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Mein 2008: Hardware

Kabelfreak Vor ein paar Jahren hab ich mein langjähriges Lieblingskeyboard, ein IBM Model M, bei einer experimentellen Reinigungsaktion in der Geschirrspülmaschie zerstört. Die Tasten hielten die Temperatur aus, aber das Oberteil des Gehäuses verzog sich. Schade. Seither war ich auf der Suche nach einer Tastatur, die für einen selbstdrehenden Kettenraucher taugt, die unempfindlich gegen Asche und Tabakkrümel ist und sich bequem reinigen lässt. Pustekuchen. Ich hab fast im Jahresrhythmus ein neues Marken-Keyboard gekauft, u.a. Modelle von Compaq und Logitech. Davon hatte ich 2008 die Schnauze voll.

Nach intensiver Recherche entschloss ich mich, "Das Keyboard Ultimate" zu bestellen — beworben als "The best keyboard on the planet". Muha. Tiefer hab ich lange nicht mehr ins Klo gegriffen. Die Tastatur machte auf den ersten Blick zwar einen sehr guten Eindruck, ist aber wohl nur für sterile Umgebungen geeignet. "Das Keyboard" soll eine Model M-ähnliche Mechanik haben, aber sie fühlt sich weder so an, noch ist sie annähernd so robust wie die historischen IBM-Keyboards. Schon nach wenigen Tagen (!) intensiver Benutzung klemmten die ersten Tasten. Eine Ersatztastatur wurde umgehend geliefert und zeigte binnen einer Woche (!) genau die gleichen Symptome — die linke STRG-Taste hing, die linke Shift-Taste hakelte. Hundert Euro für dieses Scheißteil? Ich fasse nicht, dass ich darauf reingefallen bin.

Ich hab mir dann auf eBay ein gebrauchtes, aber sehr gut erhaltenes Model M besorgt. Das hätte ich gleich tun sollen. Es gibt einfach keine Alternative. Die Multimedia- und Windows-Tasten moderner Tastaturen sind eh überflüssiger, neumodischer Schnickschnack.

Fazit: eine ca. zwanzig Jahre alte Tastatur war mein Hardware-Highlight 2008.

Nachtrag, 14. Januar 2009: hier ist ein etwas freundlicherer Vergleich zwischen Model M und Das Keyboard zu finden, der wahre Freak aktualisiert die Elektronik des Model M (und lackiert es schwarz).

PS3 zu Weihnachten?

KabelfreakSpielkind

Nachtrag, als Antwort auf den ketzerischen Kommentar (s.u.): Warum? Darum. Außerdem: der C64 war in den Augen eines ZX81-Nutzers ein Quantensprung: Farbe statt schwarz/weiß, Tastatur statt Folie, reichlich RAM statt "2/0" (ich meine mich zu erinnern, dass das der Weg des ZX81 war, mir zu erklären, dass er keinen freien Speicher mehr hat). Und den Brotkasten hat eh die Mama abgestottert. Als PS2- und PC-Spieler seh ich jetzt nicht, wie mir die PS3 eine ähnliche Epiphanie verschaffen könnte. Und jetzt arbeite ich für mein Geld.

Ich tendiere im Moment dazu, einem Arbeitskollegen eine gebrauchte 360 abzukaufen, um damit zu überbrücken, bis für Spore irgendwann nächstes Jahr ein neues Wintendo fällig wird... Das bisschen Zeit, das ich zum Spielen habe, verbringe ich im Moment eh überwiegend in Azeroth.



Nachtrag, 16. Dezember 2007: Noch ein ketzerischer Kommentar — Präsi?

Was soll ich sagen, ich war mein halbes Leben lang ein Sony-Fanboi und Early Adopter: Black Trinitron™ war mein Mantra, die Musik kam unterwegs vom Walkman™ oder von MiniDisc™, nach 1978 hab ich genau drei Spielkonsolen besessen, alle von Sony: eine Playstation und zwei PS2 — keine einzige davon hatte einen Modchip — und ich hab noch unter SWG gelitten, als alle anderen längst ihren Spaß in WoW hatten.

Und was hab ich mit meinem Konsum finanziert? Immer lausigere Fernseher; auf jedes PS/2-Game, das 60 Euro wert war, kamen hundert, die für den Arsch waren; die SWG-Entwickler wurden vergrault — und die Lobby-Organisationen, die für Sony arbeiten, setzten nicht nur in Deutschland erfolgreich massive Verschärfungen des Urheberrechts und die Aushebelung des Rechts auf Privatkopie durch.

Oh, ja, stimmt, ich hab natürlich auch technischen Fortschritt finanziert: immer aggressivere Kopierschutzverfahren (Stichwort "Sony-Rootkit"), ein totgeborenes Speichermedium (UMD) und eine Konsole, die ihrer Zeit fünf Jahre voraus ist — nicht unbedingt, was ihre Technik angeht, aber ganz sicher was ihren Preis betrifft.

