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Ubisoft von Amazon-Kunden für Kopierschutz abgestraft

KabelfreakSpielkind Anno 1404 erscheint offiziell erst nächste Woche, aber dank des Kopierschutzes TAGÈS, der eine Online-Aktivierung erzwingt und nur eine begrenzte Zahl von Installationsversuchen erlaubt, kassiert das Spiel auf Amazon schon vorab so viele schlechte Wertungen, dass es inzwischen auf anderthalb Sterne gefallen ist.

Andere Spiele, die aus ähnlichen Gründen schlecht bewertet wurden, haben sich davon übrigens nicht erholt: Spore und GTA IV müssen viele Monate nach dem Verkaufsstart immer noch mit zweieinhalb Sternen auskommen; zum Vergleich: die Konsolenversionen von GTA IV haben jeweils vier Sterne, bei der PC-Version von Sims 3 verzichtete Electronic Arts nach Protesten der Sims-Community auf die Online-Aktivierung und wurde dafür mit vier Sternen belohnt.

GTA IV (PC) zum Abschuss freigegeben

Spielkind Zum Vergleich hier Screenshots der Amazon-Kundenwertungen von Spore und GTA IV:

Spore (4Players-Wertung: 80%):

Amazon-Kundenrezensionen zu Spore


GTA IV für PC (4Players-Wertung: 94% für die Konsolen-Versionen):

Amazon-Kundenrezensionen zu GTA IV


Natürlich sind die ungnädigen Wertungen einzig der mangelnden Spieltiefe (Spore) und den technischen Unzulänglichkeiten (GTA IV) geschuldet. Paranoide, aber nichtsdestotrotz wirkungslose Schutzmaßnahmen wie SecuROM, Online-Aktivierung und permanente Überwachung der Spielgewohnheiten (auch von Single-Playern) haben damit nichts zu tun — sowas stört nach verlässlichen Auswertungen der Kopierschutzhersteller Spieleindustrie nur 0,000002% der Konsumschafe. Die Hälfte der Leute, die bei Amazon Minimalwertungen vergeben, sind Raubkopierer und die andere Hälfte ist einfach zu doof, um zu verstehen, wie das Wertungssystem von Amazon funktioniert — das hat der Zahnpastaverkäufer von EA ja letztens schon geklärt.

Nachtrag, 16. Dezember 2008: Inzwischen haben bei amazon.de 467 Kunden eine Bewertung für die PC-Version von GTA IV abgegeben, davon vergaben 312 die schlechteste Wertung. Der Wertungsdurchschnitt bleibt stabil bei zwei von fünf Sternen. Das ist Macht des "aufgebrachten Mobs".

Meine Stimme bei der 4P-Leserwahl zum Spiel des Jahres 2008 musste ich übrigens für MGS4 abgeben, den interaktiven Film über den alternden Snake. Ich hab zwar deutlich mehr Zeit in Liberty City verbracht, aber bei allem Spaß, den ich dabei hatte, bin ich mit Niko Bellic nicht warm geworden. Mein liebster GTA-Protagonist bleibt weiterhin Tommy Vercetti aus Vice City.

LittleBigPlanet wäre vielleicht auch eine Überlegung wert gewesen, wenn der Online-Modus nicht schlichtweg kaputt wäre. Es ist die absolute Ausnahme, dass man mal mehrere Level am Stück mit einem Mitspieler durchzocken kann, ohne dass man die hässliche "Network error"-Meldung sieht. Die vier Sackmännchen, die man in den Trailern von LBP ständig gemeinsam durch die Level laufen sieht, sind ein Mythos (bzw. nur lokal mit mehreren Spielern vor einer gemeinsamen PS3 vorstellbar). Im echten Leben laggt das Gameplay massiv, sobald ein dritter Spieler dazustößt. Da hat Sony, wie bei Home, versagt.

Ah, Home. Ich kann mir nicht verkneifen, mich darüber auszukotzen. Bei Home verschleiert man die totale Fehleinschätzung der Leistungsfähigkeit des Dienstes als Beta- und Lasttest — was soll das denn für ein Lasttest sein, wenn man als Nutzer tagelang bei jedem Versuch, einen Blick auf Home zu werfen, ein Timeout vom Loginserver ("C-931") bekommt? Wenn man dann mal reinkommt, stellt man beim Durchrennen durch alle verfügbaren Bereiche — der Dienst ist sehr überschaubar — fest, dass höchstens ein paar Hundert Nutzer gleichzeitig online sind — und das sieht im Home für US-Nutzer nicht anders aus (und der Dienst scheint, abgesehen von den unterschiedlichen Regionen, nicht instanziert instantiiert in Instanzen aufgeteilt zu sein). Das scheinen mir eher peinliche Nutzerzahlen zu sein.

