Der Wohlstand eines Landes beruht auf seiner aktiven und passiven Handelsbilanz, auf seinen innern und äußern Anleihen sowie auf dem Unterschied zwischen dem Giro des Wechselagios und dem Zinsfuß der Lombardkredite; bei Regenwetter ist das umgekehrt.
Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten.
Wenn die Ware den Unternehmer durch Verkauf verlassen hat, so ist sie nichts mehr wert, sondern ein Pofel, dafür hat aber der Unternehmer das Geld, welches Mehrwert genannt wird, obgleich es immer weniger wert ist. Wenn ein Unternehmer sich langweilt, dann ruft er die andern und dann bilden sie einen Trust, das heißt, sie verpflichten sich, keinesfalls mehr zu produzieren, als sie produzieren können sowie ihre Waren nicht unter Selbstkostenverdienst abzugeben. Daß der Arbeiter für seine Arbeit auch einen Lohn haben muß, ist eine Theorie, die heute allgemein fallen gelassen worden ist.
Eine wichtige Rolle im Handel spielt der Export, Export ist, wenn die andern kaufen sollen, was wir nicht kaufen können; auch ist es unpatriotisch, fremde Waren zu kaufen, daher muß das Ausland einheimische, also deutsche Waren konsumieren, weil wir sonst nicht konkurrenzfähig sind.
Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andre werde gepumptes Geld zurückzahlen. Tut er das nicht, so erfolgt eine sog. ›Stützungsaktion‹, bei der alle, bis auf den Staat, gut verdienen. Solche Pleite erkennt man daran, dass die Bevölkerung aufgefordert wird, Vertrauen zu haben. Weiter hat sie ja dann auch meist nichts mehr.
Auch die Aktiengesellschaften sind ein wichtiger Bestandteil der Nationalökonomie. Der Aktionär hat zweierlei wichtige Rechte: er ist der, wo das Geld gibt, und er darf bei der Generalversammlung in die Opposition gehn und etwas zu Protokoll geben, woraus sich der Vorstand einen sog. Sonnabend macht. Die Aktiengesellschaften sind für das Wirtschaftsleben unerläßlich: stellen sie doch die Vorzugsaktien und die Aufsichtsratsstellen her. Denn jede Aktiengesellschaft hat einen Aufsichtsrat, der rät, was er eigentlich beaufsichtigen soll. Die Aktiengesellschaft haftet dem Aufsichtsrat für pünktliche Zahlung der Tantiemen. Diejenigen Ausreden, in denen gesagt ist, warum die A.-G. keine Steuern bezahlen kann, werden in einer sogenannten ›Bilanz‹ zusammengestellt.
In der Wirtschaft gibt es auch noch kleinere Angestellte und Arbeiter, doch sind solche von der neuen Theorie längst fallen gelassen worden.
Zusammenfassend kann gesagt werden: die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers.
(Auszüge aus: Kurt Tucholsky, »Kurzer Abriß der Nationalökonomie«, 1931)
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Volkswirtschaft für Anfänger
Geschrieben von Marc
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18:30
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Tags für diesen Artikel: Geld regiert die Welt, Geschichte, Kapitalismus, Sprache, Weltwirtschaftskrise 2.0, Witzigkeit
Montag, 20. April 2009
Sozialdemokratische Schmalzstullen
Bei ad sinistram gefunden:
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Als die Bergarbeiter des Ruhrgebietes in den Jahren 1919 und 1920 selbstständig den Sechsstundentag einführten, ohne auf ihre politische Vertretung im Gewand der deutschen Sozialdemokratie zurückzugreifen, als sie also anarchosyndikalistische Eigeninitiative walten ließen und damit die acción directa jenen spanischen Anarchisten vorweggriff, die erst mehr als ein Jahrzehnt später, in genau dieser Form des self-made, kurzzeitig das bürgerkriegsgeschüttelte Spanien umformten, als seinerzeit also die Bergarbeiter zur Autonomie fanden, da war es eben jene übergangene Sozialdemokratie, die sich an den Kopf der Bewegung setzte, zurückruderte und an die Vernunft des deutschen Arbeiters appellierte. Daran war die SPD ja bereits seit mehreren Monaten gewöhnt, schließlich ließ sie jene anarchistisch anmutende Revolution gnadenlos niederschießen, von der sie mehr als fünfzig Jahre lang im tiefen Schlaf des Parlamentarismus geträumt hatte. Nachdem die Positionen der Bergarbeiter durch die Reaktion, durch monarchistische und teilweise auch schon faschistoide Gruppierungen und Militäreinheiten, und Hand in Hand mit der nun endgültig im Staat angekommenen SPD, geschwächt waren, nahm sich die Sozialdemokratie ihrer verirrten Kinder an und versuchte das Bestmögliche mit den Unternehmern zu vereinbaren. Am Ende rang man den Unternehmern den Siebeneinhalbstundentag ab – und Schmalzstullen für alle!
