
[Wieder mal Contentrecycling mit minimaler Überarbeitung: die älteste Fassung dieses Textes, die mir noch vorliegt, stammt aus dem
März 2004 Juni 2001 und liegt bei everything2.org Juni 2000 und liegt bei
archive.org, die aktuelle Fassung ist wikipedifiziert.]
Die Abneigung, die viele Freaks gegen
Bill Hates hegen, basiert nicht auf Neid. Sie basiert vielmehr auf Verärgerung über die Geschäftsmethoden von
Microsoft und darüber, dass Gates sein Vermögen mit der Vermarktung minderwertiger bis mittelmäßiger Produkte gemacht hat, ohne selbst irgendwelche nennenswerte Innovation in die Welt der Computer einzubringen.
Wie viele der folgenden Produkte hat Microsoft wohl selbst von der Konzeption bis zur Produktreife entwickelt?
Microsoft BASIC • Multiplan • Microsoft Excel • MS-DOS • Microsoft Word • Microsoft Flight Simulator • DoubleSpace / DriveSpace • Microsoft Windows • Microsoft Bob • Microsoft Money • Windows NT • Internet Explorer
Durchzählen, überlegen, nochmal durchzählen, weiterlesen...
Microsoft BASIC? Nein!
Als Bill Gates und Paul Allen 1975 auf die Idee kamen, einen
BASIC-Interpreter für die ersten Homecomputer (
Altair u.a.) zu vermarkten, war BASIC war schon zehn Jahre lang in der Public Domain, Interpretersprachen gab’s seit den Fünfzigern. Eins und eins zusammenzuzählen und einen BASIC-Interpreter in ein wenige KB großes Assemblerprogramm zu packen, war nicht besonders innovativ.
Die ersten Homecomputer waren unförmige Kisten mit ein paar Schaltern und Lämpchen und praktisch ohne weitere Peripheriegeräte. Ihr praktischer Nutzen war gleich null, sie wurden meist als Selbstbaukits an Elektronikbaster verkauft, die sich dann in »User Groups« zusammentaten um gemeinsam neue Wege zu finden, die ersten vierundfünfzig Primzahlen zu ermitteln. Ich wäre ganz sicher nicht auf die Idee gekommen, in diesem Umfeld einen Vertrieb für kommerzielle Software aufzubauen. Alle Achtung! Einzig diese Voraussicht begründet Gates Ruf als »Visionär«.
Als wichtigstes Anwendungsfeld von Homecomputern in der Zukunft prophezeite man damals die Verwaltung von Kochrezepten und Einkaufslisten... man hätte kaum falscher liegen können: auch wenn die übliche Küche heute zahlreiche Mikroprozessoren beheimatet, beschäftigt sich auch 2000 2004 2007 2008 immer noch keiner davon mit Kochrezepten oder Einkaufslisten.
Man muss das unternehmerische Gespür anerkennen, in CPU-Zeit auf einem Microcomputer zu »investieren« (sprich: Zeit auf dem Schulcomputer abzuzweigen) um sich mit Hilfe einer dort laufenden Entwicklungsumgebung einen Vorsprung gegenüber anderen Entwicklern zu verschaffen — so konnte Microsoft Software für Computer entwickeln, die noch gar nicht verkauft wurden, und zudem schneller als jemand, der das direkt auf der Zielmaschine tat. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten war das offensichtlich eine geniale Entscheidung, wie die folgenden Dekaden bewiesen — der gesamte Wohlstand von Microsoft beruht auf diesem Timing: das Geschäft mit unterschiedlichen BASIC-Versionen für die Ende der Siebziger verbreiteten Homecomputer brachte Gates in Kontakt mit IBM.
Betrachtet man Softwareentwicklung aber als sportlichen Wettstreit, in dem der beste Programmierer die Lorbeeren erhalten sollte, dann kopierte Gates nicht nur seinen Laufstil von den Olympiasiegern der Vorjahre, sondern lief in diesem Rennen auch lange vor dem Startschuss los und hatte nur die Hälfte der Hürden auf seiner Bahn.
