Statt meines Gefasels solltest du lieber das hier lesen. Und danach vielleicht mein Gefasel.
Ich bin nicht allein mit meiner Aufruf zum Boykott der dicken Konzerne der Unterhaltungsindustrie. P2PUnite.net ruft für die laufende Woche zur Kaufverweigerung auf. Im Gegensatz zu meinem privaten Kleinstboykott, der meinen Trotz befriedigen und mein Gewissen beruhigen soll, geht es P2PUnite aber tatsächlich darum, den Konzernen einen spürbaren Stich zu versetzen, ihnen einen Schuss vor den Bug zu geben. Ich hab keine prominente Erwähnung des Boykotts bei großen Newssites gesehen, das Ergebnis wird wohl eher mager ausfallen. Aber einen Versuch ist es wert.
Montag, 25. April 2005
Boykott und Privatkopie
Ein französisches Gericht hat anscheinend entschieden, dass DVDs in Frankreich künftig (ab nächsten Monat) nur noch ohne Kopierschutz vertrieben werden dürfen, da es dem in Frankreich existierenden Recht auf Privatkopie widerspreche, die Kopie einer DVD zu unterbinden. Feine Sache. Ich hegte aus persönlichen Gründen lange Zeit einen Groll gegen unsere französischen Nachbarn, aber sie werden mir jetzt Stück für Stück wieder sympathischer. Wenn das französische Volk es tatsächlich schafft, die (Neoliberalismus und Militarisierung festschreibende) EU-Verfassung zu kippen (Attac, allez!) hab ich es wieder gern.
Ein Wort zur Privatkopie... wenn ich das als Nichtjurist richtig verstehe, gibt es in Frankreich tatsächlich ein Recht auf Privatkopie, während sie in Deutschland nur geduldet wird (als sog. »Schrankenbestimmung« des Urheberrechts). Ich frage mich, worauf das Recht auf Privatkopie juristisch basiert – ich hab dazu leider nix im Web gefunden, nicht mal auf privatkopie.net.
Ich sehe mich aus zwei Gründen im Recht, wenn ich Privatkopien erstelle. Zum einen zahle ich dafür. Wenn ich mir einen CD- oder DVD-Schreiber kaufe, wenn ich mir früher Leerbänder, heute Rohlinge kaufe, wenn ich mir einen Scanner kaufe, überall zahle ich eine Abgabe, die dann über die jeweilige Verwertungsgesellschaft pauschal an Rechteinhaber und Künstler verteilt wird.
Zum anderen bin ich Teil der Gesellschaft, aus deren kulturellem Pool die Künstler schöpfen. Kunst entsteht ja nicht im Vakuum, jedes Werk, egal wie innovativ es sein mag, ist nur eine Variation von bekanntem Material – und wenn man sich am Mainstream orientiert, findet man in jedem Bereich mehr Gemeinsamkeiten denn Unterschiede – und genau wie der Künstler das Recht hat, von der Gesellschaft zu profitieren, habe ich als Mitglied der Gesellschaft das Recht, von seiner Kunst zu profitieren. Wie der Gesetzgeber das auch immer gestalten mag, ob als Recht auf Privatkopie oder anderswie, mit welchen Einschränkungen auch immer, mir das Recht de facto ganz abzusprechen (indem das Umgehen von Kopierschutzmechanismen strafbewehrt wird) ist in meinem Weltbild einfach nicht drin.
Da brauch ich gar keine praktischen Aspekte zu bemühen, wie die Auffassung, dass man etwas, was ein großer Teil der Bevölkerung ohne Unrechtsbewußtsein und ohne (in Relation zu der Zahl der User) wesentlichen Mißbrauch betreibt (wie z.B. Filesharing oder Kiffen) einfach nicht verbieten sollte, um nicht Millionen Bürger, darunter Hundertausende von Jugendlichen, zu kriminalisieren.
Ein Argument, das nicht nur die Privatkopie (vom Original), sondern sogar die Nutzung von Tauschbörsen rechtfertigt, vergleicht künstlerische Werke mit anderen Produkten oder Dienstleistungen. Wenn ich mir ein Auto kaufe, kann ich es vorher Probe fahren und wenn es nach dem Kauf nicht seinen Zweck erfüllt, weil es kaputt geht oder doppelt so viel Sprit verbraucht wie in der Werbung angegeben, kann ich es zurück bringen und das Problem wird behoben. Wenn ich in einem Restaurant eine Mahlzeit bestelle und sie ist kalt oder ungenießbar, dann kriege ich entweder Ersatz oder brauche nicht zu zahlen. Die einzige Dienstleistung, die mir spontan einfällt, bei der man vorher bezahlt und hinterher kein Recht auf Garantieleistungen hat, ist »das älteste Gewerbe der Welt«.
