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Ghandi ist langweilig

MedienjunkieSchwarzseher Eine soziale Bewegung, die mit friedlichen Mitteln und ohne gewalttätige Auseinandersetzungen ihr Ziel erreicht, wär das nicht was für die "gute Nachricht" am Ende des heute-journals?

Das ZDF weiß nichts von Anna Hazare

Natürlich ist es keine Top-Meldung, wenn ein Inder in einen Hungerstreik gegen Korruption tritt, selbst dann nicht, wenn es ihm Tausende gleich tun und die Regierung unter dem Druck binnen weniger Tage einlenkt, schon gar nicht in einer Zeit, in der es überall auf der Welt zu brennen scheint, aber im christlichen Regierungsfernsehen kommt sowas nicht mal in einem Nebensatz vor? (Nebenbei, auf tagesschau.de sieht es auch nicht besser aus, aber ich hab mich halt auf's CDF eingeschossen.) Schaffen es soziale Bewegungen, egal ob im eigenen Land oder sonstwo auf der Welt, grundsätzlich nur ins Fernsehen, wenn es zu Gewalt kommt? Wenn ja, warum?

Passt es nicht ins gewünschte Weltbild, wenn soziale Bewegungen die Funktion beanspruchen, die ursprünglich den Medien zugedacht war, und die Kontrolle der ersten drei Gewalten selbst übernehmen und dabei auch noch gewaltfrei zum Ziel gelangen? Muss man deshalb eine Bürgerbewegung in Deutschland als "Wutbürger" vorführen und sie lächerlich machen?

Die Bilder von dem verunglückten "Gelöbnis" der S21-Gegner habe ich bei den öffentlich-rechtlichen gefühlt zigmal gesehen — ja, die waren peinlich, aber eine neue Bewegung muss halt erst mal ihre Form finden, dabei muss sie auch experimentieren können. Bemerkenswert finde ich aber, dass das, was funktioniert, in den Medien gar nicht stattfindet. Ich empfehle übrigens, ganz nebenbei, eine YouTube-Suche nach "Georg Schramm S21".

PS: Wären da nicht Urban Priol und Erwin Pelzig, ich hätte sicher schon bessere Verwendung für die "2" auf der Fernbedienung gefunden.

Nachtrag, 14. April 2011: Stimmt, Präsi… und die "heute-show", aber in erster Linie wegen der viel zu seltenen Auftritte von Martin Sonneborn. Das Vorbild ist halt um Klassen besser und Jon Stewart gehört — zusammen mit Amy Goodman und Glenn Beck — zu meinem fast-täglichen TV-Programm.

Da versagt der ZDF-Terrorismusexperte

MedienjunkieSchwarzseher Lieber Elmar Theveßen,

sicher hätten Sie darüber berichtet, wenn Osama bin Laden irgendwo auf der Welt vor Gericht gestellt und freigesprochen worden wäre?

Das ZDF weiß nichts von Luis Posada Carriles

"Mit dem Zweiten sieht man besser", wenn man auf einem Auge blind ist?

Na, vielleicht tue ich Ihnen Unrecht. Vielleicht sind Sie zwar ZDF-Terrorismusexperte, aber nicht ZDF-Staatsterrorismusexperte?

Nachtrag: Percy bittet (Percy, alter Schwede, lange nix von dir gehört! Grüße nach SB!):
Wenn Du jetzt noch einen Link hättest damit auch ich weiß worum es geht bzw. wer der nette Herr Carriles ist und warum ihn das ZDF nicht kennt aber kennen sollte, das wäre nett.


Aber gern doch. Luis Posada Carriles ist ein Exil-Kubaner, Castro-Hasser, Ex-CIA-Agent und über Jahrzehnte hinweg einer der erfolgreichsten Terroristen, u.a. verantwortlich für den Bombenanschlag auf Cubana-Flug 455, bei dem 73 Menschen starben, eine Serie von Bombenanschlägen auf Hotels und Nachtclubs in Havana und (mindestens) einen Versuch eines Attentats auf Fidel Castro.

Der stand gerade wegen einer Reihe kleinerer Vergehen vor einem US-Gericht, im Rahmen der monatelangen Verhandlung wurden massenhaft Beweise vorgelegt, dann zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück und entschieden binnen drei Stunden (!) auf Freispruch. Eine Anklage wegen seiner Attentate steht gar nicht zur Debatte — möglicherweise, weil sie teilweise von der CIA veranlasst oder zumindest geduldet wurden? Kuba und Venezuela bitten um Auslieferung, aber ausgerechnet das Land, das nicht nur ein eigenes exterritoriales Foltergefängnis (Gitmo) betreibt, sondern sich darüber hinaus auch noch fremder Folterknechte bedient hat, um sich nicht selbst die Finger schmutzig machen zu müssen (Rendition), ausgerechnet dieses Land lehnt die Auslieferung mit dem Argument ab, dass Carriles in Kuba und Venezuela Folter drohe.

