Der Begriff »Händi« (oder »Handy«) hat mich schon immer irritiert. Wie verwirrt muss man denn sein, um sich für die Vermarktung eines Produktes in einem deutschsprachigen Markt einen englisch klingenden Namen einfallen zu lassen, der – und das ist das erstaunliche – in keiner Weise auf im Englischen existierenden Bezeichnungen für das Produkt basiert?
Gebräuchliche Begriffe im englischen Sprachraum sind »mobile phone« oder »mobile« (eher englisch) und »cellular phone«, »cell phone« oder »cell« (eher amerikanisch).
Das Wort »handy« bedeutet »griffig, handlich, praktisch« – die Assoziation, die geweckt werden soll, ist offensichtlich, aber warum muss der Urheber des Begriffs denn bei einer Neuschöpfung eine Fremdsprache bemühen? Oder andersrum: wenn er sich auf ein englisch klingendes Wort festgelegt hat, warum dann nicht eins nehmen, das irgendwie bereits grob mit der Thematik zu tun hat? Nur so als Hinweis: für T-Mobile war »mobile« gut genug.
Man fragt sich unwillkürlich, wie viele Deutsche mit rudimentären englischen Sprachkenntnissen im Ausland schon vergeblich nach einem Mobiltelefon gefragt haben.
Hätte der Urheber bei weiteren Produkten die Möglichkeit zur Namenswahl gehabt, würde ich mein Weißbrot möglicherweise im »Warmy« bräunen (den der Rest der Welt als »Toaster« bezeichnet), diesen Text am »Calcy« verfassen, Fotos mit dem »Picty« schießen und Musik auf dem »MP3-Soundy« mit mir rumtragen.
Andererseits... vielleicht war der Urheber auch ein Visionär und hat vorhergesehen, dass alle »handlichen« Kleingeräte über kurz oder lang in einer eierlegenden Wollmilchsau von einem »Händi« konvergieren... schon jetzt telefoniert und fotografiert man mit dem »Händi«, trägt im »Händi« seine Musik herum, verfasst Texte am »Händi«... einen Toaster einzubauen, kann doch nicht wirklich das Problem sein?
Nachtrag, 31. März 2008: Dank arte weiß ich jetzt, was es mit dem Begriff »Händi« auf sich hat: die erste Generation tragbarer Funkgeräte von Motorola wog über 15 Kilo, wurde auf den Rücken des Funkers geschnallt und als »Walkie-Talkie« bezeichnet. Das erste Handfunkgerät vermarktete Motorola analog als »Handie-Talkie«. Nach dem Zweiten Weltkrieg war »Handie« lt. arte eine bei deutschen Funkamateuren verbreitete Bezeichnung für Handfunkgeräte, später wurden kabellose Festnetztelefone als »Home Handy« bezeichnet und schließlich setzte sich der Begriff für Mobiltelefone durch.
Mittwoch, 4. Mai 2005
Sprachliche Unarten: Händi
Trackbacks
So 'ne Art Inhaltsverzeichnis
Dieser Beitrag ist auf der Startseite festgenagelt und weist auf Artikel und Themen hin, die mir am Herzen liegen: Scheiße, ich bin ein Sympathisant! Die Bahn ist noch zu sicher Zurückgelassen... oder zurückgeblieben? — Die Videospielfassung der 
Dieser Beitrag ist auf der Startseite festgenagelt und weist auf Artikel und Themen hin, die mir am Herzen liegen: Scheiße, ich bin ein Sympathisant! Die Bahn ist noch zu sicher Zurückgelassen... oder zurückgeblieben? — Die Videospielfassung der 
Weblog: Aufrechte Neuigkeitenverbreitung
Aufgenommen: Mär 10, 19:49
Aufgenommen: Mär 10, 19:49


Mich nerven vielmehr sprachliche Verwirrungen wie »Bedarfe« (ganz schlimm, n. ez.), »ich erinnere das« (gerade aus dem Urlaub zurück?), »nicht wirklich...« (huh? unwirklich oder wie) oder
»das macht sinn« (als könnte man Sinn prodzuzieren... schön wäre das ja manchmal)...
Bye,
Frank
Aus diesem Grunde hielte ich die »deutsche« Version »Händi«, die allerdings leider kaum verwendet wird, für recht gelungen.
Da der Begriff an sich schon mangels griffiger deutscher Alternative wohl kaum aus der Welt zu bringen ist, wird hier wenigstens sein - zumindest ursprünglich - rein deutscher Gebrauch deutlich und eine Verwirrung mit den englischen Eigenenschaftswort vermieden.
Der sprachliche Sinnzusammenhang zu »Hand« ist ja durchaus richtig und sinnvoll.
Alles auf dem Plakat gegen Jugendgewalt wird von der Schweizer Polizei (Kapo Zürich, Stapo Winterthur und Stapo Zürich) aus dem Hochdeutschen locker in schwiizerdütsche Mundart transferiert, damit es Jugendliche mehr anspricht.
Nur ans denglische Wort »Handy« traut man sich nicht ran:
http://polizeibericht.ch/ger_details_28279/Zuerich_Winterthur_ZH_Kampgane_gegen_Jugendgewalt_-_Bliib_suuber_Kei_Gwalt_uf_diim_Compi_und_Haendi.html
Warum nicht Händi, das wird doch in Mundart so gesprochen?
Im Text hat der Polizeibericht.ch-Autor das anders als die Polizei konsequenterweise auch in schwiizerdütsche Mundart übertragen: Händi
http://schweizblog.ch/?p=887