Die ersten Jahre bestimmten die weitere Marschrichtung. Statt mit neuen technischen Ideen machte Microsoft durch »innovative Marketingmethoden« auf sich aufmerksam. Legendär ist z.B. ein Leserbrief von 1976, in dem Gates die »meisten« Altair-Nutzer des Diebstahls an seinem geistigen Eigentum bezichtigte.
Multiplan? Excel? Nö!
1979 hatten Homecomputer Bildschirme und Tastaturen und es erschien das erste Anwendungsprogramm auf der Bildfläche, mit dem man tatsächlich etwas sinnvolles anfangen konnte:
VisiCalc, die erste Tabellenkalkulation, machte den Apple ][ binnen kürzester Zeit zum erfolgreichsten Homecomputer und wurde so zum Prototyp der »
Killerapplikation«.
Dan Bricklin, der Autor, fragte bei Bill Gates an, ob man VisiCalc vermarkten wolle. Microsoft lehnte ab. Schade für VisiCorp: Software war in den USA zu dieser Zeit noch nicht patentierbar.
Microsoft stieg mit der Tabellenkalkulation Multiplan ins Geschäft mit Anwendungssoftware ein. Design und Funktionsweise waren 1:1 von VisiCalc übernommen. Viele Jahre später erhielt Multiplan eine grafische Oberfläche und wurde zu »Excel«. Aber man könnte heute immer noch Teile der ersten Visicalc-Anleitung in eine aktuelle Excel-Anleitung übernehmen, ohne dass es auffallen würde.
Mit diesem »VisiCalc-Klon« hat Microsoft über Jahrzehnte Unsummen verdient, das sei genug Belohnung für eine kluge Geschäftsentscheidung. Aber mit dem Diebstahl einer Produktidee hat sich Gates unter den Computerfreaks keine Freunde gemacht. All Hail Dan Bricklin!
MS-DOS? Auch nicht!
IBM entschied Anfang der 80er, den Markt für Homecomputer nicht weiter zu ignorieren, sondern mit der Kraft der drei Buchstaben in einen Markt für
Personal Computer zu verwandeln. Doch in diesem schnelllebigen Segment ließ sich mit den IBM-üblichen Entwicklungszyklen nicht punkten. Ein marktreifes Produkt innerhalb eines Jahres zu entwickeln war für IBM nur unter Umgehung der historisch gewachsenen Strukturen im Konzern möglich.
Statt alles selbst zu entwickeln, wählten die Projektverantwortlichen ein Design aus am Markt verfügbaren Komponenten. Es war gleich klar, dass es nicht möglich war, bis zur geplanten Markteinführung alle geforderten Schnittstellen in ein Design zu integrieren, also schuf man statt dessen eine Möglichkeit, die Komponenten später nachzuliefern: der resultierende modulare Aufbau der PC-Architektur mit mehreren Slots für Steckkarten war einer der Faktoren, die zum Erfolg des Systems führten.
Auf der Suche nach einem BASIC-Interpreter für diesen ersten PC wandte sich IBM an den Marktführer auf diesem Gebiet: Microsoft. Der PC sollte neben dem eingebauten BASIC aber auch mit einem von Diskette ladbaren
Betriebssystem ausgeliefert werden. Bill Gates berichtet, dass er IBM auf die Frage nach einem möglichen Lieferanten an
Digital Research, die Hersteller von
CP/M, verwies.
Die Verhandlungen zwischen IBM und Digital Research liefen nicht so gut. IBM erschien mit einem Team in Uniform (dunkler Anzug, weißes Hemd, Krawatte, Sockenhalter) am Firmensitz der Langhaarigen und präsentierte gleich die übliche Vertraulichkeitsvereinbarung, sinngemäß: »Alles, was wir im folgenden über uns sagen, ist streng vertraulich. Alles, was wir über euch erfahren, können wir weitersagen. (Also sagt uns nichts über euch, was wir nicht weitersagen dürfen.)«
Natürlich in juristischer Fachsprache... und ohne Unterzeichnung des NDAs konnten keine Gespräche beginnen.
