Als ich noch klein war, wurden Pakete noch ordnungsgemäß von einem Beamten der Deutschen Bundespost ins Haus gebracht. Unser Paketzusteller hieß Ben — so dachte ich jedenfalls. Die Erwachsenen nannten ihn so, aber nur wenn sie über, nie wenn sie mit ihm sprachen. »Ah, guggemol, do hinne kommt de Ben!« Irgendwann fand ich dann heraus, dass das Kürzel »Ben«, mit denen er nicht zustellbare Pakete zu unterschreiben schien, bloß für »Benachrichtigung« stand.
Einer der Vorteile der modernen, privatisierten Postzustellung von heute ist die Abwechslung. Man hat vor Ort zahlreiche Ansprechpartner, die mehr oder weniger regelmäßig wechseln. Seit wir in Hombruch wohnen, wurden wir z.B. (gefühlt) von einem halben Dutzend DHL-FahrerInnen beliefert, Urlaubsvertretungen nicht mitgerechnet.
Der DHL-Fahrer, der uns zur Zeit beliefert, leidet bedauerlicherweise wohl unter einer Allergie gegen das Schleppen schwerer Pakete — oder unsere Türklingel geht immer ausgerechnet dann kurzzeitig kaputt, wenn uns eine Lieferung mit mehr als drei Kilo zugestellt werden soll.
Na ja, in ein paar Monaten kommt ja sicher wieder ein neuer Zusteller, vielleicht klappt es mit ihm oder ihr wieder besser.
Freitag, 16. Juli 2010
Ihre Sendung ist da, aber nicht hier, sondern woanders!
Geschrieben von Marc
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Mittwoch, 14. Juli 2010
Verbale Kraftmeierei
Ich dokumentiere die abgegriffensten Floskeln aus der Antrittsrede meiner neuen Ministerpräsidentinnendarstellerin:
Aber Hauptsache »authentisch«.
Dies ist ein besonderer Moment für ein lebenswertes, ein starkes Nordrhein-Westfalen. Ich glaube, darin liegt auch eine große Chance, die Chance, den besten Weg für unser liebenswertes Land zu gestalten. Lassen Sie uns diese Chance nutzen, die Chance, die darin liegt, die Demokratie zu beleben – aus Liebe zu unserer lebenswerten Heimat Nordrhein-Westfalen. Wir alle sind zuallererst dem Wohle unseres liebenswerten Landes Nordrhein-Westfalen verpflichtet. Und dem wollen wir dienen.
Nordrhein-Westfalen ist ein großes, ein starkes, aufregendes, interessantes, aber auch bereicherndes Land mit vielfältigen lebenswerten Regionen, mit fleißigen, engagierten und liebenswerten Bewohnerinnen und Bewohnern. Ich selbst werde alles tun, um diesen Erwartungen gerecht zu werden.
Ich freue mich gemeinsam mit allen Fraktionen des Hauses auf die wechselvollen Wochen des politischen Ringens, die jetzt vor mir, vor uns liegen.
Glück auf!
Aber Hauptsache »authentisch«.
Donnerstag, 8. Juli 2010
Logitech-Fanboi
Nachdem ich mich ja kürzlich über die Schlipsträger bei Sony aufgeregt hab, die mir (zumindest temporär) jeden Spaß am Spielen versauen können, indem sie mich alle paar Wochen zwingen, zig Seiten lange Nutzungsbedingungen zu »akzeptieren« — ich bin ziemlich sicher, dass ich Sony bereits meinen erstgeborenen Sohn verpfändet und das ius primae noctis für alle meine Töchter übertragen habe — muss ich mich zur Abwechslung über Logitech auslassen.
