Ich meine das jetzt nicht im Sinne von von Hayek, der, wenn ich das richtig verstehe, den Markt konsequent seinen eigenen Regeln überlassen wollte.
Ich denke eher an einen demokratischen Staat, der die Wirtschaft im Sinne seiner Schutzbefohlenen reguliert und kontrolliert, in dem aber der Anreiz für Politikschaffende fehlt, der Wirtschaft in den Arsch zu kriechen und den Handelsreisenden für sie zu machen. Ein Staat, in dem die Drehtür zwischen Regierung, Parlament und Bürokratie auf der einen Seite und Wirtschaft auf der anderen Seite verriegelt ist. Ein Staat, in dem der Lobbyismus von Wirtschaftsverbänden und Konzernen keinen Ansatzpunkt findet. Ein Staat, in dem Elmar Brok, Eckart von Klaeden und Walter Riester (Nachtrag, 31. Juli 2008: oder Thilo Sarrazin) korrupt wären (womit ich nicht unterstellen will, dass sie das nicht jetzt schon sind).
So ein »wirtschaftssäkularer« Staat wäre übrigens genauso wenig »wirtschaftsfeindlich«, wie ein »religionssäkularer« Staat »religionsfeindlich« ist.
Kennt jemand das Wort, nach dem ich suche?
Nachtrag, 23. August 2008: Elmar Brok will europäische Kampftruppen in den Kaukasus schicken (bei telepolis):
Der EU-Parlamentarier Elmar Brok sagte der ARD, man müsse nach Möglichkeiten suchen, wie man die Russen »herausbringt« und schlug dafür in Abchasien und Südossetien »Friedenstruppen unter europäischer Beteiligung« vor. Diese müssten, ähnlich wie auf dem Balkan, »natürlich auch militärisch ausgerüstet sein« um »tätig werden zu können.« […]
Brok, dem der Verfassungsrechtler Hans-Herbert von Arnim legale Korruption vorwirft, war maßgeblich am Entwurf der später in »Vertrag von Lissabon« umbenannten EU-Verfassung beteiligt, die ein Aufrüstungsgebot beinhaltet. Derzeit wird er als einer der möglichen Nachfolger von Günther Verheugen als EU-Kommissar gehandelt. Vor einigen Jahren veröffentlichte der fraktionslose Abgeordnete Hans-Peter Martin auf seiner Website Dokumente, die eine Richtigkeit der Einschätzung von Arnims nahe legen. Die Berichterstattung über den Skandal hielt sich jedoch in Grenzen – auch deshalb, weil der CDU-Politiker, dem ganz ausgezeichnete »Medienkontakte« nachgesagt werden, nach kritischen Artikeln erfolgreich bei Herausgebern intervenierte.
Hier gibt’s die angesprochenen Dokumente: Wie »Mister Europaparlament« Brok als Konzern-Lobbyist für Bertelsmann arbeitet.

