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Die Nahost-Situation ist nicht relevant

MedienjunkieSchwarzseher Da Präsi schreibt in einem Kommentar zu Teure Impulskontrollstörung:

Ist zwar Off-Topic, aber ich will jetzt endlich mal im Fernsehn die Diskussionsrunden zum Israelkonflikt sehen. Da warte ich schon Wochen drauf. Nichts. Nicht eine Sendung. Ein paar Vertreter des Zentralrats der Juden und Vertreter der Hamas bei Kerner… oder ein Paar Palästinenser zusammen mit "dem großen Nahostexperten (TM)" bei Maischberger.

Oder ist mir auch egal wer… einfach nur Pro und Kontra… bei Beckmann, Anne Will oder meinetwegen auch SternTV mit Jauch als Politikexperte… Das kann doch nicht sein… Bei jedem anderen Furz wären die Sender voll mit Diskussionsrunden zum Thema, aber hier… NICHTS. Traut sich niemand ran. Können wir wohl nicht offen drüber reden, "mit unserer Vergangenheit". So etwas armseliges, das ist unglaublich. Kann sich hier jemand vorstellen, warum das wohl so ist? ;-)

Darüber könntest Du auch mal was auf Deiner Hauptseite machen, das ist nämlich echt Mutantenstadl.

Übrigens, hier noch eine Formulierung von irgendwann aus dem Heute Journal: "…während Israel seine Luftoffensive fortsetzt, feuert die Hamas weiter mit Raketen und Mörsern auf isrealische Stadte."

Fällt Dir an der Formulierung was auf? So… in Richtung suggestiv? Ich finde, das was Israel tut, hört sich deutlich friedlicher an, oder?


Es ist wirklich auffällig, wie hartnäckig sich die Diskussionsrunden um die "Situation" im Nahen Osten herumdrücken. In der taz lese ich, dass Anne Will sich fast getraut hätte, aber halt nur fast:

Ja, das Thema Gaza hatte die Redaktion vorbereitet, wie eben immer gleich mehrere mögliche aktuelle Themen für die Sendung parallel vorbereitet und potenzielle Gäste angefragt werden. Doch dann habe man sich eben mit Blick auf den Selbstmord von Ratiopharm-Gründer Adolf Merckle für "Tabu Freitod - wer hat das Recht, Leben zu beenden?" entschieden. Denn das habe "unsere Redaktion in Absprache mit dem NDR", der in der ARD für "Anne Will" zuständig ist, als das Thema ausgemacht, "was die größere Relevanz für die Menschen in unserem Lande" habe, so Will Media gestern zur taz.


Jo, nee, is klar. Scheiß auf Hunderte oder Tausende "innocent bystanders", die im Nahen Osten im Rahmen des israelischen Wahlkampfes gänzlich unfreiwillig den Tod finden. Ein Milliardär, der den Hals nicht voll kriegen konnte, hat sich freiwillig einem Lokführer in den Weg gestellt, das macht das salbungsvolle Geschwafel des katholischen Militärbischoffs Walter Mixa für uns doch viel relevanter! (Vielleicht werd ich ja auch mal Milliardär und verzocke mich, da muss ich doch wissen, was zu tun ist…)

Nachtrag, 14. Januar 2009: quirinus unterstellt Selbstzensur. Ach was!
Nachtrag, 15. Januar 2009: Telepolis, Duckhome

Keine Blasphemie in diesem Blog!

Schwarzseher
Ich mag mich nicht gern mit der Kirche auseinandersetzen; es hat ja keinen Sinn, mit einer Anschauungsweise zu diskutieren, die sich strafrechtlich hat schützen lassen. (Kurt Tucholsky)


Ich würd ja so gern ein Bild hier reinkleben, das der Biologieprofessor PZ Myers unter dem Titel "The Great Desecration" (via Brights — Die Natur des Zweifels) veröffentlicht hat. Aber ich trau mich nicht, es gibt ja immer noch einen Gotteslästerungsgummiparagraphen:

Die Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen ist ein Straftatbestand, der im § 166 StGB der Bundesrepublik Deutschland geregelt ist. Wegen seiner Geschichte wird er häufig als Gotteslästerungsparagraph bezeichnet. […]

Kritiker sehen in dieser Vorschrift eine Einschränkung des Rechtsguts der Meinungsfreiheit. Insbesondere durch eine einseitige Anwendung verleite der Paragraph zu einem Schutz der Mehrheitsmeinung, nicht aber zwangsläufig zum Schutz einer Minderheitsmeinung […].