Ich benutze seit über zehn Jahren nur noch Logitech-Mäuse und die halten, trotz meines atypischen Nutzerverhaltens, immer jahrelang, mit dem Logitech-Lenkrad hab ich in GT3 zigtausend Kilometer zurückgelegt (und ich wette, dass nicht Logitech, sondern Sony dran schuld ist, dass es von vielen PS3-Spielen nur im Kompatibilitätsmodus erkannt wird) und eine Harmony One hat vor einer Weile die alte Universalfernbedienung (Kameleon) abgelöst. Nur die Logitech-Tastaturen kann ich nicht leiden, die sind nicht kettenrauchertauglich.
Logitech bietet seit vielen Jahren eine Reihe von stationären Audio-Playern an (sowas nennt man wohl, zumindest bei Amazon, auch »Internet-Radio«), früher als Slimirgendwas, jetzt unter der Bezeichnung Squeezebox, Preislage so €150-300, mit einem Ausreißer auf €2000 für ein High-End-Modell. Ich hab ewig die dazugehörige Serversoftware benutzt: der Squeezebox Server (früher: Slimserver) ist ein extrem aufbohrfähiger Perl/LUA-Mediaserver, der mit meiner relativ reichhaltigen Musiksammlung vernünftig umgeht, auf Debian reibungslos läuft und dessen Web/Java-Frontend mit jedem OS hier spielt.
Die Slim/Squeeze-Hardware hat mich bis vor kurzem gar nicht interessiert, die hatte so ein trockenes Stereoanlagenkomponentenflair. Bei dem neuesten Modell konnte ich aber nicht widerstehen: die Squeezebox Touch ist total niedlich und bunt, kann sich als langweiliger Digitalwecker tarnen, spielt alle Audio-Formate, die sich so über die Jahre ansammeln, sie hat Fast Ethernet (und 802.11g, aber wer will das schon bei einem stationären Gerät…), es läuft natürlich ein Linux drauf und sie spricht SSH.
Und das folgende war das erste, was ich gesehen hab, als ich mich zum ersten Mal auf der Squeezebox Touch eingeloggt hab:
Sowas kommt dabei raus, wenn in einer Firma nicht genug Anwälte und Marketingfritzen arbeiten um jedwede Kommunikation mit dem Kunden in das typische Korsett aus schleimiger Kundenverarsche und juristischen Drohungen zu pressen. Da hüpft mein Nerdherz. Logitech, ich bin jetzt offiziell Euer Fanboi.
Standard disclaimer: Ich hab keine Logitechaktien und bin in keiner Weise mit der Firma verbandelt. Und ich kann nur hoffen, dass nicht morgen rauskommt, dass Logitech seine Produkte von genitalverstümmelten Kindern in einer PCB-verseuchten Fabrik im Nigerdelta fertigen lässt, als Rohstoffe Blutdiamanten, Javanashornelfenbein und Gorillaleder verwendet oder ein Konto bei der Deutschen Bank führt.
Ich benutze seit über zehn Jahren nur noch Logitech-Mäuse und die halten, trotz meines atypischen Nutzerverhaltens, immer jahrelang, mit dem Logitech-Lenkrad hab ich in GT3 zigtausend Kilometer zurückgelegt (und ich wette, dass nicht Logitech, sondern Sony dran schuld ist, dass es von vielen PS3-Spielen nur im Kompatibilitätsmodus erkannt wird) und eine Harmony One hat vor einer Weile die alte Universalfernbedienung (Kameleon) abgelöst. Nur die Logitech-Tastaturen kann ich nicht leiden, die sind nicht kettenrauchertauglich.
Logitech bietet seit vielen Jahren eine Reihe von stationären Audio-Playern an (sowas nennt man wohl, zumindest bei Amazon, auch »Internet-Radio«), früher als Slimirgendwas, jetzt unter der Bezeichnung Squeezebox, Preislage so €150-300, mit einem Ausreißer auf €2000 für ein High-End-Modell. Ich hab ewig die dazugehörige Serversoftware benutzt: der Squeezebox Server (früher: Slimserver) ist ein extrem aufbohrfähiger Perl/LUA-Mediaserver, der mit meiner relativ reichhaltigen Musiksammlung vernünftig umgeht, auf Debian reibungslos läuft und dessen Web/Java-Frontend mit jedem OS hier spielt.
