
Donnerstag, 26. August 2010
Si tacuisses...
Hätten wir ihn totgeschwiegen, würde er sich vielleicht nicht dumm und dämlich verdienen.


Geschrieben von Marc
in Medienjunkie, Schwarzseher
um
18:47
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Freitag, 20. August 2010
Der Stromausfall
Am Mittwoch morgen fiel bei mir zum dritten Mal in diesem Jahr der Strom aus. Mal wieder für über eine Stunde. Diesmal hab ich mir erlaubt, bei meinem regionalen Stromanbieter, den Dortmunder Stadtwerken, nachzufragen, was Sache ist:
Die Antwort kam schon am nächsten Tag:
Ich konnte mir nicht verkneifen, hierauf zu antworten:
Ich könnte wetten, dass ich hierauf keine Antwort mehr bekommen werde. Falls doch, werde ich die gerne hier nachtragen.
Nachtrag, 27. August 2010: Es kam noch eine Antwort, aber das war nur ein bedeutungsloser Marketingspruch.
Schönen guten Tag,
ich wohne seit einigen, wenigen Jahren in $ortsteil in $strasse.
Heute morgen, so zwischen 4:30 und 6:30, ist in $ortsteil für ein bis zwei Stunden der Strom ausgefallen. Das war das zweite Mal binnen relativ kurzer Zeit.
Aus meinem eigenen Arbeitsumfeld weiß ich, dass — wegen der halbwegs konsequent totgeschwiegenen, aber dennoch real existierenden Weltwirtschaftskrise 2.0 — in vielen Firmen ein Sparzwang ausgerufen wurde.
Wurde für die Dortmunder Stadtwerke auch das große Sparen angesagt?
Und, wenn ja, gibt’s einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Sparen und den Stromausfällen? (Und wenn es so wäre, dürften Sie daszugebeneinräumen?)
Bitte verstehen Sie meine Anfrage nicht falsch:
- mir ist kein wirtschaftlicher Schaden durch den Stromausfall entstanden;
- ich bin nicht mal Stromkunde bei Ihnen, sondern bei Lichtblick, weil ich sichergehen will, dass ich nicht für Atomstrom zahle und dass ein Konzern wie RWE so wenig wie möglich an mir verdient, und ich nicht sicher bin, ob das bei DEW21-Strom der Fall wäre;
- ich bin total glücklich mit den restlichen Dienstleistungen von DEW21, ich bin insbesondere begeistert von der Wasserqualität (derart begeistert, dass ich inzwischen kein Wasser und keine Säfte mehr aus dem Laden nach Hause schleppe, sondern Saft-Konzentrat mit Leitungswasser verdünne).
Ich bin bloß neugierig und frage mich, ob es Zeit wird, mir für mein kleines, privates Heimrechenzentrum eine USV anzuschaffen, damit die Rechner wenigstens Zeit haben, sauber runterzufahren.
Mit freundlichem Gruß,
$name, $ortsteil
Die Antwort kam schon am nächsten Tag:
Sehr geehrter Herr $name,
zunächst einmal vielen Dank für Ihre Email.
In der Tat hatte DEW21 am 18.08.10 gegen 05:00 Uhr eine Mittelspannungsstörung (Netzfehler) die zum Stromausfall geführt hat. Desweiteren können Sie möglicherweise auch 02.08.10 von einer Stromstörung betroffen gewesen sein. Hierfür möchten wir uns natürlich entschuldigen.
Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass Störungen im Stromnetz nicht mit einem weltwirtschaftlichen Sparzwang zusammen hängen. Selbstverständlich ist DEW21 bemüht kostengünstig zu arbeiten und zu wirtschaften, dies geht aber auf keinen Fall zu Lasten der Versorgungssicherheit unserer Kunden. Als Beispiel kann ich Ihnen mitteilen, dass der bundesweite Durchschnitt im Bereich »Stromausfall« bei 17 Minuten pro Einwohner pro Jahr liegt, bei DEW21 sind es lediglich sechs Minuten.
