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Logitech-Fanboi

KabelfreakSpielkind Nachdem ich mich ja kürzlich über die Schlipsträger bei Sony aufgeregt hab, die mir (zumindest temporär) jeden Spaß am Spielen versauen können, indem sie mich alle paar Wochen zwingen, zig Seiten lange Nutzungsbedingungen zu "akzeptieren" — ich bin ziemlich sicher, dass ich Sony bereits meinen erstgeborenen Sohn verpfändet und das ius primae noctis für alle meine Töchter übertragen habe — muss ich mich zur Abwechslung über Logitech auslassen.

Ich benutze seit über zehn Jahren nur noch Logitech-Mäuse und die halten, trotz meines atypischen Nutzerverhaltens, immer jahrelang, mit dem Logitech-Lenkrad hab ich in GT3 zigtausend Kilometer zurückgelegt (und ich wette, dass nicht Logitech, sondern Sony dran schuld ist, dass es von vielen PS3-Spielen nur im Kompatibilitätsmodus erkannt wird) und eine Harmony One hat vor einer Weile die alte Universalfernbedienung (Kameleon) abgelöst. Nur die Logitech-Tastaturen kann ich nicht leiden, die sind nicht kettenrauchertauglich.

Logitech bietet seit vielen Jahren eine Reihe von stationären Audio-Playern an (sowas nennt man wohl, zumindest bei Amazon, auch "Internet-Radio"), früher als Slimirgendwas, jetzt unter der Bezeichnung Squeezebox, Preislage so €150-300, mit einem Ausreißer auf €2000 für ein High-End-Modell. Ich hab ewig die dazugehörige Serversoftware benutzt: der Squeezebox Server (früher: Slimserver) ist ein extrem aufbohrfähiger Perl/LUA-Mediaserver, der mit meiner relativ reichhaltigen Musiksammlung vernünftig umgeht, auf Debian reibungslos läuft und dessen Web/Java-Frontend mit jedem OS hier spielt.

Die Slim/Squeeze-Hardware hat mich bis vor kurzem gar nicht interessiert, die hatte so ein trockenes Stereoanlagenkomponentenflair. Bei dem neuesten Modell konnte ich aber nicht widerstehen: die Squeezebox Touch ist total niedlich und bunt, kann sich als langweiliger Digitalwecker tarnen, spielt alle Audio-Formate, die sich so über die Jahre ansammeln, sie hat Fast Ethernet (und 802.11g, aber wer will das schon bei einem stationären Gerät…), es läuft natürlich ein Linux drauf und sie spricht SSH.

Und das folgende war das erste, was ich gesehen hab, als ich mich zum ersten Mal auf der Squeezebox Touch eingeloggt hab:

bong:~# ssh 192.168.1.23
root@192.168.1.23's password:

This network device is for authorized use only. Unauthorized or improper use
of this system may result in you hearing very bad music. If you do not consent
to these terms, LOG OFF IMMEDIATELY.


Sowas kommt dabei raus, wenn in einer Firma nicht genug Anwälte und Marketingfritzen arbeiten um jedwede Kommunikation mit dem Kunden in das typische Korsett aus schleimiger Kundenverarsche und juristischen Drohungen zu pressen. Da hüpft mein Nerdherz. Logitech, ich bin jetzt offiziell Euer Fanboi.

Standard disclaimer: Ich hab keine Logitechaktien und bin in keiner Weise mit der Firma verbandelt. Und ich kann nur hoffen, dass nicht morgen rauskommt, dass Logitech seine Produkte von genitalverstümmelten Kindern in einer PCB-verseuchten Fabrik im Nigerdelta fertigen lässt, als Rohstoffe Blutdiamanten, Javanashornelfenbein und Gorillaleder verwendet oder ein Konto bei der Deutschen Bank führt.

Mein 2008: Hardware

Kabelfreak Vor ein paar Jahren hab ich mein langjähriges Lieblingskeyboard, ein IBM Model M, bei einer experimentellen Reinigungsaktion in der Geschirrspülmaschie zerstört. Die Tasten hielten die Temperatur aus, aber das Oberteil des Gehäuses verzog sich. Schade. Seither war ich auf der Suche nach einer Tastatur, die für einen selbstdrehenden Kettenraucher taugt, die unempfindlich gegen Asche und Tabakkrümel ist und sich bequem reinigen lässt. Pustekuchen. Ich hab fast im Jahresrhythmus ein neues Marken-Keyboard gekauft, u.a. Modelle von Compaq und Logitech. Davon hatte ich 2008 die Schnauze voll.

Nach intensiver Recherche entschloss ich mich, "Das Keyboard Ultimate" zu bestellen — beworben als "The best keyboard on the planet". Muha. Tiefer hab ich lange nicht mehr ins Klo gegriffen. Die Tastatur machte auf den ersten Blick zwar einen sehr guten Eindruck, ist aber wohl nur für sterile Umgebungen geeignet. "Das Keyboard" soll eine Model M-ähnliche Mechanik haben, aber sie fühlt sich weder so an, noch ist sie annähernd so robust wie die historischen IBM-Keyboards. Schon nach wenigen Tagen (!) intensiver Benutzung klemmten die ersten Tasten. Eine Ersatztastatur wurde umgehend geliefert und zeigte binnen einer Woche (!) genau die gleichen Symptome — die linke STRG-Taste hing, die linke Shift-Taste hakelte. Hundert Euro für dieses Scheißteil? Ich fasse nicht, dass ich darauf reingefallen bin.

