Ihr kennt das Spiel: die Auswertungssoftware für Weblogs pickt sich bei Zugriffen, die von Suchmaschinen auf diese Site führen, die verwendeten Suchworte aus dem Referer-Header des HTTP-Requests und wertet sie aus. Der gelangweilte Webmaster guckt die Liste durch und schmunzelt, der zu Tode gelangweilte Webmaster macht einen Blogeintrag draus (der letzte war »
Sex mit Bananen«).
Kleiner Einschub: Der Referer-Header heißt übrigens »Referer«-Header (mit drei »r«), obwohl darin der Referrer (mit vier »r«) angegeben wird. Das hat rein historische Gründe — nämlich einen Schreibfehler in RFC 1945, dem Dokument, das HTTP/1.0 definiert — und demonstriert, welche Priorität Orthographie für die Geburtshelfer des Interwebs hatte.
Aber nun zu den schönsten Suchbegriffen der letzten Monate:
• »weltuntergang im jahr 2038«
Wenn der Zusammenbruch des Kapitalismus mit dem Aufbrauchen der letzten Ölreserven, dem Abschmelzen des verbliebenen Polareises und
dem überlaufenden Integer in Unix-Zeitangaben zusammentrifft, könnte das in der Tat ein spannendes Jahr werden.
• »bill gates c64«
Vor dem
C64 war der
VC20. Vor dem VC20 war der
PET. Vor dem PET war
KIM-1. Damals (1977) hatte man Cassettenrecorder statt Festplatten und eine leicht zu erlernende
Interpretersprache war ein wichtiges Feature für einen neuen Homecomputer. Marktführer für BASIC-Interpreter für 8bit-Prozessoren war Microsoft (damals noch »Micro-Soft«). Bill Gates hielt nicht viel vom
6502, dem von Commodore verwendeten Prozessor, dennoch schrieb er selbst Teile des Codes des 6502-BASIC. Commodore erwarb eine Lizenz für eine Einmalzahlung von zehntausend US-Dollar und ließ sich das Recht einräumen, den BASIC-Interpreter für die eigenen Maschinen weiterzuentwickeln. Aus dem Micro-Soft BASIC im KIM wurde »COMMODORE BASIC« im PET, dann »CBM BASIC V2« im VC20 und schließlich »COMMODORE BASIC V2.0« im C64. Und so landete auch Code von Bill Gates im C64. Erst bei der Entwicklung des C128 wurde erneut zwischen Microsoft und Commodore verhandelt. (Quelle: »On the Edge — The Spectacular Rise and Fall of Commodore« von Brian Bagnall)
• »darf ich für meinen freund eine cd kopieren die ich selbst gekauft habe«
Nach meinem Verständnis als juristischer Laie: eindeutig ja. Das nennt sich
Privatkopie und die Wikipedia sagt dazu:
Nach § 53 Abs. 1 UrhG darf die Vervielfältigung nur zum privaten Gebrauch hergestellt werden. Damit ist eine Verwendung für kommerzielle Zwecke ausgeschlossen. Die Weitergabe an Dritte ist zwar zulässig, Voraussetzung ist jedoch, dass die Kopien im privaten Bereich verbleiben, also nicht an nur flüchtig Bekannte weiter gegeben werden.
In dem Zusammenhang fällt mir ein, dass ich mal gesagt haben wollte, dass »Raubkopierer«, ganz entgegen der Behauptungen der Propaganda,
keine Verbrecher sind, weil ein Verstoß gegen das Urheberrecht kein
Verbrechen (eine »schwerwiegende« Straftat) ist, sondern ein
Vergehen (eine »minderschwere« Straftat).
• »bilder aus den ms dos internet der 80er« (sic!)
Damals hatten wir noch keine Bilder im Internet, mein junger Freund. Eigentlich hatte in den 80ern noch niemand Internet, außer ein paar glücklichen Studenten an ausgewählten Unis. Alle anderen gaben sich noch damit zufrieden, sich mit 300
Baud (ca. 0,0003 Mbps) in
»Mailboxen« einzuwählen. Aber natürlich wir hatten schon
die Vorgänger von Schweine-GIFs.
• »im welchen jahr entstand die älteste microsoft maus« (sic!)
Das revolutionäre Rollkugeleingabegerät wurde in den 60ern vom Benutzeroberflächenpionier
Doug Engelbart und seinem Team am ARC entwickelt und 1968 der Öffentlichkeit präsentiert. Die Microsoft-Maus kam im Mai 1983 auf den Markt, ein halbes Jahr nachdem die erste Logitech-Maus (P4) präsentiert wurde. (Ich verweise immer wieder gern auf meinen Artikel zum
Produktdesign bei Microsoft.)
• »computerfreaks haben keine freunde«
Ach, jetzt reißte die Fresse auf, aber wenn Dein Windows mal wieder zerschossen ist, kommste wieder angekrochen.
• »achtung jetzt kommt ein karton sesamstrasse«
Falsche Sendung. Der »Kartong« fiel nicht in der Sesamstraße, sondern in der
Rappelkiste mit Ratz und Rübe. Mehr dazu in
Meine Generation und die Medien.
• »samsung notebook linux«
Das würde ich mir zweimal überlegen. Lt. Aussage von Samsung gefährdet der Betrieb von Samsung-Notebooks mit »unautorisierten« Treibern die Gewährleistung — und für Linux gibt’s natürlich keine autorisierten Treiber.
• »kann ps3 kopiergeschützte spiele abspielen«
Soweit mir bekannt ist, laufen auf einer PS3 ohne
Modchip ausschließlich kopiergeschützte Spiele.
• »ist filme laden bei the pirate bay sicher?«
Wie die Oma immer sagte: »Sicher ist nur der Tod.« Guck Dich ein bisschen auf der Seite um, gewinne ein Gefühl dafür, wieviele User die Tracker der Site zu jedem beliebigen Zeitpunkt nutzen (ich gehe von einer sechsstelligen Zahl aus), setze diese Zahl ins Verhältnis zur Anzahl der Verfahren, die Musik- und Filmindustrie gegen Filesharer führen, dann hast Du Deinen persönlichen Risikofaktor.
So, das war’s aber für dieses Jahr. Nächstes Jahr guck ich nochmal.