Der Chef von DR, Gary Kildall, war nicht anwesend (angeblich zog er lieber in seinem Privatflugzeug seine Runden über der Stadt), seine Frau traute sich auch nach Rücksprache mit dem Firmenanwalt nicht, das mehrseitige Dokument zu unterschreiben, also zogen die Leute von IBM unverrichteter Dinge wieder ab.
Bill Gates ließ sich die Chance nicht nochmal entgehen. Als er von den fehlgeschlagenen Verhandlungen hörte, bot er IBM an, ein Disketten-Betriebssystem zu liefern. IBM stimmte zu.
Die Zeit reichte nicht zur Entwicklung, also musste eingekauft werden. Gates fand einen Programmierer, der lt. eigener Aussage ein CP/M-Handbuch als Grundlage für die Entwicklung seines Betriebssystems herangezogen hatte. Er nannte es »
QDOS« (Quick and Dirty Operating System). Ein derogativer Programmname ist — unter Computerfreaks — nicht unbedingt ein Zeichen für ein schlechtes Produkt, aber in diesem Fall handelte es sich wohl tatsächlich um ein relativ unfertiges Programm, das zahlreiche Features anderer Betriebssysteme vermissen ließ.
Das daraus entstandene PC-DOS alias MS-DOS war ein reinrassiger CP/M-Klon, der Erfolg basiert auch hier auf Marketing, nicht auf technischem Fortschritt.
MS-DOS wurde zum Kleister, der den entstehenden Markt für PC-kompatible Rechner zusammenhielt. Alle für den IBM PC verfügbaren Programme benutzen zu können, sicherte den Erfolg eines Computermodells — und der einfachste Weg, das zu erreichen, war ein PC-kompatibles BIOS und ein PC-kompatibles Betriebssystem. Die Rechte für das BIOS von IBM zu erhalten war unmöglich, doch mit Hilfe von Reverse Engineering konnte man ein BIOS mit identischen Funktionen programmieren. Beim Betriebssystem gab es einen einfacheren Weg — man bezog es von Microsoft. So wurde »MS-DOS« zu einem Qualitätssiegel für Kompatibilität mit dem IBM PC, und Microsoft gewann im Aufwind des weltgrößten Computerkonzerns an Flughöhe.
Historisch betrachtet begann spätestens hier die Monopolisierung des Marktes — ein PC-Hersteller, der keine MS-DOS-Lizenzen bekommen konnte, konnte das Licht ausmachen.
Word? Sicher nicht.
Die übliche Geschichte: Produkte wie
WordStar oder
WordPerfect pflasterten den Weg, Microsoft baute sie nach und hatte bei Einführung von Windows 3.x als Hersteller genügend Vorsprung bei der Entwicklung, um Word für Windows als Standard zu etablieren.
Microsoft Flight Simulator? Muha.
Der MSFS begann sein Leben als
subLogic Flight Simulator, Microsoft lizenzierte das Produkt und kaufte schließlich die Entwicklerfirma (zu dem Zeitpunkt BAO) auf. Lange Zeit war MSFS das Kernprodukt von
Microsoft Game Studios, aber auch die anderen Spiele wurde (größtenteils? alle?) eingekauft und nicht selbst entwickelt oder gar konzeptioniert.
Und während MSFS seit Jahrzehnten im Prinzip die gleiche Simulationsmethode benutzt — nämlich das Nachschlagen in vorgegebenen Tabellen — und dafür von Hardcoresimulierern kritisiert wird, sind andere Simulatorhersteller längst dazu übergegangen, das Flugverhalten beliebiger Flugzeuge oder Hubschrauber anhand ihrer realen Form und physikalischen Eigenschaften zu simulieren (
X-Plane).
DoubleSpace? DriveSpace? Geklaut!
Als Killerfeature in MS-DOS 5.0 eingeführt hat die Festplattenkomprimierung viele Nutzer das Zittern gelehrt — viele verloren in der ein oder anderen Form Daten. Der Komprimierungsalgorithmus selbst führte zu zwei Nachfolge-Versionen von DOS: Microsoft hatte den Code aus Stacker nicht nur geklaut, sondern sich auch noch vom Hersteller dabei erwischen lassen.
