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T-Home Entertain: Das Fernsehen von gestern

KabelfreakMedienjunkie Wie ich bereits andeutete, kam zusammen mit VDSL auch ein kostenloser "Media Receiver 300" für "T-Home Entertain" ins Haus. Es käme mir durchaus entgegen, wenn ich mit einer HD-fähigen IPTV-Set-Top-Box die Zeit überbrücken könnte, bis sich eine zukünftige VDR-Version, DVB-S2-Karten und eine DVI/HDMI-fähige Grafikkarte ohne große Bastelei verheiraten lassen.

Mein erster Eindruck: IPTV funktioniert einigermaßen. Das Benutzerinterface könnte flotter sein, das Gerät scheint keine großen Leistungsreserven zu haben. Zappen geht überraschend zügig, das Umschalten dauert bei FTA-Sendern selten länger als eine halbe Sekunde. arte.HD fehlt, obwohl die Entertain-Bestell-Hotline mir bei der Bestellung auf explizite Nachfrage versichert hatte, dass der Sender im FTA-Bouquet enthalten sei. Na, vor dem Vertragsabschluss erzählt man dem Kunden halt alles mögliche, dafür hab ich ja Verständnis. Jetzt schreibt mir die Hotline aber:

Die Integration des Senders Arte HD in das Entertain-Programmangebot ist in Vorbereitung. Aktuell klären wir mit unseren Partnern die technischen und rechtlichen Fragen.


Mitte 2008 war dieser damals schon verwendete Textbaustein lt. T-Online-Forum noch etwas länger:

Wenn wir unsere Abstimmungen wie geplant abschließen können, werden Sie Arte HD ab dem vierten Quartal 2008 bei Entertain erleben.


War wohl nix.

Der einzige tatsächlich verfügbare, nicht kostenpflichtige HD-Sender sendet den halben Tag Werbung (anscheinend hauptsächlich Touristik-Angebote und BluRay-Trailer) und füllt den Rest der Zeit mit Serien und Spielfilmen aus den 80ern und 90ern — bisher hab ich außer Werbung noch nichts in HD gesehen. Für sagenhafte zwanzig Euro im Monat könnte man zwei weitere HD-Sender buchen, Premiere HD und Discovery HD. Ein Blick ins Programm dieser Woche zeigt mir überdeutlich, dass das ein schlechter Scherz sein muss. Zumal man bei Premiere wohl nicht davor zurückschreckt, auf den HD-Sendern statt echtem HD-Material auch mal hochskaliertes SD-Material auszustrahlen. (Nachtrag, 27. September 2009: Damit hat es sich jetzt, Premiere (alias Sky) und die Telekom haben sich auseinandergelebt.)

Um HD-Programme in HD sehen zu können (bzw. wenigstens die Benutzeroberfläche in hoher Auflösung genießen zu können), muss man den Media Receiver natürlich entsprechend konfigurieren. Er skaliert ein SD-Fernsehsignal dann auf die gewählte HD-Auflösung hoch. Erkennt er ein 4:3-Signal, pappt er links und rechts schwarze Balken dran. Leider senden die privaten "Spielfilmsender", allen voran Pro7, ihre Filme immer noch in 4:3 Letterbox. Über ein Menü kann man das Bild mit wenigen Tastendrücken in drei Stufen "zoomen". Merkwürdigerweise fehlen da aber auch auf der höchsten Zoomstufe an allen Rändern noch ein paar Zentimeter, die bleiben schwarz. Die Alternative, das Bildformat am Fernseher auf "Zoom" zu ändern, funktioniert nicht, weil der ein bereits auf 16:9 aufgefülltes Signal bekommt und daher nur in der Vertikalen zoomt. Ich hab also die Wahl zwischen Eierköpfen oder fetten, schwarzen Balken links, rechts, oben und unten. Man könnte das Bildformat im Media Receiver natürlich auf 4:3 umstellen, aber dazu sind 17 Tastendrücke zur Navigation durch das Menü nötig und beim Zurückstellen auf HD muss man zusätzlich jedes Mal durch eine Testseite durch, auf der man nochmal bestätigen darf, dass man auf seinem HD-Fernseher per HDMI tatsächlich ein HD-Signal darstellen kann.

