Telepolis führte ein
Interview mit dem Korruptions- und Armutsforscher Werner Rügemeier zum Thema Privatisierung:
Die Privatisierung führt genau zum Gegenteil von dem, was sie verspricht: nicht zu mehr Wettbewerb sondern zu Monopolen, die Kommunen werden nicht entlastet, sondern belastet, die Preise werden nicht niedriger, sondern steigen, es entstehen keine neuen Arbeitsplätze, sondern es werden Stellen abgebaut, die Infrastruktur funktioniert nicht besser, sondern schlechter, der Konsument wird nicht zu seinem Vorteil, sondern zu seinem Nachteil bedient und die Umwelt wird nicht mehr geschont, sondern mehr in Mitleidenschaft gezogen.
Ein sehr lesenswerter Augenöffner... für die, die ihre Augen noch geschlossen haben. Doch Telepolis hat heute noch mehr
Futter für Schwarzseher:
Der [ALGII-Regelsatz] wurde [...] genutzt um die Sozialhilfebeträge und somit das Existenzminimum stark abzusenken, ohne dass eine entsprechende Diskussion hierüber geführt wurde.
Auch keine wirklich neue Erkenntnis, aber es gibt Sachen, die kann man einfach nicht oft genug wiederholen.
Nachtrag, 27. Juni 2006: Da hab ich doch tatsächlich noch was auf Telepolis entdeckt, was hier reinpasst, wenn es auch schon etwas älter ist: der
Kapitalismus ist ein Schneeballsystem (aufgezeigt anhand der Entwicklung der Automobilindustrie). Einige Schnipsel:
Die Steigerung der Produktivität senkte die Preise und ließ Automobile für stetig erweiterte Kreise der Bevölkerung erschwinglich werden, damit stieg der Absatz schneller als die Produktivität und die Autoindustrie stellte neue Mitarbeiter ein. In anderen Branchen verlief der Prozess ähnlich. Es herrschte Vollbeschäftigung. Die Realeinkommen wuchsen, womit auch von der Seite der Einkommen her neue Bevölkerungskreise sich ein Automobil leisten konnten. Was wiederum den Absatz beflügelte. Ein sich selbst verstärkender Kreislauf kam in Gang, der solange funktionierte, wie neue Käuferkreise gewonnen werden konnten, solange also weite Teile der Bevölkerung noch kein Automobil ihr Eigen nennen konnten.
Der Markt für langlebige Konsumgüter in Deutschland ist satt. Dies gilt nicht nur für Automobile. Auch bei Fernsehgeräten, Kühlschränken, Waschmaschinen, Schrankwänden oder zentralgeheizten Dreizimmerwohnungen sieht es nicht besser aus.
Die Verschwendung ist das Lebenselexier des Kapitalismus und die Energieverschwendung ist die Mutter aller Verschwendung. Solange daher die ökologische Not und die Knappheit an fossilen Ressourcen zur energetischen Sparsamkeit zwingen, wird die Depression anhalten.
Der Keynesianismus türmt heute nur Schuldenberge auf, die ökonomisch verpuffen, der Neoliberalismus zementiert die Sättigung der Märkte und damit die Stagnation.
Vielleicht sollten wir uns an der Form der Wirtschaftsförderung orientieren, die Frankreich kürzlich vorübergehend für sich entdeckt hatte. Würde jeder Bundesbürger bloß einmal im Jahr den Wagen des Nachbarn abfackeln, wäre die Automobilindustrie gerettet. Und diese Vorgehensweise lässt sich mit geringen Modifikationen sicher auch auf das Baugewerbe oder andere Industriezweige ausdehnen.
Um die Versicherungskonzerne, die für dieses Ankurbeln unserer Wirtschaft aufkommen, wäre es nicht schade. Die arbeitslosen Versicherungsvertreter hätten in den entstehenden »
blühenden Landschaften« endlich mal Gelegenheit, was produktives zu leisten.