Stac Electronics erhielt 120 Millionen US$ Schadensersatz.
Windows? Abgeguckt!
Xerox war mal der Inbegriff von Bürotechnik, so sehr, dass man im Amerikanischen für »fotokopieren« in der Umgangssprache bis heute »to xerox« verwendet. 1970 gründete Xerox das
Palo Alto Research Center (PARC), ein Zentrum, das Grundlagenforschung im Bereich der Bürokommunikation betrieb. Ein paar Dutzend der hellsten Köpfe der Computerszene entwickelten oder verfeinerten hier innerhalb weniger Jahre viele der Technologien, mit denen wir heute noch arbeiten.
Die Vernetzung von PCs und Peripheriegeräten per
Ethernet,
Laserdrucker,
Notebooks, die
grafische Benutzeroberfläche (GUI) mit Fenstern und Symbolen, die Bedienung mit Maus und Mauszeiger (
WIMP), »What you see is what you get« (
WYSIWYG, ein Konzept, das heute so selbstverständlich ist, dass man es kaum noch erklären kann) — alles im PARC entwickelt oder wenigstens zum ersten Mal in einem Demosystem integriert.
Sowohl
Steve Jobs von
Apple als auch Bill Gates hatten Gelegenheit, PARC zu besichtigen. Als »Visionäre« (muha!) erkannten sie — wohl im Gegensatz zum XEROX-Management — auch beide das Marktpotenzial. Steve Jobs besorgte sich einen Vorsprung: er stellte Ex-PARC-Mitarbeiter an und tauschte mit Xerox ein paar Apple-Aktien für eine Tour mit den wichtigsten Apple-Entwicklern durch das PARC ein. Apple war mit dem
Mac-Vorläufer
Lisa schon mit einer grafischen Oberfläche auf dem Markt, als Microsoft noch versuchte, in MS-DOS Konzepte wie Festplatten und Verzeichnisse zu integrieren.
Nach den ersten Schritten mit Multiplan strebte Microsoft an, sich im Anwendungsmarkt zu etablieren. Jobs wusste, dass sein neues Apple-Modell »Macintosh« Applikationen benötigen würde, um im Umfeld der PC-kompatiblen eine Chance zu haben, so nahm er Gates ins Boot: Microsoft solle eine Suite von Anwendung für den Mac entwickeln.
Als Dan Bricklins Firma VisiCorp die grafische Anwendungssuite
VisiOn für PC-kompatible auf den Markt brachte, kündigte Microsoft als Reaktion »Windows« an. Von diesem Moment an hatten VisiOn und
GEM nicht die Chance eines Pickels in einer Supernova.
Die großen PC-Hersteller dieser Zeit waren zwar mit nachgebauten IBM PCs bzw. XTs in den Markt eingestiegen, hatten sich aber nicht dauerhaft darauf beschränkt. Als IBM es versäumte, rechtzeitig ein Nachfolgemodell für den PC zu präsentieren, das die Geschwindigkeit der nächsten Prozessorgenerationen nutzte, zogen neue Firmen wie Compaq (heute Teil von HP) mit den ersten 286ern an IBM vorbei. Doch keiner konnte sich dazu durchringen, seine Rechner gegen den Willen von Microsoft mit einer grafischen Benutzeroberfläche auszustatten — das Microsoft-Produkt war ja bereits angekündigt und ohne MS-DOS-Lizenzen konnte der nächste Computer noch so schnell sein — er würde sich nicht verkaufen lassen.
Bill Gates hatte auch schon eine Ahnung, wo man die innovativen Ideen für Windows finden könne: kurz vor Markteinführung des Macintosh drohte Microsoft, die Anwendungs-Suite nicht zu veröffentlichen, sofern Apple nicht zwei Bedingungen zustimmen würde: Apple solle Microsoft Teile der Mac-Oberfläche für die Windows-Suite lizenzieren und auf die Veröffentlichung von MacBasic verzichten. Apple stimmte notgedrungen zu.