Nebenbei: BluRay als Alternative zur HD-DVD auf den Markt zu drücken und so einen neuen Formatkrieg anzufangen, war auch nicht gerade eine Entscheidung, von der wir Kunden profitieren. In anderen Bereichen mag Konkurrenz das Geschäft beleben, aber wenn es um die Formate für Speichermedien geht, leiden wir praktisch alle unter der Spaltung des Marktes.

Alles hat seine Grenzen, auch meine Leidensfähigkeit als Konsumnutte.

Natürlich wünsche ich Euch allen viel Spaß mit Euren PS3s. Ich guck mir die Angelegenheit nach der nächsten spürbaren Preissenkung nochmal an, vielleicht gibt's bis dahin ja auch ein PS3-Spiel, das mich interessieren könnte. (Aber die 360 könntest Du mir erfolgreich ausgeredet haben.)

Computerfreaks haben keine Freunde

Kabelfreak Ihr kennt das Spiel: die Auswertungssoftware für Weblogs pickt sich bei Zugriffen, die von Suchmaschinen auf diese Site führen, die verwendeten Suchworte aus dem Referer-Header des HTTP-Requests und wertet sie aus. Der gelangweilte Webmaster guckt die Liste durch und schmunzelt, der zu Tode gelangweilte Webmaster macht einen Blogeintrag draus (der letzte war "Sex mit Bananen").

Kleiner Einschub: Der Referer-Header heißt übrigens "Referer"-Header (mit drei "r"), obwohl darin der Referrer (mit vier "r") angegeben wird. Das hat rein historische Gründe — nämlich einen Schreibfehler in RFC 1945, dem Dokument, das HTTP/1.0 definiert — und demonstriert, welche Priorität Orthographie für die Geburtshelfer des Interwebs hatte.

Aber nun zu den schönsten Suchbegriffen der letzten Monate:

• "weltuntergang im jahr 2038"
Wenn der Zusammenbruch des Kapitalismus mit dem Aufbrauchen der letzten Ölreserven, dem Abschmelzen des verbliebenen Polareises und dem überlaufenden Integer in Unix-Zeitangaben zusammentrifft, könnte das in der Tat ein spannendes Jahr werden.

• "bill gates c64"
Vor dem C64 war der VC20. Vor dem VC20 war der PET. Vor dem PET war KIM-1. Damals (1977) hatte man Cassettenrecorder statt Festplatten und eine leicht zu erlernende Interpretersprache war ein wichtiges Feature für einen neuen Homecomputer. Marktführer für BASIC-Interpreter für 8bit-Prozessoren war Microsoft (damals noch "Micro-Soft"). Bill Gates hielt nicht viel vom 6502, dem von Commodore verwendeten Prozessor, dennoch schrieb er selbst Teile des Codes des 6502-BASIC. Commodore erwarb eine Lizenz für eine Einmalzahlung von zehntausend US-Dollar und ließ sich das Recht einräumen, den BASIC-Interpreter für die eigenen Maschinen weiterzuentwickeln. Aus dem Micro-Soft BASIC im KIM wurde "COMMODORE BASIC" im PET, dann "CBM BASIC V2" im VC20 und schließlich "COMMODORE BASIC V2.0" im C64. Und so landete auch Code von Bill Gates im C64. Erst bei der Entwicklung des C128 wurde erneut zwischen Microsoft und Commodore verhandelt. (Quelle: "On the Edge — The Spectacular Rise and Fall of Commodore" von Brian Bagnall)

• "darf ich für meinen freund eine cd kopieren die ich selbst gekauft habe"
Nach meinem Verständnis als juristischer Laie: eindeutig ja. Das nennt sich Privatkopie und die Wikipedia sagt dazu:
Nach § 53 Abs. 1 UrhG darf die Vervielfältigung nur zum privaten Gebrauch hergestellt werden. Damit ist eine Verwendung für kommerzielle Zwecke ausgeschlossen. Die Weitergabe an Dritte ist zwar zulässig, Voraussetzung ist jedoch, dass die Kopien im privaten Bereich verbleiben, also nicht an nur flüchtig Bekannte weiter gegeben werden.

In dem Zusammenhang fällt mir ein, dass ich mal gesagt haben wollte, dass "Raubkopierer", ganz entgegen der Behauptungen der Propaganda, keine Verbrecher sind, weil ein Verstoß gegen das Urheberrecht kein Verbrechen (eine "schwerwiegende" Straftat) ist, sondern ein Vergehen (eine "minderschwere" Straftat).

• "bilder aus den ms dos internet der 80er" (sic!)
Damals hatten wir noch keine Bilder im Internet, mein junger Freund. Eigentlich hatte in den 80ern noch niemand Internet, außer ein paar glücklichen Studenten an ausgewählten Unis. Alle anderen gaben sich noch damit zufrieden, sich mit 300 Baud (ca. 0,0003 Mbps) in "Mailboxen" einzuwählen. Aber natürlich wir hatten schon die Vorgänger von Schweine-GIFs.

