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Das Image unserer Energieversorger ist wohl noch nicht schlecht genug

MedienjunkieSchwarzseher Der ".ausgestrahlt e.V." parodiert im Rahmen einer Aktionswoche gegen Atomkraft die Werbung, mit der uns die RWE AG überteuerten* Atomstrom als klimafreundlich verkaufen will. Das macht die RWE AG ganz, ganz traurig und sie schickt ihre Lügenbude Werbeklitsche Kreativagentur** vor, um die Verwendung des Motivs aufgrund der Verletzung ihrer Urheberrechte zu unterbinden.

Da-da-da schlägt der Streisand-Effekt mal wieder zu…


Googelt man nach "RWE", findet sich z.Zt. auf Platz 14 der Link auf "Versuchter Maulkorb für Kampagne gegen RWE-Atomstrom". Ich könnte wetten, dass die Seite bis morgen in die Top-Ten aufgestiegen ist. [Wette verloren, aber dafür ist ein kritischer Telepolis-Artikel weiter raufgerutscht.]

*Den Strom haben wir bereits bezahlt, weil der Staat die Entwicklung der Atomkraft massiv gefördert hat, und wir werden ihn noch mehrfach bezahlen, weil wir für die permanente Zwischenlagerung der Abfallprodukte aufkommen.

**Die sind so kreativ, die konnten sich sogar die dümmliche "Du bist Deutschland"-Kampagne ausdenken.

Atari macht sich zum Brot (mit Nachträgen)

Spielkind Atari ist nicht glücklich über den Test bei 4Players zur aktuellen Inkarnation von Alone in the Dark. Jörg von 4P beklagte darin unter anderem...

Wie kann man solche Sprachaufnahmen abnehmen? Und wie kann man solche Dialoge schreiben? Ich habe mich auf das große Comeback eines Klassikers gefreut und wurde herbe enttäuscht. [...] Die Steuerung ist insbesondere, aber nicht nur auf Wii fummelig, die Kamerafahrten amateurhaft und böse Clippingfehler stören eine Kulisse, die in ihren besten Momenten vernebelt gruselig, in ihren schlechtesten wie ein bewegtes Wachsfigurenkabinett wirkt. [...] Aus der versprochenen Wiedergeburt von Alone in the Dark ist trotz guter Ansätze und einiger kreativer Ideen letztlich eine Totgeburt geworden. Denn statt spannendem Survival-Horror gibt es einen undefinierbaren Action-Race-Kletter-Kuchen mit viel zu vielen, teilweise schlecht dosierten Zutaten.


In Zahlen ausgedrückt: magere 65-68% (je nach Plattform). Das war Atari wohl zu wenig. Aber diesmal reicht es dem Publisher nicht, seine Werbebuchungen auf 4P zu stornieren, Atari versucht es zusätzlich mit einer Abmahnung. Der kritische Test sei zu entfernen und eine Unterlassungsunterklärung zu unterschreiben, weil "Standards", die für "Warentests" gelten, missachtet worden seien und zum Testen wohl eine Raubkopie hergehalten haben müsse (Atari hatte 4P nach einer allzu kritischen Vorschau erst gar keine Testversion zur Verfügung gestellt).

Da kriegt wohl gerade jemand im Middle Management bei Atari Deutschland extrem kalte Füße ob seines totalen Versagens bezüglich der Lokalisierung eines ohnehin schon mittelmäßigen Spiels.

Die Antwort von 4Players:

Hallo Atari? Ihr könnt uns mal.


Hallo Atari? Mich könnt Ihr auch mal. (Oder anders: Hallo Infogrames? Man muss sich einen Namen wie "Atari" nicht nur kaufen, man muss ihn auch pflegen, sonst verliert er so sehr an Wert, dass man auch gleich bei "Infogrames" hätte bleiben können.)

Nachtrag: Krawall kommentiert. Und BooCompany. Und Nerdcore. Und der Senior Gamer erinnert an die...

anderen begleitenden Maßnahmen, wie zB. in Foren Fake-Accounts anlegen, ein Spiel hochhypen und Kritiker niederschreien, wie es seinerzeit beim Skandal um Driv3r publik wurden, als Atari der öffentlichen Meinung ein wenig nachhelfen wollte.


Nachtrag, 20. Juni 2008: Heute stellt sich heraus, dass Atari nicht nur in Deutschland mit der groben Kelle unterwegs ist, sondern mindestens auch in Norwegen und den Niederlanden: Berichte auf Kotaku und 4Players.

