Nach meinen Erlebnissen mit der... äh... Preview-Version der U-Boot-Simulation Silent Hunter IV hab ich das noch originalverpackte Spiel zurückgehen lassen. Der Besuch bei Pirate Bay hat mir so über 50 Öhre erspart. Solange Spielehersteller ganz gezielt darauf spekulieren, dass Tests, die vor dem Erscheinen eines Spiels veröffentlicht werden, über Fehler großzügig hinwegsehen, weil die Tester davon ausgehen, dass sie halt noch nicht die fehlerbereinigte Endversion des Spiels vor sich haben, solange sich die Spielehersteller in der Gewissheit wiegen, dass Software vom Umtausch ausgeschlossen ist, was ihnen unbegrenzte Zeit zur Nachbesserung verschafft, solange sie unfertige Produkte auf den Markt werfen, die sie dann in aller Hektik auf einen halbwegs brauchbaren Stand bringen, der aber immer noch weit von etwas entfernt ist, wofür ich bereit wäre, hundert Mark und mehr hinzulegen (ja, bei sowas rechne ich immer noch gerne in Mark um), solange werde ich die Produkte stichprobenartig vor dem Aufreißen der Verpackung testen. Da bin ich doch lieber ein bisschen kriminell, als mich permanent verarschen zu lassen.
Verblüffenderweise habe ich inzwischen mehr Vertrauen zu Crackern als zu Spieleherstellern. Immer wenn ich ein neues Originalspiel installiere, frage ich mich, welche negativen Auswirkungen der Kopierschutz wohl auf mein Wintendo haben wird. Am liebsten ziehe ich direkt nach der Installation, noch vor dem ersten Starten, den No-CD-Crack einer etablierten Crew drüber. Es ist ja auch deutlich bequemer, nicht ständig mit CDs und DVDs hantieren zu müssen.
Zurück zu Silent Hunter... Aus den einschlägigen Foren, in denen die Diskussion zu SH4 tobt, hab ich eher zufällig von der Grey Wolves Expansion (GWX) für SH3 erfahren. Im Gegensatz zu SH4 läuft SH3 auch auf meinem Notebook, ist bereits auf einen relativ fehlerfreien Stand hochgepatcht und hat mich schon richtig viel Lebenszeit gekostet. GWX, eine von der SH-Community zusammengestellten Sammlung von Korrekturen, Erweiterungen und historischen Kampagnen, haucht der Simulation wirklich neues Leben ein. Mit Hilfe von Samples, unter anderem aus »Das Boot«, schafft SH3+GWX übrigens trotz der zwei Jahre alten Grafik deutlich mehr Atmosphäre als SH4. Eye Candy ist halt nicht alles.
Auf der PS2 hab ich mich ‘ne Weile an »Grand Theft Fahrrad« ausgetobt: Canis Canem Edit (»Hund frißt Hund«) aka Bully persifliert das Leben in einer amerikanischen Internatsschule. Ich fand es sehr lehrreich, mal »Grand Theft Auto ohne Blut« zu spielen... ich hatte viel Spaß dabei, es war ein sehr entspanntes Spielen, aber emotional war ich nicht bei der Sache. Ich habe seltsamerweise mehr Adrenalin im Kreislauf und in der Folge auch intensivere Erfolgserlebnisse, wenn ich — gefühlt — mein virtuelles Leben riskiere. Und das, obwohl die Spielmechanik genau die gleiche ist und man bei einer Kampfniederlage sowohl in GTA als auch in Bully wieder mit vollem Lebensbalken vor der nächsten Polizeistation oder einem Krankenhaus steht. Ich weiß nicht, wieso das so ist, aber es macht mich zum bekennenden Killerspieler. Trotzdem: Bully bzw. CCE ist recommended, wenn man auf Sandkastenspiele steht. Die Missionen sind überwiegend kurz und knackig, der Schwierigkeitsgrad ist vielleicht durchgängig etwas zu niedrig, aber dafür gibt’s im Spiel eine Freakshow und ein Irrenhaus — und welches andere Spiel bietet schon beides?
Mal sehen, ob FF12 noch vor Ostern ankommt.
Nachtrag, 8. April 2008: Na bitte, es geht doch... wenn man Ubisoft genug Zeit lässt — Silent Hunter 4 wurde in der unsäglich schlechten v1.0 vor über einem Jahr veröffentlicht — kriegen sie ein brauchbares Produkt hin. Auf dem Grabbeltisch hab ich die Pazifikvariante des U-Boot-Kults für kleines Geld gefunden, auf v1.4 gepatcht, ein bisschen gespielt und voller Freude festgestellt, dass die nervigsten Fehler behoben sind. Davon war ich so begeistert, dass ich sogar nochmal ein paar Euro für das eben erschienene Addon »U-Boat Missions« investiert hab — zusammen hab ich etwa 30 Euro bezahlt.