Die kommunitären Ideen jener Zeit sind heute vergessen; heute wird als Wahrheit verstanden, dass der deutsche Arbeiter bzw. um es moderner auszudrücken: der deutsche Arbeitnehmer, ein vernunftvoller Zeitgenosse sei, ja schon immer gewesen ist. Dass die Sozialdemokratie von Anfang an darauf abzielte, die Arbeiterschaft an einen Staat zu binden, der sie letztlich wie Sklaven behandelte, der ihnen wenig Rechte gab, aber viele Pflichten aufband, sie für ihn bluten ließ, aber selbst dafür wenig Gegenliebe aufwenden konnte; dass die Sozialdemokratie damit jeglichen Syndikalismus an den Staat kettete, im Gegensatz zur ursprünglichen Gewerkschaftsidee des 19. Jahrhunderts, in dem Gewerkschaft und Staat niemals als etwas angesehen wurden, was vereinbar wäre; dass also letztlich die Sozialdemokratie dafür sorgte, einen angepaßten, stillschweigenden, auf Organisationen und Parteien bauenden, ja geradezu einen domestizierten Arbeiternehmer heranzuzüchten, darüber wird heute kaum geredet. Es steht die Mär im Raume, wonach der Deutsche einfach nicht dafür geschaffen sei, sich seiner Machthaber zu entledigen, zu revoltieren und vielleicht sogar zu revolutionieren. Die Bergarbeiterkommunen, die Räterepublik Münchens und einige projektanarchistische Versuche, beispielsweise von Gustav Landauer, sprechen aber eine andere Sprache; […]
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Dienstag, 9. Dezember 2008
Ursache war der Tod eines Fünfzehnjährigen?
Aus der Erklärung der Vollversammlung der besetzten Theaterschule von Thessaloniki (via FAU-IAA):
Das ist das Puzzleteil, das mir in der Berichterstattung der Mainstreammedien bisher fehlte.
Alexandros war unser Freund, unser Bruder, unser Sohn, unser Mitschüler und unser Genosse. Der Mord am 15jährigen Alexandros war der Tropfen, der das Fass all der Fälle von Morden an jungen Menschen, die der Polizei widersprachen, auf Aufforderung nicht an einer Straßensperre angehalten haben oder einfach - so wie Alexandros - zur falschen Zeit am falschen Ort waren, zum Überlaufen gebracht hat. Der Mord an Alexandros mit war kein isoliertes Ereignis, wie der Innenminister dreist behauptet. Seine Erklärung vollendet faktisch die Ankündigung des ehemaligen Justizministers Polydaros, wonach es nur eine Frage der Zeit sei, bis einem Polizisten das Temperament durchgehe und er schießen würde.