Die Slim/Squeeze-Hardware hat mich bis vor kurzem gar nicht interessiert, die hatte so ein trockenes Stereoanlagenkomponentenflair. Bei dem neuesten Modell konnte ich aber nicht widerstehen: die Squeezebox Touch ist total niedlich und bunt, kann sich als langweiliger Digitalwecker tarnen, spielt alle Audio-Formate, die sich so über die Jahre ansammeln, sie hat Fast Ethernet (und 802.11g, aber wer will das schon bei einem stationären Gerät…), es läuft natürlich ein Linux drauf und sie spricht SSH.
Und das folgende war das erste, was ich gesehen hab, als ich mich zum ersten Mal auf der Squeezebox Touch eingeloggt hab:
bong:~# ssh 192.168.1.23
root@192.168.1.23’s password:
This network device is for authorized use only. Unauthorized or improper use
of this system may result in you hearing very bad music. If you do not consent
to these terms, LOG OFF IMMEDIATELY.
Sowas kommt dabei raus, wenn in einer Firma nicht genug Anwälte und Marketingfritzen arbeiten um jedwede Kommunikation mit dem Kunden in das typische Korsett aus schleimiger Kundenverarsche und juristischen Drohungen zu pressen. Da hüpft mein Nerdherz. Logitech, ich bin jetzt offiziell Euer Fanboi.
Standard disclaimer: Ich hab keine Logitechaktien und bin in keiner Weise mit der Firma verbandelt. Und ich kann nur hoffen, dass nicht morgen rauskommt, dass Logitech seine Produkte von genitalverstümmelten Kindern in einer PCB-verseuchten Fabrik im Nigerdelta fertigen lässt, als Rohstoffe Blutdiamanten, Javanashornelfenbein und Gorillaleder verwendet oder ein Konto bei der Deutschen Bank führt.
Geschrieben von Marc
in Kabelfreak, Spielkind
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01:33
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Samstag, 3. Juli 2010
Freie Rede
Eben in den Tagesthemen gesehen:
Na dann.
»Ich gebe zu, war ein bisschen aufregend, weil das auch für meine Frau und mich, die sie herzlich willkommen heißen, Premiere bedeutet.« — Christian Wulff liest mal nicht ab
Na dann.
Donnerstag, 1. Juli 2010
SPD endlich wieder regierungsfähig
Ich möchte mich hiermit bei der Delegation der Linkspartei dafür bedanken, dass sie die von mir verliehene Stimme in allen drei Wahlgängen der Grüßaugustwahl genau so abgegeben hat, wie ich sie auch selbst abgegeben hätte.
Ich möchte mich aber auch bei rot-grün dafür bedanken, dass die führenden Köpfe beider Parteien überdeutlich demonstriert haben, dass sie unverändert das repräsentieren, was Menschen mit IQ>80 an der Demokratie zweifeln lässt: durchschaubares, taktisches Rumgehampel, jegliches Fehlen von Aufrichtigkeit gegenüber der Öffentlichkeit, offensichtliche Fremdsteuerung (in diesem Fall durch Friede Springer, wie zahlreiche Medien berichten) und oben drauf noch den Einsatz unlauterer Marketingmethoden (hier: virales Marketing, das Bürgerbeteiligung simulieren sollte).
Wie heuchlerisch muss jemand sein, der all das als Insider weiß und dann mit ernstem Gesicht erzählt, dass die Wahl von Gauck eine Chance für die Demokratie gewesen wäre?