Nachtrag, 22. Juni 2008: Das WAZ-Nachrichtenportal DerWesten lässt beide Seiten zu Wort kommen, Atari kündigt Krisenmanagement ("Deeskalation") ab Anfang nächster Woche an, Jörg Luibl erläutert die unnachgiebige Haltung von 4Players:

Natürlich gibt es auch bei uns die Gleichzeitigkeit von einem bunten Werbebanner und einem großartigen Test zum entsprechenden Spiel; das schürt Misstrauen, und das ist nachvollziehbar. Aber wir fahren einen harten Kurs, der keine Rücksicht auf die Werbung nimmt. So etwas ist nur möglich, wenn nicht nur die Chefredaktion, sondern auch die Geschäftsführung und der Vertrieb begreifen, dass sich auf Dauer nur Qualität und Ehrlichkeit im hart umkämpften Online-Journalismus auszahlen werden. Und wer 4Players.de beobachtet, wird diese Tugenden erkennen.

Wir provozieren natürlich auch einige, die es sich über Jahre hinweg beim Geben und Nehmen in der Branche gemütlich gemacht haben: Wir reden Tacheles, also gelten wir als arrogant. Wir thematisieren die Schattenseiten dieser Branche, also wollen wir uns nur profilieren. Das hat auch viel mit dem Neid zu tun, den der Erfolg mit sich bringt. Viel wichtiger ist das positive Feedback unserer Leser und Freunde.


4Players reagiert weiterhin verschnupft. Der Streisand-Effekt entfaltet seine Wirkung (Google meldet bei einer Suche nach 'atari 4players' inzwischen über 50000 Treffer, ein Zuwachs von über 25% seit Freitag) und die Geschichte taucht in mannigfaltiger Form in meinem Feedreader auf, z.B. bei Wired, Heise, Telepolis, dem Inquirer, Slashdot, Boing Boing und — zu meinem Erstaunen — sogar bei F!XMBR, wo man mir die Illusion nehmen will, auf der Seite der Guten zu sein.

Vielleicht red ich mir das schön — ich hab als Technikclown ja keinen tieferen Einblick in die Arbeitsweise der Redaktion — aber ich habe den Eindruck, dass die 4P-Redakteure schon immer (mindestens aber seit Jörg Chefred ist) ihr Recht auf ihre Meinung verteidigt haben, dass der Chef einfach voll hinter seiner Redaktion steht (so kenn ich ihn) und dass bei freenet, dem Mutterkonzern, der Wert der eigenständigen Marke "4Players" erkannt wurde (dafür spricht, dass 4P immer noch existiert, während das Gros der Tochterfirmen und Marken aus der freenet-Gründerzeit in freenet aufging oder eingestampft wurde). Ob's vielleicht vorher schon Animositäten zwischen der Redaktion und Infogrames bzw. Atari gab, weiß ich nicht.

Dass ich als Lohnsklave meinen Arbeitgeber verteidige, ist übrigens völlig normal. Das bezeichnet man als Stockholm-Syndrom.

Nachtrag, 24. Juni 2008: SpOn. Und schließlich erklärt Atari, dass alles bloß ein Missverständnis und gar nicht so gemeint gewesen wäre. Der Spin-Doctor bei der Arbeit:

Es ist auch nicht Stil von ATARI, Werbekampagnen zu stornieren, wenn Berichterstattung kritisch ausfällt, schon gar nicht im direkten Zusammenhang, insbesondere nicht als Druckmittel.


Nachtrag, 26. Juni 2008: SZ.

Nachtrag, 29. Juli 2008: Die SZ greift das Thema nochmal auf, F!XMBR findet den Artikel bigott.

Disclosure: 4P ist bekanntermaßen mein Arbeitgeber, aber das ist hier mein privates Blog mit meiner privaten Meinung, und ich fand Ende der 80er die Amiga-Version von "North & South" ganz gut, was anderes kenn ich von Infogrames gar nicht...

Was ist eine Kaltakquise?

Schwarzseher Sie: "Schönen guten Tag, mein Name ist Daniela Lambrecht* von der Firma Versatel. Ich möchte mit Ihnen über Ihren Telefonanschluss sprechen."
Ich: "Versatel sagten Sie?"
Sie: "Ja."
Ich: "Wir haben kein bestehendes Geschäftsverhältnis, oder?"
Sie: "Nein, bisher noch nicht."
Ich: "Dann ist das eine Kaltakquise, was Sie da versuchen?"
Sie: "Was ist eine Kaltakquise?"