Ich hab mir dann auf eBay ein gebrauchtes, aber sehr gut erhaltenes Model M besorgt. Das hätte ich gleich tun sollen. Es gibt einfach keine Alternative. Die Multimedia- und Windows-Tasten moderner Tastaturen sind eh überflüssiger, neumodischer Schnickschnack.

Fazit: eine ca. zwanzig Jahre alte Tastatur war mein Hardware-Highlight 2008.

Nachtrag, 14. Januar 2009: hier ist ein etwas freundlicherer Vergleich zwischen Model M und Das Keyboard zu finden, der wahre Freak aktualisiert die Elektronik des Model M (und lackiert es schwarz).

Thank you for The Shield, Shawn!

Medienjunkie Vor fünf, sechs Jahren schrieb ich über "The Shield":

Fakt: Die Polizeibehörde von Los Angeles steht seit September 2000 für fünf Jahre unter der Aufsicht durch das US-Justizministerium. Der Grund für diese Überwachungsaktion ist ein Polizeiskandal (der "Rampart"-Skandal), der begann, als das Verschwinden von mehreren Kilo Kokain aus der Asservatenkammer auffiel, und auf dessen Höhepunkt gegen etwa 70 Beamte ermittelt wurde. Mehrere Mitglieder einer Spezialeinheit für Straßengangs ("CRASH") wurden wegen Diebstahl, Körperverletzung, Fälschung von Indizien, Meineids und anderer Verbrechen zu Haftstrafen verurteilt.

Die Polizeiserie "The Shield" wurde von diesen Ereignissen inspiriert. "NYPD Blue" trifft "Training Day":

Farmington, ein (fiktiver) Stadtteil von Los Angeles, ist gezeichnet von ethnischen Konflikten, Bandenkriegen, Prostitution, Drogenhandel. Das Polizeirevier hat einen neuen Captain bekommen, den politisch ambitionierten Latino Aceveda (Benito Martinez), es wurde eine Einsatzgruppe, das "Strike Team" gebildet, die Polizei will Präsenz zeigen. Das Strike Team erzielt Ergebnisse, aber es spielt nach seinen eigenen Regeln: kaum ein Verhör ohne Einsatz von Gewalt, keine große Beschlagnahmung, ohne dass ein Teil zur eigenen Altersversorgung abgezwackt wird.

Vic Mackey, hervorragend gespielt von Michael Chicklis [bei uns am ehesten bekannt als Darsteller von Ben (alias Das Ding) aus den "Fantastic Four"-Comic-Verfilmungen], leitet das Team. Obwohl er ein echtes Arschloch ist, kann ich nicht umhin, mich immer wieder auf seiner Seite zu finden - z.B. wenn ich ihn als liebenden, verzweifelten Vater eines autistischen Kindes erlebe oder ihn dabei beobachte, wie er versucht, mit seinem Gewissen fertig zu werden, seine Entscheidungen vor sich selbst zu rechtfertigen. […]

In den Staaten erregt die Serie nicht nur wegen ihre kontroversen Themenwahl (Korruption, Prostitution, Gewalt in der Familie, Pedophilenringe, Serienmord, usw.) die Gemüter: es handelt sich um die erste nennenswerte Eigenproduktion des kleinen (zu Fox gehörenden) Kabelkanals F/X, der sich z.B. nicht darum schert, dass man die berühmten "four letter words" auf dem Bildschirm eigentlich nicht sagt und Schießereien zur Prime Time gefälligst in "A-Team-Choreographie" (alle ballern wild um sich, aber niemand wird getroffen) zu zeigen hat. […]

Die Serie vermittelt einen hohen Grad an Authenzität… ich hab natürlich keine Ahnung vom Polizeialltag auf den Straßen von L.A., ich vergleiche nur mit anderen Serien, aber ich finde die Darsteller und ihre Sprache überzeugend, ich lasse mich von der verwackelten Handkamera einlullen (dieser Reality-TV-Look scheint inzwischen echt beliebt zu sein) und ich mag die verflochtenen und über Folgengrenzen hinweg laufenden Handlungsstränge, die Dynamik im kleinen wie im großen.


Vielen Dank, Shawn Ryan, für diese sieben Jahre. Ich weiß nicht mehr, wie ich 2002 auf die Serie gestoßen bin, aber ich weiß, dass ich von Anfang an mitgefiebert und mitgelitten habe. Erst mit Vic, dann mit Claudette und Dutch, besonders gern mit Kavanaugh (Forest Whitaker) und schließlich, irgendwie, wieder mit Vic. Ich hab drei Staffeln auf DVD im Regal stehen — und wären mir nicht irgendwann die Augen aufgegangen, hätte ich nicht eingesehen, dass ich damit Konzerne finanziere, die ihr Geld nicht zuletzt dafür nutzen, Technik zu erfinden, die mir als Konsumenten das Leben schwerer macht, und Politiker zu kaufen, die meine Rechte an die Contentmafia übertragen, hätte ich sicher alle Staffeln gekauft. Statt dessen hab ich die Folgen halt… von Freunden bekommen.

Gerade lief die letzte Folge. *schnief*

The Shield: Highly recommended.

Fallout 3: Cartoon-Physik und kein 16:9

Spielkind Fallout 3 läuft auf der PS3 auf einem 16:9-SD-Fernseher nur in 4:3 (und, so entnimmt man den Foren, auf einem HD-Fernseher nicht mal in 1080i). Ich hab eine Originalversion, um mich nicht über eine oblivionesque Lokalisierung oder die Vorstellungen deutscher Medienwächter zum Thema Gewaltverherrlichung ärgern zu müssen (und, nicht zuletzt, damit Ubi keinen Euro an mir verdient). Mit so grundlegenden Problemen wie der fehlenden Unterstützung des Bildverhältnisses meines Fernsehers oder einer Physik-Engine, die willkürlich auf Cartoon-Physik umschaltet, hatte ich nicht gerechnet. Der Reiz umherfliegender Gließmaßen legt sich recht schnell, wenn man sieht, wie unrealistisch die Treffer im unzensierten Fallout 3 wirken. Mein persönliches Highlight war der Raider, dessen abgeschossener Fuß auf dem Boden stehen blieb, während der Rest des Körpers von der unglaublichen Wucht eines 10mm-Projektils aus meiner Pistole meterhoch durch die Luft geschleudert wurde. Vielleicht soll das ja der Ersatz für den zynischen Humor sein, der die Serie früher mal prägte. Und das erhoffte Mad Max-Feeling will nicht aufkommen.

Na, warten wir mal den Patch ab.

Der war gut, gell? Auf einen Patch für die PS3 warten die "Oblivion IV"-Spieler nämlich auch noch. Lt. Bethesda-Forum muss man eine Erweiterung kaufen, um in den Genuss einer weniger fehlerhaften Version des Spiels zu kommen. Denen hat doch jemand ins Gehirn geschissen. Mir auch, sonst würde ich nicht immer wieder aufs Neue auf diesen Marketing-Mindrape reinfallen. Ich muss mir wohl, wie in Memento, ein paar Regeln in Spiegelschrift auf die Brust tätowieren lassen.

Nachtrag, 11. Januar 2009: Nachdem ich es auf HD durchgespielt hab, bin ich damit ganz glücklich. Hardcore-Fans von Fallout 1 und 2 fehlt vielleicht die "Seele" der Vorversionen, von GTA4 u.ä. verwöhnt erscheint die Spielwelt vielleicht etwas eintönig und begrenzt — und ich bin auch noch nicht sicher, ob ich es ein zweites Mal durchspielen werde, aber beim ersten Mal hat es mich doch eine ganze Weile gut unterhalten. Patches gab es — wider Erwarten — übrigens auch schon, zuletzt wurde die Unterstützung für PS3-Trophies integriert.

Civ4 ist fertig

Spielkind Ich hab da so'n paar Spiele, die ich schon seit Jahrzehnten immer wieder zocke, darunter Nethack, Flight Simulator und Civ. Von Civ4 war ich im Vergleich zu seinen Vorgängern etwas enttäuscht: ausgerechnet im Endspiel fand ich die neuste Version eher schwach — doch die vor etwa einem Jahr erschienene Erweiterung "Beyond the Sword" (BTS) schafft Abhilfe. Ein paar neue Staatsmänner, Einheiten und Technologien, dazu kleinere Regeländerungen und schon macht auch das zwanzigste Jahrhundert wieder Spaß.

Highlights: Persönlichkeiten ("Great Persons") können in BTS Konzerne ("Corporations") gründen, wenn man über die richtigen Technologien und Resourcen verfügt, die Schlipsträger ("Executives") verhalten sich ähnlich wie Missionare, verbreiten den Einfluss ihres Konzerns und verwandeln überzählige Resourcen in Gold. Der Spieler kann einen Teil des Jahresbudgets in Spionage investieren oder einen Nachrichtendienst etablieren, um sich über die Entwicklung der Nachbarländer auf dem Laufenden zu halten, Geheimdienstler sabotieren gegnerische Städte, während Spionageabwehr die eigenen Städte schützt. Und der Wettlauf ins All — eine der möglichen Siegbedingungen ist bekanntlich, dass man ein Raumschiff baut und damit Alpha Centauri erreicht — wurde etwas aufgebohrt.

Danke, Sid Meier Firaxis! (Ich reite jetzt bewusst nicht darauf rum, dass das eigentlich alles schon im ersten Civ4-Release hätte drin sein können.)

Die Titelmelodie von Civilization IV ist übrigens "Baba Yetu" ("Vater Unser" auf Kiswahili) von Christopher Tin (hier kann man reinhören) und hat für mich 'nen extrem hohen Gänsehautfaktor.

Civ4, Warlords und BTS gibt's via Steam.