Ein für den Bereich Strom zuständiger Kollege hat mir gerade mitgeteilt, dass eine USV bei Rechnern mit wichtigen Daten immer eine gute Lösung darstellt. Unsere Versorgungsqualität liefert allerdings keinen Grund sich eine solche anzuschaffen.
Wir freuen uns, dass unser Wasser Ihnen so gut schmeckt und Sie mit DEW21 zufrieden sind. Bei Interesse, da Sie ja Lichtblickkunde sind, schauen Sie sich gerne unter www.dew21.de unsere zertifizierten Grünstromprodukte an.
Mit freundlichen Grüßen
i.A. Dr. $dew21_name
Unternehmenskommunikation
Ich konnte mir nicht verkneifen, hierauf zu antworten:
Sehr geehrte Frau Dr. $dew21_name,
vielen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Antwort auf meine Mail vom Mittwoch.
Sie schreiben:
Als Beispiel kann ich Ihnen mitteilen, dass der bundesweite Durchschnitt im Bereich »Stromausfall« bei 17 Minuten pro Einwohner pro Jahr liegt, bei DEW21 sind es lediglich sechs Minuten.
Das ist beruhigend zu hören, das bedeutet ja, dass ich — rein statistisch gesehen — mindestens für die nächsten zehn Jahre nicht mehr mit Stromausfällen rechnen muss. Richtig?
Wir freuen uns, dass unser Wasser Ihnen so gut schmeckt und Sie mit DEW21 zufrieden sind. Bei Interesse, da Sie ja Lichtblickkunde sind, schauen Sie sich gerne unter www.dew21.de unsere zertifizierten
Grünstromprodukte an.
Ich würde nur allzu gerne auf dieses Angebot eingehen, weil ich kommunale oder regionale Lieferanten immer vorziehe, wenn mir die Wahl bleibt.
Ich verfüge leider nicht über Fachwissen in diesem Bereich, mir ist lediglich bekannt, dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt, herkömmlichen Strom »grünzurechnen« — $eine_firma verkauft z.B. Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken oder so, auf dem tolle, grünliche Labels pappen, der aber unterm Strich wirklich gar nix dazu beiträgt, die Energieversorgung in Deutschland in die (in meinen Augen) richtige Richtung zu bewegen.
Es fehlt mir also einfach die Möglichkeit, einzuschätzen, ob ich durch einen Wechsel zu DEW21 tatsächlich »etwas Gutes tue«, oder ob ich da nur auf Marketingaugenwischerei reinfalle und schlussendlich mehr von meinem Geld bei RWE landet, um dort für Propagandakampagnen für Atom- und Kohlestrom oder dieBestechBeeinflussung von politischen Entscheidungsträgern eingesetzt zu werden.
Dass DEW21 intensivst mit RWE zusammenarbeitet, erweist sich ja schon bei einer einfachen Google-Suche nach »RWE DEW21«. Da erfährt man dann, dass die Hälfte von DEW21 der RWE gehört.
Netter Versuch!
Nix für ungut,
--
$name, $ortsteil
Ich könnte wetten, dass ich hierauf keine Antwort mehr bekommen werde. Falls doch, werde ich die gerne hier nachtragen.
Nachtrag, 27. August 2010: Es kam noch eine Antwort, aber das war nur ein bedeutungsloser Marketingspruch.
Geschrieben von Marc
in Kabelfreak, Schwarzseher
um
15:11
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Dienstag, 27. Juli 2010
Braun gehört Gillette gehört P&G
Da hab ich ja gestaunt. Ich wollte eine Frage an den Kundenservice von Braun schicken, aber das Kontaktformular mit angegliederter FAQ kam per IFRAME von Procter & Gamble.
Beim Ausfüllen des Formulars stieß ich auf das Feld »Produktionscode«, glücklicherweise mit einem Link auf »How to Find the UPC or Production Code«. Ein Klick führte mich auf eine FAQ-Seite, die nur aus einem einzigen Link auf »Wo befindet sich der Produktionscode?« bestand. Der nächste Klick enthüllte dann die folgende Information:
Ich hab jetzt zwar keine Erinnerung daran, dass bei der Braun-Zahnbürste auch Pampers dabei waren, aber vielleicht hab ich da bloß beim Auspacken nicht richtig aufgepasst. Die Krönung war aber die folgende Meldung nach dem Absenden meiner Anfrage, die bei mir wohl das Gefühl wecken sollte, dass meine Anfrage in guten Händen ist:
Die Referenznummer (» «) hab ich mir mal notiert, auch wenn ich natürlich kein »Konto« habe und es auf der Website auch augenscheinlich keine Nutzerkonten oder dergleichen gibt.
