Ulrich Deppendorf: »Herr Lafontaine, zum Schluss die letzte User-Frage. Sie war die meist gestellte, äh, Frage und man kann fast den Eindruck haben, da war eine kleine Kampagne dahinter. Sie lautet: ‘Wie kann die Linke effektiv gegen die gezielte Medienkampagne vorgehen?’ Kurze Antwort!«
Ja, ich kann mir gut vorstellen, warum eine ausführliche Diskussion ausgerechnet bei dieser medienkritischen Problematik nicht angesagt ist. Kontext: TV-Kritik zu »Illner intensiv« in der Frankfurter Rundschau (man beachte auch die Kommentare), Übernahme der FR durch DuMont, M. DuMont Schauberg, Konstantin Neven DuMont, Aufsichtsgremien des ZDF, NachDenkSeiten (und z.B. da, da, da und da).
Warum man kein Verschwörungstheoretiker sein muss, wenn man an der Unabhängigkeit von Medien zweifelt, die sich in der Hand einiger, weniger reicher Verlegerfamilien befinden, erklärt und belegt Noam Chomsky in seinem Propagandamodell (Videotipp: die Dokumentation Manufacturing Consent, z.B. bei archive.org, Google Video, DailyMotion oder Veoh).
Nachtrag, 5. August 2009: Im Telepolis-Artikel »Erzengel und Belzebub« bezeichnet Rudolf Stumberger den Umgang mit Lafontaine als »Publizistische Hinrichtung«:
Der Mann hat weder Kinder geschändet noch ist er sonstig strafrechtlich verurteilt, was man nicht von jedem Politiker sagen kann. Doch einen ehemaligen Ministerpräsidenten und Parteivorsitzenden, der immerhin ein Attentat überlebt hat, als »Saarkaspar« zu bezeichnen, lässt neben jeden bürgerlichen Anstandsregeln auch jeden Funken an sachlicher Auseinandersetzung vermissen und ist schon nicht mehr Hinrichtung, sondern Totschlag. Und das penetrante Bestehen von ZDF-Interviewer Frey darauf, dass Lafontaine seinerzeit seine Ämter »hingeschmissen« habe, ist wie die »Süddeutsche« bereits 2008 anlässlich des damaligen Sommerinterviews anmerkte, eine »groteske Simulation von kritischem Journalismus«. Lafontaine ist vom Medienmainstream quasi publizistisch zum Abschuss freigegeben. […]
Und wie ist es nun mit einer gesteuerten Medienkampagne gegen die Linkspartei? Soll man sich das so vorstellen, dass die zehn reichen Familien jeden Montag Anweisungen an die Redaktionen geben? […] Jeder, der ein Volontariat bei einer Zeitung hinter sich hat, könnte wissen: Es geht dabei nicht zuvörderst um die Einübung in die handwerklichen Techniken des Berufes. Sondern um die Einübung und das Einatmen der ungeschriebenen Spielregeln, wonach zu entscheiden ist, was dissident und was legitim, was schreibbar und was tabu ist. Und die Fähigkeit, diese Spielregeln aufzustellen, nennt man Macht.
Nachtrag, 12. August 2009: Peter »Herr Lafontaine, Sie werden genauso behandelt wie alle anderen Parteivorsitzenden« Frey über die Knopfleiste (Link vermutlich nur zeitlich begrenzt gültig):
»Zuerst: eine Frau, die jede Situation bewältigt, sich in all dieser Zeit keinen Fehler erlaubt und eine erstaunliche Kondition hat. […] Sie war, auch nach kurzen Nächten und langen Tagen, immer beherrscht, diszipliniert, kontrolliert. […] ‘Die kann es nicht’, hatte die SPD im Wahlkampf 2005 die Herausforderin beschrieben, um dann zunehmend resigniert festzustellen, was die Frau alles kann. […] Angela Merkel - zäh, geschmeidig, eine Dauerläuferin der Macht.«
Ich hab mich ja auch schon mit dem Gedanken abgefunden, dass wir das Sitzfleisch von Helmut Kohl irgendwann mal nur noch müde belächeln werden, Herr Frey, aber sind Ihre Aussichten beim ZDF so schlecht, dass Sie sich jetzt schon auf den Posten des Regierungssprechers oder Hofbiographen bewerben müssen?
Nachtrag, 16. August 2009: Ich bin ja so naiv. Peter Frey muss sich nirgends mehr bewerben, er ist bereits bestens verbandelt und versorgt:
»Auch die öffentlich-rechtlichen Sender sind mit Bertelsmann verbandelt. So sitzt z.B. der stellvertretende ZDFChefredakteur Klaus-Peter Siegloch im Kuratorium der Bertelsmann Stiftung. So auch der frühere ZDF Intendant Dieter Stolte, der z.B. 1999 eine kritische Reportage über die Rolle Bertelsmanns im Dritten Reich verhinderte. Der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, Peter Frey, ist ‘Fellow’ des von Bertelsmann getragenen Centrums für angewandte Politikforschung (CAP).«
(aus einer Diplomarbeit über den Einfluss der Bertelsmann-Stiftung, via Burks)