Schlau gemacht, Ubisoft: Ihr habt letztes Jahr eine Alpha-Version auf den Markt gebracht, Euch mit den Patches schön Zeit gelassen, die schlimmsten Bugs nur scheibchenweise behoben, aber dann doch pünktlich dafür gesorgt, dass SH4 schließlich spielbar war, als es auf der Softwarepyramide landete. Beachtliche Leistung! Immerhin habt ihr von mir noch etwa ein Drittel der Kohle kassiert, die ich freudig bezahlt hätte, wenn Ihr gleich ein halbwegs fertiges Spiel veröffentlicht hättet.
Natürlich ist das nackte SH4 immer noch relativ langweilig, aber dafür gibt’s ja die Subsimmer-Community: man installiert ein paar Mods (ich hab mich für die Kombination von »Trigger Maru Overhauled« und »Run silent, run deep« entschieden) und schon hat man ein richtig spannendes, anspruchsvolles Spiel, auf dem Schwierigkeitsgrad »100% Realismus« fast schon eine Simulation. Insbesondere die Überarbeitung des Karrieremodus und der historischen Kampagnen durch die verrückten Fans der Serie ist wirklich beeindruckend. Alle Achtung! All hands man your battle stations!
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Dienstag, 3. April 2007
Silent Hunter-Downgrade, Canis Canem Edit (mit Nachtrag)
Mittwoch, 14. März 2007
Quo ludabo? 360, PS3 oder doch am PC?
In ein paar Tagen kommt die PS3 raus. Seit Erscheinen der XBox 360 hab ich mich mit dem Gedanken getröstet, auf die überlegene Konsole zu warten. Jetzt ist es soweit und mir ist irgendwie die Lust vergangen. Für die PS3 spricht:
Gegen die PS3 spricht (aus meiner ganz persönlichen Sicht):
Einige dieser Gründe sprechen gleichermaßen gegen die Xbox 360, aber die kostet deutlich weniger und der Onlinemodus soll rocken. Für die Wii bin ich wohl nicht die richtige Zielgruppe, ich spiel lieber mit meinem Arsch auf dem Sofa und ohne dabei mehr oder weniger wild mit den Armen zu wedeln. Ein neuer Spiele-PC irgendwann nächstes Jahr ist vielleicht das kleinste Übel.
[16.-18. März 2007: Erweitert um Infos aus dem »c’t Special Playstation 3«]
Nachtrag, 19. März 2007: Noch ein Punkt... wenn sich die Hardliner in Deutschland mit ihrer Killerspielgesetzgebung durchsetzen — wer sollte sie aufhalten? — steh ich mit der PS3 vielleicht plötzlich mit einer relativ kleinen Spieleauswahl da. Der Import von in Deutschland verbotenen Spielen dürfte bei PC-Versionen aus vielen Gründen einfacher sein als bei einer Konsole.
- Die Architektur scheint geil zu sein.
Man korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber mit einer Xbox 360 krieg ich einen zur Konsole abgespeckten PC von letztem Jahr (oder dem davor).[Nachtrag: ich wurde korrigiert, lt. erfahrener Xbox 360-Fanbois ist die Xbox 360 sogar noch viel geiler als die PS3, aber zumindest scheint sie tatsächlich näher an der PS3-Architektur dran zu sein als an einem PC.] Mit einer PS3 krieg ich was, was ich mir in der (theoretischen) Leistungsfähigkeit so als PC noch gar nicht zusammenstellen kann.
Ah, Kutaragi-san’s architecture...seven DSPs and a low-powered CPU. I don’t like the PS3’s architecture. First off, with Sony, programmers want to do well and want to create good software, but Kutaragi-san makes the final call and [designs] the [hardware and software] environment himself. So that’s been really challenging. (Hironobu Sakaguchi, Schöpfer der »Final Fantasy«-Serie)
- Sie ist verhältnismäßig leise (verglichen mit der Xbox 360).
Gegen die PS3 spricht (aus meiner ganz persönlichen Sicht):
- Von der theoretischen Leistungsfähigkeit bleibt in der Praxis noch nix übrig.
