Wenn das Telefon klingelt und jemand dran ist, dessen Sprachmelodie ich schon bei der Begrüßung anhöre, dass er in einem Callcenter sitzt und mir etwas verkaufen will, rollen sich meine Zehennägel auf. Die üblichen Floskeln ertrag ich ja gerade noch, aber die Verbindung mit der übertriebenen Betonung, mit dieser Mischung aus akustischem Slime™, geheuchelter Besorgnis und gespielter Verbundenheit mit dem Auftraggeber, löst so ein Anruf bei mir echten Ekel aus. Am liebsten würd ich dem Anrufer ins Wort fallen: »Boah, Alda, das ist zu viel…«
»Wir dürfen Sie doch sicher auch in Zukunft über wichtige und interessante Neuerungen bei Ihrer Krankenkasse telefonisch informieren?«
»Nein. Sie können mir gerne weiter Post schicken, das tun Sie ja bereits regelmäßig.«
»Aber wir würden Sie wirklich nur bei wichtigen und interessanten Angeboten anrufen…« (Ja, klar, das hab ich gerade gemerkt — der Anlass des Anrufs war, dass er mir irgendeine Zusatzversicherung andrehen wollte.)
»Die schicken Sie mir dann mit der Post, telefonisch möchte ich nicht belästigt werden.«
»Ich hoffe, ich hab Sie jetzt nicht belästigt?«
»Dieses eine Mal lasse ich noch durchgehen. Schönen Abend noch.«
Hinterher tut’s mir dann fast leid. Ich vermute, ich hab im letzten Jahrzehnt einfach eine Allergie gegen jede Form von Marketing entwickelt.
Mittwoch, 29. Juli 2009
Telefonmarketingsingsang
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