Der Polizeimord am jungen serbischen Studenten Bulatovic im Jahre 1998 in Thessaloniki, der Mord am jungen Leontidis durch einen Polizisten in der Cassandrou Straße 2003, der Tod des 24jährigen Onohua, nachdem er im Sommer 2007 von einer Zivilstreife in Kalamaria gejagt worden war, der Mord an der 45jährigen Maria in Lefkimi im Zusammenhang mit einem Angriff der Polizei auf Menschen, die sich gegen eine Mülldeponie wehrten, der Mord am pakistanistischen Migranten in der Straße Petrou Ralli in Athen im letzten Monat, die alltägliche Erniedrigung und Gewalt gegen jeden kleine Missetäter bei Polizeiaktionen überall in Griechenland, die Schüsse gegen die TeilnehmerInnen von Studierendendemonstrationen im letzten Jahr, die gewaltsame Unterdrückung von Demonstrationen, der Tränengas-Krieg der Polizei, die Gewalt gegen jeden, der protestiert… Und natürlich der tagtägliche Mord an wirtschaftlichen und politischen Flüchtlingen durch die Grenzpolizei. Selbst die Tode in den eisigen Wasser der Ägais oder den Minenfeldern von Evros: All dies ergibt das Bild der griechischen Polizei.
Das ist das Puzzleteil, das mir in der Berichterstattung der Mainstreammedien bisher fehlte.
Geschrieben von Marc
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22:33
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Dienstag, 11. November 2008
How will this end?
Leck mich am Arsch, was geht denn gerade ab? General Motors ist quasi pleite (»Kursziel null«), der Bundestrojaner kommt, Atomkraftgegner kriegen wieder Prügel wie vor fünfundzwanzig Jahren, ein Volkswirtschaftsprofessor und Ex-Mitglied des Wissenschaftsrates schlägt vor, dass man eine Organbörse einführen sollte, weil es eine Beschneidung von Freiheit sei, wenn man einem Mittellosen untersagt, eine Niere zu verkaufen (oder zwei), um seine Familie aus der Not zu retten, die SPD feiert ihre Rolle in der Novemberrevolution (bei so viel Geschichtsbewusstsein sollten sie die Friedrich-Ebert-Stiftung vielleicht in »Bluthund-Noske-Stiftung« umbennen, s.u.) — und einige der ideologisch verblendeten linken Hetzblogs, von denen ich mich indoktrinieren lasse (und damit meine ich jetzt ausdrücklich nicht Fefe), könnten inzwischen jeden Artikel unter der Überschrift »Das Ende ist nah!« veröffentlichen. Es ist nicht lange her, noch keine zwei Monate, da kam ich mir noch unheimlich originell vor, als ich das Etikett »Weltwirtschaftskrise 2.0« hier zum ersten Mal vergeben hatte, jetzt scheint es schon an der Zeit, »Weltkrieg 3.0« einzuführen.
Apropos SPD und Novemberrevolution… Gestern abend lief »Kulturzeit extra: Die Räterepublik 1918/1919«. Gerade rechtzeitig, um uns anlässlich der SPD-Feierlichkeiten auch daran zu erinnern, dass die SPD es 1914 total dufte fand, ihre Wähler in einen Gaskrieg zu schicken.
Oder daran, dass Ebert und Noske die Freicorps rekrutierten. Die ließen sie dann auf genau jene Matrosen los, die durch ihren Aufstand im November 1918 die »letzte, entscheidende« Seeschlacht mit den Briten, den »ehrenvollen Untergang« — und somit den Militärputsch gegen die Friedensverhandlungen der Regierung — vereitelt hatten. Dann gaben die aufrechten Sozialdemokraten ihre kommunistischen Erzfeinde Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zum Abschuss frei — sie wurden von den Freikorps »auf der Flucht erschossen«. Und schließlich hetzte man die Freikorps auf die revolutionären Arbeiter im Ruhrgebiet, im gerade gegründeten Freistaat Bayern, überall in Deutschland.