Zahlreiche der Spieletests, die ich gelesen hab, beklagen Treppchenbildung, ruckelige Darstellung und Bildwiederholraten deutlich unter 30fps, selbst bei Spielen, die auf die volle HD-Auflösung (1080p) verzichten und nur 720p darstellen können. Die Entwickler brauchen sicher noch ‘ne Weile, um die Hardware zu beherrschen. Bis dahin könnte aber wieder der PC als Plattform aufgeholt haben. - Der Hersteller hat seine Glaubwürdigkeit und seinen guten Ruf verspielt.
- Sony hat ein Rootkit auf Audio-CDs gepackt und das nachträglich verteidigt und runtergespielt.
- Ich hab inzwischen die zweite PS2 und auch die muckt schon bei manchen Spielen rum — die in meinen Geräten verbauten DVD-Laufwerke sind wohl einfach nicht konsolentauglich und dank entsprechender Ersatzteilpreise lohnt sich ein Austausch nach der Garantiezeit nicht mehr.
- Auch als SWG-Spieler (Star Wars Galaxies ist ein Produkt von Sony Online Entertainment) hab ich diverse Male feststellen dürfen, in welcher Form und wie häufig Sony auf seine Kunden scheißt (nach drei Jahren kostenpflichtigem Dienst fühlt es sich immer noch wie ein Betatest an).
- An der Reihenfolge der Einführung der PS3 ist deutlich sichtbar, welche Priorität der europäische Markt bei Sony genießt. Als Europäer bin ich unter allen angeschissenen Kunden derjenige, auf den die Haufen aus der größten Höhe fallen.
- Mit der PS3 kommt wohl über kurz oder lang auch das Bedürfnis nach einer angemessenen, gestochen scharfen Darstellung auf einem HD-Fernseher.
Am PC hab ich schon seit Jahren HD-Monitore. Zwei meiner LCD-Displays haben sogar DVI, aber weil die schon drei Jahre alt sind, verfügen sie noch nicht über den DVI-Kopierschutz HDCP.
Monitore ohne HDCP lassen sich nicht digital über DVI an die Playstation 3 anschließen, selbst wenn man keine Blu-Ray-Filme schauen möchte. Der Bildschirm bleibt schwarz. (c’t Special Playstation 3)
Mein Beamer kann auch höhere Auflösungen, aber der ist ja auch schon zwei Jahre alt, also wird das mit der PS3 auch nicht tun. Und jetzt erzähl mir nochmal jemand, dass ich als Kunde nicht unter der Paranoia der Medienkonzerne leide.
Aus Nordamerika, wo die PS3 ja schon ein paar Monate im (schleppenden) Verkauf ist, berichtet man von HDCP-Problemen (z.B. Dauerblinken) zwischen der PS3 und einer Reihe von TV-Modellen — natürlich behaupten sowohl Sony als auch die TV-Hersteller, HDCP jeweils richtig implementiert zu haben und der Kunde hat den Schaden.
In der Praxis klappte die Verbindung über HDMI aufgrund von Problemen bei der HDCP-Authentifizierung bislang nicht immer reibungslos. [...] Treten hierber zwischen Zuspieler und Verstärker oder zwischen Verstärker und Display Timingprobleme auf, bleibt der Bildschirm schwarz oder zeigt [lediglich ein Rauschmuster]. Im besten Fall muss man ein HDMI-Kabel herausziehen und wieder hineinstecken (was auf Dauer schon nervig ist), bei manchen Gerätekombinationen half aber auch das nicht. (c’t Special Playstation 3)
DVDs werden von der PS3 übrigens nicht auf HD-Auflösungen hochskaliert. Andere HD-Abspielgeräte holen so das Optimum aus der vorhandenen Filmsammlung heraus. Aber, hey, die meisten meiner DVDs sind eh importierte RC1-Scheiben, die eine europäische PS3 gar nicht abspielt.
[Audio über SPDIF] Am optischen Ausgang (SPDIF) gibt die Konsole den Sound in Dolby Digital oder DTS mit 5.1-Kanälen sowie AAC aus, als PCM-Strom ist Stereo möglich. Mehr gibt diese Schnittstelle nicht her. Das bedeutet, dass man beim Neukauf eines A/V-Receivers sehr genau auf die unterstützten Formate achten sollte.
[Audio über HDMI] Ein Nachteil der PCM-Übertragung soll hier nicht verschwiegen werden: Die sechskanalige PCM-Übertragung der neuen Formate zum A/V-Receiver läuft in der Praxis keineswegs immer einwandfrei, wie auch Anwender in einschlägigen Foren zu berichten wissen.