Sie lehnen den Paragraphen auch als so genannten Gummiparagraphen ab, insbesondere weil nicht klar sei, wie "Beschimpfung" zu definieren ist — darunter könne jede negative Äußerung fallen. Noch fraglicher sei, wann eine solche "Beschimpfung" geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören […]. Kritiker behaupten, eine solche "Friedensstörung" könne […] nachträglich konstruiert werden, wenn sich Gläubige beschwerten. Andererseits könne in politischen Wetterlagen, in denen die Verfolgung von Gotteslästerern nicht opportun sei, fast immer damit argumentiert werden, der Beschuldigte sei nicht bekannt genug, um mit seinen Äußerungen eine breite Öffentlichkeit zu schockieren.


Der Begriff "Beschimpfung" schließt wohl auch das "Verspotten" ein, und sowas in der Richtung beabsichtigt Myers, wenn er einen rostigen Nagel durch eine Backoblate und einige Koran-Seiten stößt — und weil eben nichts heilig sein darf, packt er auch noch "Der Gotteswahn" dazu: "Nothing must be held sacred."

Inspiriert wurde dazu er von den unglaublichen Wellen, die die "Geiselnahme" einer Hostie in den USA geschlagen hat: ein Student wollte einem Mitstudenten mal eine Hostie zeigen, nahm dazu an der Kommunion teil und schmuggelte die empfangene Oblate aus der Kirche.

Wenn man zu den Anhängern der römisch-katholischen Kirche gehört, ist man seit 1215 dazu verdammt, glauben zu müssen, dass diese Backoblate sich durch das Gemurmel einer besonderen Person irgendwie in den leibhaftigen Körper eines göttlichen, aber schon mindestens einmal gestorbenen Religionsgründers verwandelt hat — man verzeihe mir, wenn ich anmerke, dass das für mich irgendwie nach Schwarzer Magie klingt, aber das ist nun mal eine der vielen Absurditäten, die Katholen glauben müssen.

Was für den einen ein Studentenulk oder, schlimmstenfalls, eine eher harmlose Provokation ist, ist für den anderen (der darauf konditioniert wurde, zu glauben, dass besondere Personen die Macht haben, bestimmte Gegenstände, Lebensmittel oder Flüssigkeiten mit Hilfe magischer Formeln oder Rituale zu verzaubern) natürlich eine Sünde. Verblüffenderweise genügt es aber nicht, dem "Hostienräuber" die Rache des liebenden Gottes in der nächsten Welt anzukündigen, nein, katholische Fundamentalisten drohen ihm damit, selbst dafür zu sorgen, dass er seinen Auftritt vor dem jüngsten Gericht möglichst bald hat.

Als Hostienfrevel oder Hostienschändung bezeichnete der christliche Antijudaismus zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert einen angeblichen Missbrauch der geweihten Hostie, oft in Verbindung mit einem angeblich vorausgegangenen Hostienraub.

Solche Anschuldigungen erhoben Christen weit überwiegend gegen Angehörige des Judentums, selten auch gegen Hexen. Sie bezichtigten sie, Hostien aus Kirchen gestohlen bzw. gekauft zu haben, um diese dann zu "martern". Dies waren […] im Hochmittelalter häufige Vorwände für Pogrome oder ihre nachträgliche Rechtfertigung. […]

Der älteste "Fall" eines angeblichen Hostienfrevels, den viele damalige Chroniken verzeichneten, wurde 1290 aus Paris berichtet. Johannes von Tilrode († 1298) z. B. schrieb in seinem Chronicon, ein Pariser Jude habe von einer christlichen Magd für 10 Pfund Silber eine geweihte Hostie gekauft. Die versammelte Judengemeinde habe diese dann mit Messern, Stiletten und Nägeln traktiert, aber nicht zerstören können. Erst das größte Messer habe die Hostie in drei Stücke zu teilen vermocht. Dabei sei Blut ausgeflossen. Zuletzt habe man die Stücke in siedendes Wasser geworfen, worauf dieses sich in Blut und die Hostienstücke in ein ganzes Stück Fleisch verwandelt hätten. Dieses Wunder habe viele der Augenzeugen zum christlichen Glauben gebracht - so auch den Verfasser des Berichts. […]

Ab 1298 dienten solche Legenden nur noch zur Rechtfertigung von Pogromen an Juden. Damals behauptete der verarmte Ritter Rintfleisch eine Hostienschändung im fränkischen Röttingen […]. Rintfleisch sah sich durch eine persönliche Botschaft vom Himmel zum Vernichter aller Juden ernannt und zog ein halbes Jahr lang mit einer Bande von Totschlägern durch über 140 fränkische und schwäbische Ortschaften. Sie vergewaltigten, folterten und verbrannten Tausende von Juden und Jüdinnen und töteten deren Kinder. (Wikipedia)


Interessante Logik. Wobei mir allerdings nicht ganz klar ist, wieso jemand, der akzeptiert, dass die magische Oblate der Konkurrenzreligion das Seelenheil bringen kann, nicht einfach zu der Religion wechselt, die das Oblatenmonopol innehat. Oder wie ein allmächtiges Wesen, das das Universum erschaffen hat, durch Manipulationen an einem Keks Schaden nehmen kann (um es mit Myers zu sagen).