Sony kackt übrigens mal wieder (aus großer Höhe) auf die europäischen User und ignoriert unsere besonderen Verhältnisse: Im US-Home verständigt man sich ganz überwiegend in etwas, was man wohlwollend als "Englisch" bezeichnen könnte. Ich vermute im japanischen Home spricht man hauptsächlich Japanisch. Wir Europäer landen, anscheinend zusammen mit den südamerikanischen PS3-Besitzern, in einem Home, in dem eine Sprachverwirrung babylonischen Ausmaßes herrscht. Beim Durchrennen hab ich Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch gelesen — und eine unbestimmte Anzahl weiterer Sprachen, die ich nicht zuordnen konnte. Das wird sicher erst so richtig spaßig, wenn alle rein kommen, die rein wollen.

Wäre es bei einem Dienst, der Spieler aus der ganzen Welt zusammenbringen soll, nicht angesagt, auf die regionale Aufteilung zu scheißen und die jeweilige Home-Instanz basierend auf der Spracheinstellung der PS3 auszuwählen? Wer seine PS3 auf Suaheli eingestellt hat, will in Home vermutlich bevorzugt andere Suahelisprachige treffen, unabhängig davon, wo die gerade wohnen. Dagegen spricht aus Sicht von Sony natürlich, dass die Home-Kunden dann schlechter an die potenziellen Werbekunden vermarktet werden könnten. Was anderes ist Home ja nicht: ein mit Reklame vollgekleisterter Avatar-Chat, in dem sogar die Avatare aussehen, als wären sie gerade einem Werbespot entstiegen.

EA-CEO behauptet "Wer nicht raubkopiert, ist doof"

KabelfreakSpielkind Ich hab mich mit einem Eintrag hier im Blog und mit einer Bewertung bei Amazon am Protest gegen das kranke und überzogene DRM von Spore beteiligt. Jetzt erklärt mir John Riccitiello, CEO von EA, bei 4Players:

Ich gehe davon aus, dass die Hälfte der Leute Raubkopierer waren, die andere Hälfte waren Leute, die in etwas reingezogen wurden, das sie nicht verstanden.


Ich bin also entweder ein Raubkopierer — oder ich bin blöd.

Ich bin Herrn Riccitiello sehr dankbar dafür, dass er nicht mit seiner Meinung hinterm Berg hält. Ich gehe übrigens davon aus, dass die Hälfte der Manager von Spielepublishern, die ständig neue Kopierschutz- und DRM-Verfahren einsetzen, geldgeile Arschlöcher sind, die eine Reinkarnation als Kakerlake anstreben, und die andere Hälfte einfach nicht verstanden hat, dass sie durch Kopierschutzschikanen einzig ihre zahlenden Kunden vor den Kopf stoßen, ohne die Raubkopierer damit zu treffen.

Herr Riccitiello lässt leider offen, welches Interesse Raubkopierer überhaupt daran haben sollten, an einer Anti-DRM-Kampagne teilzunehmen — dank Reloaded und anderen Releasegruppen sind sie von dieser Schikane ja gar nicht betroffen. Aber wie soll ein seelenloser Schlipsträger, dem es scheißegal ist, ob er gerade Bleichmittel, Cola, Zahnpasta oder Computerspiele vermarktet, das nachvollziehen können?

Ich werde jedenfalls keinen Grund mehr haben, mich über EA-DRM-Schikanen zu beklagen: Spore wurde überraschend schnell langweilig, gegen die fehlende Spieltiefe helfen aus meiner Sicht auch ein paar zusätzliche Bausteine für die Editoren nicht, und für zukünftige EA-Produkte gibt's ja auch DRM-freie Lieferanten.

Ich bin doch nicht blöd.

Nachtrag, 30. Oktober 2008: Harzzach weist darauf hin, welche unerwarteten Folgen das EA-DRM haben kann, wenn man im EA-Forum Dampf ablässt (oder sich so missverständlich ausdrückt, dass ein Moderator das Gefühl bekommt, man habe Dampf abgelassen).

Nachtrag, 2. November 2008: Passend dazu der SonntagsCartoon auf UserFriendly.