Die PS3 besitzt als eines der ersten Geräte einen HDMI-1.3-Ausgang: damit der Audio/Video-Verstärker den Bitstream auch wirklich verarbeiten kann, muss er seinerseits aber natürlich einen HDMI-Eingang nach dem Standard 1.3 besitzen. Solche Geräte sind bislang jedoch Mangelware. (c’t Special Playstation 3)
Das Blu-Ray-Laufwerk ist also für mich kein Kaufgrund, nicht bevor der öffentliche Betatest von HDCP abgeschlossen ist (also vielleicht mit der nächsten oder übernächsten Hardwaregeneration) und der HD-Formatkrieg entschieden ist und sich herauskristallisiert, für welches HD-Format es auf Dauer mehr Content gibt.
Wenn sich die Hersteller nicht auf einen einheitlichen Standard einigen können, geht das auf ihre Kosten. Damals, als der Heimvideo-Formatkrieg tobte, hat die Mama geduldig gewartet, bis es in den Läden nur noch VHS-Recorder gab, während die Early Adopter mit ihren Betamax- und Video2000-Recordern angeschmiert waren. Bezeichnenderweise wurde Betamax von Sony entwickelt. Genau wie MiniDisc oder ATRAC. Aus diesen Beispielen könnte man ableiten, dass Sony kein glückliches Händchen hat, wenn es darum geht, Standards im (Fast-)Alleingang durchzusetzen.
- Die PS3 emuliert die PS2 in Software und unterstützt damit zur Zeit nur einen Bruchteil der verfügbaren Spiele... während in Japan und Nordamerika noch eine PS3 verkauft wird, die mit Hilfe von Hardware fast alle (»97,5%«) PS2-Titel abspielen kann.
Nun hab ich zugegebenermaßen auf der PS2 nur ein einziges PS1-Spiel gezockt: Front Mission — und dafür hätte ich auch die PS1 nochmal rausgekramt.
Aber zum einen wird es meine PS2 wohl nicht mehr lange machen und zum anderen ist, wie ein Kollege anmerkte, der Platz im Multimediamöbel eine knappe Resource. Die »Emotion Engine«, die Sony sich für Europa spart, wäre für mich vermutlich ein Kaufargument gewesen, wenn die PS2 abraucht... aber so werde ich in der Situation wohl eher ein paar Euro in eine gebrauchte PS2 investieren oder halt abwarten, bis es eine PS2-Emulation für PCs gibt. Länger als ein paar Jahre kann das ja auch nicht mehr dauern.
- Sony wird Micropayment für Game-Level, Game-Features und In-Game-Items pushen.
Ich hab ein Problem mit Micropayment, keine Ahnung, ob ich damit allein bin.
Wenn ich etwas kaufe, insbesondere wenn es etwas teures ist, lasse ich mir mit der Kaufentscheidung gerne Zeit, dann macht mir der Kauf ein warmes, weiches Gefühl im Bauch — ich bin halt zum Konsumenten erzogen — und wenn ich dann mit der Zeit feststelle, dass der gekaufte Artikel sein Geld wirklich wert war, gibt mir das bei seiner Benutzung schon eine gewisse Befriedigung.
Bei Micropayment funktioniert dieser Mechanismus für mich nicht.
Unterhalb eines gewissen Betrags macht mir eine lange Entscheidungsphase keinen Spaß und wenn ich mich schnell entscheide, bezahle ich zu oft für unnötigen Kleinkram, der mir dann auch nach dem Kauf keinerlei Befriedigung bereitet.
Wenn ich zocke, will ich zocken. Ich will mir im Kleiderladen von Grand Theft Auto IV keine Sekunde lang Gedanken drüber machen, was mich irgendein Kleidungsstück in Echtgeld kostet. Wenn ich in-game shoppen will, dann ausschließlich mit virtueller Währung — und die sollte möglichst nicht in Echtgeld umrechenbar sein (Second Life würde ich selbst mit der Kneifzange nicht mehr anfassen).
Und wenn ich mit Geld spielen will, dann geh ich pokern, da kann ich nämlich für meinen Einsatz auch was gewinnen.
- Obwohl die PS3 in Japan und Nordamerika schon ein paar Monate verfügbar ist, gibt es keine Killerapplikation, kein Must-Have-Spiel.
»Home« soll im Herbst kommen und wird als »Second Life auf der Playstation« gepriesen...
Liebe schreibende Zunft, es ist nicht zu übersehen, dass im Moment kein Artikel über Computer oder Internet ohne eine Erwähnung des Second Life-Hypes auskommt — allerortens scherzt man darüber, dass in SL inzwischen nur noch Journalisten rumlaufen. Ich hab schon seit Jahren einen aufgrund fehlenden Interesses praktisch ungenutzten Account, kannte SL also schon, bevor es zum Hype, zur Marketingplattform und zur Designerspielwiese wurde.