Die Entsoldung der Freikorps übernahm übrigens, quasi als Vorläufer von »Public Private Partnership«, die deutsche Großindustrie, dazu hatte sie die Lobbyorganisation »Antibolschewistische Liga« ins Leben gerufen. Eine Investition von 500 Millionen Mark, die sich lohnte: schließlich waren überall im Reich Fabriken und Industrieanlagen besetzt worden, die Arbeiter hatten Räte gewählt und das Weiterlaufen der Produktion organisiert. Diesen Umtrieben wurde so schon nach wenigen Monaten ein Ende bereitet. Gerade noch rechtzeitig. Beinahe hätte sich überall herumgesprochen, dass die Arbeit ohneSchlipsträger Frackträger genauso gut lief…
Man erlaube mir an dieser Stelle einen, möglicherweise zynischen, historischen Vergleich: Die USA unterstützte in Afghanistan die Mudschaheddin gegen die Sowjetunion. Als keine Kommunisten mehr übrig waren, bekam die USA die Quittung in Form von Al-Quaida.
Die SPD organisierte und bewaffnete die Freikorps— und als keine Kommunisten mehr übrig waren, bekam sie die Quittung in Form der SA. Denn schon kurz nachdem die Freikorps für die SPD »Ordnung« im Reich geschaffen hatten, zogen sie sich braune Hemden über. Ein paar Jahre später sperrten sie die verbliebenen Kommunisten zusammen mit den SPDler in die gleichen KZs (ausgerechnet!) und setzten genüsslich die Welt in Brand.
…aber mit der Linken kann man als aufrechter Sozialdemokrat nicht koalieren, weil man immer noch eingeschnappt ist, dass die SPD in der DDR mit der SED zwangsvereinigt wurde. Da verbrüdert man sich als traditionsreiche Arbeiterpartei lieber wieder mit derAntibolschewistischen Liga INSM und nimmt freudig jeden Krieg jede militärische Friedenssicherungsmaßnahme mit. Gut, dass sich Geschichte nicht wiederholt, sonst müsste man befürchten, dass die INSM demnächst ein Kopfgeld auf Lafontaine und Gysi aussetzt.
Für den Fall, dass diese »Kulturzeit extra« auf den einschlägigen Videoportalen auftaucht, erteile ich hiermit präventiv den Guckbefehl. Gleiches gilt übrigens auch für die »Kulturzeit extra« von letzter Woche über den Chemieprofessor Michael Buback, der die Version vom Tod seines Vaters, die ihm von den Ermittlungsbehörden aufgetischt wurde, nach langen und gründlichen Recherchen nicht mehr glaubt und sogar eine Beteiligung deutscher Geheimdienste am Attentat für möglich hält.
Beide Beiträge hätten einen prominenteren Sendeplatz, mehr Wiederholungen und eine Aufnahme in die 3sat-Mediathek verdient.
Nachtrag, 12. November 2008: Ein »Kulturzeit extra«: Die Räterepublik 1918/1919 in der 3sat-Mediathek, mit Michael Buback gibt’s wenigstens ein Interview. Schnell, bevor die Sieben-Tage-Regel zuschlägt — ist die schon in Kraft?
Nachtrag, 15. Januar 2009: Weissgarnix zitiert Die Zeit:
Imperator Durhan: »How will this end?«
Kosh: »In fire.«
Apropos SPD und Novemberrevolution… Gestern abend lief »Kulturzeit extra: Die Räterepublik 1918/1919«. Gerade rechtzeitig, um uns anlässlich der SPD-Feierlichkeiten auch daran zu erinnern, dass die SPD es 1914 total dufte fand, ihre Wähler in einen Gaskrieg zu schicken.
Oder daran, dass Ebert und Noske die Freicorps rekrutierten. Die ließen sie dann auf genau jene Matrosen los, die durch ihren Aufstand im November 1918 die »letzte, entscheidende« Seeschlacht mit den Briten, den »ehrenvollen Untergang« — und somit den Militärputsch gegen die Friedensverhandlungen der Regierung — vereitelt hatten. Dann gaben die aufrechten Sozialdemokraten ihre kommunistischen Erzfeinde Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zum Abschuss frei — sie wurden von den Freikorps »auf der Flucht erschossen«. Und schließlich hetzte man die Freikorps auf die revolutionären Arbeiter im Ruhrgebiet, im gerade gegründeten Freistaat Bayern, überall in Deutschland.
