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Serientäter (mit Nachtrag)

Medienjunkie Ich mag Fernsehserien.

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der die wichtigste Regel für Serien zu sein schien, dass am Ende der Folge alles wieder genauso ist wie es am Anfang war. Egal ob Lassie, Flipper, Bonanza, Daktari, Raumschiff Enterprise, Rauchende Colts, Detektiv Rockford: man konnte sich darauf verlassen, dass spätestens in den letzten fünf Minuten der Resetknopf gedrückt wurde. Die Episoden ließen sich in beliebiger Reihenfolge schauen, es bestand keine Gefahr, etwas zu verpassen oder auffällige Inkonsistenzen zu bemerken. (Hat Petrocelli sein Haus jemals zu Ende gebaut?)

Charakterentwicklung und ähnliche Extras konnten wir uns damals nicht leisten. Never change a running system: konfrontiere die Zuschauer niemals mit Überraschungen, sie könnten das Interesse verlieren und auf einen der beiden (!) anderen Sender umschalten. Und wenn eine Geschichte mal wirklich nicht in vierzig Minuten zu erzählen war, gab es eine spektakuläre Doppelfolge (natürlich mit Cliffhanger). Aber bitte höchstens eine pro Staffel, mehr würde die Zuschauer überfordern.

In den frühen 80ern entdeckte ich dann Soaps: Dallas, Denver, Lindenstraße. Ganz im Gegensatz zu den eben erwähnten Serien erzählten Soaps Endlosgeschichten, was auch schon mal in die Hose gehen konnte (klassisches Beispiel: Bobby Ewing unter der Dusche, 'nuff said).

Dann kam Babylon 5.

Die große, über fünf Jahre angelegte Geschichte einer Raumstation und des galaktischen Krieges, der um sie herum tobt, wirkt inzwischen zwar recht angestaubt und litt stark unter äußeren Umständen wie einem niedrigen Budget und ständigen Kämpfen um die Verlängerung, aber verglichen mit ST:TNG, einer Serie, die noch dem alten Paradigma folgte und wie ihre Vorgängerserie unter dem "Space Anomaly of the Week"-Syndrom litt, war B5 ein Quantensprung. (Ja, ich weiß, "V" erzählte auch schon eine große Geschichte, aber man kann selbst als Medienjunkie nicht jede Serie gucken, man braucht ja auch noch Zeit für Spielfilme und Games.)

We've come a long way, baby.

Heutzutage sind folgenübergreifende Handlungsstränge ein Merkmal jeder halbwegs brauchbaren Serie, so manche erzählt nur noch eine große Geschichte pro Staffel — Jack Bauer lässt grüßen. Und, ja, ich steh dazu, dass ich das geil finde, keine Folge verpassen zu dürfen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ich überspringe ja auch in einem Roman nicht willkürlich irgendwelche Kapitel. Der Nachteil: wenn ich, wie bei Galactica, Prison Break oder Lost mittendrin das Interesse verliere, steige ich auch nicht mehr neu ein, ich hab ja zwischendurch schon zu viel verpasst. Aber die Serien, bei denen ich durchhalte (zuletzt Firefly (war ja auch einfach), The Sopranos, The Shield) machen das mehr als wett.

Was ich eigentlich sagen wollte: der Autorenstreik in den USA (und die dadurch abgerissene Versorgung mit House, M.D.) hat mich in die Verlegenheit gebracht, mir eine neue Serie suchen zu müssen — und ich hab tatsächlich was vielversprechendes entdeckt: Dexter. Michael C. Hall (der kleine Bruder aus Six Feet Under) spielt einen Serienkiller, der bei der Polizei arbeitet. Ich stecke noch in der ersten Staffel, aber ich hatte schon mein erstes Unterkiefer-auf-dem-Boden-aufschlag-Erlebnis. Genau an der Stelle hab ich mich entschieden, mal darüber zu bloggen, wie geil ich es finde, dass mir die Serien von heute solche Erlebnisse verschaffen können, die früher Spielfilmen oder Büchern vorbehalten waren. Und jetzt guck ich mir an, wie es weiter geht.

Dexter: recommended.

Nachtrag, 4. Februar 2008: Prosperos Besprechung der zweiten Dexter-Staffel kann ich mich voll anschließen.

B5:!TMoS

Medienjunkie Hach, ich find's ja so witzig, nach den Überschriften "B5:TMoS?!" (Was ist das?) und "B5:TMoS!" (Ein B5-Kinofilm!) jetzt "B5:!TMoS" verwenden zu können. Für Nicht-Programmierer: das führende Ausrufezeichen steht dabei für eine logische Verneinung und will ausdrücken, dass aus dem Plan, einen B5-basierten Kinofilm zu drehen, jetzt erst mal doch nichts wird, das sagte JMS jedenfalls vor einigen Tagen in der Newsgroup rec.arts.sf.tv.babylon5.moderated (rastb5m) (GoogleGroups-Link zum Artikel).

Ich werde jetzt keine Enttäuschung heucheln: ich gucke gerade mit der besten Lebensgefährtin von allen die fünf Staffeln der Originalserie hintereinander und wieder mal fällt mir auf, wie viele schwache Folgen die Serie auspolstern.

Die epische Geschichte ist erzählt. Lasst es gut sein.