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T-Home verletzt das Urheberrecht von Microsoft

Kabelfreak Liebe Freunde bei T-Home,



Ein Nutzer, bei dem — bei einem Besuch Eures Internetangebotes — ein "allgemeiner Fehler" in Form eines "technischen Problems" auftrat, hat sich, wunschgemäß, an seinen Systemadministrator, nämlich mich, gewandt.

Bitte sendet mir eine Liste Eurer Hosts, inkl. root-Passwörter, dann kümmere ich mich gerne darum.

Vielen Dank für meine Geduld,
der Systemadministrator

Bei dem Bild handelt es sich um eine Montage zweier Screenshots. Alle Elemente und Texte stammen von der T-Home-Startseite von heute, Stand etwa 16:45. Ich habe sie lediglich gerafft und skaliert, um die Screenshots blog-tauglich zu machen. Vielleicht hätte ich die Mauszeiger noch übermalen sollen.

Computerfreaks haben keine Freunde

Kabelfreak Ihr kennt das Spiel: die Auswertungssoftware für Weblogs pickt sich bei Zugriffen, die von Suchmaschinen auf diese Site führen, die verwendeten Suchworte aus dem Referer-Header des HTTP-Requests und wertet sie aus. Der gelangweilte Webmaster guckt die Liste durch und schmunzelt, der zu Tode gelangweilte Webmaster macht einen Blogeintrag draus (der letzte war "Sex mit Bananen").

Kleiner Einschub: Der Referer-Header heißt übrigens "Referer"-Header (mit drei "r"), obwohl darin der Referrer (mit vier "r") angegeben wird. Das hat rein historische Gründe — nämlich einen Schreibfehler in RFC 1945, dem Dokument, das HTTP/1.0 definiert — und demonstriert, welche Priorität Orthographie für die Geburtshelfer des Interwebs hatte.

Aber nun zu den schönsten Suchbegriffen der letzten Monate:

• "weltuntergang im jahr 2038"
Wenn der Zusammenbruch des Kapitalismus mit dem Aufbrauchen der letzten Ölreserven, dem Abschmelzen des verbliebenen Polareises und dem überlaufenden Integer in Unix-Zeitangaben zusammentrifft, könnte das in der Tat ein spannendes Jahr werden.

• "bill gates c64"
Vor dem C64 war der VC20. Vor dem VC20 war der PET. Vor dem PET war KIM-1. Damals (1977) hatte man Cassettenrecorder statt Festplatten und eine leicht zu erlernende Interpretersprache war ein wichtiges Feature für einen neuen Homecomputer. Marktführer für BASIC-Interpreter für 8bit-Prozessoren war Microsoft (damals noch "Micro-Soft"). Bill Gates hielt nicht viel vom 6502, dem von Commodore verwendeten Prozessor, dennoch schrieb er selbst Teile des Codes des 6502-BASIC. Commodore erwarb eine Lizenz für eine Einmalzahlung von zehntausend US-Dollar und ließ sich das Recht einräumen, den BASIC-Interpreter für die eigenen Maschinen weiterzuentwickeln. Aus dem Micro-Soft BASIC im KIM wurde "COMMODORE BASIC" im PET, dann "CBM BASIC V2" im VC20 und schließlich "COMMODORE BASIC V2.0" im C64. Und so landete auch Code von Bill Gates im C64. Erst bei der Entwicklung des C128 wurde erneut zwischen Microsoft und Commodore verhandelt. (Quelle: "On the Edge — The Spectacular Rise and Fall of Commodore" von Brian Bagnall)

• "darf ich für meinen freund eine cd kopieren die ich selbst gekauft habe"
Nach meinem Verständnis als juristischer Laie: eindeutig ja. Das nennt sich Privatkopie und die Wikipedia sagt dazu:
Nach § 53 Abs. 1 UrhG darf die Vervielfältigung nur zum privaten Gebrauch hergestellt werden. Damit ist eine Verwendung für kommerzielle Zwecke ausgeschlossen. Die Weitergabe an Dritte ist zwar zulässig, Voraussetzung ist jedoch, dass die Kopien im privaten Bereich verbleiben, also nicht an nur flüchtig Bekannte weiter gegeben werden.

In dem Zusammenhang fällt mir ein, dass ich mal gesagt haben wollte, dass "Raubkopierer", ganz entgegen der Behauptungen der Propaganda, keine Verbrecher sind, weil ein Verstoß gegen das Urheberrecht kein Verbrechen (eine "schwerwiegende" Straftat) ist, sondern ein Vergehen (eine "minderschwere" Straftat).

• "bilder aus den ms dos internet der 80er" (sic!)
Damals hatten wir noch keine Bilder im Internet, mein junger Freund. Eigentlich hatte in den 80ern noch niemand Internet, außer ein paar glücklichen Studenten an ausgewählten Unis. Alle anderen gaben sich noch damit zufrieden, sich mit 300 Baud (ca. 0,0003 Mbps) in "Mailboxen" einzuwählen. Aber natürlich wir hatten schon die Vorgänger von Schweine-GIFs.

