Viertel nach acht: Erster Anruf bei der Hotline der Telekom. Der Computer erklärt mir, dass der Internetzugang zur Zeit nur eingeschränkt nutzbar sei und dass ich gefälligst nur dann eine Störung melden solle, wenn ich ein anderes Problem hätte.
Halb neun: Zweiter Anruf bei der Hotline der Telekom. Bei genauer Betrachtung hatte ich ja ein anderes Problem. Mein Internetzugang war nicht »nur eingeschränkt nutzbar«, sondern ich konnte meinen Provider (freenet) nicht mal mehr erreichen. Also beschloss ich, eine Störung meines DSL-Anschlusses zu melden. »Einen Augenblick bitte. Der nächste freie Berater ist für Sie reserviert.«
Halb zehn: Der nächste freie Berater ist immer noch für mich reserviert. Durchgängig seit halb neun. Auf irgendeine Weise stimmt das ja auch. Auch wenn die Ansage suggerieren soll, dass man sich weit vorne in der Warteschlange befinde, sagt sie genau das ja nicht. Die Callcenter-Agenten, die die aufgeregten Kunden, die noch vor mir in der Warteschleife hängen, beruhigen müssen, sind ja keine »freien Berater«, die sind ja bereits für die Kunden vor mir reserviert.
Ich lege aus sozialen Gründen nicht auf — kostet mich ja eh nix, ist ja 0800. Vielleicht ändert ja gerade mein Anruf etwas optisch auffälliges auf der Tortengrafik, die aus der Telefonanlage rausfällt, und ein Callcenter-Manager beschließt, eine Callcenter-Schicht um einen Callcenter-Agent aufzustocken. Das wär ja vielleicht schon einer weniger, den Obermann rauswirft. Eigentlich sollte ich täglich bei der Hotline anrufen.
Fünf nach zehn: Immer noch kein DSL. Ich hab nach anderthalb Stunden Warteschleife aufgelegt und einen neuen Versuch gestartet.
Viertel nach zehn: Ein netter, aber frustriert klingender Agent nimmt meine Störung auf und führt einen Portreset durch. Auf meinen Hinweis, dass die langen Wartezeiten vielleicht dafür sorgen, dass weniger Mitarbeiter entlassen werden, erklärt er mir, dass die meisten eh von alleine kündigen würden. Die Callcenter würden zusammengelegt, so dass sich für viele Teilzeitkräfte (z.B. alleinerziehende Elternteile) die tägliche Fahrt zum Callcenter aufgrund des Zeitaufwands und der Kosten einfach nicht mehr rechnet.
Wenige Minuten nach dem Portreset tut DSL wieder.
Nachtrag, 11. Oktober 2008: Chris von F!XMBR hat eine Übersicht über die weitere, tolle Auswirkungen der Privatisierung der Telekom zusammengestellt, die auch die jüngste Serie von... äh... nennen wir’s mal... »dezentralen Datensicherungen von Kundendaten« anspricht.
Nachtrag, 26. November 2008: Der »aufrechte Sozialdemokrat« Peer Steinbrück findet die Schließung der Callcenter übrigens total dufte, wie ich der jungen Welt entnehmen darf.
In dem Brief, der an die Gewerkschaft ver.di gerichtet ist und dem [Manager Magazin] vorliegt, heißt es: »Die Entscheidung zur Neustrukturierung der Callcenter-Standorte obliegt allein dem Vorstand.« Der Handlungsbedarf, Kosten zu senken, bleibe für den Konzern »unverändert hoch«.
Damit wird offensichtlich, daß Steinbrück Beschlüsse des SPD-Parteivorstandes ignorieren will. Das Gremium hatte die Bundesregierung aufgefordert, beim Konzern zu intervenieren, damit die Schließungspläne revidiert werden. Der Bund ist größter Aktionär der Telekom.
ver.di zeigt sich enttäuscht. Das versteh ich nicht. Um von jemandem enttäuscht zu werden, muss ich ihm doch erst mal zutrauen, dass er meine Erwartungen erfüllen könnte. Wer traut denn den »Machern« in der SPD noch zu, sich an die Entschlüsse von Gremien zu halten oder Entscheidungen zu Gunsten von Arbeitnehmern zu treffen?





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