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Die Regeln der Propaganda (2014)

Schwarzseher (inspiriert von Davies & Ponsonby, work in progress)

WIR wollen keinen Krieg.
SIE haben den Krieg provoziert.

WIR haben Werte, die es zu verteidigen gilt.
SIE haben Interessen, die sie rücksichtslos durchsetzen.

WIR sind eine Gemeinschaft und handeln im Interesse aller.
SIE sind eine kleine Clique, die ein Land in Geiselhaft hält.

Was WIR sagen, demonstriert Entschlossenheit, stärkt unsere Verbündeten oder zeigt unsere Bereitschaft, einen Weg aus der Krise zu finden.
Was SIE sagen, beweist ihre aggressive Haltung oder ist nur eine Finte.

WIR agieren rational, mit Maß und Ziel. WIR kämpfen nur, um den Krieg zu beenden, damit wieder Ruhe einkehrt.
SIE tun alles, um Chaos zu säen und ein Land, eine Region, einen Kontinent zu destabilisieren.

WIR unterstützen Freiheitskämpfer in ihrem Widerstand gegen ein Regime.
SIE bezahlen Söldner und rüsten Terroristen aus.

WIR kämpfen ritterlich und mit chirurgischer Präzision. UNSERE Truppen riskieren körperliche Unversehrtheit und Leben, um Unbeteiligte zu schützen.
SIE kämpfen feige, mit Hinterlist und Tücke, und benutzen geächtete Waffen.

SIE begehen systematisch Unrecht und Grausamkeiten. Das liegt in ihrer Natur.
Auf UNSERER Seite gibt es individuelle Fehlentscheidungen, welche zu tragischen Einzelfällen führen, die gründlich untersucht und aufgeklärt werden.

Das Recht und die Meinung der Welt sind auf UNSERER Seite.
SIE brechen das Völkerrecht und sind in der Welt isoliert.

SIE betreiben Propaganda in ihren kontrollierten Medien. SIE haben Dissidenten, die unter Einsatz ihres Lebens die Wahrheit sagen.
An der objektiven Darstellung UNSERER freien Medien kann nur zweifeln, wer ein Agent (oder Bot) von IHNEN ist, oder ein Einfaltspinsel, der die Komplexität der Situation nicht durchschaut.

WIR sind die Guten. WIR sind die Guten. WIR sind die Guten. WIR sind die Guten.

Enteignet Springer!

KabelfreakMedienjunkie TL;DR: das LSR enteignet Springer, so what?

Liebes Google, ich hätte zwei kleine Wünsche, die du mir zu Weihnachten erfüllen könntest:

1) Wehr dich nicht gegen das LSR. Bleib locker. Mach's wie in Belgien.

Zum einen hab ich volles Vertrauen darauf, dass die zwei, drei Holzmedien, die mich noch interessieren, sofort kostenfreie Suchmaschinenlizenzen anbieten werden, weil sie gerne weiterhin gefunden werden möchten, zum anderen kannst du news.google.de erst mal günstig mit Agenturmeldungen befüllen.

Als Leser verliere ich dadurch lediglich den zweifelhaften Komfort, die gleiche Agenturmeldung in einem Dutzend unterschiedlicher Layouts und mit einem Dutzend verschiedener Überschriften lesen zu können. Aber dafür fallen auch die als Nachrichten getarnten Werbeblöcke erst mal weg.

Wenn ich mir so angucke, wer am lautesten für das LSR trommelt, wird deine News-Seite dann wohl auch deutlich weniger Hofberichterstattung enthalten. Wäre das nicht ein schönes Ergebnis des LSR, wenn gerade die Parteien, die es für ihre Verlegerkumpels voran getrieben haben, weniger Gelegenheit hätten, ihre gleichgeschaltete Propaganda zu verbreiten und es dafür mehr Meinungsvielfalt gäbe, weil die Nachrichten nicht mehr überwiegend von den Oligopolisten kämen?

Und wenn es sich für RTL trotz eingeschränkter Reichweite gelohnt hat, ein deutschsprachiges Radioprogramm jahrzehntelang, ein Fernsehprogramm jahrelang aus Luxemburg zu senden, wird sich jetzt sicher auch jemand finden, der den Raum, den die LSR-Holzmedien räumen, von Österreich oder Liechtenstein aus füllen kann. Pressemitteilungen kann man auch im Ausland abschreiben.

2) Verwende die frei gewordene Energie für eine Kampagne, die eine faire Besteuerung von Multis in Europa, d.h. das Schließen von irischen, holländischen und sonstigen Steuerschlupfscheunentoren, fordert.

Danke.

**von Santa Googles Schoß steig**

Generalstreik

Schwarzseher Generalstreik in ganz Europa am 14. November, fordert der Oskar. Vielleicht ein bisschen knapp um ganz Europa zu mobilisieren. Und uns in Deutschland ist die Teilnahme dank der Bemühungen von Bundesarbeitsgerichtspräsident und Alt-Nazi Hans Carl Nipperdey eh verboten. Es gab ja mal 'ne Streikserie in der Bundesrepublik, die in einem Generalstreik mündete. Davon, wie das US-Militär mit Panzern und Tränengas gegen Streikende und Demonstranten vorgegangen ist, gibt's wohl leider kein attraktives Filmmaterial, deshalb sind die sog. "Stuttgarter Vorfälle" heute keiner Erwähnung mehr wert. Ganz im Gegensatz zum ähnlichen Szenario "drüben", das als "niedergeschlagener Aufstand" in die Geschichte eingegangen ist.