• "im welchen jahr entstand die älteste microsoft maus" (sic!)
Das revolutionäre Rollkugeleingabegerät wurde in den 60ern vom Benutzeroberflächenpionier Doug Engelbart und seinem Team am ARC entwickelt und 1968 der Öffentlichkeit präsentiert. Die Microsoft-Maus kam im Mai 1983 auf den Markt, ein halbes Jahr nachdem die erste Logitech-Maus (P4) präsentiert wurde. (Ich verweise immer wieder gern auf meinen Artikel zum Produktdesign bei Microsoft.)

• "computerfreaks haben keine freunde"
Ach, jetzt reißte die Fresse auf, aber wenn Dein Windows mal wieder zerschossen ist, kommste wieder angekrochen.

• "achtung jetzt kommt ein karton sesamstrasse"
Falsche Sendung. Der "Kartong" fiel nicht in der Sesamstraße, sondern in der Rappelkiste mit Ratz und Rübe. Mehr dazu in Meine Generation und die Medien.

• "samsung notebook linux"
Das würde ich mir zweimal überlegen. Lt. Aussage von Samsung gefährdet der Betrieb von Samsung-Notebooks mit "unautorisierten" Treibern die Gewährleistung — und für Linux gibt's natürlich keine autorisierten Treiber.

• "kann ps3 kopiergeschützte spiele abspielen"
Soweit mir bekannt ist, laufen auf einer PS3 ohne Modchip ausschließlich kopiergeschützte Spiele.

• "ist filme laden bei the pirate bay sicher?"
Wie die Oma immer sagte: "Sicher ist nur der Tod." Guck Dich ein bisschen auf der Seite um, gewinne ein Gefühl dafür, wieviele User die Tracker der Site zu jedem beliebigen Zeitpunkt nutzen (ich gehe von einer sechsstelligen Zahl aus), setze diese Zahl ins Verhältnis zur Anzahl der Verfahren, die Musik- und Filmindustrie gegen Filesharer führen, dann hast Du Deinen persönlichen Risikofaktor.

So, das war's aber für dieses Jahr. Nächstes Jahr guck ich nochmal.

Konsumfrust in Serie

Lustmensch Die Kacke mit dem Samsung-Notebook ist nicht der einzige Konsumfrust, der mich momentan plagt. Ich ziehe Probleme bekanntlich an, wie ein präpubertärer Messdiener die katholischen Pfaffen — was mir zeitweise beruflich bei der Qualitätssicherung zugute kam, sich aber in allen anderen Lebensbereichen immer wieder als weniger vorteilhaft erweist. So z.B. bei meiner aktuellen Serie von Handels- und Dienstleistungskatastrophen...

Im August haben wir bei neckermann.de einen Raumteiler bestellt, bei dem der Oberboden an einer Kante an mehreren Stellen jeweils über mehrere Zentimeter eingedrückt und gesplittert ist — vielleicht von zu straff gespannten Haltegurten? Der Fahrer hat die Pakete natürlich rein zufällig so hingelegt, dass die Beschädigung der Umverpackung nicht zu sehen war, es fiel uns erst beim Aufbauen auf. Also erst einige Tage nach der Reklamation der fehlenden Holzdübel — ich sag doch, ich hab 'ne Serie!

Die erste telefonische Reklamation wurde von Neckermann entgegengenommen ("Das kann zehn bis vierzehn Tage dauern"), nach drei Wochen war noch nichts passiert, auf meine Nachfrage wusste man nichts von der Reklamation ("Ich seh hier nur die Holzdübel" — "Ja, DIE sind inzwischen da"), man redete sich auf gelegentlich abstürzende Computer raus und nahm die Reklamation erneut auf ("Ich versuche es als Eillieferung, aber es kann zehn bis vierzehn Tage dauern"). Ja, nee, klar, Eillieferung. Ich bin ja gestern erst auf diesem Planeten gelandet.

Zwei Wochen später hieß es dann auf meine Nachfrage, ich möge doch bitte noch eine Woche Geduld haben (und auf meine beiläufige Frage nach einer "Eillieferung", dass sowas bei Reklamationen leider nicht möglich sei). Eine weitere Woche später erklärte man mir, ich möge mich doch nochmal melden, wenn in einer Woche immer noch nichts passiert sei. "Wozu? Damit Sie mir dann sagen können, dass ich bitte noch eine Woche Geduld haben soll?" Die Neckerfrau erläuterte, sie könne ja auch nichts anderes tun, als das nochmal ins System einzugeben, oder sie könne eine Neulieferung veranlassen, die würde dann aber auch drei bis vier Wochen brauchen. "Ich soll mich also entscheiden zwischen einem Regal in drei bis vier Wochen oder einem Oberboden, von dem keiner weiß, wann oder ob er überhaupt kommt, der aber eigentlich binnen zehn bis vierzehn Tagen eintreffen sollte, oder, wenn man's mal genau nimmt, eigentlich schon vorletzte Woche?" Die Zusage, für mich beim Lieferanten per Fax herauszufinden, wann ich mit einer Lieferung rechnen kann, und mich mit dieser Information Anfang kommender Woche zurückzurufen, musste ich dann ihrer Vorgesetzten abringen.