Bei aller gebotenen Skepsis gegenüber diesem Hype: es ist eine Beleidigung für SL, mit »Home« verglichen zu werden, was jedem aufgehen müsste, der einen Blick in Second Life geworfen und den »Home«-Trailer aus dem Augenwinkel gesehen hat. Aber, nee, sie schreiben das alle schön voneinander ab.
Von den Avatar-Chats, die es bereits in rauhen Mengen gibt, unterscheidet sich SL dadurch, dass die Welt fast vollständig aus Content besteht, den die Nutzer selbst erstellt haben und dass die Nutzer diesem Content mit Hilfe einer SL-eigenen Skriptsprache Leben einhauchen können.
Sony hat da einen gewagten Schritt rückwärts getan und einen guten, alten Avatar-Chat realisiert, wie ich ihn in den 90ern schon langweilig fand — damals, als ich noch nicht Jahrzehnte vom Durchschnittsalter der Anwesenden entfernt war — und hält es für eine besonders bemerkenswerte Leistung, dass die vorhandenen Bereiche durchgängig mit Reklame befüllt werden.
Hurra, man kann sich im virtuellen Kino Trailer ansehen! Für die, die das in der Euphorie kurz vergessen haben: Filmtrailer und Making-Ofs sind kein »Content«, sondern bloß Werbung für Kinofilme.
Yippie, man kann seinen Avatar tootaal individuell gestalten und Kleider für ihn kaufen — die exklusiveren natürlich für Echtgeld. Man hat eine virtuelle Wohnung, die man mit Möbeln ausstatten kann — wobei es einen Grundstock für lau gibt, den Rest für Echtgeld. Genau, ich hab’s nötig, in einem Videospiel damit anzugeben, was ich mir alles leisten kann. Als würde es nicht ausreichen, dass ich allein durch meine Anwesenheit demonstriere, dass es für die mit Abstand teuerste Spielekonsole gereicht hat.
Wenn man will, kann man sich statt des Appartments auch ein Haus mieten. Genau, ich will unbedingt monatlich echtes Geld für eine virtuelle Wohnung zahlen! Und dann kauf ich mir Bilderrahmen und dekoriere mein Wohnzimmer mit animierten Porno-GIFs und streame meine Lieblingsvideobriefmarken aus YouTube auf meinen virtuellen Fernseher!
Vielleicht könnte ich mich in Home ja mit meinen Freunden unterhalten und zum Spielen verabreden... eigentlich schade, dass keiner meiner Freunde den Kauf einer PS3 in Erwägung zieht. Und dass viele der bisher verfügbaren Spiele gar keinen oder nur einen mangelhaften Onlinemodus bieten. - Der neue Controller weckt keine warmen Gefühle — ich bin generell kein Fan von kabellosen Geräten,
schon deshalb, weil ich grundsätzlich keine passenden Batterien hab, wenn’s drauf ankommt. Korrektur: der Controller hat einen Akku, der über ein USB-Kabel aufgeladen wird — ich frage mich, ob der Akku nach einer Weile noch längere Spielsitzungen aushält... ich verbringe ja gern mal einen ganzen Tag mit einem Spiel, das mich fesselt.
Er soll schlechter in der Hand liegen als der PS2-Vorläufer (besonders, wenn man große Hände hat) und er rumpelt nicht mehr, weil Sony sich die Zahlungen an den Inhaber der Controllerschüttelpatente sparen wollte.
Aus unerfindlichen Gründen funktioniert das Force Feedback von PS2-Lenkrädern übrigens auch nicht mit den bisher verfügbaren PS3-Rennspielen. Wow. Hätte ich das nicht aus Testberichten erfahren, sondern erst nach dem Kauf festgestellt, wäre ich sicher ziemlich sauer geworden. - Der Mediaplayer hat keine native Unterstützung für die freien Ogg Vorbis-Medienformate, scheitert aber auch an WMA, AVI (DivX) und ähnlichen »Nischenformaten«.
Ob man kopiergeschützteCDs»Produkte« abspielen oder gar auf die Festplatte der PS3 rippen kann, um sie dort »komfortabel« abzuspielen (solange sich die Zahl der gespeicherten Tracks in engen Grenzen hält — für eine Navigation durch mehrere Hundert oder gar Tausend Songs ist der »X-Media-Bar« anscheinend wenig geeignet), ist natürlich reine Glückssache: manche Scheiben kann das Blu-Ray-Laufwerk lesen, andere eben nicht.
