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Prioritäten: Filesharer statt Steuerhinterzieher (mit Nachträgen)

MedienjunkieSchwarzseher Peter Mühlbauer weist in "Bestrafe einen und warne hundert" darauf hin, dass man die Steuerhinterzieher womöglich absichtlich vorgewarnt hat:

Das Argument der mangelnden Personalkapazitäten kann insofern nicht überzeugen, als gleichzeitig zahlreiche Hausdurchsuchungen wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen in Filesharing-Netzwerken stattfinden, für die offenbar Ressourcen vorhanden ist.


Man muss halt seine Prioritäten haben!

Nachtrag, 22. Februar 2008: (Zu Franks Hinweis in den Kommentaren auf den Panorama-Beitrag zu Hausdurchsuchungen...) Auf YouTube findet man unter dem Suchwort "Hausdurchsuchung" einen sehr unterhaltsamen Vortrag des Düsseldorfer Strafverteidigers Udo Vetter anlässlich des vorletzten CCC-Kongresses 23C3: "Sie haben das Recht zu schweigen". Guckbefehl! Der Vortrag ist nicht nur wichtig für die Menschen, die wissen wollen, wie man sich im Falle einer Hausdurchsuchung verhält, sondern auch für jene, die sich dafür interessieren, wie unsere theoretischen Rechte in der Praxis dieses "Rechtsstaats" ausgelegt und ignoriert werden. Ein paar aufschlussreiche Zitate aus den ersten zwanzig Minuten des Vortrags:

Eigentlich reicht ein "Anfangsverdacht" für eine Hausdurchsuchung nicht aus [...]. Nach meiner zehnjährigen Erfahrung kann ich nur sagen: Glauben Sie nicht daran, es genügt der Anfangsverdacht. Dieser ist so gering, dass im Prinzip jeder der einen PC zuhause stehen hat, der ans World Wide Web angeschlossen ist [...], sehr schnell Opfer einer Hausdurchsuchung werden kann.


Niemand muss bei der Polizei erscheinen, selbst wenn auf dem Briefbogen das Wort "Vorladung" steht. Ein Polizist, der Sie möglicherweise anruft und fragt, warum Sie denn nicht zu dem Vernehmungstermin gekommen sind, wird Ihnen vielleicht etwas anderes erzählen. Es steht in der Tat so in der Strafprozessordnung drin, dass niemand bei der Polizei erscheinen muss.


Der Bundesgerichtshof hat glücklicherweise vor zwei Jahren entschieden, dass die extensiven Durchsuchungen ohne Durchsuchungsbeschluss mit der Berufung auf "Gefahr im Verzuge" so nicht mehr hinnehmbar seien. Die Praxis war bis vor zwei Jahren etwa diese, dass die Polizeibeamten in der Regel überhaupt keinen Durchsuchungsbeschluss eingeholt haben, weil man "Gefahr im Verzuge" ja immer irgendwie begründen kann: "Der Beschuldigte fährt morgen in Urlaub" oder, im Zweifel, "Der Kriminalbeamte fährt morgen in Urlaub." [...] Jetzt ist die Regel, dass es erforderlich ist, vorher einen Beschluss einzuholen — das hat sich bei so 30 bis 35% der Polizisten in unserem Land bereits rumgesprochen. Das Urteil ist ja auch erst zwei Jahre alt.


[Im Durchsuchungsbeschluss] muss eine Beschreibung des Tatverdachtes drinstehen, d.h. dieser Tatverdacht muss so erklärt sein, dass man sagt, wann Sie was wo gemacht haben sollen und welcher Straftatbestand dadurch verwirklicht sein soll. [...] Die Ermittlungsrichter [vor Ort] zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihren Job nicht machen wollen, keine Lust haben, überlastet sind oder das ganze nicht ernst nehmen, weil sie ja sowieso wissen, dass es letztendlich nicht darauf ankommen wird. D.h. es steht nichts drin. Typische Formulierungen für Beschlüsse sind z.B. "Der Beschuldigte ist einer Straftat hinreichend verdächtig. Die Durchsuchung soll zur Auffindung von Beweismitteln führen."