Die Entsoldung der Freikorps übernahm übrigens, quasi als Vorläufer von »Public Private Partnership«, die deutsche Großindustrie, dazu hatte sie die Lobbyorganisation »Antibolschewistische Liga« ins Leben gerufen. Eine Investition von 500 Millionen Mark, die sich lohnte: schließlich waren überall im Reich Fabriken und Industrieanlagen besetzt worden, die Arbeiter hatten Räte gewählt und das Weiterlaufen der Produktion organisiert. Diesen Umtrieben wurde so schon nach wenigen Monaten ein Ende bereitet. Gerade noch rechtzeitig. Beinahe hätte sich überall herumgesprochen, dass die Arbeit ohne
Man erlaube mir an dieser Stelle einen, möglicherweise zynischen, historischen Vergleich: Die USA unterstützte in Afghanistan die Mudschaheddin gegen die Sowjetunion. Als keine Kommunisten mehr übrig waren, bekam die USA die Quittung in Form von Al-Quaida.
Die SPD organisierte und bewaffnete die Freikorps— und als keine Kommunisten mehr übrig waren, bekam sie die Quittung in Form der SA. Denn schon kurz nachdem die Freikorps für die SPD »Ordnung« im Reich geschaffen hatten, zogen sie sich braune Hemden über. Ein paar Jahre später sperrten sie die verbliebenen Kommunisten zusammen mit den SPDler in die gleichen KZs (ausgerechnet!) und setzten genüsslich die Welt in Brand.
…aber mit der Linken kann man als aufrechter Sozialdemokrat nicht koalieren, weil man immer noch eingeschnappt ist, dass die SPD in der DDR mit der SED zwangsvereinigt wurde. Da verbrüdert man sich als traditionsreiche Arbeiterpartei lieber wieder mit der
Für den Fall, dass diese »Kulturzeit extra« auf den einschlägigen Videoportalen auftaucht, erteile ich hiermit präventiv den Guckbefehl. Gleiches gilt übrigens auch für die »Kulturzeit extra« von letzter Woche über den Chemieprofessor Michael Buback, der die Version vom Tod seines Vaters, die ihm von den Ermittlungsbehörden aufgetischt wurde, nach langen und gründlichen Recherchen nicht mehr glaubt und sogar eine Beteiligung deutscher Geheimdienste am Attentat für möglich hält.
Beide Beiträge hätten einen prominenteren Sendeplatz, mehr Wiederholungen und eine Aufnahme in die 3sat-Mediathek verdient.
Nachtrag, 12. November 2008: Ein »Kulturzeit extra«: Die Räterepublik 1918/1919 in der 3sat-Mediathek, mit Michael Buback gibt’s wenigstens ein Interview. Schnell, bevor die Sieben-Tage-Regel zuschlägt — ist die schon in Kraft?
Nachtrag, 15. Januar 2009: Weissgarnix zitiert Die Zeit:
Sie schreibt:
Was das Verhalten Noskes in der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 betrifft, so kann nach Gietingers Recherchen nunmehr ausgeschlossen werden, dass er einen direkten Mordbefehl gegeben hat. Aber er ließ offenbar durchblicken, dass er gegen eine »Exekution« Liebknechts und Luxemburgs nichts einzuwenden hatte. »Über das ‘dass’ bestand also Einigkeit«, so Pabst in seinen Memoiren. »Als ich nun sagte, Herr Noske, geben Sie bitte Befehle über das ‘wie’, meinte Noske: ‘Das ist nicht meine Sache! Dann würde die Partei zerbrechen, denn für solche Maßnahmen ist sie nicht und unter keinen Umständen zu haben.’«
Noske mag sich daher geziert haben, mit einem »offiziellen« Mordbefehl den Kreis »formell« zu schließen, aber für die Ausstellung eines »Freibriefs« reichte es anscheinend allemal. Dafür spricht auch, dass das spätere Verfahren vor dem Divisionsgericht, laut Gietinger einer der »schamlosesten Lügenprozesse der deutschen Rechtsgeschichte« darauf hinauslief, dass die Täter gewissermaßen »über sich selbst Gericht hielten«, geschützt durch die sozialdemokratische Regierung, und es daher nicht weiter verwundert, dass die Drahtzieher und Hintermänner völlig ungeschoren davonkamen.