Bei Markteinführung war keine einfache High-Level-Sprache für den Mac verfügbar. Weder MacBasic noch MS-BASIC wurde fertiggestellt. Als Alternative entwickelte Apple HyperCard, das erste populäre Hypertext-System (incl. unterstrichenem, anklickbarem Text).
Man sagt, dass Microsoft den eigenen BASIC-Interpreter mit Ideen aus MacBasic und HyperCard kombinierte — und zwar zu »Visual Basic«.
Wie immer nutzte Microsoft den Vorsprung der Konkurrenz strategisch aus: was man abkupfern kann, muss man schließlich nicht selbst erfinden. Der leitende Programmierer für die Mac-Applikationen wurde leitender Programmierer des Windows-Projektes, das »Design-Dokument« für Windows war der Mac selbst.
Die Gemeinsamkeiten zwischen neuen Windows-Versionen und ihren jeweiligen MacOS-Vorgängern waren Gegenstand eines Gerichtsverfahrens, das 1988 von Apple angestrengt und 1992 zu Gunsten von Microsoft entschieden wurde. Der Richter mochte der Argumentation von Apple nicht folgen, dass man die Oberfläche und Programme als Ganzes — »Look and Feel« — betrachten müsse, und ließ statt dessen von Apple eine Liste mit fast 200 Details erstellen, die in Windows kopiert worden seien. Einzeln betrachtet waren diese Gemeinsamkeiten jedoch entweder nicht schutzwürdig oder von der unscharf formulierten Lizenz abgedeckt, die Microsoft 1985 von Apple »erpresst« hatte.
Ab der Ankündigung dauerte es zwei Jahre, bis Windows auf dem Markt war und nochmal über vier Jahre, bis man es (in Version 3.1) wirklich benutzen konnte. Keine andere grafische Oberfläche hatte auf dem PC je einen signifikanten Marktanteil, weder VisiOn, noch GEM, noch der Versuch von IBM,
OS/2, oder gar
BeOS.
Fazit: Microsoft hat die graphische Benutzeroberfläche weder erfunden noch populär gemacht, sondern bei der Implementation kopiert (und das nicht mal unbedingt gut) und erneut durch das Nachmachen erfolgreicher Technologie die eigene Marktposition gesichert und Unmengen von Dollars geschaufelt. Davor könnte man als BWLer Respekt haben, aber nicht als Computerfreak.
Wie weit würde Microsoft gehen, um sich vor der Konkurrenz zu schützen? An zentralen Stellen von Windows 3.1 findet man Code, der nur eine einzige Funktion hat: zu verhindern, dass Windows sich starten lässt, wenn auf dem Rechner statt MS-DOS ein kompatibles Produkt eines Mitbewerbers installiert ist.
Wieso wissen wir, dass es sich hier um Absicht handelt und nicht einfach um einen Fehler in Windows? Nun, wir schließen das aus der Tatsache, dass Microsoft große Anstrengungen unternommen hat, um die entsprechenden Programmteile zu verstecken: sie sind verschlüsselt, selbst-modifizierend und enthalten Befehle, die die Analyse per Debugger unmöglich machen sollen.
Der Code wurde dennoch entdeckt und analysiert. Er war nur in Vorversionen von Windows 3.1 tatsächlich aktiv, in der Verkaufsversion wurde er zwar ausgeführt, das Ergebnis dann aber ignoriert. Man hatte einen besseren, nicht-technischen Weg gefunden, die Mitwerber auszuschalten:
Andere grafische Oberflächen waren nicht deshalb chancenlos, weil sie schlechter waren als Windows, sondern weil sie niemals eine Chance hatten, überhaupt von einer kritischen Masse von Nutzern wahrgenommen zu werden. Natürlich wird kein »normaler Nutzer« auf Windows verzichten wollen, wenn er einen neuen Rechner kauft. Aber was hindert den Verkäufer daran, zwei Betriebssysteme auf dem Rechner zu installieren?
