Ich hab gestern beim Zappen widerwillig einen Blick in die deutsche Fassung der Uri-Geller-Show geworfen und zu meiner Überraschung festgestellt, dass es sich dabei um eine Castingshow mit Zuschauervoting handelt.
Als man mir vor zwanzig, dreißig Jahren anlässlich einer IFA erzählte, dass das Fernsehen künftig »interaktiv« werden würde, zeigte man mir zur Illustration eine (intakte!) Familie aus drei Generationen, die friedlich vereint auf dem Sofa vor einem Loewe-Fernseher mit eingebautem BTX-Decoder saß, der Vater mit der Infrarot-Tastatur auf dem Schoß. Vielversprechend.
Mir fehlte schlichtweg die Fantasie, mir vorzustellen, dass sich die Interaktivität eine Generation später darauf beschränken könnte, dass die Telefonabstimmung (der »TED« — damals schon ein alter Hut) teurer wird (von kostenlos über »eine Einheit« (23 Pfennig) auf 49 Eurocent oder mehr), um Telefongesellschaften und Fernsehsendern im Wettbewerb um den größten massentauglichen Schwachsinn einen zusätzlichen »revenue stream« zu verschaffen.
Zu den albernen Zauberntricks, die da vorgeführt werden, erspar ich mir den Kommentar, das überlasse ich James Randi und den Leuten auf YouTube (einfach nach »Geller entlarvt« suchen).
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Mittwoch, 13. Februar 2008
Deutschland sucht den Super-Geller
Geschrieben von Marc
in Kabelfreak, Medienjunkie, Schwarzseher
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14:12
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Sonntag, 20. Januar 2008
Die Weisheit der Millionen
Ich hab eben beim Zappen den Anfang und das Ende des RTL-Live-Experiments »Die Weisheit der Vielen« mitbekommen. Seh ich das recht, dass es bei diesem Experiment darum ging, herauszufinden, welcher Prozentsatz der RTL-Zuschauer bereit ist, für eine Folge einer mittelmäßig interessanten Unterhaltungssendung 5-6 Euro an Telekom und RTL zu zahlen? (Wenn ich das richtig mitbekommen habe, war man als Zuschauer dieser »interaktiven« Sendung aufgefordert, zehn- bis zwölfmal für jeweils 50 Eurocent anzurufen.)
Fazit: die Masse hat dafür gezahlt, dass ein paar sog. »Experten« ein nettes Sümmchen kassiert haben, vollkommen unabhängig von ihrer Befähigung oder der Richtigkeit ihrer Antworten. Genau wie im echten Leben.
Wenn ich die »Weisheit« des RTL-Publikums richtig einschätze, werden wir diese Show künftig im Viertel- bis Halbjahresrhythmus sehen.
Fazit: die Masse hat dafür gezahlt, dass ein paar sog. »Experten« ein nettes Sümmchen kassiert haben, vollkommen unabhängig von ihrer Befähigung oder der Richtigkeit ihrer Antworten. Genau wie im echten Leben.
Wenn ich die »Weisheit« des RTL-Publikums richtig einschätze, werden wir diese Show künftig im Viertel- bis Halbjahresrhythmus sehen.
Dienstag, 20. November 2007
Auf den Punkt: Unwissend, verlogen, heuchlerisch – und stolz darauf?
Bettina Winsemann schreibt in Telepolis über Onlinedurchsuchung und Vorratsdatenspeicherung und bringt es auf den Punkt:
Danke!
Frank Zappa sagte 1977:
Noch 42 Tage bis zur totalen Protokollierung der Telekommunikation.