Hier der Bericht von Democracy Now aus der Sendung von Montag:



Lt. Google News gibt es im gesamten deutschen Mainstream darüber einen einzigen Artikel.

Tach... keine Post!

SchwarzseherSpielkind Vielen Dank für die Privatisierung unserer Infrastruktur! Dadurch wird ja alles so viel besser! Okay, natürlich hab ich keine Postfiliale mehr, sondern eine Postbankfiliale, in der es, unter anderem, auch einen Postschalter gibt, vor dem ich zwanzig Minuten Schlange stehen kann.

Natürlich hab ich auch keinen Postzusteller mehr, sondern einen DHL-Subunternehmer, so dass es natürlich niemanden mehr gibt, der sich irgendwie zuständig fühlt, wenn die Sendung, die ich auf dieser Postbankfiliale abholen sollte, nicht mehr aufzufinden ist. Aus Sicht der Post ist DHL schuld, aus Sicht von DHL die Post. Man wimmelt mich mit einer "Servicenummer" ab.

Die Callcenter-Agents, die diese Servicenummer bedienen, werden anscheinend von einem generischen Callcenter-Dienstleister eingekauft, ihre Kompetenz beschränkt sich darauf, eine Anschrift "weiter zu leiten" — darüber hinaus gehende Fragen können sie nicht beantworten, ja, sie wissen nicht mal mehr zu sagen, ob ich in dieser Angelegenheit irgendwelches Feedback erwarten kann, ob tatsächlich irgendwelche Nachforschungen stattfinden (wie der Postbankfilialmitarbeiter versicherte, vermutlich um mich schnell los zu werden, weil die Schlange immer länger wurde) oder ob meine Beschwerde doch nur in einem internen Excel-Sheet gezählt wird. Aber die Callcenter-Agents sind schon mal mindestens so schlecht gelaunt wie ich, obwohl es ja nicht ihr Päckchen ist, das irgendwo auf dem Weg zwischen DHL und Postbankfiliale verschwunden ist.

Und wo ich mich gerade aufrege: ich hab an meinem Wohnort noch keinen Geldautomaten gefunden, der mir auf dem Bildschirm oder auch nur per Aushang mitteilt, wie hoch die Gebühren für meine Abhebung ausfallen. Angeblich ist das seit 15. Januar verbindlich. Scheint sich keiner drum zu scheren.

Ach ja, Finger weg von Panasonic-Fernsehern! Aber diese Geschichte erzähle ich ein anderes Mal.

Die Kommunismuskeule im Superwahljahr

MedienjunkieSchwarzseher "Die Linke wünscht sich den Kommunismus zurück." und "Gesine Lötzsch will den Kommunismus wieder haben."



Es fällt mir schwer, zu glauben, dass ein Redakteur oder Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks so merkbefreit sein könnte, dass er auch nach drei Wochen noch nicht versteht, dass die Alternative zum real-existierenden Kapitalismus, die sich manche (oder viele? vielleicht gar alle?) Anhänger der Linken wünschen, nicht der Stalinismus ist, der als Folge und natürlich unter dem Einfluß dreier Weltkriege entstand (2x heiß, 1x kalt), und der sich nicht mal selbst als "Kommunismus" bezeichnete.

Aber es ist Wahljahr, da muss man die Lüge oft genug wiederholen, bis genügend Menschen sie glauben.

Nachtrag, 23. Januar 2011: Mehr Propaganda.

Nachtrag, 25. März 2011: Und so spricht, Monate danach, der Moderator einer Wahlsendung im SWR den Kandidaten der Linken an: "Herr Hahn, Sie wollen sozusagen allen helfen, Sie wollen einen radikalen Umbau der Wirtschaft. Ist das sozusagen der Weg in den Kommunismus, wie Ihre Parteivorsitzende Lösch (sic) ihn mal vorgeschlagen hat einzuschlagen, auszuprobieren?" Und bei der Nachfrage erläutert der Moderator dann, was er für einen radikalen Umbau der Wirtschaft hält: "Ich denke bei dem Umbau um (sic) Verstaatlichung von Energieversorgungsunternehmen, die öffentlichen Banken müssen staatlich bleiben, Sie wollen die Steuern erhöhen, das sind Punkte die ja ein radikalerer Umbau bedeuten (sic)."

Kommunale Stromversorger, Sparkassen und Landesbanken, die die ihnen ursprünglich zugedachten Aufgaben erfüllen, sind Kommunismus und das Erhöhen von Steuern ist ein radikaler Umbau der Wirtschaft! Määäh. Määäh. Privatisiert ist effizienter! Määäh. Niedrige Steuern sind gut für das Wachstum! Määäh. Wenn's dem Chef gut geht, geht's uns auch gut… Määäh. Sozial ist, was Arbeit schafft! Määäh. Wer nicht privat vorsorgt, den bestraft die Demographie! Määäh. Brückentechnologie! Entsorgungspark! Määäh. Friedenssicherungsmaßnahmen! Määäh. Protokollfehler!

In was für einer heruntergekommenen Demokratiesimulation wir bloß leben.