In den Jahren 1998/99 versuchte die Firma Be ihr neues, elegantes, schnelles, intuitives Betriebssystem BeOS auf dem Markt zu etablieren. Be bot diversen Herstellern, darunter Dell, Compaq, Micron und Hitachi, kostenlose BeOS-Lizenzen an. Es wäre technisch ein leichtes gewesen, sowohl Windows und BeOS auf Desktoprechnern vorzuinstallieren und dem Nutzer beim Starten des Rechners die Wahl zwischen beiden Systemen zu lassen. Wenn da nicht das Kleingedruckte in der Windows-Lizenz wäre: da heißt es ausdrücklich, dass ein Rechner, der mit einem Microsoft-Betriebssystem ausgeliefert wird, kein nicht-Microsoft-Betriebssystem als Boot-Option anbieten darf.
Wenn der Käufer eines Computers beim Booten zwischen zwei Systemen wählen kann, wird er sich sicher beide mal ansehen — aber wenn er sich beim Kauf entscheiden muss, wird er mit großer Sicherheit das System wählen, das er von seinem vorherigen Rechner oder vom Arbeitsplatz kennt oder das sein Nachbar benutzt.
Microsoft Money? Nope!
Wie gern hätte Microsoft seinen minderwertigen Quicken-Klon 1995 gegen das Original eingetauscht und
Intuit gekauft, aber die Kartellwächter ließen es nicht zu. So’n Pech aber auch.
Windows NT? Na ja.
Der geistige Vater von Windows NT war vorher bei Digital Equipment der leitende Entwickler von VMS und OpenVMS, man kann NT getrost als VMS mit Windows-Oberfläche bezeichnen. In keiner Beziehung originell.
Internet Explorer? Eingekauft.
Das Internet wurde in den 60ern erdacht, entstand in den 70ern aus dem Forschungsnetz
ARPANET, verbreitete sich in den 80ern über die Welt und jeder, der irgendwann damit zu tun bekam, spürte die Faszination und erahnte die Macht des neuen Mediums.
Jeder, außer Bill Gates.
Mit Windows 3.x kam man als Enduser nur ins Internet, wenn man sich zusätzlich die Shareware »Trumpet
Winsock« (oder einen vergleichbaren
TCP/IP-Stack) installierte. Windows 95 war das erste Windows, das einen eigenen (aus dem Unix-Derivat BSD übernommenen) TCP/IP-Stack mitbrachte, mit dem man sich per Modem ins Internet einwählen konnte.
Als sich der Erfolg des World Wide Web und damit auch des Netscape Navigator abzeichnete, entschied man sich bei Microsoft kurzerhand, daß man das Internet schon immer in Windows integrieren wollte und lizenzierte den
Spyglass-Browser als Internet Explorer.
Microsoft entwickelte die erste Version im Jahr 1995, aufbauend auf einem Lizenzvertrag der Firma Spyglass. Im Rahmen einer Vereinbarung wurden Spyglass eine quartalsmäßige Gebühr sowie ein Prozent an den Einnahmen versprochen. Da Microsoft den Browser kostenfrei vertreibt und somit keine direkten Einnahmen macht, zahlte das Unternehmen lediglich das versprochene Minimum. 1997 drohte Spyglass mit einer vertraglichen Prüfung. Microsoft zahlte 8 Millionen US-Dollar zur Schadensbegrenzung. (Wikipedia)
Fazit: Microsoft ist groß darin, Me-Too-Produkte zu bauen und ihnen mit unfairen Marketingmethoden — dem sprichwörtliche Microsoft-FUD (
Fear, Uncertainty and Doubt) — innerhalb eines monopolisierten Marktes zum Erfolg zu verhelfen. Und oft bleibt dabei die technologisch überlegene oder benutzerfreundlichere Lösung auf der Strecke.
Und die Antwort auf die Frage, wieviele der aufgezählten Produkte Microsoft von Grund auf entwickelt, erfunden hat... ein einziges, wenn man meiner Argumentation folgt: