Ich muss mich über »I Am Legend« aufregen, das geht aber nicht ohne Spoiler.
Ich hab kein Problem mit spirituellen oder religiösen Filmen. Ich kann mich für die Dauer der sechs »Star Wars«-Filme auf ein Universum einlassen, in dem es eine dunkle und eine helle Seite der Macht gibt. Ich kann »Sixth Sense« schauen und für zwei Stunden akzeptieren, dass es Geister gibt. »Das Omen« oder »Herkules in New York«, »Der Exorzist« oder »Ist das Leben nicht schön?« (der Weihnachtsfilm mit dem Engel, der sich seine Flügel erst verdienen muss), »From Dusk Til Dawn« oder »Dogma« — alles kein Problem, dank
Suspension of disbelief, meiner Bereitschaft als Zuschauer, mich vorübergehend auf die Welt einzulassen, die mir von Drehbuchautor und Regisseur vorgesetzt wird.
Ich hab aber ein Problem, und zwar ein erstaunlich großes, mit »I Am
Christ Legend«, einem Remake von »Der Omega-Mann«. Der Film beginnt als Science-Fiction-Horrorschocker: ein mutiertes Virus löscht den größten Teil der Menschheit aus und verwandelt den Rest in Zombies, die, je nach dem was gerade für die Story gebraucht wird, mal vernunftbegabt sind und mal nicht. Glücklicherweise ist der
eine Wissenschaftler, der vorher schon gewarnt hat, der ein Gegenmittel herstellen kann und der die — für den täglichen Überlebenskampf unabdingbare — militärische Ausbildung hat, immun.
So weit, so gut.
Dann trifft der Held jedoch eine weitere Überlebende und die hat auf überraschendem Weg von einer Kolonie von Immunen erfahren:
Anna: »There is a colony. I know, okay?«
Neville: »How do you know, Anna?«
Anna: »I just know.«
Neville: »How? I said ‘How do you know?’ How could you know?«
Anna: »God told me. He has a plan.«
WTF? Gott als Plotdevice? Die können doch nicht... die würden doch nicht...
Doch. Sie können, sie würden und sie tun. Meine Ungläubigkeit (im doppelten Sinne) war nicht mehr »suspended« (ausgesetzt). Dieser Dialog kam unvermittelt und wurde im Rest des Films nicht mehr aufgegriffen. Je weiter der Film voranschritt, desto stärker zeichnete sich aber ab, dass Anna die Wahrheit gesagt hatte und der Film endet mit der Bekehrung des temporär-atheistischen Wissenschaftlers, gefolgt von Annas Ankunft in der Kolonie, die — Überraschung! — tatsächlich existiert.
Gott als Plotdevice! Nicht nur als treibende Kraft oder Hintergrund einer Geschichte, sondern in Form einer direkten Intervention ins Geschehen:
Deus sine machina! »God told me« eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten für alle nur denkbaren Filmgenres: wann immer man in der Story in eine Sackgasse läuft, hilft eine göttliche Inspiration wieder auf die richtige Spur. Mir fallen auf Anhieb eine Menge Filme ein, die davon profitieren könnten.
Die Sache mit den wechselweise tollwütig hirnlosen und verschlagen intelligenten Zombies fand ich aber noch störender.
Vermutlich war nur das »Alpha-Männchen« das Mastermind, aber entweder ganz oder gar nicht...
c-r-u-x
Soviel ich weiß, liegt dem Film eine Kurzgeschichte, kann mich nicht mehr erinnern, von wem, zugrunde, aber ich kann mich nicht entsinnen, in dieser irgendwas über »göttliche Eingebungen« gelesen zu haben...