…und das ist ja jetzt nicht irgendeine Klitsche, sondern einer der größten Konzerne der Welt.
Nachtrag, 28. Juli 2010: Keine Antwort, nicht mal die übliche automatisierte Antwortmail. Bei der Suche nach einer alternativen Kontaktmöglichkeit wurde ich mit folgender Fehlermeldung konfrontiert:

Vielleicht hab ich mich geirrt. Vielleicht kann auch einer der größten Konzerne der Welt eine Klitsche sein.
Nachtrag, 30. Juli 2010: Zu meiner Überraschung kam doch eine Antwort. Ganz und gar nicht überraschen konnte allerdings die Tatsache, dass es sich bei der Antwort um einen Textbaustein handelte, der nichts mit meiner Anfrage zu tun hatte.
Beim Ausfüllen des Formulars stieß ich auf das Feld »Produktionscode«, glücklicherweise mit einem Link auf »How to Find the UPC or Production Code«. Ein Klick führte mich auf eine FAQ-Seite, die nur aus einem einzigen Link auf »Wo befindet sich der Produktionscode?« bestand. Der nächste Klick enthüllte dann die folgende Information:
Wo befindet sich der Produktionscode?
In jedem Karton befinden sich einzelne - in Kunststoff verpackte - Windelpakete. Die Verpackung dieser einzelnen Windelpakete wird durch eine helle Schweißnaht zusammenhalten (sic!). Auf dieser Naht befindet sich an einer Seite eine (nachträglich aufgedruckte) Nummer in schwarzer Schrift. Das ist der Produktionscode, der auch Produktionsnummer oder Chargennummer genannt wird. Bitte beachten Sie, dass in einem Karton Windelpakete mit verschiedenen Produktionscodes abgepackt sein können.
Ich hab jetzt zwar keine Erinnerung daran, dass bei der Braun-Zahnbürste auch Pampers dabei waren, aber vielleicht hab ich da bloß beim Auspacken nicht richtig aufgepasst. Die Krönung war aber die folgende Meldung nach dem Absenden meiner Anfrage, die bei mir wohl das Gefühl wecken sollte, dass meine Anfrage in guten Händen ist:
Vielen Dank für das Einreichen Ihrer Frage. Verwenden Sie diese Referenznummer, um den Vorgang weiter zu verfolgen:
Einer unserer Support-Mitarbeiter wird sich umgehend mit Ihnen in Verbindung setzen.
Wenn Sie Ihrer Frage Informationen hinzufügen oder die Frage abbrechen möchten, gehen Sie zu Ihrem Konto und wählen Sie unter »Support-Verlauf« die Frage aus.
Die Referenznummer (» «) hab ich mir mal notiert, auch wenn ich natürlich kein »Konto« habe und es auf der Website auch augenscheinlich keine Nutzerkonten oder dergleichen gibt.
…und das ist ja jetzt nicht irgendeine Klitsche, sondern einer der größten Konzerne der Welt.
Nachtrag, 28. Juli 2010: Keine Antwort, nicht mal die übliche automatisierte Antwortmail. Bei der Suche nach einer alternativen Kontaktmöglichkeit wurde ich mit folgender Fehlermeldung konfrontiert:

Vielleicht hab ich mich geirrt. Vielleicht kann auch einer der größten Konzerne der Welt eine Klitsche sein.
Nachtrag, 30. Juli 2010: Zu meiner Überraschung kam doch eine Antwort. Ganz und gar nicht überraschen konnte allerdings die Tatsache, dass es sich bei der Antwort um einen Textbaustein handelte, der nichts mit meiner Anfrage zu tun hatte.
