Vor wenigen Tagen
schrieb ich über die Konzerne der Unterhaltungsindustrie, dass sie
»behaupten, dass es ihnen nur um gewerbliche Piraten gehe (...). Man muss sich aber nur die aktuelle Werbekampagne ansehen, um zu realisieren, an wen die sich wendet, wer da eingeschüchtert werden soll — und wer langfristig auch die Opfer der Prozesswellen sein werden.«
Heute berichtet Heise über eine
Erfolgsmeldung der Musikindustrie: illegale Musikdownloads seien um etwa ein Drittel zurückgegangen (vgl. auch »
Neue Märchen der Musikindustrie«) dafür gibt es eine deutliche Steigerung in einem anderen Bereich:
Die Gesamtzahl der Fälle sei damit seit den ersten im März 2004 eingeleiteten Verfahren auf 569 gestiegen. Im internationalen Vergleich seien nach den USA in Deutschland die meisten Verfahren eingeleitet worden. »Die Verdächtigen sind zwischen 16 und 65 Jahren alt. Es handelt sich um Lehrer, Mediziner, Auszubildende, Mechaniker – sogar ein Richter ist darunter«, teilt die deutsche Sektion der IFPI mit. Die Beschuldigten hätten zwischen 1200 und 15.000 Euro Schadensersatz gezahlt, im Durchschnitt rund 4000 Euro.
Ich bin ja bekanntlich kein Jurist, aber wenn ich von den üblichen Forderungen der Musikindustrie ausgehe, scheint mir die Höhe der Schadensersatzzahlungen nicht darauf hinzuweisen, dass es sich bei den Beschuldigten um besonders große Fische gehandelt hat.
Da werden Jugendliche vor den Kadi gezerrt, weil sie
Songtexte übersetzen und ins Netz stellen: das muss man ihnen austreiben -- wäre ja noch schöner, wenn wir es ungestraft lassen würden, das sich ein 16-Jähriger mit dem geschriebenen Wort auseinandersetzt und Sprachkompetenz erwirbt, statt einfach stumpf und unreflektiert zu konsumieren, was ihm vorgesetzt wird.
Hier schießt die Industrie ohne zu zielen einfach in die Masse.
Peinlich ist daran, dass wir Deppen das auch noch finanzieren, genau wie wir für den Lobbyismus bezahlen, den die Industrie in Berlin und anderswo betreibt und dessen Ziel es ist, uns immer mehr Rechte zu nehmen und unser Verhalten als Konsumenten immer heftiger zu sanktionieren.
Die Umsätze großer Teile der Unterhaltungsindustrie schießen nach oben (prominente Beispiele sind DVDs und Konsolenspiele), die Umsätze anderer Teile (Musikindustrie) brechen leicht ein -- eine
kanadische Studie hat gerade vorgerechnet, dass diese Einbrüche durch die steigenden Einnahmen aus pauschalen Abgaben auf Brenner und Rohlingen mehr als aufgefangen werden. Diese angeblichen Mindereinnahmen werden angeführt, wenn die Belegschaft verkleinert oder das musikalische Repertoire (sprich: die Anzahl vermarkteter Interpreten) zusammengestrichen wird.
Die großen Konzerne der Unterhaltungsindustrie sehen den Konsumenten nicht mehr als Kunden, sondern als Feind. Sie wollen uns immer weniger Produkt für immer mehr Geld verkaufen -- sind CDs, die mit einem Kopierschutz ausgestattet sind und sich deshalb im Computer, im Auto, im DVD-Player nicht abspielen lassen, etwa deutlich billiger geworden? Pustekuchen.
In der
oligarchischen Marktwirtschaft, in der wir leben, haben wir eigentlich nur zwei Möglichkeiten der Einflussnahme auf solches Geschehen, wenn wir uns an die Spielregeln des Systems halten wollen: wir können alle paar Jahre ein Kreuzchen machen und mitentscheiden, welche Farbe der Schlips der Leute hat, die uns unsere Rechte beschneiden (jedesmal, wenn der Beckstein dem Schily zustimmt, erinnert mich das an einen Werner-Comic: Welchen dieser beiden Teller voller Dünnschiss will ich wohl lieber essen?), und wir können in gewissem Rahmen frei entscheiden, was wir wo von unserem Geld kaufen.
Janko Röttgers
sagt dazu:
MP3-Dateien sind längst zu einer Art Marihuana der Datennetze geworden. Sie warnen dich schon in der Schule davor - und trotzdem macht jeder mit.
Die Musikindustrie zu boykottieren ist etwa so konkret wie »die Großkonzerne« scheiße zu finden. Zumal es im Zweifelsfall schnell mal die Falschen trifft. Leute wie Russell Simmons zum Beispiel. Oder Brian Eno. Oder Chuck D. Oder den netten Musiker von nebenan. Die finden Klagen gegen P2P-Nutzer nämlich auch alle blöd.
Statt meines Gefasels solltest du lieber das hier lesen. Und danach vielleicht mein Gefasel. Ich bin nicht allein mit meiner Aufruf zum Boykott der dicken Konzerne der Unterhaltungsindustrie. P2PUnite.net ruft für die laufende Woche zur Kaufverweigerun
Aufgenommen: Mär 10, 18:45
Dieser Beitrag ist auf der Startseite festgenagelt und weist auf Artikel und Themen hin, die mir am Herzen liegen: Scheiße, ich bin ein Sympathisant! Die Bahn ist noch zu sicher Zurückgelassen... oder zurückgeblieben? — Die Videospielfassung der 
Aufgenommen: Mär 10, 19:49