Aber die wahren Vorteile von IPTV liegen ja beim Video on Demand. Da ließe sich eine Menge für T-Home Entertain reißen. Zu Videoload hab ich ja schon was geschrieben — ich zahle keine fünf Euro für das Recht, mir einen Film in Standardauflösung 24h lang angucken zu dürfen, den es in der Videothek billiger (und meist mit reichhaltigem Bonus-Material) auf BluRay gibt, und das HD-Angebot von Videoload hinkt ein paar Jahre hinterher. Aber T-Home bietet ja auch ein TV-Archiv:

Sie haben einen tollen Film verpasst? Oder mal wieder während Ihrer Lieblingsserie im Stau gestanden? Zum Glück gibts bei Entertain das TV-Archiv. Hier stellen die einzelnen Sender eine große Auswahl ihres bereits ausgestrahlten Programms zur Verfügung. Einfach reinschauen, auswählen und genießen.


"Die einzelnen Sender"? Da hat wohl jemand "vereinzelte Sender" flahsc geschrieben.

Na, schauen wir doch mal exemplarisch irgendwo rein. Es gibt zwei Sender, die ganze "Mediatheken" anbieten: Pro7 und Sat.1. Unter "Shows" findet man bei Pro7 die 5. Staffel "Popstars" (2006). Unter "Spielfilme" zwei Dutzend Eigenproduktionen, darunter Klassiker wie "Gnadenlos II — Ausgeliefert und missbraucht". Wenn ich raten müsste, würde ich darauf tippen, dass T-Home 2006 gestartet wurde, die Mediatheken damals einmalig "befüllt" wurden und seither nur noch vereinzelte Feigenblätter nachgeschoben wurden. Einige andere Sender haben wohl mal ganze Serien angeboten, beim Durchgucken stößt man aber überall auf die vielsagende Meldung: "In diesem Bereich stehen momentan keine Inhalte zur Verfügung. Bitte versuchen Sie es später noch einmal." Vermutlich viel später.

Ich bin noch nicht sicher, ob ich das Gerät angeschlossen lasse, zumal der Standby-Modus anscheinend nicht mal ein echter Standby-Modus ist, möglicherweise wird nur das Videosignal abgeschaltet. Und jetzt erzähl mir keiner, dass das Gerät ja in Bereitschaft bleiben muss, damit es geplante Aufnahmen aufzeichnen kann — mein VDR-Rechner im Wohnzimmer kann sich auch abschalten, wenn er nicht gebraucht wird, und sich pünktlich zur nächsten Aufnahme von der batteriegepufferten Uhr wecken lassen.

Ach ja, das Totschlagargument gegen die Kiste: es scheint keinen Weg zu geben, Aufnahmen zu exportieren, z.B. um sie zu archivieren. Zurück in die Kiste damit.

Nachtrag, 24. Februar 2008: Dem taz-Artikel "Deutschland noch unscharf" entnehme ich, dass ich noch mindestens ein Jahr Geduld haben muss:

Bei ARD und ZDF ist der Regelbetrieb mit der Technik erst zu den Olympischen Winterspielen in Vancouver ab Februar 2010 geplant.


Ich bin gespannt.

Videoload sagt: HD wird nicht "der Renner"

KabelfreakMedienjunkie Ich finde VDSL spannend, schon wegen des dicken Upstreams. VDSL gibt's nur zusammen mit einem "Entertain"-Paket und einem Festplattenrecorder. Wenn ich mir sowas schon neben den Fernseher stelle, würde ich eventuell auch gerne eine bequeme Videoplattform nutzen — "kaufen" würde ich da natürlich nichts, ist ja alles DRM-verkrüppelt, aber einen Film für kleines Geld (ein paar Euro) für 24h zu mieten, wär ja durchaus eine Alternative zu einer "normalen" Videothek, zumal wir keine brauchbare Videothek vor der Tür haben, sondern immer (zweimal) durch halb Dortmund fahren müssen.

