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Auf den Punkt gebracht

MedienjunkieSchwarzseher Ich hab endlich mal wieder ein Schmankerl in der taz entdeckt:
Wir wissen spätestens seit Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008, dass wir eine globale Finanzblase haben. Deren Ursachen liegen in der virtuellen Vermehrung von Geld, das realwirtschaftlich nicht existiert. Und in der Anhäufung von Vermögen bei einem kleinen Teil der Weltbevölkerung. Es gibt Kapital, das weder verbraucht noch investiert werden kann und das dennoch profitable Anlagemöglichkeiten sucht. Es ist egal, ob dies zahlungsunfähige US-Hausbesitzer, irische Banken oder der griechische Staat sind.

Die Bevölkerung in Griechenland wird also gezwungen, den Gürtel immer enger zu schnallen, damit Zahlen im Computer von einem Konto aufs andere wandern können - für Geldwerte, die niemals bei realen Menschen zur Befriedigung realer Bedürfnisse ankommen.

Hervorhebung von mir, der Rest von Miltiadis Oulios. Danke.

Qualitätsjournalismus ftw!

Medienjunkie Mal abgesehen davon, dass die uns vermutlich längst was ins Trinkwasser tun, sonst wären wir ja nicht alle Schafe — määääh! — während um uns herum die Welt brennt, demonstriert die Welt in ihrem Bericht über "Lithium im Trinkwasser" mal wieder, wie Qualitätsjournalismus funktioniert.

Im Teaser:

"Forscher schlagen vor, dem Trinkwasser den Wirkstoff Lithium zuzusetzen"


Im Text:

"Aus diesem Grund warnen die Wissenschaftler auch davor, Lithium nun künstlich dem Trinkwasser zuzusetzen."

Ghandi ist langweilig

MedienjunkieSchwarzseher Eine soziale Bewegung, die mit friedlichen Mitteln und ohne gewalttätige Auseinandersetzungen ihr Ziel erreicht, wär das nicht was für die "gute Nachricht" am Ende des heute-journals?

Das ZDF weiß nichts von Anna Hazare

Natürlich ist es keine Top-Meldung, wenn ein Inder in einen Hungerstreik gegen Korruption tritt, selbst dann nicht, wenn es ihm Tausende gleich tun und die Regierung unter dem Druck binnen weniger Tage einlenkt, schon gar nicht in einer Zeit, in der es überall auf der Welt zu brennen scheint, aber im christlichen Regierungsfernsehen kommt sowas nicht mal in einem Nebensatz vor? (Nebenbei, auf tagesschau.de sieht es auch nicht besser aus, aber ich hab mich halt auf's CDF eingeschossen.) Schaffen es soziale Bewegungen, egal ob im eigenen Land oder sonstwo auf der Welt, grundsätzlich nur ins Fernsehen, wenn es zu Gewalt kommt? Wenn ja, warum?

Passt es nicht ins gewünschte Weltbild, wenn soziale Bewegungen die Funktion beanspruchen, die ursprünglich den Medien zugedacht war, und die Kontrolle der ersten drei Gewalten selbst übernehmen und dabei auch noch gewaltfrei zum Ziel gelangen? Muss man deshalb eine Bürgerbewegung in Deutschland als "Wutbürger" vorführen und sie lächerlich machen?

Die Bilder von dem verunglückten "Gelöbnis" der S21-Gegner habe ich bei den öffentlich-rechtlichen gefühlt zigmal gesehen — ja, die waren peinlich, aber eine neue Bewegung muss halt erst mal ihre Form finden, dabei muss sie auch experimentieren können. Bemerkenswert finde ich aber, dass das, was funktioniert, in den Medien gar nicht stattfindet. Ich empfehle übrigens, ganz nebenbei, eine YouTube-Suche nach "Georg Schramm S21".

PS: Wären da nicht Urban Priol und Erwin Pelzig, ich hätte sicher schon bessere Verwendung für die "2" auf der Fernbedienung gefunden.