Das Laufwerk spielt und kopiert kopiergeschützte Alben mit Cactus Data Shield (CDS) 200 und 300 sowie Copy-X problemlos, streikt jedoch bei Key2Audio, DocData und CDS 100. (c’t Special Playstation 3)
Und, ja, ich will unbedingt einen CD-Player haben, der 160-190 Watt verbraucht. - Linux auf der Playstation ist wohl nur ein Marketinggag: keine 2D- oder gar 3D-Beschleunigung! Na klasse, ich will auf dem Grafikmonster ganz bestimmt ‘ne Linux-Textkonsole laufen lassen. Als hätte ich davon nicht schon genug. [Nachtrag: Natürlich ist man nicht auf eine Textkonsole beschränkt, das war nur eine polemische Überspitzung. An passenden DVI-mit-HDCP-Monitoren liefert die PS3 unter Linux Auflösungen bis 1920x1080... aber Sony will natürlich keine Plattform für Independent-Produktionen bieten und erlaubt keinen direkten Zugriff auf den GPU, die Darstellung läuft über einen Framebuffer.]
Direkten Zugriff auf die Hardware hat Linux jedoch nicht, um zu verhindern, dass das Sicherheitssystem der Playstation 3 kompromittiert wird. Linux läuft daher virtualisiert und greift auf die Hardwarekomponenten nur über einen Hypervisor zu.
Linux sieht [von der integrierten Festplatte] nur den zuvor in der Playstation 3 für »Andere Systeme« freigegebenen Bereich [festgenagelt auf 10GB, nicht mehr, nicht weniger]; an den Rest ist kein Herankommen. Quasi kastriert wurde der Zugriff auf den RSX-Grafikchip von Nvidia: Linux kann nur in den Frambuffer schreiben. Die Hardwarebschleunigung der GPU lässt sich daher weder für 2D, 3D, Video noch für OpenGL nutzen, was grafisch ansprechende Spiele ausschließt und bei der Wiedergabe hochauflösender Videos schon mal zum Flaschenhals wird. (c’t Special Playstation 3)
D.h. für Spiele ist Linux auf der PS3 mangels Grafikperformance nicht zu gebrauchen! Bizarr, oder? Als Mediaplayer mangels Plattenplatz auch nicht, sofern man sich keine USB-Festplatte dranstecken will.
Aber vielleicht als Zweit-PC zum Surfen im Wohnzimmer? Leider kommt man in der echten Welt nicht ohne die Unterstützung proprietärer Formate aus. Beispiel: Flash. Sehr viele Websites basieren zum Teil oder ganz auf Flash (und zwar gerne auf der jeweils neusten Version). Schon auf i386 hinkt Macromedia mit Plugins für Linux gerne monatelang hinterher, für PPC bieten sie gar kein Plugin an. Surfen wird unter Linux also auch erst mal keinen Spaß machen. - €600... plus Spiele... plus HD-Fernseher oder -Beamer. Da müssen die Preise erst noch ein bisschen purzeln.
- Der Hersteller Sony ist einer der bösen Medienkonzerne. Man mag argumentieren, dass SOE und SCEI / SCEE ja ganz andere Abteilungen sind als Sony BMG oder Sony Pictures... nichtsdestotrotz gefällt es mir nicht, mit jedem Euro für Sony den Lobbyismus von MPAA, RIAA und ihren internationalen Klonorganisationen zu finanzieren, der einzig darauf abzielt, meine Rechte als Konsument zu beschneiden.
- Der Hersteller Sony ist ein multinationaler Konzern. Je größer ein Konzern, desto stärker seine politischen Einflussmöglichkeiten, die keinerlei demokratischer Kontrolle unterliegen.
Einige dieser Gründe sprechen gleichermaßen gegen die Xbox 360, aber die kostet deutlich weniger und der Onlinemodus soll rocken. Für die Wii bin ich wohl nicht die richtige Zielgruppe, ich spiel lieber mit meinem Arsch auf dem Sofa und ohne dabei mehr oder weniger wild mit den Armen zu wedeln. Ein neuer Spiele-PC irgendwann nächstes Jahr ist vielleicht das kleinste Übel.
[16.-18. März 2007: Erweitert um Infos aus dem »c’t Special Playstation 3«]
Nachtrag, 19. März 2007: Noch ein Punkt... wenn sich die Hardliner in Deutschland mit ihrer Killerspielgesetzgebung durchsetzen — wer sollte sie aufhalten? — steh ich mit der PS3 vielleicht plötzlich mit einer relativ kleinen Spieleauswahl da. Der Import von in Deutschland verbotenen Spielen dürfte bei PC-Versionen aus vielen Gründen einfacher sein als bei einer Konsole.