Also hab ich mal bei "Videoload", der virtuellen Videothek der Telekom, rumgeklickt und dann beim Support angerufen:

Ich: "Ich hab bei Durchsicht Ihres Angebots festgestellt, dass von den ca. 140 HD-Filmen, die Sie anbieten, drei aus 2007 sind, alles andere ist älter. In der Top10-Liste der Filme in Standardauflösung sind aber schon sieben Filme aus 2008. Was können wir da denn in Punkto HD für die Zukunft erwarten?"

Videoload: "Da brauchen Sie nichts mehr zu erwarten, HD wird nicht 'der Renner' werden."


Der Videoload-Supporter begründete das damit, dass "die Mehrzahl unserer Kunden" weder über VDSL noch über ausreichend dimensionierte Hardware zum Abspielen von HD-Content verfüge. Ein Teufelskreis! Die Kunden können HD nicht abspielen, deshalb wird kaum HD-Content angeboten, und deshalb wollen die Kunden auch kein "Entertain", mit dem sie HD abspielen könnten.

Da die Telekom sowohl der einzige VDSL-Anbieter als auch Betreiber von Videoload ist, wäre es ein leichtes, aus diesem Teufelskreis auszubrechen: mehr HD-Content macht auch VDSL interessanter. Aber vermutlich ist man in Bonn zu sehr damit beschäftigt, rumzuschnüffeln, wer rumgeschnüffelt hat. (© hotshelf)

Die machen es einem echt nicht leicht, die Augenklappe abzulegen. Arrrr!

Onlineshopping leicht gemacht: Scheiß doch auf Sicherheit! (mit Nachtrag)

KabelfreakMedienjunkie Nach einigen Jahren Abstinenz hab ich eben, nach einer DVD von Magnolia Pictures fahndend, einen kanadischen Webshop (dvdboxoffice.com) besucht, bei dem ich früher mal aufgrund seiner kundenfreundlichen Geschäftspraktiken sehr gern bestellt hab: die DVDs kamen versandkostenfrei und per Remailing aus der EU, was mir das umständliche Rumgefuddel mit dem Zoll ersparte.

Die gesuchte DVD (interessanterweise eine Dokumentation über die Machenschaften von Kreditkartenfirmen, "Maxed Out") war im Angebot, mein vergessenes Passwort bekam ich nach Eingabe meiner Mailadresse binnen Sekunden zugeschickt, ich gab meine aktuellen Kreditkartendaten ein und bestellte. Dann wollte ich mein Passwort wechseln, aber ich fand im neuen, bunten Webshopsystem keine entsprechende Funktion.

Auf Anfrage teilte mir der Kundenservice mit, dass ich mein Passwort nicht selbst ändern könne — ich solle mein gewünschtes neues Passwort doch einfach per Mail an den Service schicken, es würde dann für mich geändert. Das war fischig genug, um bei mir das Bedürfnis zu wecken, meine Kreditkarteninformationen in diesem Laden nicht permanent gespeichert zu sehen. Natürlich war es nicht möglich, die einmal eingebenen Daten selbst zu löschen.

Misstrauisch, wie ich nun mal bin, ging ich mal testweise einen weiteren Bestellvorgang durch und kam bis zur Meldung "Click to complete your order", ohne dass ich nach dem CVV2 gefragt wurde, dem "Sicherheitscode", der, zumindest nach den Richtlinien der Kreditkarteninstitute, zur Sicherheit des Kunden eben nicht gespeichert werden soll.

Will ich, dass jeder, der die unverschlüsselte Mail mit meinem Passwort einsehen konnte, bei diesem Laden auf meine Kosten DVDs, Spiele oder auch 'ne PS3 bestellt? Das war für mich Paranoiker Grund genug, die Karte präventiv sperren zu lassen. Meine Bank und den Kreditkartensperrdienst haben die genauen Umstände nicht interessiert, die heften den Kartentausch einfach unter "Missbrauchsverdacht" ab und schicken mir binnen einiger Tage 'ne frische Karte.

Ich hab die Kreditkartengesellschaft auch mal direkt angeschrieben — ein Kontaktformular kann man sich auf der deutschen MasterCard-Seite leider nicht leisten, drum hab ich mich an die Mailadresse gewandt, die im Impressum versteckt war. Mal sehen, ob und wo Mail an "frankfurt@mastercard.com" ankommt und ob die Sicherheitsbemühungen der Kreditkartenhaie bloße Augenwischerei sind oder ob sie ihre selbst festgesetzten Sicherheitsregeln auch tatsächlich durchsetzen.