Damit zurück zum aktuellen Fall von angeblichem "Hostienfrevel", über den Myers in seinem Blog berichtete. Er bot an mal zum Vergleich zu demonstrieren, wie eine richtige Hostienschändung aussähe… wenn er denn eine zugeschickt bekäme. Natürlich erhielt er daraufhin ebenfalls Todesdrohungen, auch gegen seine Familie.

I'm only impressed by significant material concerns, and yours and other slanders against my family […] are not going to convince me of anything other than that religion breeds the most disgustingly vile haters in our country, and that Catholicism fits right in with the rest.


Mutig. Der Mann lässt sich nicht mal von Fundamentalisten einschüchtern. Und ich zieh schon vor 'nem Gummiparagraphen den Schwanz ein.

Oder?

Nothing must be held sacred.


By the way, I didn't want to single out just the cracker, so I nailed it to a few ripped-out pages from the Qur'an and The God Delusion. They are just paper. Nothing must be held sacred. Question everything. God is not great, Jesus is not your lord, you are not disciples of any charismatic prophet. You are all human beings who must make your way through your life by thinking and learning, and you have the job of advancing humanity's knowledge by winnowing out the errors of past generations and finding deeper understanding of reality. You will not find wisdom in rituals and sacraments and dogma, which build only self-satisfied ignorance, but you can find truth by looking at your world with fresh eyes and a questioning mind. (PZ Myers)

Nichts darf heilig sein. Stellt alles in Frage. Gott ist nicht groß, Jesus ist nicht Euer Herr, Ihr seid keine Jünger irgendeines charismatischen Propheten. Ihr seid Menschen, die ihren Weg durch das Leben gehen müssen, indem sie denken und lernen, und Ihr habt die Aufgabe, das Wissen der Menschheit voran zu bringen, indem Ihr die Fehler der vergangenen Generationen findet und ein tieferes Verständnis der Realität entwickelt. Ihr werdet keine Weisheit in Ritualen, Sakramenten und Dogmen finden, die nur selbstgefällige Ignoranz produzieren — aber Ihr könnt Wahrheit erkennen, wenn Ihr die Welt mit unvoreingenommenen Augen und einem offenen Geist betrachtet.


PS: Myers schreibt nix davon, dass er beim Durchnageln der Hostie irgendwelche Probleme gehabt hätte, auf dem Bild ist auch kein Blut zu erkennen. Hostien sind wohl auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Atheisten fressen Kinder

Schwarzseher
Vor einer Verharmlosung des so genannten neuen Atheismus hat der Kulturwissenschaftler und Publizist Alexander Kissler (München) gewarnt. [...] Zu den gemeinsamen ethischen Positionen der neuen Atheisten gehöre das Eintreten für aktive Sterbehilfe, die Möglichkeit der Abtreibung bis zur Geburt sowie Klon- und Genexperimente mit menschlichen Zellen. (via, Hervorhebung von mir)


Ich erwäge, in bestimmten Härtefällen sogar für postnatale Abtreibung einzutreten, zumindest aber für eine deutliche personelle Verstärkung des Bundesamts für Merkbefreiung.

Ich warne übrigens vor einer Verhamlosung des modernen Christentums. Zu den gemeinsamen ethischen Positionen der modernen Christen gehören die Steinigung von Ehebrechern und Homosexuellen, die Möglichkeit, eine Frau dazu zu zwingen, das Kind ihres Vergewaltigers auszutragen, sowie die Immanentisierung des Eschatons.

George Carlin erklärt in einer Pressekonferenz aus dem Fegefeuer:

Religion easily has the greatest bullshit story ever told. Think about it. Religion has actually convinced people that there's an invisible man living in the sky who watches everything you do, every minute of every day. And the invisible man has a special list of ten things he does not want you to do. And if you do any of these ten things, he has a special place, full of fire and smoke and burning and torture and anguish, where he will send you to live and suffer and burn and choke and scream and cry forever and ever 'til the end of time!

But He loves you.

Buddy Jesus: Kapitalismus und Religion

Medienjunkie
Kick It Like Jesus!
cracked.com liefert eine Liste der zwanzig kitschigsten Produktideen im Marktsegment religiöser Lobpreisung, vom Videospiel "Bibleman" bis zu Jesus-Püpp... äh... Jesus-Äktschnfiguren (inkl. Dornenkrone!), von "Armee Gottes"-Schlafanzügen bis zum Papstkuchen.

Nachtrag, 6. Juli 2008: Isotopp mag religiösen Nippes anscheinend auch.