Verplappert?

MedienjunkieSchwarzseher Moritz Kraemer von Standard & Poor's erläutert bei Maybrit Illner, dass die Ratings der Agenturen anhand strikter Methodologien und Kriterien in einem international besetzten Kommittee ermittelt werden. Ihr einziges Mandat sei es, die Ausfallwahrscheinlichkeit von Schulden einzuschätzen. Und dann erklärt er:

"Das griechische Rating ist seit etwas über einem Jahr im sogenannten Non-Investment-Grade-Bereich, was in den Medien gern auch als Ramsch-Anleihe oder Junk Bonds bezeichnet wird […]. Wenn wir das machen, dann geben wir in der Regel auch eine Einschätzung ab: falls es zu einer Umschuldung käme, was wäre dann tatsächlich der Haircut. Und seit April letzten Jahres ist unsere Meinung, die hat sich auch nicht verändert, dass, wenn es zu einer Umschuldung käme — die aufgrund der Herabstufung nach unserem Dafürhalten wahrscheinlicher geworden ist, denn das ist ja der Ausdruck der Wahrscheinlichkeit, diese Zahlen und Buchstaben, die wir verwenden — würde die Umschuldung dazu führen, dass mindestens die Hälfte wahrscheinlich gestrichen werden würde."


Hervorhebung von mir. Schöner kann man es doch nicht erklären, oder? "Wir stufen Griechenland runter, weil Griechenlands Chancen schlechter werden und Griechenlands Chancen werden schlechter, weil wir Griechenland runterstufen. Und das haben wir gemacht, bis wir am Ende unserer Skala angekommen sind, und jetzt machen wir mit dem nächsten Land weiter." So verstehe ich das jedenfalls. Die Euro-Länder werden durch die "Rettungspakete" ja nicht solventer.

Auch wenn es mir zunehmend schwer fällt, Talkshows zu ertragen, insbesondere wenn Andrea Nahles in der Runde sitzt: diese Sendung war es fast wert, nicht zuletzt wegen des Schlagabtauschs zwischen dem Attac-Vertreter Alexis Passadakis — "Luxemburg ist eine Steueroase!" — und dem ausrastenden luxemburgischen Außenminister Jean Asselborn: "Sie leben in einem Land, das Weltmeister im Waffenhandel ist!" Dies ausgerechnet dem Attac-Vertreter an den Kopf zu werfen, ist bemerkenswert doof und der Ausbruch war Herrn Asselborn dann auch sichtlich peinlich (wohl auch, weil Volker Kauder vergeblich versuchte, die Aufmerksamkeit davon abzulenken).

Volker Kauder hat sich übrigens mal wieder nicht entblödet, von den achtzehn Monatsgehältern zu erzählen. "Politik beginnt mit dem Betrachten der Realität" ist sein Lieblingsspruch. Vielleicht sollte er sich den mal zu Herzen nehmen und auch mal dazu sagen, wieviele Griechen diese achtzehn Monatsgehälter bekommen und wie hoch so ein Monatsgehalt bei einem durchschnittlichen Griechen ausfällt. Wenn man ein bisschen rumgoogelt, findet man in Foren Zahlen aus dem echten Leben, z.B. auf die Frage:

Ich hörte, dass in Griechenland ALDI eröffnet. Es geht in meinem Bekanntenkreis das Gerücht um, dass in Griechenland die gleichen Gehälter (Bereichsleiter) wie in Deutschland gelten + AUDI A4. Es würde mich sehr interessieren, was ein Bereichsleiter in Thessaloniki verdient


…die Antwort:

also ich komme aus der aldi nord und weiss das bezirksleiter 5000€ hier verdienen ein filialleiter 2200 und in griechenland das weiss ich weil ich dort schon ein vorstellungsgespräch hatte meinte die das 1200 € die ich dort bekommen würde schon viel ist


…gefolgt von einem Hinweis eines weiteren Diskussionsteilnehmers, dass die Lebenshaltungskosten aber eben nicht entsprechend niedriger seien. Diese Diskussion fand 2008 statt.

Lt. OECD betrug der Median des verfügbaren Haushalteinkommens im Jahr 2007 und unter Berücksichtigung der Kaufkraftparität (d.h. unterschiedliche Lebenshaltungskosten sind bereits herausgerechnet) in den USA über 30.000 US$, in Deutschland 20.000 US$ und in Griechenland 15000 US$. Ein griechischer Haushalt konnte sich also im Schnitt ein Viertel weniger an Waren und Dienstleistungen leisten als ein deutscher Haushalt. Und das war 2007, also vor dem Platzen der Immobilienblase, der Finanzkrise und den Sparpaketen.

Qualitätsjournalismus ftw!

Medienjunkie Mal abgesehen davon, dass die uns vermutlich längst was ins Trinkwasser tun, sonst wären wir ja nicht alle Schafe — määääh! — während um uns herum die Welt brennt, demonstriert die Welt in ihrem Bericht über "Lithium im Trinkwasser" mal wieder, wie Qualitätsjournalismus funktioniert.

Im Teaser:

"Forscher schlagen vor, dem Trinkwasser den Wirkstoff Lithium zuzusetzen"


Im Text:

"Aus diesem Grund warnen die Wissenschaftler auch davor, Lithium nun künstlich dem Trinkwasser zuzusetzen."