Nachtrag, 14. April 2011: Stimmt, Präsi… und die "heute-show", aber in erster Linie wegen der viel zu seltenen Auftritte von Martin Sonneborn. Das Vorbild ist halt um Klassen besser und Jon Stewart gehört — zusammen mit Amy Goodman und Glenn Beck — zu meinem fast-täglichen TV-Programm.

Da versagt der ZDF-Terrorismusexperte

MedienjunkieSchwarzseher Lieber Elmar Theveßen,

sicher hätten Sie darüber berichtet, wenn Osama bin Laden irgendwo auf der Welt vor Gericht gestellt und freigesprochen worden wäre?

Das ZDF weiß nichts von Luis Posada Carriles

"Mit dem Zweiten sieht man besser", wenn man auf einem Auge blind ist?

Na, vielleicht tue ich Ihnen Unrecht. Vielleicht sind Sie zwar ZDF-Terrorismusexperte, aber nicht ZDF-Staatsterrorismusexperte?

Nachtrag: Percy bittet (Percy, alter Schwede, lange nix von dir gehört! Grüße nach SB!):
Wenn Du jetzt noch einen Link hättest damit auch ich weiß worum es geht bzw. wer der nette Herr Carriles ist und warum ihn das ZDF nicht kennt aber kennen sollte, das wäre nett.


Aber gern doch. Luis Posada Carriles ist ein Exil-Kubaner, Castro-Hasser, Ex-CIA-Agent und über Jahrzehnte hinweg einer der erfolgreichsten Terroristen, u.a. verantwortlich für den Bombenanschlag auf Cubana-Flug 455, bei dem 73 Menschen starben, eine Serie von Bombenanschlägen auf Hotels und Nachtclubs in Havana und (mindestens) einen Versuch eines Attentats auf Fidel Castro.

Der stand gerade wegen einer Reihe kleinerer Vergehen vor einem US-Gericht, im Rahmen der monatelangen Verhandlung wurden massenhaft Beweise vorgelegt, dann zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück und entschieden binnen drei Stunden (!) auf Freispruch. Eine Anklage wegen seiner Attentate steht gar nicht zur Debatte — möglicherweise, weil sie teilweise von der CIA veranlasst oder zumindest geduldet wurden? Kuba und Venezuela bitten um Auslieferung, aber ausgerechnet das Land, das nicht nur ein eigenes exterritoriales Foltergefängnis (Gitmo) betreibt, sondern sich darüber hinaus auch noch fremder Folterknechte bedient hat, um sich nicht selbst die Finger schmutzig machen zu müssen (Rendition), ausgerechnet dieses Land lehnt die Auslieferung mit dem Argument ab, dass Carriles in Kuba und Venezuela Folter drohe.

Hier der Bericht von Democracy Now aus der Sendung von Montag:



Lt. Google News gibt es im gesamten deutschen Mainstream darüber einen einzigen Artikel.

Strahlende Zukunft (jetzt mit Videobeweis)

MedienjunkieSchwarzseher Ich sollte meinen selbstgebastelten Videorekorder eigentlich so aufbohren, dass er automagisch alles aufzeichnet, was ich schaue, und es dann mit einer Verzögerung wieder entsorgt. Dann könnte ich die Schmankerl, die mir gelegentlich auffallen, auf YouTube packen.

Leider hab ich das noch nicht getan und die Tageszusammenfassung "Der Tag" auf Phoenix, die werktags um 23:00 läuft, steht nicht in der Phoenix-"Mediathek" zur Verfügung, so dass ich nur versichern kann, dass ich gestern abend wirklich mit eigenen Ohren gehört habe, dass der Simultandolmetscher auf Phoenix die abschließenden Worte des japanischen Premierministers Kan bei seiner Pressekonferenz wörtlich mit "Ich glaube, dass Japan eine strahlende Zukunft vor sich hat." übersetzte.

#WIN



Nachtrag, 10. April 2011: Vielen Dank an Andreas, der sich tatsächlich die Mühe gemacht hat, die besagte Pressekonferenz in ein Video (Youtube) zu verwursten.