Die Politik lässt zunehmend die Maske fallen und gibt sich nicht einmal mehr Mühe, ihre Dreistigkeit zu verschleiern. Es ist, als würde man dem Bürger sagen wollen, dass es sowieso egal ist, was er denkt. Vor einiger Zeit gab man sich wenigstens noch Mühe, so zu wirken, als würde man wissen, was man tut, oder als würde man das Volk vertreten. Heutzutage lügt man offen oder gibt sein Gewissen für die Fraktionsdisziplin ab. Oder man hatte eben keine Ahnung, was man tat. Wer sich dann noch über Politikverdrossenheit wundert, der muss wirklich sehr verblendet sein.
Danke!
Frank Zappa sagte 1977:
The illusion of freedom will continue as long as it’s profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way, and you will see the brick wall at the back of the theatre.
Noch 42 Tage bis zur totalen Protokollierung der Telekommunikation.
Geschrieben von Marc
in Schwarzseher
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01:40
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Tags für diesen Artikel: Connectivity, Politik, Privatsphäre, Stasi 2.0, Telefon, Volksvertreter, Zappa
Mittwoch, 14. November 2007
Was ist eine Kaltakquise?
Sie: »Schönen guten Tag, mein Name ist Daniela Lambrecht* von der Firma Versatel. Ich möchte mit Ihnen über Ihren Telefonanschluss sprechen.«
Ich: »Versatel sagten Sie?«
Sie: »Ja.«
Ich: »Wir haben kein bestehendes Geschäftsverhältnis, oder?«
Sie: »Nein, bisher noch nicht.«
Ich: »Dann ist das eine Kaltakquise, was Sie da versuchen?«
Sie: »Was ist eine Kaltakquise?«
Heute ist wahrscheinlich ihr erster Tag in einem Callcenter.
Zur Information für Frau Lambrecht (Quelle: Wikipedia) :
Nach meinem Rechtsverständnis (ich bin ja kein Anwalt) bedeutet das, dass jetzt jeder Mitbewerber im Kommunikationssektor Versatel für diesen Anruf bei mir abmahnen kann. Haut rein, ich mach Euch auch gerne den Zeugen.
Ich fände es allerdings schöner, wenn ich Versatel (und den vielen anderen unlauteren Wettbewerbern, die hier ständig anrufen) meine verlorene Lebenszeit selbst in Rechnung stellen könnte.
*Name höchstens versehentlich geändert oder falsch verstanden.
Nachtrag, 23. November 2007: »Unerlaubte Telefonwerbung kostet Tele2 240.000 Euro«:
HAA-HAA!
Ich: »Versatel sagten Sie?«
Sie: »Ja.«
Ich: »Wir haben kein bestehendes Geschäftsverhältnis, oder?«
Sie: »Nein, bisher noch nicht.«
Ich: »Dann ist das eine Kaltakquise, was Sie da versuchen?«
Sie: »Was ist eine Kaltakquise?«
Heute ist wahrscheinlich ihr erster Tag in einem Callcenter.
Zur Information für Frau Lambrecht (Quelle: Wikipedia) :
Kaltakquise ist die Erstansprache eines potenziellen Kunden, zu dem bisher keine Geschäftsbeziehungen bestanden. Gegenüber Privatkunden sind so genannte Kaltanrufe in Deutschland nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verboten und dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Kunden erfolgen.
Nach meinem Rechtsverständnis (ich bin ja kein Anwalt) bedeutet das, dass jetzt jeder Mitbewerber im Kommunikationssektor Versatel für diesen Anruf bei mir abmahnen kann. Haut rein, ich mach Euch auch gerne den Zeugen.
Ich fände es allerdings schöner, wenn ich Versatel (und den vielen anderen unlauteren Wettbewerbern, die hier ständig anrufen) meine verlorene Lebenszeit selbst in Rechnung stellen könnte.
*Name höchstens versehentlich geändert oder falsch verstanden.
Nachtrag, 23. November 2007: »Unerlaubte Telefonwerbung kostet Tele2 240.000 Euro«:
Pikant bei der Geschichte: Obwohl bereits mehrmals abgemahnt, belästigten Tele2-Mitarbeiter ausgerechnet den [Justiziar der Verbraucherzentrale], dessen Kontaktdaten Tele2 offenbar von einem Adresshändler gekauft hatte.