Nachtrag, 29. Juli 2008: Law prof and cop agree: never ever ever ever ever ever ever talk to the cops about a crime, even if you're innocent

Computerfreaks haben keine Freunde

Kabelfreak Ihr kennt das Spiel: die Auswertungssoftware für Weblogs pickt sich bei Zugriffen, die von Suchmaschinen auf diese Site führen, die verwendeten Suchworte aus dem Referer-Header des HTTP-Requests und wertet sie aus. Der gelangweilte Webmaster guckt die Liste durch und schmunzelt, der zu Tode gelangweilte Webmaster macht einen Blogeintrag draus (der letzte war "Sex mit Bananen").

Kleiner Einschub: Der Referer-Header heißt übrigens "Referer"-Header (mit drei "r"), obwohl darin der Referrer (mit vier "r") angegeben wird. Das hat rein historische Gründe — nämlich einen Schreibfehler in RFC 1945, dem Dokument, das HTTP/1.0 definiert — und demonstriert, welche Priorität Orthographie für die Geburtshelfer des Interwebs hatte.

Aber nun zu den schönsten Suchbegriffen der letzten Monate:

• "weltuntergang im jahr 2038"
Wenn der Zusammenbruch des Kapitalismus mit dem Aufbrauchen der letzten Ölreserven, dem Abschmelzen des verbliebenen Polareises und dem überlaufenden Integer in Unix-Zeitangaben zusammentrifft, könnte das in der Tat ein spannendes Jahr werden.

• "bill gates c64"
Vor dem C64 war der VC20. Vor dem VC20 war der PET. Vor dem PET war KIM-1. Damals (1977) hatte man Cassettenrecorder statt Festplatten und eine leicht zu erlernende Interpretersprache war ein wichtiges Feature für einen neuen Homecomputer. Marktführer für BASIC-Interpreter für 8bit-Prozessoren war Microsoft (damals noch "Micro-Soft"). Bill Gates hielt nicht viel vom 6502, dem von Commodore verwendeten Prozessor, dennoch schrieb er selbst Teile des Codes des 6502-BASIC. Commodore erwarb eine Lizenz für eine Einmalzahlung von zehntausend US-Dollar und ließ sich das Recht einräumen, den BASIC-Interpreter für die eigenen Maschinen weiterzuentwickeln. Aus dem Micro-Soft BASIC im KIM wurde "COMMODORE BASIC" im PET, dann "CBM BASIC V2" im VC20 und schließlich "COMMODORE BASIC V2.0" im C64. Und so landete auch Code von Bill Gates im C64. Erst bei der Entwicklung des C128 wurde erneut zwischen Microsoft und Commodore verhandelt. (Quelle: "On the Edge — The Spectacular Rise and Fall of Commodore" von Brian Bagnall)

• "darf ich für meinen freund eine cd kopieren die ich selbst gekauft habe"
Nach meinem Verständnis als juristischer Laie: eindeutig ja. Das nennt sich Privatkopie und die Wikipedia sagt dazu:
Nach § 53 Abs. 1 UrhG darf die Vervielfältigung nur zum privaten Gebrauch hergestellt werden. Damit ist eine Verwendung für kommerzielle Zwecke ausgeschlossen. Die Weitergabe an Dritte ist zwar zulässig, Voraussetzung ist jedoch, dass die Kopien im privaten Bereich verbleiben, also nicht an nur flüchtig Bekannte weiter gegeben werden.

In dem Zusammenhang fällt mir ein, dass ich mal gesagt haben wollte, dass "Raubkopierer", ganz entgegen der Behauptungen der Propaganda, keine Verbrecher sind, weil ein Verstoß gegen das Urheberrecht kein Verbrechen (eine "schwerwiegende" Straftat) ist, sondern ein Vergehen (eine "minderschwere" Straftat).

• "bilder aus den ms dos internet der 80er" (sic!)
Damals hatten wir noch keine Bilder im Internet, mein junger Freund. Eigentlich hatte in den 80ern noch niemand Internet, außer ein paar glücklichen Studenten an ausgewählten Unis. Alle anderen gaben sich noch damit zufrieden, sich mit 300 Baud (ca. 0,0003 Mbps) in "Mailboxen" einzuwählen. Aber natürlich wir hatten schon die Vorgänger von Schweine-GIFs.

