Ein Münchner Gericht hat entschieden, so deute ich als Nichtjurist das zumindest, dass der Betreiber einer Website belangt werden kann, wenn er auf Seiten verlinkt, von denen aus »mit wenigen Klicks« Inhalte oder Programme erreichbar sind, die möglicherweise die Rechte Dritter verletzen. Ich kann nicht sicher stellen, dass das bei allen Links in meinem Linkverzeichnis zu jedem beliebigen Zeitpunkt der Fall ist – so habe ich z.B. keinen Einfluss darauf, welche Produkte von den Sites aus z.B. per Bannerwerbung erreichbar sind – und habe keine Lust, im Falle eines Falles einen Rechtsanwalt oder gar die Musikindustrie dafür zu bezahlen, dass ich meine private Linkliste ins Netz gestellt habe.
Ich räume ein, dass die überraschende Popularität der Bittorrent-Linkliste bei der Sperrung des Linkverzeichnisses für »anonyme« Besucher eine Rolle gespielt hat. Aber, hey, Torrent-Sites sind doch auch schnell ergoogelt (»ergooglet«?) – Heise berichtet, es sei in der Einschätzung des Gerichtes »nicht relevant, dass die Leser das Produkt auch über eine Suchmaschine finden könnten. Durch das Setzen des Links werde das Auffinden ‘um ein Vielfaches bequemer gemacht’ und damit die Gefahr von Rechtsgutverletzungen erheblich erhöht.«
Ich hab zur Zeit so ‘ne Phase, in der ich mich mit US-amerikanischen Dissidenten (wie z.B. Noam Chomsky) beschäftige. In deren Mindset hab ich gerade wieder ein bisschen meiner persönlichen Freiheit an die Konzerne abgegeben. Wie kann ich mich dafür bloß revanchieren? Ich kaufe ja bereits keine Musik mehr von den großen Konzernen, weil mich der Kopierschutz ankotzt. Wenn ich ehrlich bin, kaufe ich dafür um so mehr Filme und Serien auf (ebenfalls kopiergeschützten) DVDs, ohne dabei großartig darauf zu achten, welches Studio, welcher Konzern mein Geld bekommt. Das muss ich ändern.
Auf meine Hassliste müssen die dicken Konzerne, die sich gerade mit Heise angelegt haben. Wenn die die schlechte PR nicht scheuen, die es bringt, die freie Presse zu verklagen, ist es ihnen auch egal, wenn das Ziel ihrer Angriffe Privatleute werden.
Sie senden ja jetzt schon widersprüchliche Signale: zum einen behaupten sie, dass es ihnen nur um gewerbliche Piraten gehe, wenn sie fordern, dass die Verletzer von Urheberrechten zusätzlich zu den zivilrechtlichen Konsequenzen auch mit den Mitteln des Strafrechts belangt werden sollen, sprich: wir Steuerzahler sollen dafür aufkommen, die Interessen der multinationalen Konzerne der Musik- und Filmindustrie zu schützen... äh, wie bitte? Man muss sich aber nur die aktuelle Werbekampagne ansehen, um zu realisieren, an wen die sich wendet, wer da eingeschüchtert werden soll – und wer langfristig auch die Opfer der Prozesswellen sein werden.
Bertelsmann & Sony (Platz 123 der Forbes Global 2000)
EMI (hängt zusammen mit Virgin und Capitol, Platz 1901 der Forbes Global 2000)
NBC Universal (Universal, Vivendi, Platz 454)
Time Warner (Platz 51)
Dazu natürlich alles, woran Rupert Murdoch verdient:
Fox (News Corp, Platz 125)
Und andere Konzerne, die ungesund groß sind:
Disney (Platz 99)
Viacom (Platz 448)
Hmmm. Da bleibt nicht viel übrig. Mal schauen, von den letzten fünf DVDs, die ich bestellt habe, waren zwei von der BBC, die gehen klar. Eine politische Dokumentation von Mongrel Media ist wohl auch okay. Aber »Spun« ist von Columbia und die gehören zu Sony, »Tucker« ist von Paramount und die gehören zu Viacom. Von sowas lasse ich künftig die Finger. Das bisschen Mainstream, »um das man nicht herum kommt,« kriege ich notfalls auch aus dem Fernsehen oder den Sammlungen von Freunden und Bekannten.
Vielleicht bezahle ich auch mal für ‘ne Ausnahme-DVD, da will ich nicht dogmatisch werden. Aber wenn ich mir überlege, wieviele meiner DVDs ich auch gekauft hätte, wenn ich mir dabei jedesmal bewusst gemacht hätte, dass ich damit einen Konzern finanziere, der mich als Gegner sieht und mich zu seinen Gunsten möglichst vieler Freiheiten berauben will, sehe ich dramatische Umsatzeinbrüche auf die Filmindustrie zukommen. Ja, nee, is nur Spaß. Wir reden zwar schon von ein paar hundert DVDs, die ich vermutlich nicht gekauft hätte... aber mir ist wohl bewusst, dass das der Filmindustrie am Arsch vorbei geht. Die Musikindustrie schert sich ja auch nicht um meinen Boykott, aber wenigstens muss ich mir in zwanzig Jahren nicht vorwerfen, das System, das unsere Gesellschaft spaltet und zerstört, auch noch bis zum Schluss finanziert zu haben. Dafür verzichte ich doch gerne auf die Anschaffung einer PSP (und einer ganzen Reihe von Spielen – Fuck you, Sony). Und meine PS2 braucht jetzt dringend einen Modchip.
Dass WIR paranoid sind, heißt nicht, dass SIE nicht hinter UNS her sind.




Vor wenigen Tagen schrieb ich über die Konzerne der Unterhaltungsindustrie, dass sie “behaupten, dass es ihnen nur um gewerbliche Piraten gehe (...). Man muss sich aber nur die aktuelle Werbekampagne ansehen, um zu realisieren, an wen die sich wende
Aufgenommen: Mär 10, 18:40
Statt meines Gefasels solltest du lieber das hier lesen. Und danach vielleicht mein Gefasel. Ich bin nicht allein mit meiner Aufruf zum Boykott der dicken Konzerne der Unterhaltungsindustrie. P2PUnite.net ruft für die laufende Woche zur Kaufverweigerun
Aufgenommen: Mär 10, 18:45