Geschrieben von Marc
in Kabelfreak, Spielkind
um
20:51
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Tags für diesen Artikel: Formatkrieg, Gaming, GTA, Konsumverweigerung, Kopierschutz, Linux, MMOG, Playstation, Xbox
Freitag, 23. Juni 2006
Evolution von Energiebalken und Endgegner
Playing With Power beschreibt die Geschichte und Effekte trivial erscheinender Spielmechanikelemente, vom Balken, der die Lebensenergie des Helden anzeigt, über den Endgegner bis zu Komboangriffen und Kettenreaktionen (via Slashdot):Every once in a while, a game designer comes up with a fantastic concept that engages the player – and influences the work of other designers.
Nachtrag, 28. Juni 2006: Next Generation liefert eine Chronik der zehn besten Jahre der Computerspielgeschichte (via Slashdot).
Nachtrag, 29. Juni 2006: Die Saure-Gurken-Zeit geht weiter: Die Top 10 der Video-Game-Waffen von GameTrailers.com (via Webchew).
Microsoft lieferte mit der ersten Xbox ein Lehrbeispiel dafür, wie man ein Sicherheitssystem nicht entwickeln sollte. Das Xbox-Linux-Projekt dokumentiert die Mistakes Microsoft Made in the Xbox Security System (via Schneier on Security). Das Fazit:
The security system of the Xbox has been a complete failure.
Überrascht?
Nachtrag, 3. Juli 2006: EDGE dokumentiert die Entstehung von Grand Theft Auto. Sehr lesenswert.
Samstag, 24. Mai 2003
Alles, was ich im Leben wissen musste, hab ich aus Grand Theft Auto gelernt
[Hinweis an die RSS-Feed-Leser (ich hab welche! ich hab welche!): Ich erlaube mir mal wieder, Uralt-Content aus 2003 zu recyclen... Wer weiß schon, wie lange man noch über Killerspiele schreiben kann, jetzt wo Beckstein intuitiv erkannt hat, dass man auch als erwachsener Killerspieler jederzeit zum Terroristen oder Amokläufer werden kann. Wenn er für ein Verbot der Killerspiele sorgt, werde ich sie mir auf anderem Weg besorgen und das gesparte Geld für seine Zuzahlung beim Zahnarzt spenden, damit sich der Kinderschreck endlich mal die Kauleiste renovieren lassen kann.]
Zum ersten Mal hab ich Grand Theft Auto vor langer Zeit auf dem PC gespielt, ich bin nicht sicher, ob es GTA oder GTA II war — jedenfalls war’s noch 2D und man guckte von oben auf die Spielwelt. GTA III, Vice City und San Andreas hab ich auf der PlayStation genossen. Und jedesmal war ich beeindruckt von den Verbesserungen zur Vorversion. Der Staat San Andreas mit den drei Städten Los Santos, San Fierro und Las Venturas und dem Hinterland dazwischen ist schlicht beeindruckend.
Alles, was ich im Leben wissen musste, hab ich aus Grand Theft Auto: Vice City gelernt...
Tipps und Tricks aus meinem Leben als Schwerstkrimineller:
Die Anzahl der Cheat-Codes für San Andreas ist beeindruckend - dass so viele davon veröffentlicht sind, haben wir übrigens der Tatsache zu verdanken, dass jemand den Parallel-Port seines PCs an einen PS/2-Controller rangefuddelt hat, um programmgesteuert möglichst viele der Tastenkombination herauszufinden. Die gleiche Technik wird in Kürze sicher auf zahlreiche alte und neue PS/2-Spiele angewendet...
Zum ersten Mal hab ich Grand Theft Auto vor langer Zeit auf dem PC gespielt, ich bin nicht sicher, ob es GTA oder GTA II war — jedenfalls war’s noch 2D und man guckte von oben auf die Spielwelt. GTA III, Vice City und San Andreas hab ich auf der PlayStation genossen. Und jedesmal war ich beeindruckt von den Verbesserungen zur Vorversion. Der Staat San Andreas mit den drei Städten Los Santos, San Fierro und Las Venturas und dem Hinterland dazwischen ist schlicht beeindruckend.
Alles, was ich im Leben wissen musste, hab ich aus Grand Theft Auto: Vice City gelernt...
- Man kann nie zu viele blau-grüne Hawaii-Hemden besitzen.
- Die wichtigsten Leute haben die größten Händies.
- Alle Sünden werden mir vergeben, sobald ich meinen Wagen umlackieren lasse.
