstand teuerste Spielekonsole gereicht hat.

    Wenn man will, kann man sich statt des Appartments auch ein Haus mieten. Genau, ich will unbedingt monatlich echtes Geld für eine virtuelle Wohnung zahlen! Und dann kauf ich mir Bilderrahmen und dekoriere mein Wohnzimmer mit animierten Porno-GIFs und streame meine Lieblingsvideobriefmarken aus YouTube auf meinen virtuellen Fernseher!

    Vielleicht könnte ich mich in Home ja mit meinen Freunden unterhalten und zum Spielen verabreden... eigentlich schade, dass keiner meiner Freunde den Kauf einer PS3 in Erwägung zieht. Und dass viele der bisher verfügbaren Spiele gar keinen oder nur einen mangelhaften Onlinemodus bieten.
  • Der neue Controller weckt keine warmen Gefühle — ich bin generell kein Fan von kabellosen Geräten, schon deshalb, weil ich grundsätzlich keine passenden Batterien hab, wenn's drauf ankommt. Korrektur: der Controller hat einen Akku, der über ein USB-Kabel aufgeladen wird — ich frage mich, ob der Akku nach einer Weile noch längere Spielsitzungen aushält... ich verbringe ja gern mal einen ganzen Tag mit einem Spiel, das mich fesselt.

    Er soll schlechter in der Hand liegen als der PS2-Vorläufer (besonders, wenn man große Hände hat) und er rumpelt nicht mehr, weil Sony sich die Zahlungen an den Inhaber der Controllerschüttelpatente sparen wollte.

    Aus unerfindlichen Gründen funktioniert das Force Feedback von PS2-Lenkrädern übrigens auch nicht mit den bisher verfügbaren PS3-Rennspielen. Wow. Hätte ich das nicht aus Testberichten erfahren, sondern erst nach dem Kauf festgestellt, wäre ich sicher ziemlich sauer geworden.
  • Der Mediaplayer hat keine native Unterstützung für die freien Ogg Vorbis-Medienformate, scheitert aber auch an WMA, AVI (DivX) und ähnlichen "Nischenformaten".

    Ob man kopiergeschützte CDs "Produkte" abspielen oder gar auf die Festplatte der PS3 rippen kann, um sie dort "komfortabel" abzuspielen (solange sich die Zahl der gespeicherten Tracks in engen Grenzen hält — für eine Navigation durch mehrere Hundert oder gar Tausend Songs ist der "X-Media-Bar" anscheinend wenig geeignet), ist natürlich reine Glückssache: manche Scheiben kann das Blu-Ray-Laufwerk lesen, andere eben nicht.

    Das Laufwerk spielt und kopiert kopiergeschützte Alben mit Cactus Data Shield (CDS) 200 und 300 sowie Copy-X problemlos, streikt jedoch bei Key2Audio, DocData und CDS 100. (c't Special Playstation 3)


    Und, ja, ich will unbedingt einen CD-Player haben, der 160-190 Watt verbraucht.
  • Linux auf der Playstation ist wohl nur ein Marketinggag: keine 2D- oder gar 3D-Beschleunigung! Na klasse, ich will auf dem Grafikmonster ganz bestimmt 'ne Linux-Textkonsole laufen lassen. Als hätte ich davon nicht schon genug. [Nachtrag: Natürlich ist man nicht auf eine Textkonsole beschränkt, das war nur eine polemische Überspitzung. An passenden DVI-mit-HDCP-Monitoren liefert die PS3 unter Linux Auflösungen bis 1920x1080... aber Sony will natürlich keine Plattform für Independent-Produktionen bieten und erlaubt keinen direkten Zugriff auf den GPU, die Darstellung läuft über einen Framebuffer.]

    Direkten Zugriff auf die Hardware hat Linux jedoch nicht, um zu verhindern, dass das Sicherheitssystem der Playstation 3 kompromittiert wird. Linux läuft daher virtualisiert und greift auf die Hardwarekomponenten nur über einen Hypervisor zu.

    Linux sieht [von der integrierten Festplatte] nur den zuvor in der Playstation 3 für "Andere Systeme" freigegebenen Bereich [festgenagelt auf 10GB, nicht mehr, nicht weniger]; an den Rest ist kein Herankommen. Quasi kastriert wurde der Zugriff auf den RSX-Grafikchip von Nvidia: Linux kann nur in den Frambuffer schreiben. Die Hardwarebschleunigung der GPU lässt sich daher weder für 2D, 3D, Video noch für OpenGL nutzen, was grafisch ansprechende Spiele ausschließt und bei der Wiedergabe hochauflösender Videos schon mal zum Flaschenhals wird. (c't Special Playstation 3)


    D.h. für Spiele ist Linux auf der PS3 mangels Grafikperformance nicht zu gebrauchen! Bizarr, oder? Als Mediaplayer mangels Plattenplatz auch nicht, sofern man sich keine USB-Festplatte dranstecken will.

    Aber vielleicht als Zweit-PC zum Surfen im Wohnzimmer? Leider kommt man in der echten Welt nicht ohne die Unterstützung proprietärer Formate aus. Beispiel: Flash. Sehr viele Websites basieren zum Teil oder ganz auf Flash (und zwar gerne auf der jeweils neusten Version). Schon auf i386 hinkt Macromedia mit Plugins für Linux gerne monatelang hinterher, für PPC bieten sie gar kein Plugin an. Surfen wird unter Linux also auch erst mal keinen Spaß machen.
  • €600... plus Spiele... plus HD-Fernseher oder -Beamer. Da müssen die Preise erst noch ein bisschen purzeln.
  • Der Hersteller Sony ist einer der bösen Medienkonzerne. Man mag argumentieren, dass SOE und SCEI / SCEE ja ganz andere Abteilungen sind als Sony BMG oder Sony Pictures... nichtsdestotrotz gefällt es mir nicht, mit jedem Euro für Sony den Lobbyismus von MPAA, RIAA und ihren internationalen Klonorganisationen zu finanzieren, der einzig darauf abzielt, meine Rechte als Konsument zu beschneiden.
  • Der Hersteller Sony ist ein multinationaler Konzern. Je größer ein Konzern, desto stärker seine politischen Einflussmöglichkeiten, die keinerlei demokratischer Kontrolle unterliegen.

Einige dieser Gründe sprechen gleichermaßen gegen die Xbox 360, aber die kostet deutlich weniger und der Onlinemodus soll rocken. Für die Wii bin ich wohl nicht die richtige Zielgruppe, ich spiel lieber mit meinem Arsch auf dem Sofa und ohne dabei mehr oder weniger wild mit den Armen zu wedeln. Ein neuer Spiele-PC irgendwann nächstes Jahr ist vielleicht das kleinste Übel.

[16.-18. März 2007: Erweitert um Infos aus dem "c't Special Playstation 3"]

Nachtrag, 19. März 2007: Noch ein Punkt... wenn sich die Hardliner in Deutschland mit ihrer Killerspielgesetzgebung durchsetzen — wer sollte sie aufhalten? — steh ich mit der PS3 vielleicht plötzlich mit einer relativ kleinen Spieleauswahl da. Der Import von in Deutschland verbotenen Spielen dürfte bei PC-Versionen aus vielen Gründen einfacher sein als bei einer Konsole.