• "im welchen jahr entstand die älteste microsoft maus" (sic!)
Das revolutionäre Rollkugeleingabegerät wurde in den 60ern vom Benutzeroberflächenpionier Doug Engelbart und seinem Team am ARC entwickelt und 1968 der Öffentlichkeit präsentiert. Die Microsoft-Maus kam im Mai 1983 auf den Markt, ein halbes Jahr nachdem die erste Logitech-Maus (P4) präsentiert wurde. (Ich verweise immer wieder gern auf meinen Artikel zum Produktdesign bei Microsoft.)

• "computerfreaks haben keine freunde"
Ach, jetzt reißte die Fresse auf, aber wenn Dein Windows mal wieder zerschossen ist, kommste wieder angekrochen.

• "achtung jetzt kommt ein karton sesamstrasse"
Falsche Sendung. Der "Kartong" fiel nicht in der Sesamstraße, sondern in der Rappelkiste mit Ratz und Rübe. Mehr dazu in Meine Generation und die Medien.

• "samsung notebook linux"
Das würde ich mir zweimal überlegen. Lt. Aussage von Samsung gefährdet der Betrieb von Samsung-Notebooks mit "unautorisierten" Treibern die Gewährleistung — und für Linux gibt's natürlich keine autorisierten Treiber.

• "kann ps3 kopiergeschützte spiele abspielen"
Soweit mir bekannt ist, laufen auf einer PS3 ohne Modchip ausschließlich kopiergeschützte Spiele.

• "ist filme laden bei the pirate bay sicher?"
Wie die Oma immer sagte: "Sicher ist nur der Tod." Guck Dich ein bisschen auf der Seite um, gewinne ein Gefühl dafür, wieviele User die Tracker der Site zu jedem beliebigen Zeitpunkt nutzen (ich gehe von einer sechsstelligen Zahl aus), setze diese Zahl ins Verhältnis zur Anzahl der Verfahren, die Musik- und Filmindustrie gegen Filesharer führen, dann hast Du Deinen persönlichen Risikofaktor.

So, das war's aber für dieses Jahr. Nächstes Jahr guck ich nochmal.

Die Oma lebt wieder!

Kabelfreak
MicroVAX II
In meiner aktiven Zeit in den 80ern war eine gehackte VAX ein tolles Spielzeug, nicht zuletzt wegen der ausführlichen Online-Hilfe des Betriebssystems VMS und der mächtigen Scriptsprache DCL. Von Unix oder anderen erwachsenen Betriebssystemen hatte ich damals ja noch keinen Schimmer, schließlich besaß ich nur 'nen C64, an der Penne gab's nur ein paar lausige CBM-8032 (und an diese heiligen Kühe durften wir ja selbst im Informatikunterricht nicht ran) und man konnte noch nicht im Web recherchieren, weil es noch nicht erfunden war und die Gründer von Google noch zur Schule gingen.

OMAVAX ist meine MicroVAX II, Baujahr 1985. Keine Ahnung, wer sie ursprünglich anschaffte und wozu, aber sie tat 'ne Weile Dienst im AZB Burbach. Um 1995 herum wurde sie da ausrangiert und ich schnappte sie mir für 300 Mark für mein kleines Hardwaremuseum.

1997 hatte ich mich zuletzt eingeloggt, danach war sie noch 'ne Weile im Betrieb, als in unserer WG die Heizung ausgefallen war — sie sorgte dafür, dass es in meinem kleinen Zimmer wenigstens ein paar Grad wärmer war als in jedem anderen Zimmer der WG. Seither bin ich fünfmal umgezogen, die Oma kam immer mit, was jedes Mal für große Begeisterung sorgte — die Kiste wiegt locker fünfzig Kilo — aber sie diente eigentlich immer nur als Staubfänger und Ablage, weil in den anderen Wohnungen die Heizung nie ausfiel.

Nach einer Stunde des Rumhantierens mit dem Lötkolben — eine Tätigkeit, die mir als Grobmotoriker aufgrund der unvermeidlichen Brandblasen zutiefst verhasst ist — hab ich jetzt wieder ein funktionierendes Terminalkabel. Das dauerte ungewöhnlich lange, weil ich total verdrängt hatte, dass der DB9-Anschluss zwar wie eine normale RS232-Schnittstelle aussieht, aber keine ist. Und kaum macht man's richtig, schon funktioniert's:
KA630-A.V1.3
Performing normal system tests.
7..6..5..4..3..
Tests completed.

Loading system software.
2..1..0..

VAX/VMS Version V5.5 Major version id = 1 Minor version id = 0


Vielleicht stecke ich die Tage eine BNC-Karte in meinen Router und mache die Vax für 'ne Weile zugänglich, zur Feier des dreißigsten Geburtstages der Architektur. Happy Birthday, VAX!