Geschrieben von Marc
in Medienjunkie, Schwarzseher
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04:40
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Samstag, 8. November 2008
Helden: Marc-Uwe Kling
Es ist eine Weile her, da standen meine Webseiten für einige Monate unter dem Motto »Ackermann, erstick doch dran!« — leider hat der Angesprochene den Imperativ wohl nicht verstanden, jedenfalls ist er diesem Selbstmordaufruf bisher noch nicht nachgekommen, was ich zutiefst bedauere. Aus Gründen der konzeptionellen Kontinuität sehe ich mich jetzt jedoch quasi gezwungen, den »Mord-Aufruf«, das »unfassbar aggressive Lied des Berliner Sängers Marc-Uwe Kling gegen Deutsche Bank-Chef Ackermann« (O-Töne der »B.Z.«) an dieser Stelle zu verlinken (via Spreeblick).
(alternative Version mit besserer Klangqualität)
Meine Lieblingszeile ist: »Vielleicht nennen Sie nach Dir dann in Stuttgart ‘ne Halle.« Wobei der Vergleich mit Hanns Martin Schleyer hinkt, der war ja kein Bänker. Ich hätte statt dessen an Jürgen Ponto (Dresdner Bank, †1977) und Alfred Herrhausen (Deutsche Bank, †1989) erinnert — es ist ja noch gar nicht so lange her, dass es bei uns noch wirksame Managerhaftung gab.
Im Interview meint der von der »B.Z.« zur strafrechtlichen Relevanz der Lyrics befragte »Star-Anwalt« Peter Raue (den die »B.Z.« auch gerne mal mit »h«, also Rauhe, schreibt) übrigens:
Ich erdreiste mich, die Persönlichkeitsrechte von Herrn Schleyer zu verletzen, indem ich aus seiner Biografie zitiere:
Ganz offensichtlich ein lupenreiner Demokrat und Menschenfreund. Man kann es einem jungen Menschen ja nicht zum Vorwurf machen, dass er trotz Faschismus Karriere machen will, solange er die innere Distanz zum Regime wahrt. Ähnliches gilt sicher auch für eine Karriere im Kapitalismus.
Und weil’s immer aktuell ist, hier noch das Lied über die Sozialdemokraten:
Mit Urteil vom 12. Mai 1998 - 312 O 85/98 - »Haftung für Links« hat das Landgericht (LG) Hamburg entschieden, dass man durch das Setzen eines Links, die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann - so das LG - nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich weder von den verlinkten Seiten noch von den verlinkten Inhalten. Ceterum censeo Capitalismum esse delendam.
(alternative Version mit besserer Klangqualität)
Meine Lieblingszeile ist: »Vielleicht nennen Sie nach Dir dann in Stuttgart ‘ne Halle.« Wobei der Vergleich mit Hanns Martin Schleyer hinkt, der war ja kein Bänker. Ich hätte statt dessen an Jürgen Ponto (Dresdner Bank, †1977) und Alfred Herrhausen (Deutsche Bank, †1989) erinnert — es ist ja noch gar nicht so lange her, dass es bei uns noch wirksame Managerhaftung gab.
Im Interview meint der von der »B.Z.« zur strafrechtlichen Relevanz der Lyrics befragte »Star-Anwalt« Peter Raue (den die »B.Z.« auch gerne mal mit »h«, also Rauhe, schreibt) übrigens:
Und der Vergleich mit Schleyer ist ungeheuerlich. Er wird in dem Text zum Nazi gemacht, was die Persönlichkeitsrechte von Herrn Schleyer verletzt.
