In der guten alten Zeit glaubten wir noch, dass Computer und Roboter dem Menschen alle Arbeit abnehmen und ein Leben im Überfluss ermöglichen würden. Das mit dem »Arbeit abnehmen« hat für viele ja irgendwie gestimmt – auch wenn wir uns das eigentlich irgendwie anders vorgestellt hatten. Das mit dem »Leben im Überfluss« ist aber auch irgendwie schief gegangen. Klar, Tauschbörsen versorgen uns mit einem Überfluss an Medien, aber treiben uns gleichzeitig in die Kleinkriminalität, weil’s in unserer ach so sozialen Gesellschaft ja verboten ist, mit Freunden oder gar mit Fremden zu teilen. Bei was darf ich meinem Nachbarn noch zur Hand gehen, ohne mich dem Vorwurf der Schwarzarbeit auszusetzen? (Und was hat es zu bedeuten, dass es einen Rechtsexperten braucht, diese rhetorische Frage zu beantworten?)
Früher konnte ich Platten oder CDs, die mir nicht (mehr) gefallen, auf Flohmärkten oder in Gebrauchtplattenläden wieder zu Geld machen. Versuch das heute mal mit Musik, die du bei einem einschlägigen Onlinehändler wie iTunes gekauft hast. Einen gefüllten iPod weiterzugeben ist in den Augen der Musikindustrie strafbar. Bei iTunes eingekaufte Songs lassen sich auf CD schreiben - aber auch nur, weil Apple das ausdrücklich erlaubt. Apple behält sich aber auch das Recht vor, das jederzeit zu ändern. Grund genug, erst mal alle iTunes-Songs auf CD zu sichern, solange es noch geht.
Das ist glücklicherweise ein Problem, das ich nicht habe: ich würde nie für ein DRM-verkrüppeltes Medium bezahlen. Ich hol mir jeden Monat ein paar CDs im Abo bei emusic (mir wären Ogg Vorbis-Dateien lieber als MP3s, aber Hauptsache kein DRM).
Nachtrag, 16. Februar 2006: Heise berichtet, dass es in den Augen der US-Musikindustrie kein »Fair Use« ist, wenn der Käufer einer CD die Musikstücke darauf auf seinen (!) MP3-Player kopiert. Und sie glauben vermutlich wirklich, dass man dem Consumer zumuten kann, Musik, die er zuhause, im Auto und beim Joggen hören will, dreimal zu kaufen. Wenn ich auf den Mainstream-Müll angewiesen wäre, was ich nicht bin, wäre das ja wieder ein Grund mehr für mich, ihn mir herzueseln statt ihn zu kaufen.
Nachtrag, 11. März 2006: Frankreich hat eine historische Chance verpasst. Schade.
Nachtrag, 11. Mai 2006: Frankreich hat eine weitere, wenn auch nicht ganz so historische Chance verpasst. Wieder schade. Ich könnte wetten, dass das Ergebnis einer Volksabstimmung anders ausgesehen hätte.
Nachtrag, 7. November 2007: Die amerikanische Baseball-Liga verhökert auf ihrer Website Videos von Baseballspielen. Jetzt hat sie ihren DRM-Anbieter gewechselt. Seither können die Kunden ihre Videos, die sie vor dem Wechsel erworben haben, nicht mehr abspielen. Mwahahahahahahaha. (via BoingBoing)




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Aufgenommen: Mär 10, 19:49