Ja, natürlich kann ich mir das auch selbst beantworten: der Payment Card Industry Data Security Standard (PCI DSS, verlinkt im Wikipedia-Eintrag zu CVV2) untersagt die Speicherung des Sicherheitscodes ausdrücklich, aber trotzdem muss ich ihn bei Blizzard nicht jeden Monat frisch eingeben, obwohl ich monatlich für WoW zahle. QED.

Nachtrag, 22. Februar 2008: (zu Franks Hinweis, wie sorglos er mit seiner Kreditkarte umgeht) Ich benutze meine Kreditkarte ausschließlich im Internet, ich hab sie ja extra dafür angeschafft. Im echten Leben bezahle ich, wenn irgend möglich, in bar, in Notfällen mit der EC-Karte — wobei ich dabei schon ein maues Gefühl habe: die modernen Kassen- und Warenwirtschaftssysteme sammeln so schon genug Informationen über mein Einkaufsverhalten, diese Daten müssen nicht auch noch personalisiert werden.

Wenn ich mal das gute, alte "Juden im Dritten Reich verstecken"-Beispiel heranziehen darf: falls ich nach der Revolution zu der Gruppe von Menschen gehöre, die aus Mitgefühl einem Manager eines DAX-Unternehmens in ihrem Keller Asyl gewähren, wäre es schade, wenn die Behörden das bloß durch Abgleich von Lebensmitteleinkäufen feststellen könnten. Solange man sich nicht schon durch die bloße Benutzung von Bargeld verdächtig macht, verzichte ich gern darauf, aktiv zur Sammlung von Daten über mich beizutragen...

Hmmm, ja, okay, das ist etwas schizophren, da die postrevolutionären Sicherheitsbehörden ja bloß nach "DAX-Manager im Keller" googeln müssten, um mich zu finden... aber dass ich paranoid bin, heißt ja noch lange nicht, dass ich nicht auch schizophren sein darf.

MasterCard hat übrigens sehr freundlich und kompetent geantwortet und das Fehlen eines Kontaktformulars damit erklärt, dass der Ansprechpartner des Kunden in den meisten Fällen die kartenausgebende Bank, bzw. der als "Karteninhaberservice" oder "Kundenservice" auftretende "Prozessor" ist. Zum Speichern des CVV2 schreibt das "MasterCard Europe Team":

Die Abfrage der Kartenprüfnummer erhöht die Sicherheit von sogenannten "card-not-present" Kreditkartentransaktionen. In der Tat fordert MasterCard von den Akzeptanzstellen, dass diese die Kartenprüfnummer nicht speichern dürfen. Die Kartenprüfnummer ist jedoch kein geheimes Sicherheitsmerkmal wie die PIN, welches vom Karteninhaber vertraulich zu halten ist und hat somit auch keinen Einfluss auf Ihre Rückbelastungsrechte als Kunde im Falle von Kreditkartenmißbrauch.


Sprich: den CVV2 im Rahmen einer Transaktion auf einer Webseite einzugeben gilt an sich noch nicht als Verletzung der Sorgfaltspflicht, man muss als Kunde also nicht schon aus Prinzip in vollem Umfang für daraus folgenden Missbrauch haften, sondern die Haftung beschränkt sich auf die übliche "Selbstbeteiligung" (in meinem Fall €50 pro Missbrauch).

Das hätte ich auch nicht anders erwartet, die Aussage lässt aber offen, wie es sich mit der Haftung des Kunden verhält, wenn eine "Akzeptanzstelle" (also z.B. ein Onlineshop, der Kartenzahlung akzeptiert) den CVV2 — entgegen der Vorgaben der Kreditkartenunternehmen — speichert, die Daten in falsche Hände geraten und so Missbrauch stattfinden kann, der ohne CVV2 nicht möglich gewesen wäre.

Hafte ich dann für jeden Missbrauchsfall mit €50 bis sie mir auf dem Kontoauszug auffallen? Bis dahin könnte sich ja schon einiges an Transaktionen angesammelt haben...