Ich erdreiste mich, die Persönlichkeitsrechte von Herrn Schleyer zu verletzen, indem ich aus seiner Biografie zitiere:
Im Sommer 1935 warf Schleyer seinem Corps [einer schlagenden Studentenverbindung] »mangelnde nationalsozialistische Gesinnung« vor und trat unter öffentlichem Protest aus der Verbindung aus, als der übergeordnete Kösener SC-Verband sich weigerte, alle jüdischen Alten Herren aus dem Corps auszuschließen. [...]
Nach Mitgliedschaft in der Hitler-Jugend ab 1931 wurde er am 1. Juli 1933 Mitglied der SS. Während des Studiums engagierte er sich in der NS-Studentenbewegung und fand im Heidelberger Studentenführer und späteren Gauleiter Gustav Adolf Scheel einen ersten wichtigen Mentor. Schleyer wurde Funktionär in der nationalsozialistischen Studentenschaft. Er trat am 1. Mai 1937 in die NSDAP ein und wurde ab dem Sommersemester des selben Jahres Leiter des Heidelberger Studentenwerkes. 1938 beendete er sein Studium mit dem ersten juristischen Staatsexamen. Nach dem Anschluss Österreichs war er ab dem Sommersemester 1938 auf besonderen Wunsch Scheels, mittlerweile Reichsstudentenführer, Leiter des Studentenwerks in Innsbruck. 1939 erfolgte dort seine Promotion zum Dr. jur. nach österreichischem Recht. Seit Sommer 1940 leistete er seinen Wehrdienst in der Endphase des Westfeldzugs und danach im besetzten Frankreich ab, aus dem er wegen einer im Herbst 1940 erlittenen Verletzung schon im Mai 1941 als dienstuntauglich entlassen wurde.
Im Juli 1941 übernahm Schleyer die Leitung des Studentenwerks der Universität in Prag. Am 1. April 1943 trat er als Sachbearbeiter in den Zentralverband der Industrie für Böhmen und Mähren ein. Der Verband war u. a. für die »Arisierung« der tschechischen Wirtschaft und die Beschaffung von Zwangsarbeitern für das Deutsche Reich zuständig. Hier wurde er dann später Leiter des Präsidialbüros und persönlicher Sekretär des Präsidenten Bernhard Adolf.
Anfang Mai 1945, bei oder kurz vor Ausbruch des tschechischen Aufstandes, verließ Schleyer Prag und floh zu seinen Eltern nach Konstanz. Hier wurde er am 18. Juli 1945 vom französischen Militär verhaftet und kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Er blieb drei Jahre lang in Baden interniert, da er innerhalb der SS einen Offiziersrang (Untersturmführer, das entspricht dem Range eines Leutnants) bekleidet hatte. Am 24. April 1948 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Im Entnazifizierungsverfahren wurde er zunächst als Minderbelasteter eingestuft. Hiergegen legte Schleyer Widerspruch ein, im Revisionsverfahren wurde er im Dezember 1948 als Mitläufer eingestuft.
Ganz offensichtlich ein lupenreiner Demokrat und Menschenfreund. Man kann es einem jungen Menschen ja nicht zum Vorwurf machen, dass er trotz Faschismus Karriere machen will, solange er die innere Distanz zum Regime wahrt. Ähnliches gilt sicher auch für eine Karriere im Kapitalismus.
Und weil’s immer aktuell ist, hier noch das Lied über die Sozialdemokraten:
Mit Urteil vom 12. Mai 1998 - 312 O 85/98 - »Haftung für Links« hat das Landgericht (LG) Hamburg entschieden, dass man durch das Setzen eines Links, die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann - so das LG - nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich weder von den verlinkten Seiten noch von den verlinkten Inhalten. Ceterum censeo Capitalismum esse delendam.
Geschrieben von Marc
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