[Heribert Prantl] berichtet [...], die Deutschen bewahrten im Angesicht der Finanzkrise Ruhe — und änderten kaum ihre politischen Präferenzen. Die Wähler rächten sich nicht einmal an der FDP, und die Linkspartei könne wider Erwarten von der Krise nicht profitieren. [...] Man braucht sich darüber nicht [...] zu wundern, wenn man die massive Propaganda beobachtet, die die Finanzkrise begleitet, zum Beispiel:
• Steinbrück und Merkel werden zu Helden hochstilisiert, obwohl sie unser Land nachweisbar durch Förderung obskurer Finanzprodukte und der Tätigkeit von Heuschrecken für die Krise geöffnet haben.
• Auf allen Kanälen sozusagen wurde weiter der Versuch gemacht, die öffentlichen Banken als die eigentlichen Sünder und Verlierer darzustellen. Diese verfälschende Darstellung zahlt sich direkt zum Beispiel für die FDP aus.
• In Talkshows und bei vielen anderen Gelegenheiten wurde Oskar Lafontaine schon auf läppische Weise als Mitverursacher dargestellt, weil er im Verwaltungsrat der KfW sitzt und bei der entscheidenden Sitzung einmal nicht anwesend gewesen sei.
• Die Bild-Zeitung zum Beispiel hat der Bundeskanzlerin attestiert, dass sie schon lange für eine Regulierung der Finanzmärkte gewesen sei. Und selbst ihr Vorschlag, Tietmeyer zum Vorsitzenden eines Beratungsgremiums zur Neuordnung der Finanzmärkte zu machen, wurde ihr nur als Missgriff und nicht als Absicht angerechnet.
• Die Verfilzung der Politik mit den Hauptmatadoren der Finanzwirtschaft, auch der amerikanischen Investmentbanken, wird in unseren Medien nicht zum Thema gemacht.
• In ihrer überwiegenden Mehrheit wundern sich unsere Medien nicht darüber, dass die Brandstifter jetzt Feuerwehr spielen.
• Nahezu ausnahmslos wird die beginnende Rezession jetzt der Finanzkrise zugeordnet statt der nachlässigen, falschen und verspäteten Wirtschaftspolitik der Bundesregierung und der Hochzinspolitik der EZB. So werden die eigentlichen Verursacher des beginnenden wirtschaftlichen Niedergangs, der schon mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Punkte begann und am Einbruch des Konsums schon im Sommer 2007 erkennbar war, durch die Finanzkrise, die den angelegten Abschwung verstärken wird, reingewaschen.
Freitag, 17. Oktober 2008
Ach, da draußen glaubt uns noch jemand?
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