Ich könnte jetzt also wild mit Stichworten wie Web 2.0, Twitter, Voice-over-IP und so weiter um mich werfen…
Das ist mal ein Wort, Herr Pinkwart! Ich verstehe das so, dass Sie im Rest der Rede auf die übliche Aneinanderreihungen der Buzzwords des letzten Jahrzehnts verzichten werden, weil Sie sich nicht lächerlich machen wollen?
Hmmm. Nee, doch nicht. Das hab ich wohl falsch verstanden:
Ich kann mir auf dem Display meines Mobiltelefons eine RTL-Sendung ansehen, Herr Schröder, und dann per SMS meine Meinung dazu loswerden, ich kann bei Facebook Kontakt zur Kanzlerin aufnehmen. Ich kann mich in Foren, Communities, Blogs und so weiter tummeln — und, wenn ich möchte, überall meinen persönlichen Standpunkt kundtun.
Jo, nee, is klar. Mal schnell »bei Facebook Kontakt zur Kanzlerin aufnehmen«. Mach ich auch immer, wenn mir in unserer Republik was stinkt. Und danach tummel ich mich in meinem Blog und so weiter.
Nehmen wir das Beispiel Twitter: Wenn Oppositionelle im Iran per Twitter auf Ihre Lage aufmerksam machen, dann sieht man, was für ein enormes Demokratisierungspotenzial in diesem neuen Instrument steckt. Es zeigt, dass Nachrichtensperren totalitären Regierungen es nicht mehr schaffen, der Welt Eindrücke und Bilder von dem vorzuenthalten, was sich auf den Straßen der Hauptstadt tut.
Toll, dass die bösen Regierungen dieses tolle Internet nicht einschränken können!
Wenn unsere tolle Bundesregierung demnächst auch den Zugriff auf Pr0n, Killerspiele,
Ganz anders sieht es mit den Internet-Nutzern aus, die das Netz mit einem Selbstbedienungsladen verwechseln. Da sehe ich noch einige ungeklärte Fragen in Sachen Konvergenz lauern, was das Urheberrecht angeht zum Beispiel. Dass die Piratenpartei, die ja ein etwas verqueres Verhältnis zu solchen Rechten hat, sich so rasant verbreitet, finde ich zum Beispiel mehr als bedenklich.
Ach, ich würde da nicht so schwarz sehen, Herr Pinkwart. Die 5%-Hürde wird die »Gaga-Partei« (»BILD«) mit Sicherheit nicht überspringen, dafür sorgen schon die Kampagnen in den Mainstreammedien, die die Piraten ja erfolgreich auf »Internet-Nutzer, die das Netz mit einem Selbstbedienungsladen verwechseln« reduzieren. Und die, die sie wählen werden, würden ihre Stimme andernfalls wohl mehrheitlich nicht dem »bürgerlichen« Lager geben. Unter dem Strich profitiert die FDP also.
Ich freu mich schon auf eine schwarz-gelbe Regierung mitten in der Wirtschaftskrise. Irgendwo hat die SPD bestimmt noch ein bisschen Sozialstaat übrig gelassen, den man wegrationalisieren kann. Und ein paar Arbeitnehmerrechte, die sich »flexibilisieren« lassen.
Wenn wir das Urheberrecht nicht achten, dann untergraben wir einen der wichtigsten Pfeiler unseres Gesellschaftssystems, unserer Demokratie.
Die Raubkopierer von der Piratenpartei gefährden die



