Das wird sicher wieder ‘ne aufregende Debatte (»Gerechtigkeit!« — »Neid!«) in den Schwafelshows der Christiansen-Klone. Man wird uns erläutern, dass das halt die Risiken der Globalisierung sind, von der wir, gerade und besonders wir als Deutsche, so immens profitieren. Man wird mehr Verantwortungsbewußtsein in den Chefetagen anmahnen. Aber auch betonen, dass die Mehrzahl der Schlipsträger ja einen tollen Job macht und dass diese bedauernswerten Ereignisse nur Ausreißer sind. Irgendwer wird darauf hinweisen, dass wir Exportweltmeister sind (natürlich ohne extra zu erwähnen, dass man Geld nicht essen kann). Und dann geht’s heiter weiter, ist ja schließlich Session. Humba. Humba.
An guten Tagen überwältigt mich manchmal die Reue, weil ich in den 70er Jahren statt zur RAF zur Arbeit gegangen bin. (anonym, gefunden bei Dobschat)
Man sollte was tun. Irgendwas. Wenigstens demonstrieren gehen oder sowas. Aber die »Sicherheitsmaßnahmen«, als die man uns Abbau von Bürgerrechten und Einrichtung von Überwachungsinfrastruktur verkauft, richten sich ja nicht wirklich gegen die Auswüchse des Islamismus. Wie wir in den letzten Monaten wieder und wieder gesehen haben, werden sie gezielt gegen Systemkritiker, Kapitalismuszweifler und Globalisierungsgegner in Stellung gebracht und genutzt. Die Vorratsdatenspeicherung ist das Braunhemd des 21. Jahrhunderts.


Was den Überwachungsstaat angeht, was will, aber vor allem kann man denn dagegen überhaupt tun? Demonstrieren? Oder gleich Amerikaner-Like alles und jeden Verklagen, wobei in DE dann eine Massenklage/Sammelklage mit entsprechendem Medien-Interesse vielleicht der besser und sichere Weg wäre...
Im Normalfall werden solche Verfahren nämlich schon von der Staatsanwaltschaft abgeschmettert. Staatsanwälte sind als Teil der Exekutive an die Weisungen der Krähen gebunden, die den verklagten Krähen bekanntlich kein Auge aushacken. Die Klagen landen also niemals vor einem »unabhängigen« Richter, während sich die Kläger massiven Repressalien ausgesetzt sehen. In den Massenmedien wird sowas selbstverständlich nicht thematisiert, schließlich sind Systemkritiker im bestmöglichen politischen System per Definition Spinner.
Genau so geht es mir »fast« jeden Tag. Systemkritiker, jetzt habe ich endlich mal ein passendes Wort dafür, was ich am besten kann und mache, unter anderem.