Ich bin erstaunt, das sich fast jeden Tag der Update-Agent meldet. Kann passieren, aber die Menge und was dort alles Upgedated wird erstaunt doch sehr. Anscheinend war es Ubuntu wichtiger den Release-Termin zu halten, als auf eine ausreichende Stabilität der mitgelieferten Pakete zu achten. (15. Juni)
Jetzt legt er nach:
Ubuntu wird immer mehr zum neuen Windows. Letztens hab ich mich noch über den Neustart von Windows lustig gemacht, den das Acrobat Reader Update erforderlich machte. Heute gabs bei Ubuntu ein neues OpenSSL und die fordern mich tatsächlich penetrant dazu auf meinen Rechner neu zu starten. (26. Juni)
Ubuntu hat den Ruf, eine besonders Ein- und Umsteiger-freundliche Linux-Distribution zu sein. Sie basiert auf meiner Lieblingsdistribution Debian, aber bei Ubuntu legt man aber mehr Wert auf Eye Candy und die Pflege der »eingeschränkten« Pakete (also Software, die nicht wirklich frei ist, die man aber heutzutage zum multimedialen Überleben braucht: proprietäre Video-Codecs, proprietäre Browser-Plugins, proprietäre Voicechatdinger und sowas).
Gepaart mit einem Anfall von Experimentierfreudigkeit und einer gewissen Sehnsucht nach Homogenität auf dem Schreibtisch) brachte mich das dazu, nach dem Release von Ubuntu 8.04 LTS eine Desktopmaschine und zwei Laptops von Debian auf Ubuntu umzustellen. Die Tatsache, dass es sich um ein groß angekündigtes Release mit einem »LTS« in der Versionsbezeichnung handelt, verstehe ich als Versprechen der Ubuntu-Macher, mir eine stabile und langfristig sichere Distribution zu liefern. Man erlaube mir dazu eine Frage: »Ab wann?«
Während sich Jörn bloß genervt fühlt, gingen bei mir im Verlauf der letzten Wochen Sachen kaputt, die nach der Umstellung schon mal funktionierten. Erst konnte ich mit dem Gnome-Multimedia-Helferlein Totem alle möglichen Videos abspielen, dann gab’s bei jedem Versuch eine Fehlermeldung. Erst lief der Toshiba-Laptop einwandfrei, dann malte er nur noch lustige Farbwolken auf’s Display, genauer: er erzählte mir in einer grafischen(!) Fehlermeldung, dass er den Monitor, also das eingebaute Laptop-Display, nicht mehr erkennen könne und daher auf eine niedrigere Auflösung wechseln müsse, und produzierte dann, egal welche Auflösung ausgewählt war, einen blassen Plasma-Effekt auf dem LCD, faszinierend anzuschauen, aber doch irgendwie ungesund wirkend.
Beides hat mich nicht lange aufgehalten, es gibt ja Alternativen zu Totem (z.B. VLC und mplayer) und xserver-xorg-video-intel war auch schnell wieder durch die funktionierende Vorversion ersetzt… aber ich darf mir gar nicht vorstellen, wieviel Lebenszeit Ein- und Umsteiger an diesem Punkt damit verschwenden werden, Ubuntu neu zu installieren, weil sie nach einem Update keine grafische Oberfläche mehr haben — nur um ihren Rechner dann entweder auf den gleichen, kaputten Stand zu aktualisieren oder erst mal ganz auf Updates zu verzichten und mit Sicherheitslücken zu leben.
Mein Fazit: Ubuntu ist nett, aber die Releasepolitik stinkt. Ich bin gespannt, ob sie die Kurve kriegen.