HAA-HAA!
Freitag, 9. November 2007
Vorratsvolksvertretung (mit Nachtrag)
Ein historischer Tag: unsere Volksvertreter haben sich heute zusammengesetzt und in der unendlichen Weisheit, die ihnen erlaubt, die Meinung von IT-Experten, Bürgerrechtlern und Datenschützern zu ignorieren, mit einer Zweidrittelmehrheit beschlossen, dass unsere Kommunikationsdaten künftig gesammelt und Dutzenden von Behörden in Dutzenden von Ländern zugänglich gemacht werden sollen. Zusätzlich werden wir nächstes Jahr alle durchnummeriert.
<GEBETSMÜHLE> Wieder mal hat der große Bruder Salamischeibchen von der Bürgerrechtswurst abgeschnitten und sich einverleibt. Stückchen für Stückchen lassen wir uns wegnehmen, was Generationen vor uns unter Einsatz ihres Lebens erkämpft haben. </GEBETSMÜHLE>
Vielleicht kriegen wir ja im Gegenzug als Brosamen ein paar symbolische Verbraucherrechte hingeschmissen, um uns daran zu erinnern, in welcher Rolle wir für diesen Staat wichtig sind: nicht als Menschen, nicht als Bürger, sondern als Konsumenten und Humankapital. Ein Prosit auf die Trickle-down-Demokratie!
Kommentar zur aktuellen Überwachungssituation auf einer Mailingliste:
Aber das reicht ja anscheinend noch nicht.
Nachtrag, 30. November 2007: Der Bundesrat hat zugestimmt, die Vorratsdatenspeicherung ist geltendes Recht, sobald der Bundespräsident seinen Namen drunter setzt. Ich hege keinen Zweifel daran, dass dem Herrn Köhler egal ist, dass es verfassungsrechtliche Bedenken gegen die Gesetzesänderung gibt.
»I am not a number! I am a free man!« — Number 6, The Prisoner
<GEBETSMÜHLE> Wieder mal hat der große Bruder Salamischeibchen von der Bürgerrechtswurst abgeschnitten und sich einverleibt. Stückchen für Stückchen lassen wir uns wegnehmen, was Generationen vor uns unter Einsatz ihres Lebens erkämpft haben. </GEBETSMÜHLE>
Vielleicht kriegen wir ja im Gegenzug als Brosamen ein paar symbolische Verbraucherrechte hingeschmissen, um uns daran zu erinnern, in welcher Rolle wir für diesen Staat wichtig sind: nicht als Menschen, nicht als Bürger, sondern als Konsumenten und Humankapital. Ein Prosit auf die Trickle-down-Demokratie!
Kommentar zur aktuellen Überwachungssituation auf einer Mailingliste:
Ich [...] arbeite bei einem Internetprovider und was wir jede Woche an Vollausleitungen (Anschlussüberwachungen) haben, geht auf keine Kuhhaut. In der Branche geht man von einer Überwachungsmaßnahme pro 10000 Leitungen aus. [...] Das kann von ein paar Wochen bis zu ein paar Monaten laufen. Vollausleitung bedeutet, dass alles, was auf der Doppelader passiert, weitergeschickt wird. Also [...] auch deine Skype-, VoIP- oder sonstige Telefonie.
Aber das reicht ja anscheinend noch nicht.
Nachtrag, 30. November 2007: Der Bundesrat hat zugestimmt, die Vorratsdatenspeicherung ist geltendes Recht, sobald der Bundespräsident seinen Namen drunter setzt. Ich hege keinen Zweifel daran, dass dem Herrn Köhler egal ist, dass es verfassungsrechtliche Bedenken gegen die Gesetzesänderung gibt.
Geschrieben von Marc
in Kabelfreak, Schwarzseher
um
16:56
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