Dienstag, 20. Juli 2010
Direkte Demokratie ist doof
Ich hab schwer damit zu kämpfen, dass ich auf der einen Seite total für direkte Demokratie und Volksentscheide bin, dass mir aber auf der anderen Seite die Ergebnisse in der Praxis nicht in den Kram passen.
Ich schiebe das gern darauf, dass die Springers und Mohns immer auf der Seite der »Anderen« sind. Ich glaube nicht, dass direkte Demokratie funktionieren kann, solange die meinungsbildenden Medien von einigen, wenigen kontrolliert werden.
Ich hab heute mal auf den Seiten von bild.de und welt.de nach »Schulreform Hamburg« gesucht und ein bisschen rumgeklickt, ich hab mir hauptsächlich die Überschriften angesehen, aber auch einige Artikel aus dem Zeitraum 2009 bis Juni 2010 (da war die Wahl lt. Umfragen ja schon gelaufen) gelesen. Dabei sind mir drei Punkte aufgefallen:
Aber vielleicht ist das Hamburger Bürger(sic!)votum gar kein Problem der direkten Demokratie sondern ein Problem der Arbeiterklasse (sic!), der man (seit 1933?) das Klassenbewusstsein (sic!) ausgetrieben hat, und der man die organisierte Vertretung in der Gesellschaft verweigert: die ehemalige Arbeiterpartei hat sich zur 20%-»Volkspartei der Mitte« zermodernisiert, mit Gewerkschaften kommt man anscheinend als normaler Arbeitnehmer gar nicht mehr in Berührung (ich jedenfalls in meinen bisher ca. zwanzig Jahren Arbeitsleben nicht), und wenn, dann mit »gelben« (»christlichen«) Gewerkschaften oder mit der großen Einheitsgewerkschaft, deren Vertreter so sehr in ihrer gesellschaftlichen Verantwortung aufgehen, dass sie nur als Worthülsengeneratoren zu gebrauchen sind.
Die gesellschaftliche Macht des Proletariats (sic!) beschränkt sich anscheinend darauf, einmal im Monat einen Schlipsträger als Pseudovertreter zu Anne Will entsenden zu dürfen, damit der sich dort eine Stunde lang freundlich mit drei INSM-Hanseln unterhält.
Kein Wunder, dass die vier Parteien, die sich um den besten Platz in der Mitte des Zentrums streiten, so eine Panik vor der Kommunistischen Plattform der Linken haben. Man stelle sich vor, sie wäre damit erfolgreich, das Vokabular des Klassenkampfes (sic!) wieder in die gesellschaftliche Diskussion zu werfen!
Die üblichen Newspeak-Euphemismen wären schnell entlarvt. Begriffe wie »bürgerlich«, »Leistungsträger« oder »Mittelschicht« wurden über Jahrzehnte so gründlich jeder Bedeutung entleert, dass sich fast jeder irgendwie angesprochen fühlen kann (»Für uns ist auch die Krankenschwester, die morgens um sechs ihren Dienst antritt, eine Leistungsträgerin!«) — aber wenn den Worten dann Taten folgen, erkennt man nur allzu leicht, wer mit »Leistungsträger« und »Mittelschicht« tatsächlich gemeint war (das wird Dich, lieber Leser, jetzt überraschen, aber die schichtarbeitende Krankenschwester gehört tendenziell eher nicht dazu).
Unter Begriffen wie »Mittelschicht« und »Prekariat« scheinen mir die Sollbruchstellen unserer Gesellschaft verborgen zu liegen…
…schon so lange und so konsequent verborgen, dass jene, die die wahre Macht im Staate haben, das nicht mehr wissen. »Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will!« Schon mal gehört? Zumindest bei den Griechen und den Franzosen scheint der Spruch noch im aktiven Wortschatz zu sein.
Statt dessen hält sich die eine Hälfte der Arbeiterklasse für Mittelschicht und stimmt gegen die eigenen Interessen (ich erinnere nur an das Wahlergebnis der FDP bei der letzten Bundestagswahl) und die andere Hälfte hält sich für machtloses Prekariat oder hat zu viel mit Überleben zu tun, um sich um den eher abstrakten Teil der eigenen Interessen kümmern zu können, und wählt gar nicht.