Man mag sich fragen, warum ich mich nicht mit der ersten Antwort zufrieden gebe, warum ich mein Notebook wieder und wieder in Reparatur schicke, warum ich meine Probleme an Callcenterteamleiter und andere Vorgesetzte eskaliert haben will, warum ich auch mal 'ne Stunde lang mit einem Callcenterhansel rumstreite, obwohl ich weiß, dass es vermutlich nichts bringen wird... das hat mit einer Lektion zu tun, die ich bei AOL gelernt hab: es gibt Firmen, die haben, ganz im Gegensatz zu ihren Lippenbekenntnissen, überhaupt kein Interesse daran, ihren Kunden guten Service oder gute Produkte zu bieten. Sowas ist Geldverschwendung. Andererseits sind auch allzu schlechte Produkte und Dienstleistungen Geldverschwendung, weil dadurch Folgekosten entstehen (z.B. Reparaturen in der Gewährleistungszeit, hohe Kosten für's Callcenter, schlechte Mundpropaganda und, wenn man's nicht durch geeignete Maßnahmen abwenden kann, schlechte Presse). Ideal sind mittelmäßige Produkte, die für die meisten Kunden einigermaßen funktionieren, den Rest regelt das Marketing.

Wenn man als Kunde erst mal auf's Marketing reingefallen ist und auf einem minderwertigen Produkt sitzt, hat man eigentlich nur noch einen Hebel, an dem man ziehen kann: man kann die Folgekosten des schlechten Produkts noch weiter in die Höhe treiben und hoffen, dass das langfristig dazu beiträgt, dass Waren und Dienstleistungen weniger mittelmäßig werden.

Nachtrag, 30. Oktober 2007: Passend dazu: The Ultimate Consumerist Guide To Fighting Back (Revised Edition)

Noch ein Beispiel für meine Serie gefällig?

Ich hab der besten Lebensgefährtin von Mitte letzter Woche bei einem gewerblichen Anbieter auf dem Amazon Marketplace ein Headset für WoW bestellt. Am Donnerstag kam es an... in einer total verdreckten und aufgerissenen Luftpolsterverpackung... und in Einzelteilen. Dabei hatten wir gar keinen Bausatz bestellt. Das führte zu folgendem Dialog zwischen mir und dem Lieferanten.
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DRM vor dem Aus?

Medienjunkie Es scheint mir, als würde sich auch unter den Entscheidungsträgern langsam rumsprechen, dass eine kritische Masse der Konsumenten verstanden hat, dass DRM sich nicht zu Gunsten der Kunden auswirkt. Seltsam muss anmuten, dass sich dazu im Moment gerade die (größten?) Anbieter von DRM-Systemen skeptisch äußern.

Microsoft hat mehrere DRM-Systeme und einen eigenen Musikvertrieb am Start und Bill Gates empfiehlt ganz pragmatisch, Musik lieber auf CDs zu kaufen und dann zu rippen (eigentlich schade, dass es immer weniger CDs zu kaufen gibt und immer mehr kopiergeschützte "Produkte", die nicht dem Blue Book-Standard entsprechen und bei denen es reine Glücksache ist, ob man sie rippen oder überhaupt abspielen kann).

Apple ist mit iTunes mit 75% Marktanteil der große Gewinner beim digitalen Musikvertrieb und Steve Jobs ruft die großen Label auf, ihre Haltung zu DRM zu überdenken. Bob Cringely spekuliert, dass sich Selbstdarsteller Jobs gerade jetzt zu dem Thema äußert, weil sich die Einsicht, dass DRM ein Holzweg war, inzwischen auch bei den Musikkonzernen durchsetzt.
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Rumgenörgel: Monstersignaturpflicht für geschäftliche Mails

KabelfreakSchwarzseher Heise berichtet über den seit Anfang des Jahres geltenden erweiterten Signaturzwang für Geschäftsbriefe:
Informationen, die Kaufleute bislang nur auf gedruckten Briefen unterbringen mussten und die dort zumeist die Fußzeile der ersten Seite belegen, müssen nun in Geschäftsbriefen jedweder Form auftauchen, also auch in E-Mails. Die Angaben müssen deutlich auf dem Geschäftsbrief lesbar sein.

Als Oldtimer erinnere ich mich noch an die Endlosdiskussionen, die Signaturen, die deutlich länger als vier Zeilen waren, in den 80ern (jaja, im letzten Jahrhundert) in den verschiedensten Newsgruppen auslösten. Die Signatur, die ich künftig benutzen soll ist 19 (i.W. neunzehn) Zeilen lang. Da sträuben sich mir die Nackenhaare.
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