Heute ist wahrscheinlich ihr erster Tag in einem Callcenter.

Zur Information für Frau Lambrecht (Quelle: Wikipedia) :
Kaltakquise ist die Erstansprache eines potenziellen Kunden, zu dem bisher keine Geschäftsbeziehungen bestanden. Gegenüber Privatkunden sind so genannte Kaltanrufe in Deutschland nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verboten und dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Kunden erfolgen.

Nach meinem Rechtsverständnis (ich bin ja kein Anwalt) bedeutet das, dass jetzt jeder Mitbewerber im Kommunikationssektor Versatel für diesen Anruf bei mir abmahnen kann. Haut rein, ich mach Euch auch gerne den Zeugen.

Ich fände es allerdings schöner, wenn ich Versatel (und den vielen anderen unlauteren Wettbewerbern, die hier ständig anrufen) meine verlorene Lebenszeit selbst in Rechnung stellen könnte.

*Name höchstens versehentlich geändert oder falsch verstanden.

Nachtrag, 23. November 2007: "Unerlaubte Telefonwerbung kostet Tele2 240.000 Euro":
Pikant bei der Geschichte: Obwohl bereits mehrmals abgemahnt, belästigten Tele2-Mitarbeiter ausgerechnet den [Justiziar der Verbraucherzentrale], dessen Kontaktdaten Tele2 offenbar von einem Adresshändler gekauft hatte.

HAA-HAA!

Milliarden und Billionen

KabelfreakMedienjunkie MTV CBS Viacom verklagt YouTube Google auf 'ne läppische Milliarde? Pffft. Die sollten sich mal ein Beispiel an der RIAA nehmen, die Allofmp3 auf 1,65 Billionen verklagt hat. Also auf eintausendsechshundertfünfzig Milliarden &mdash zum Vergleich: das Bruttosozialprodukt von Russland betrug 2005 geschätzte 755 Milliarden. Der russische Onlinemusikvertrieb verkauft Songs in verschiedenen Formaten, aber immer ohne DRM, und zahlt dafür Lizenzgebühren an den falschen Verein — jedenfalls aus Sicht der RIAA. Und der Billionenbetrag errechnet sich so: 11 Millionen Songs x US$150000, weil das nach US-Recht die Obergrenze für den Schadensersatz ist, den man pro Urheberrechtsverstoß geltend machen kann. Die 160000 Viacom-Videos sollten bei diesem Kurs also eigentlich 24 Milliarden bringen?! Wieso kriegen die Russen nicht auch einen Mengenrabatt?

Der Link auf Allofmp3 geht natürlich zur Wikipedia, nicht etwa zu we-we-we Punkt allofmp3 und so weiter. Da platzt sie wieder, die Seifenblase der Meinungsfreiheit. Natürlich hab theoretisch ich die Freiheit, was nettes über Allofmp3 zu sagen, aber dann hätte die IFPI die Freiheit, mir eine gesalzene Abmahnung zuzustellen... und das Recht, das man hat, auch zu bekommen, kann sich ja in Deutschland kaum jemand leisten. Das System funktioniert.

Anfang Juli 2005 wurden Betreiber von deutschen Webseiten mit Hyperlinks auf Allofmp3 vom Bundesverband Phono, der das Angebot für illegal ansieht, abgemahnt. Bei Privatpersonen (auch mehrere Jahre alte Links einer nicht mehr gepflegten Seite sollen abgemahnt werden) wurde der Streitwert mit 75.000 € angesetzt, was zu einem geforderten Anwaltshonorar von ca. 3.800 € führte. [...] Die IFPI betrachtet neben Links zu Allofmp3 auch positive Berichterstattung als Beihilfe und damit als illegal. (Wikipedia)


Ich benutze weiter we-we-we Punkt emusic Punkt com. (Lieber kein Link... Man weiß ja nie...)

But first, [David Byrne] said, labels will have to remove their digital rights management (DRM) copyright-control technology. He said he buys most of his music online via eMusic, or obtains it illegally, due to the file constraints on files sold on iTunes. Byrne predicated that once DRM is removed, iTunes will no longer "have a monopoly," and labels will be better prepared to deal with Web sales. (Washington Post, 16. März 2007)


Die deutschen Videodienste hat Viacom übrigens auch schon auf dem Kieker.