• "im welchen jahr entstand die älteste microsoft maus" (sic!)
Das revolutionäre Rollkugeleingabegerät wurde in den 60ern vom Benutzeroberflächenpionier Doug Engelbart und seinem Team am ARC entwickelt und 1968 der Öffentlichkeit präsentiert. Die Microsoft-Maus kam im Mai 1983 auf den Markt, ein halbes Jahr nachdem die erste Logitech-Maus (P4) präsentiert wurde. (Ich verweise immer wieder gern auf meinen Artikel zum Produktdesign bei Microsoft.)

• "computerfreaks haben keine freunde"
Ach, jetzt reißte die Fresse auf, aber wenn Dein Windows mal wieder zerschossen ist, kommste wieder angekrochen.

• "achtung jetzt kommt ein karton sesamstrasse"
Falsche Sendung. Der "Kartong" fiel nicht in der Sesamstraße, sondern in der Rappelkiste mit Ratz und Rübe. Mehr dazu in Meine Generation und die Medien.

• "samsung notebook linux"
Das würde ich mir zweimal überlegen. Lt. Aussage von Samsung gefährdet der Betrieb von Samsung-Notebooks mit "unautorisierten" Treibern die Gewährleistung — und für Linux gibt's natürlich keine autorisierten Treiber.

• "kann ps3 kopiergeschützte spiele abspielen"
Soweit mir bekannt ist, laufen auf einer PS3 ohne Modchip ausschließlich kopiergeschützte Spiele.

• "ist filme laden bei the pirate bay sicher?"
Wie die Oma immer sagte: "Sicher ist nur der Tod." Guck Dich ein bisschen auf der Seite um, gewinne ein Gefühl dafür, wieviele User die Tracker der Site zu jedem beliebigen Zeitpunkt nutzen (ich gehe von einer sechsstelligen Zahl aus), setze diese Zahl ins Verhältnis zur Anzahl der Verfahren, die Musik- und Filmindustrie gegen Filesharer führen, dann hast Du Deinen persönlichen Risikofaktor.

So, das war's aber für dieses Jahr. Nächstes Jahr guck ich nochmal.

It's Official: Apple Killed Music!

Medienjunkie SpOn zitiert den Universal-Chef: "Apple hat die Musikindustrie zerstört"

Heute sind also Apple und iTunes am Niedergang der Musikindustrie schuld?

Gestern waren es noch P2P und das Internet.
Davor war's MTV.
Davor war's Home Taping auf Kompaktkassetten.
Davor waren es Tonbandgeräte und 8-Track.
Und davor mechanische Klaviere mit Notenrollen.

Wieviel Leben hat diese verfickte Musikindustrie denn bitte? Kommt wirklich keiner auf die Idee, es mal mit einem Holzpfahl ins Herz oder einer Silberkugel zu versuchen oder ihr einfach den Kopf abzuhacken?

PS: ICH glaub ja, dass am Tod der Musik schlussendlich Marktforschung und Teenager mit zu viel Taschengeld schuld sein werden. Und am Tod der Musikindustrie vermutlich nur ihre eigene Gier.

Die Zukunft der Oscars

Medienjunkie Wenn man Google nach "OSCARTORRENTS" fragt, landet man zur Zeit auf einer spannenden Seite — ich würde sie ja gern direkt verlinken, aber ein Link kann einen ja in unserem Land vor den Kadi bringen, wenn die alles bestimmenden Medienkonzerne das wünschen. Das Recht auf freie Rede endet halt da, wo der Hypertext anfängt.
"Die Zukunft der Oscars" vollständig lesen

Er mahnt mich ab...

KabelfreakMedienjunkie Unter der Überschrift liefert Es ist zum Kotzen... liefert der Blogger für den Weltfrieden das Lied des Tages: Ich mahn Dich ab! (via WWWW)

Nachtrag, 19. Juni 2008: Ich hab den Song neu verlinkt, der alte Link litt unter "bit rot".

Nachtrag, 16. August 2010: Mittlerweile ist auch der aktualisierte Link verrottet. Sorry.