- Das Geld liegt auf der Straße.
- Wenn man die richtigen Leute kennt, regelt sich der Rest von alleine.
- Ein Sonnenuntergang wirkt nur mit Lensflare echt.
- Wo ein Wille ist, ist auch eine Rampe.
- Wenn man Karriere machen will, muss man über Leichen gehen.
- Motorradfahren macht mehr Spaß als Autofahren, ist aber auch gefährlicher.
- Autos, die auf dem Dach liegen, fangen innerhalb weniger Sekunden unausweichlich an zu brennen und explodieren kurz darauf.
- Polizisten haben keine Augen im Hinterkopf.
- Man kann nie zu viele Freizeitanzüge mit hochgekrempelten Ärmeln besitzen.
- Das Militär schießt zuerst, und stellt danach die Fragen.
- Wenn aus einem kleinen Verkehrsunfall ein Massaker wird, ist immer die Polizei schuld.
- Man kann nie zu viele Trainingsanzüge besitzen.
- Seilen sich die Jungs aus den Polizeihubschraubern ab, wird es langsam Zeit, sich auf den Weg zu machen.
- Man kann nie zu viele Polizeiuniformen besitzen.
- Auf rotem Teppich fallen Blutlachen kaum auf.
Tipps und Tricks aus meinem Leben als Schwerstkrimineller:
- Die versteckten Gonzos sollte man möglichst früh suchen und einsammeln, weil das später aufgrund der aufgestauten Antipathien mancher Gangs gegen Tommi recht knifflig werden kann. Ähnliches gilt für Sprünge und Amokläufe. Bei zahlreichen Missionen ist es auch durchaus hilfreich, wenn man sich auch in den Hinterhöfen ein bisschen auskennt... und beim Einsammeln der Gonzos sieht man recht viel davon.
- Wenn man auf dem Motorrad sitzt, kann man das Gewicht nicht nur zu den Seiten sondern auch nach vorne oder hinten verlagern, um damit Wheelies und ähnliche Kunststückchen zu machen oder bei Sprüngen dafür zu sorgen, dass man sicher auf zwei Rädern landet.
- Wer bis zur dritten Mission von Cortez (»Guardian Angels« - »Schutzengel«) genug Geld zusammengespart hat, um sich eine Wohnung mit Garage zu leisten, kann sich einen fast unkaputtbaren Wagen organisieren: wenn Cortez bei der Mission stirbt, bleibt der Washington stehen, in dem er vorgefahren ist. Dieser Wagen ist - wohl weil er bei erfolgreich absolvierter Mission in der folgenden Spielszene vorkommt - kugelsicher, feuerfest und gegen mechanische Schäden immun. Sogar Explosionen in nächster Nähe übersteht man in diesem Wundergefährt unbeschadet - nur im Wasser versenken oder auf’s Dach legen darf man es nicht.
- Besagte Cortez-Mission »Guardian Angels« war übrigens für mich reflexlosen Grobmotoriker die erste wirklich schwere Mission... ich hab sie nur mit Zeitlupencheat geschafft - bis ich realisierte, dass die Zeit zwischen dem Einnehmen der Position auf der Treppe und dem Eintreffen der Haitianer ausreicht, um sich das nur wenige Schritte entfernte Adrenalin einzuwerfen.
- Sunshine Autos hat Garagen direkt gegenüber einer Lackiererei. Sobald man den Autohandel erworben hat, parkt man eine 600er in der zweiten Garage von links, stellt sie so auf, dass sie direkt in Richtung Lackiererei zeigt und wenn man mal wieder mit dem Hubschrauber unterwegs war und reichlich Sternchen gesammelt hat, landet man einfach auf dem Hof direkt über den Garagen, springt über die Mauer herunter, schwingt sich auf das Motorrad und braust ins Spray’n’Paint’n’Pay’n’Go.
- Geld im Schlaf verdienen: schnapp dir einen Bus und stell dich an eine geeignete Bushaltestelle. Jeder vorbeikommende Passant wird einsteigen und dir $5 dafür zahlen, stundenlang in einem überfüllten, stehenden Bus sitzen zu dürfen.
Die Anzahl der Cheat-Codes für San Andreas ist beeindruckend - dass so viele davon veröffentlicht sind, haben wir übrigens der Tatsache zu verdanken, dass jemand den Parallel-Port seines PCs an einen PS/2-Controller rangefuddelt hat, um programmgesteuert möglichst viele der Tastenkombination herauszufinden. Die gleiche Technik wird in Kürze sicher auf zahlreiche alte und neue PS/2-Spiele angewendet...
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