Spore mieten? (mit Nachträgen)

Spielkind Ich freu mich schon seit den ersten Demovideos auf das nächste Spiel von Sims-Macher Will Wright, jetzt wird diese Freude etwas getrübt: Spore kommt mit der neusten Version von SecuROM (vgl. News bei 4Players). Der Kopierschutz von Sony sorgt anscheinend dafür, dass man das Spiel nur dreimal installieren kann (also muss man erst den neuen Rechner für Spore kaufen und dann erst installieren, sonst hat man ja schon zwei der drei Installationen verbraucht), und will — so verstehe ich eine Stellungnahme von Bioware zu SecuROM — alle fünf bis zehn Tage mit dem Registrierungsserver reden. Gelingt das mehrere Tage lang nicht, startet das Spiel nicht mehr.

Dafür muss die Spiele-CD aber zum Zocken nicht im Laufwerk liegen. Toll. Vom Regen in die Traufe.

Man kann Spore also nicht kaufen, sondern bloß mieten. Spieler, die ihre Single-Player-Games offline zocken wollen, sind jetzt also das neue Feindbild bei Electronic Arts.

Will ich mich jetzt auch noch beim Spielen überwachen lassen? Will ich mit meinem Geld die Entwicklung des nächsten, noch restriktiveren Kopierschutzes finanzieren? Ich weiß es nicht. Bei jedem anderen Spiel wäre das für mich ein Grund, ganz zu verzichten. Aber auf Spore bin ich schon ziemlich scharf... Schwierig...

Nachtrag, 13. Mai 2008: UserFriendly schaut in die Zukunft. Danke für den Hinweis, Martin!

Nachtrag, 3. September 2008: 4players fragt: Wem gehört eigentlich Spore?

Nachtrag, 5. September 2008: Viel Rauch um nichts. Das Spiel hat seine netten Momente, aber ich kann mir noch nicht vorstellen, dass ich damit mehr als ein paar Tage verbringen werde. Nebenbei: natürlich war Spore schon vor Tagen in der Piratenbucht ohne Kopierschutz verfügbar, während ich bis gestern auf die Freischaltung meiner "geschützten" Fassung warten durfte.

Nachtrag, 24. September 2008: Amerikanische Spore-Besitzer verklagen EA, weil der Kopierschutz ohne Benachrichtigung des Nutzers installiert wird und auch nach dem Deinstallieren von Spore auf dem Rechner verbleibt, ohne dass es einen Weg gäbe, ihn zu los zu werden:

The class claims that "Spore," a virtual reality simulation game, contains "a second, undisclosed program" called SecuROM, a "form of Digital Rights Management (DRM) for computer games."

Consumers are not warned about the program, which is installed without notice and cannot be uninstalled, even if the uninstall Spore, the complaint states. The secret SecuROM program is "secretly installed to the command and control center of the computer (Ring 0, or the Kernel), and surreptitiously operated, overseeing function and operation on the computer, preventing the computer from operating under certain circumstances and/or disrupting hardware operations," the complaint states.

Plaintiffs demand disgorgement of unjust profits and damages for trespass, interference, unfair competition and consumer law violations. (Courthouse News Service via Senior Gamer)

Computerfreaks haben keine Freunde

Kabelfreak Ihr kennt das Spiel: die Auswertungssoftware für Weblogs pickt sich bei Zugriffen, die von Suchmaschinen auf diese Site führen, die verwendeten Suchworte aus dem Referer-Header des HTTP-Requests und wertet sie aus. Der gelangweilte Webmaster guckt die Liste durch und schmunzelt, der zu Tode gelangweilte Webmaster macht einen Blogeintrag draus (der letzte war "Sex mit Bananen").

Kleiner Einschub: Der Referer-Header heißt übrigens "Referer"-Header (mit drei "r"), obwohl darin der Referrer (mit vier "r") angegeben wird. Das hat rein historische Gründe — nämlich einen Schreibfehler in RFC 1945, dem Dokument, das HTTP/1.0 definiert — und demonstriert, welche Priorität Orthographie für die Geburtshelfer des Interwebs hatte.

Aber nun zu den schönsten Suchbegriffen der letzten Monate:

• "weltuntergang im jahr 2038"
Wenn der Zusammenbruch des Kapitalismus mit dem Aufbrauchen der letzten Ölreserven, dem Abschmelzen des verbliebenen Polareises und dem überlaufenden Integer in Unix-Zeitangaben zusammentrifft, könnte das in der Tat ein spannendes Jahr werden.

