Imperator Durhan: »How will this end?«
Kosh: »In fire.«
Apropos SPD und Novemberrevolution… Gestern abend lief »Kulturzeit extra: Die Räterepublik 1918/1919«. Gerade rechtzeitig, um uns anlässlich der SPD-Feierlichkeiten auch daran zu erinnern, dass die SPD es 1914 total dufte fand, ihre Wähler in einen Gaskrieg zu schicken.
Oder daran, dass Ebert und Noske die Freicorps rekrutierten. Die ließen sie dann auf genau jene Matrosen los, die durch ihren Aufstand im November 1918 die »letzte, entscheidende« Seeschlacht mit den Briten, den »ehrenvollen Untergang« — und somit den Militärputsch gegen die Friedensverhandlungen der Regierung — vereitelt hatten. Dann gaben die aufrechten Sozialdemokraten ihre kommunistischen Erzfeinde Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zum Abschuss frei — sie wurden von den Freikorps »auf der Flucht erschossen«. Und schließlich hetzte man die Freikorps auf die revolutionären Arbeiter im Ruhrgebiet, im gerade gegründeten Freistaat Bayern, überall in Deutschland.
Die Entsoldung der Freikorps übernahm übrigens, quasi als Vorläufer von »Public Private Partnership«, die deutsche Großindustrie, dazu hatte sie die Lobbyorganisation »Antibolschewistische Liga« ins Leben gerufen. Eine Investition von 500 Millionen Mark, die sich lohnte: schließlich waren überall im Reich Fabriken und Industrieanlagen besetzt worden, die Arbeiter hatten Räte gewählt und das Weiterlaufen der Produktion organisiert. Diesen Umtrieben wurde so schon nach wenigen Monaten ein Ende bereitet. Gerade noch rechtzeitig. Beinahe hätte sich überall herumgesprochen, dass die Arbeit ohne
Man erlaube mir an dieser Stelle einen, möglicherweise zynischen, historischen Vergleich: Die USA unterstützte in Afghanistan die Mudschaheddin gegen die Sowjetunion. Als keine Kommunisten mehr übrig waren, bekam die USA die Quittung in Form von Al-Quaida.
Die SPD organisierte und bewaffnete die Freikorps— und als keine Kommunisten mehr übrig waren, bekam sie die Quittung in Form der SA. Denn schon kurz nachdem die Freikorps für die SPD »Ordnung« im Reich geschaffen hatten, zogen sie sich braune Hemden über. Ein paar Jahre später sperrten sie die verbliebenen Kommunisten zusammen mit den SPDler in die gleichen KZs (ausgerechnet!) und setzten genüsslich die Welt in Brand.
…aber mit der Linken kann man als aufrechter Sozialdemokrat nicht koalieren, weil man immer noch eingeschnappt ist, dass die SPD in der DDR mit der SED zwangsvereinigt wurde. Da verbrüdert man sich als traditionsreiche Arbeiterpartei lieber wieder mit der
Für den Fall, dass diese »Kulturzeit extra« auf den einschlägigen Videoportalen auftaucht, erteile ich hiermit präventiv den Guckbefehl. Gleiches gilt übrigens auch für die »Kulturzeit extra« von letzter Woche über den Chemieprofessor Michael Buback, der die Version vom Tod seines Vaters, die ihm von den Ermittlungsbehörden aufgetischt wurde, nach langen und gründlichen Recherchen nicht mehr glaubt und sogar eine Beteiligung deutscher Geheimdienste am Attentat für möglich hält.
Beide Beiträge hätten einen prominenteren Sendeplatz, mehr Wiederholungen und eine Aufnahme in die 3sat-Mediathek verdient.
Nachtrag, 12. November 2008: Ein »Kulturzeit extra«: Die Räterepublik 1918/1919 in der 3sat-Mediathek, mit Michael Buback gibt’s wenigstens ein Interview. Schnell, bevor die Sieben-Tage-Regel zuschlägt — ist die schon in Kraft?
Nachtrag, 15. Januar 2009: Weissgarnix zitiert Die Zeit:
Sie schreibt:
Was das Verhalten Noskes in der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 betrifft, so kann nach Gietingers Recherchen nunmehr ausgeschlossen werden, dass er einen direkten Mordbefehl gegeben hat. Aber er ließ offenbar durchblicken, dass er gegen eine »Exekution« Liebknechts und Luxemburgs nichts einzuwenden hatte. »Über das ‘dass’ bestand also Einigkeit«, so Pabst in seinen Memoiren. »Als ich nun sagte, Herr Noske, geben Sie bitte Befehle über das ‘wie’, meinte Noske: ‘Das ist nicht meine Sache! Dann würde die Partei zerbrechen, denn für solche Maßnahmen ist sie nicht und unter keinen Umständen zu haben.’«
Noske mag sich daher geziert haben, mit einem »offiziellen« Mordbefehl den Kreis »formell« zu schließen, aber für die Ausstellung eines »Freibriefs« reichte es anscheinend allemal. Dafür spricht auch, dass das spätere Verfahren vor dem Divisionsgericht, laut Gietinger einer der »schamlosesten Lügenprozesse der deutschen Rechtsgeschichte« darauf hinauslief, dass die Täter gewissermaßen »über sich selbst Gericht hielten«, geschützt durch die sozialdemokratische Regierung, und es daher nicht weiter verwundert, dass die Drahtzieher und Hintermänner völlig ungeschoren davonkamen.


