Wer zu den Millionen gehört, die in den Genuss des als »Rapture« (Verzückung, Freudentaumel) bezeichneten Massenumzugs in den Himmel kommen, kann seinen Hinterbliebenen eine Nachricht hinterlassen, die dann nach seinem Entschwinden zugestellt wird: darum kümmert sich der Dienst Rapture Letters.
Wer seine Karmabalance allerdings so einschätzt, dass er wohl eher nicht schon mit der ersten Fuhre ins Paradies gekarrt wird, kann sich jetzt auch auf die chaotischen Jahre danach vorbereiten. Angelehnt an die unter US-amerikanischen Christen populäre Buchreihe »Left Behind« (»Zurückgelassen«), die das oben beschriebene Szenario in den düstersten Farben ausmalt, soll bald ein Egoshooter namens »Left Behind: Eternal Forces« erscheinen, in dem der Spieler die ungläubigen Horden auslöschen muss. Die ungläubigen Horden... in Form der UN-Friedenstruppen, um genau zu sein... die Vereinten Nationen sind ja heute schon nur ein Werkzeug des Teufels.
Soweit ganz witzig, gell, und bloß ein weiterer Beweis dafür, dass die Amis am Rad drehen, oder? Okay, wenn man sowas hört, hofft man zwar inständig, dass die religiösen Beteuerungen der amerikanischen Führungselite nur Lippenbekenntnisse sind, weil man sich natürlich keinen Irren am Abzug des größten Revolvers der Welt wünscht, aber darüber hinaus ist die »Rapture« für unser tägliches Leben so bedeutsam wie der Kreationismus oder andere amerikanische Spinnereien.
Was »Left Behind: Eternal Forces« von anderen Egoshootern abhebt und die Aufmerksamkeit der bloggenden Massen fesselt, ist aber nicht nur das irrwitzige, weil ernst gemeinte Szenario oder die Tatsache, dass einschlägige Spielesites das Game einzig allein aufgrund seiner technischen Vorzüge bewertet haben, wohl weil es auch im Land der Freien und Tapferen zu viel Mut kostet, religiösen Fanatikern jeglicher Couleur die Stirn zu bieten.
LB:EF ist auch etwas besonderes, weil es wohl eines der ersten Spiele sein wird, das in seiner virtuellen Welt aktuelle Werbung zeigt. Mit Hilfe einer von der israelischen Firma Double Fusion entwickelten Technik können 2D- und 3D-Elemente, die während des Spielens heruntergeladen werden, in die Spielwelt integriert werden. Aber wenn man schon Daten über’s Internet verschickt, dann doch bitte in beide Richtungen: die Double Fusion-Technik meldet im Gegenzug an den Spielehersteller zurück, was der Spieler so treibt. Und zwar in allen blutigen Details.
It’s cutting-edge Israeli technology – a piece of software inserted directly into Left Behind: Eternal Forces, software that cannot be blocked or removed – and without your knowledge or permission, it tracks you. This in-game ad software records how often you play the video game, at what time of day and for how long, what game play areas you visit (like Times Square, Soho, Chinatown, or the United Nations Building), which video ads and product placements you view, where your computer is located geographically, and who you are demographically. It monitors your choices and behavior, collates data, and reports back in real-time to... whom? For what purposes? Do you know?
Es ist neuste Technik aus Israel: ein Stück Software, das direkt in LB:EF eingefügt wird, Software die nicht blockiert oder entfernt werden kann – und den Spieler ohne sein Wissen oder seine Erlaubnis überwacht. Diese eingebaute Werbesoftware merkt sich, wie oft das Spiel gespielt wird, um welche Uhrzeit und wie lange, welche Bereiche im Spiel besucht werden, welche Werbeclips und Product Placements angezeigt werden, wo auf der Welt der Computer des Spielers steht und zu welcher demografischen Gruppe der Spieler gehört. Sie erfasst die Entscheidungen und das Verhalten des Spielers, sammelt die Daten und meldet sie in Echtzeit zurück... an wen? Wozu? Wer weiß es?
Und das wird ziemlich sicher Schule machen, wenn Spiele mit integrierter Spyware tatsächlich Käufer finden. (via Register, Talk To Action, WWWW)



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Aufgenommen: Mär 10, 19:49