Vergleichen wir das mit einem Kinofilm oder einer DVD: Was passiert, wenn ich als argloser Käufer auf die Werbewelle, die große Studios durch die Medien rollen lassen, reinfalle? Ich verweise nur auf die »Making of«-Sendungen, die pünktlich zum Kinostart vieler Filme auf den Privatsendern laufen und – aus mir unverständlichen Gründen – nicht als Dauerwerbesendung gekennzeichnet werden müssen, obwohl sie genau das sind: Schnipsel aus dem Trailer und Interviews mit Hauptdarstellern und Regisseur (»Das Buch war großartig! Das Team war großartig! Der Film ist großartig!«). Wenn ich also in den Film gehe oder die DVD erwerbe und mittendrin feststelle, dass der Film bei mir körperliches Unwohlsein hervorruft, krieg ich dann im Kino oder im Handel mein Geld zurück? Warum eigentlich nicht?
Ein Wort zur Privatkopie... wenn ich das als Nichtjurist richtig verstehe, gibt es in Frankreich tatsächlich ein Recht auf Privatkopie, während sie in Deutschland nur geduldet wird (als sog. »Schrankenbestimmung« des Urheberrechts). Ich frage mich, worauf das Recht auf Privatkopie juristisch basiert – ich hab dazu leider nix im Web gefunden, nicht mal auf privatkopie.net.
Ich sehe mich aus zwei Gründen im Recht, wenn ich Privatkopien erstelle. Zum einen zahle ich dafür. Wenn ich mir einen CD- oder DVD-Schreiber kaufe, wenn ich mir früher Leerbänder, heute Rohlinge kaufe, wenn ich mir einen Scanner kaufe, überall zahle ich eine Abgabe, die dann über die jeweilige Verwertungsgesellschaft pauschal an Rechteinhaber und Künstler verteilt wird.
Zum anderen bin ich Teil der Gesellschaft, aus deren kulturellem Pool die Künstler schöpfen. Kunst entsteht ja nicht im Vakuum, jedes Werk, egal wie innovativ es sein mag, ist nur eine Variation von bekanntem Material – und wenn man sich am Mainstream orientiert, findet man in jedem Bereich mehr Gemeinsamkeiten denn Unterschiede – und genau wie der Künstler das Recht hat, von der Gesellschaft zu profitieren, habe ich als Mitglied der Gesellschaft das Recht, von seiner Kunst zu profitieren. Wie der Gesetzgeber das auch immer gestalten mag, ob als Recht auf Privatkopie oder anderswie, mit welchen Einschränkungen auch immer, mir das Recht de facto ganz abzusprechen (indem das Umgehen von Kopierschutzmechanismen strafbewehrt wird) ist in meinem Weltbild einfach nicht drin.
Da brauch ich gar keine praktischen Aspekte zu bemühen, wie die Auffassung, dass man etwas, was ein großer Teil der Bevölkerung ohne Unrechtsbewußtsein und ohne (in Relation zu der Zahl der User) wesentlichen Mißbrauch betreibt (wie z.B. Filesharing oder Kiffen) einfach nicht verbieten sollte, um nicht Millionen Bürger, darunter Hundertausende von Jugendlichen, zu kriminalisieren.
Ein Argument, das nicht nur die Privatkopie (vom Original), sondern sogar die Nutzung von Tauschbörsen rechtfertigt, vergleicht künstlerische Werke mit anderen Produkten oder Dienstleistungen. Wenn ich mir ein Auto kaufe, kann ich es vorher Probe fahren und wenn es nach dem Kauf nicht seinen Zweck erfüllt, weil es kaputt geht oder doppelt so viel Sprit verbraucht wie in der Werbung angegeben, kann ich es zurück bringen und das Problem wird behoben. Wenn ich in einem Restaurant eine Mahlzeit bestelle und sie ist kalt oder ungenießbar, dann kriege ich entweder Ersatz oder brauche nicht zu zahlen. Die einzige Dienstleistung, die mir spontan einfällt, bei der man vorher bezahlt und hinterher kein Recht auf Garantieleistungen hat, ist »das älteste Gewerbe der Welt«.
Vergleichen wir das mit einem Kinofilm oder einer DVD: Was passiert, wenn ich als argloser Käufer auf die Werbewelle, die große Studios durch die Medien rollen lassen, reinfalle? Ich verweise nur auf die »Making of«-Sendungen, die pünktlich zum Kinostart vieler Filme auf den Privatsendern laufen und – aus mir unverständlichen Gründen – nicht als Dauerwerbesendung gekennzeichnet werden müssen, obwohl sie genau das sind: Schnipsel aus dem Trailer und Interviews mit Hauptdarstellern und Regisseur (»Das Buch war großartig! Das Team war großartig! Der Film ist großartig!«). Wenn ich also in den Film gehe oder die DVD erwerbe und mittendrin feststelle, dass der Film bei mir körperliches Unwohlsein hervorruft, krieg ich dann im Kino oder im Handel mein Geld zurück? Warum eigentlich nicht?
Geschrieben von Marc
in Kabelfreak, Medienjunkie, Schwarzseher
um
23:55
| Noch keine Kommentare
| Keine Trackbacks
Artikel mit ähnlichen Themen:
Trackbacks
Trackback-URL für diesen Eintrag
Keine Trackbacks