Vielleicht sollte ich der Einfachheit halber so lange gegen direkte Demokratie sein, bis ich mich endlich so gut an meine bürgerliche Umgebung angepasst hab, dass ich mit ihren Entscheidungen dann auch leben wollen würde.
Vielleicht hilft es ja, wenn ich bild.de als meine Browserstartseite einstelle, meinen Adblocker abschalte und RTL wieder auf die 4 lege.
Ich schiebe das gern darauf, dass die Springers und Mohns immer auf der Seite der »Anderen« sind. Ich glaube nicht, dass direkte Demokratie funktionieren kann, solange die meinungsbildenden Medien von einigen, wenigen kontrolliert werden.
Ich hab heute mal auf den Seiten von bild.de und welt.de nach »Schulreform Hamburg« gesucht und ein bisschen rumgeklickt, ich hab mir hauptsächlich die Überschriften angesehen, aber auch einige Artikel aus dem Zeitraum 2009 bis Juni 2010 (da war die Wahl lt. Umfragen ja schon gelaufen) gelesen. Dabei sind mir drei Punkte aufgefallen:
- Die Website der Schulreformgegner war in jedem Artikel auf bild.de verlinkt; die Seite der Schulreformbefürworter musste ich selbst ergoogeln.
- Populäre Gegner der Reform, gerade auch aus dem CDU-Lager, bekamen von beiden Redaktionen eigene Artikel; mir fiel nur ein einziger derartiger Artikel für Reformbefürworter auf und dabei handelte es sich ausgerechnet um »Migranten-Organisationen«. Sehr subtil, liebe bild.de-Redaktion, sehr subtil.
- Was eigentlich eine Abstimmung über eine Sachfrage sein sollte, wurde in fast allen Artikeln, auch in Überschriften, mit dem »Schicksal von schwarz-grün« verknüpft.
Aber vielleicht ist das Hamburger Bürger(sic!)votum gar kein Problem der direkten Demokratie sondern ein Problem der Arbeiterklasse (sic!), der man (seit 1933?) das Klassenbewusstsein (sic!) ausgetrieben hat, und der man die organisierte Vertretung in der Gesellschaft verweigert: die ehemalige Arbeiterpartei hat sich zur 20%-»Volkspartei der Mitte« zermodernisiert, mit Gewerkschaften kommt man anscheinend als normaler Arbeitnehmer gar nicht mehr in Berührung (ich jedenfalls in meinen bisher ca. zwanzig Jahren Arbeitsleben nicht), und wenn, dann mit »gelben« (»christlichen«) Gewerkschaften oder mit der großen Einheitsgewerkschaft, deren Vertreter so sehr in ihrer gesellschaftlichen Verantwortung aufgehen, dass sie nur als Worthülsengeneratoren zu gebrauchen sind.
Die gesellschaftliche Macht des Proletariats (sic!) beschränkt sich anscheinend darauf, einmal im Monat einen Schlipsträger als Pseudovertreter zu Anne Will entsenden zu dürfen, damit der sich dort eine Stunde lang freundlich mit drei INSM-Hanseln unterhält.
Kein Wunder, dass die vier Parteien, die sich um den besten Platz in der Mitte des Zentrums streiten, so eine Panik vor der Kommunistischen Plattform der Linken haben. Man stelle sich vor, sie wäre damit erfolgreich, das Vokabular des Klassenkampfes (sic!) wieder in die gesellschaftliche Diskussion zu werfen!
Die üblichen Newspeak-Euphemismen wären schnell entlarvt. Begriffe wie »bürgerlich«, »Leistungsträger« oder »Mittelschicht« wurden über Jahrzehnte so gründlich jeder Bedeutung entleert, dass sich fast jeder irgendwie angesprochen fühlen kann (»Für uns ist auch die Krankenschwester, die morgens um sechs ihren Dienst antritt, eine Leistungsträgerin!«) — aber wenn den Worten dann Taten folgen, erkennt man nur allzu leicht, wer mit »Leistungsträger« und »Mittelschicht« tatsächlich gemeint war (das wird Dich, lieber Leser, jetzt überraschen, aber die schichtarbeitende Krankenschwester gehört tendenziell eher nicht dazu).