• "bill gates c64"
Vor dem C64 war der VC20. Vor dem VC20 war der PET. Vor dem PET war KIM-1. Damals (1977) hatte man Cassettenrecorder statt Festplatten und eine leicht zu erlernende Interpretersprache war ein wichtiges Feature für einen neuen Homecomputer. Marktführer für BASIC-Interpreter für 8bit-Prozessoren war Microsoft (damals noch "Micro-Soft"). Bill Gates hielt nicht viel vom 6502, dem von Commodore verwendeten Prozessor, dennoch schrieb er selbst Teile des Codes des 6502-BASIC. Commodore erwarb eine Lizenz für eine Einmalzahlung von zehntausend US-Dollar und ließ sich das Recht einräumen, den BASIC-Interpreter für die eigenen Maschinen weiterzuentwickeln. Aus dem Micro-Soft BASIC im KIM wurde "COMMODORE BASIC" im PET, dann "CBM BASIC V2" im VC20 und schließlich "COMMODORE BASIC V2.0" im C64. Und so landete auch Code von Bill Gates im C64. Erst bei der Entwicklung des C128 wurde erneut zwischen Microsoft und Commodore verhandelt. (Quelle: "On the Edge — The Spectacular Rise and Fall of Commodore" von Brian Bagnall)

• "darf ich für meinen freund eine cd kopieren die ich selbst gekauft habe"
Nach meinem Verständnis als juristischer Laie: eindeutig ja. Das nennt sich Privatkopie und die Wikipedia sagt dazu:
Nach § 53 Abs. 1 UrhG darf die Vervielfältigung nur zum privaten Gebrauch hergestellt werden. Damit ist eine Verwendung für kommerzielle Zwecke ausgeschlossen. Die Weitergabe an Dritte ist zwar zulässig, Voraussetzung ist jedoch, dass die Kopien im privaten Bereich verbleiben, also nicht an nur flüchtig Bekannte weiter gegeben werden.

In dem Zusammenhang fällt mir ein, dass ich mal gesagt haben wollte, dass "Raubkopierer", ganz entgegen der Behauptungen der Propaganda, keine Verbrecher sind, weil ein Verstoß gegen das Urheberrecht kein Verbrechen (eine "schwerwiegende" Straftat) ist, sondern ein Vergehen (eine "minderschwere" Straftat).

• "bilder aus den ms dos internet der 80er" (sic!)
Damals hatten wir noch keine Bilder im Internet, mein junger Freund. Eigentlich hatte in den 80ern noch niemand Internet, außer ein paar glücklichen Studenten an ausgewählten Unis. Alle anderen gaben sich noch damit zufrieden, sich mit 300 Baud (ca. 0,0003 Mbps) in "Mailboxen" einzuwählen. Aber natürlich wir hatten schon die Vorgänger von Schweine-GIFs.

• "im welchen jahr entstand die älteste microsoft maus" (sic!)
Das revolutionäre Rollkugeleingabegerät wurde in den 60ern vom Benutzeroberflächenpionier Doug Engelbart und seinem Team am ARC entwickelt und 1968 der Öffentlichkeit präsentiert. Die Microsoft-Maus kam im Mai 1983 auf den Markt, ein halbes Jahr nachdem die erste Logitech-Maus (P4) präsentiert wurde. (Ich verweise immer wieder gern auf meinen Artikel zum Produktdesign bei Microsoft.)

• "computerfreaks haben keine freunde"
Ach, jetzt reißte die Fresse auf, aber wenn Dein Windows mal wieder zerschossen ist, kommste wieder angekrochen.

• "achtung jetzt kommt ein karton sesamstrasse"
Falsche Sendung. Der "Kartong" fiel nicht in der Sesamstraße, sondern in der Rappelkiste mit Ratz und Rübe. Mehr dazu in Meine Generation und die Medien.

• "samsung notebook linux"
Das würde ich mir zweimal überlegen. Lt. Aussage von Samsung gefährdet der Betrieb von Samsung-Notebooks mit "unautorisierten" Treibern die Gewährleistung — und für Linux gibt's natürlich keine autorisierten Treiber.

• "kann ps3 kopiergeschützte spiele abspielen"
Soweit mir bekannt ist, laufen auf einer PS3 ohne Modchip ausschließlich kopiergeschützte Spiele.

• "ist filme laden bei the pirate bay sicher?"
Wie die Oma immer sagte: "Sicher ist nur der Tod." Guck Dich ein bisschen auf der Seite um, gewinne ein Gefühl dafür, wieviele User die Tracker der Site zu jedem beliebigen Zeitpunkt nutzen (ich gehe von einer sechsstelligen Zahl aus), setze diese Zahl ins Verhältnis zur Anzahl der Verfahren, die Musik- und Filmindustrie gegen Filesharer führen, dann hast Du Deinen persönlichen Risikofaktor.

So, das war's aber für dieses Jahr. Nächstes Jahr guck ich nochmal.