Unter Begriffen wie »Mittelschicht« und »Prekariat« scheinen mir die Sollbruchstellen unserer Gesellschaft verborgen zu liegen…
…schon so lange und so konsequent verborgen, dass jene, die die wahre Macht im Staate haben, das nicht mehr wissen. »Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will!« Schon mal gehört? Zumindest bei den Griechen und den Franzosen scheint der Spruch noch im aktiven Wortschatz zu sein.
Statt dessen hält sich die eine Hälfte der Arbeiterklasse für Mittelschicht und stimmt gegen die eigenen Interessen (ich erinnere nur an das Wahlergebnis der FDP bei der letzten Bundestagswahl) und die andere Hälfte hält sich für machtloses Prekariat oder hat zu viel mit Überleben zu tun, um sich um den eher abstrakten Teil der eigenen Interessen kümmern zu können, und wählt gar nicht.
Vielleicht sollte ich der Einfachheit halber so lange gegen direkte Demokratie sein, bis ich mich endlich so gut an meine bürgerliche Umgebung angepasst hab, dass ich mit ihren Entscheidungen dann auch leben wollen würde.
Vielleicht hilft es ja, wenn ich bild.de als meine Browserstartseite einstelle, meinen Adblocker abschalte und RTL wieder auf die 4 lege.
Geschrieben von Marc
in Schwarzseher
um
23:13
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Freitag, 16. Juli 2010
Ihre Sendung ist da, aber nicht hier, sondern woanders!
Als ich noch klein war, wurden Pakete noch ordnungsgemäß von einem Beamten der Deutschen Bundespost ins Haus gebracht. Unser Paketzusteller hieß Ben — so dachte ich jedenfalls. Die Erwachsenen nannten ihn so, aber nur wenn sie über, nie wenn sie mit ihm sprachen. »Ah, guggemol, do hinne kommt de Ben!« Irgendwann fand ich dann heraus, dass das Kürzel »Ben«, mit denen er nicht zustellbare Pakete zu unterschreiben schien, bloß für »Benachrichtigung« stand.
Einer der Vorteile der modernen, privatisierten Postzustellung von heute ist die Abwechslung. Man hat vor Ort zahlreiche Ansprechpartner, die mehr oder weniger regelmäßig wechseln. Seit wir in Hombruch wohnen, wurden wir z.B. (gefühlt) von einem halben Dutzend DHL-FahrerInnen beliefert, Urlaubsvertretungen nicht mitgerechnet.
Der DHL-Fahrer, der uns zur Zeit beliefert, leidet bedauerlicherweise wohl unter einer Allergie gegen das Schleppen schwerer Pakete — oder unsere Türklingel geht immer ausgerechnet dann kurzzeitig kaputt, wenn uns eine Lieferung mit mehr als drei Kilo zugestellt werden soll.
Na ja, in ein paar Monaten kommt ja sicher wieder ein neuer Zusteller, vielleicht klappt es mit ihm oder ihr wieder besser.
Einer der Vorteile der modernen, privatisierten Postzustellung von heute ist die Abwechslung. Man hat vor Ort zahlreiche Ansprechpartner, die mehr oder weniger regelmäßig wechseln. Seit wir in Hombruch wohnen, wurden wir z.B. (gefühlt) von einem halben Dutzend DHL-FahrerInnen beliefert, Urlaubsvertretungen nicht mitgerechnet.
Der DHL-Fahrer, der uns zur Zeit beliefert, leidet bedauerlicherweise wohl unter einer Allergie gegen das Schleppen schwerer Pakete — oder unsere Türklingel geht immer ausgerechnet dann kurzzeitig kaputt, wenn uns eine Lieferung mit mehr als drei Kilo zugestellt werden soll.
Na ja, in ein paar Monaten kommt ja sicher wieder ein neuer Zusteller, vielleicht klappt es mit ihm oder ihr wieder besser.
Geschrieben von Marc
in Schwarzseher
um
10:57
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Tags für diesen Artikel: Dehemm
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