Es gab zu keinem Zeitpunkt eine realistische Chance für den Alternativkandidaten, egal wie sehr Gabriel, Nahles & Co. die Wahrheit verdrehen. Hätte rot-grün einen Kandidaten ausgewählt, der die Stimmen der Linken hätte bekommen können, wäre dieser mit Sicherheit für die schwatz-gelben Abweichler unwählbar gewesen (die hätten sich in den ersten Wahlgängen bestenfalls enthalten), folglich hätte es keinen Sieg von Wulffs Gegenkandidaten im ersten Wahlgang gegeben, auch wenn die neue Generation der Basta-Sager das jetzt behauptet. Und im dritten Wahlgang hatte Wulff die absolute Mehrheit, $gauck wäre also auch nicht gewählt worden, wenn die Linke sich nicht geschlossen enthalten hätte.
Besonders aufschlussreich fand ich einen Kommentar von Thierse, der für mich eigentlich einer der wenigen verbliebenen Sympathieträger der SPD war, und der die mangelndeUnterwerfu Kooperationsbereitschaft der Linken mit dem alten Kampf zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten erklärte: »Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten.«
Jo, vermutlich gibt es diesen Kampf immer noch, aber die Ursachen sind längst nicht mehr historisch. Ich war daran beteiligt, Schröder zur Macht zu verhelfen, weil ich eine linke Politik für Deutschland wollte. Und was hab ich bekommen?
…und diese Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.
Na, ich will nicht ungnädig sein, die rot-grüne Regierung hatte ja auch einen Erfolg zu verbuchen: den Abschluss eines löchrigen Vertrages zur Abschaltung alter Atomkraftwerke, der ausgehebelt werden wird, ohne dass auch nur ein einziges AKW außer Betrieb gegangen ist. Tolle Wurst.
So definiert man also »Regierungsfähigkeit«: die Fähigkeit, unmittelbar nach einem Wahlsieg alles zu vergessen, was man in der Opposition oder während des Wahlkampfes vertreten hat, kombiniert mit der Kunst, nach einer vernichtenden Niederlage genau so lange Kreide zu fressen, bis die Umfragewerte wieder ein bisschen steigen. Die Linke hat gestern die Chance nicht ergriffen, von der SED-Nachfolgepartei zur SPD-Nachfolgepartei zu werden und der SPD in die Unwählbarkeit zu folgen.
(Mancher Linke sieht das so ähnlich wie ich. Andere Linke sehen das alles natürlich ganz anders.)
Nachtrag, 3. Juli 2010: Mein direkt gewählter Volksvertreter (SPD) sieht das so.
Ich möchte mich aber auch bei rot-grün dafür bedanken, dass die führenden Köpfe beider Parteien überdeutlich demonstriert haben, dass sie unverändert das repräsentieren, was Menschen mit IQ>80 an der Demokratie zweifeln lässt: durchschaubares, taktisches Rumgehampel, jegliches Fehlen von Aufrichtigkeit gegenüber der Öffentlichkeit, offensichtliche Fremdsteuerung (in diesem Fall durch Friede Springer, wie zahlreiche Medien berichten) und oben drauf noch den Einsatz unlauterer Marketingmethoden (hier: virales Marketing, das Bürgerbeteiligung simulieren sollte).
Wie heuchlerisch muss jemand sein, der all das als Insider weiß und dann mit ernstem Gesicht erzählt, dass die Wahl von Gauck eine Chance für die Demokratie gewesen wäre?
Es gab zu keinem Zeitpunkt eine realistische Chance für den Alternativkandidaten, egal wie sehr Gabriel, Nahles & Co. die Wahrheit verdrehen. Hätte rot-grün einen Kandidaten ausgewählt, der die Stimmen der Linken hätte bekommen können, wäre dieser mit Sicherheit für die schwatz-gelben Abweichler unwählbar gewesen (die hätten sich in den ersten Wahlgängen bestenfalls enthalten), folglich hätte es keinen Sieg von Wulffs Gegenkandidaten im ersten Wahlgang gegeben, auch wenn die neue Generation der Basta-Sager das jetzt behauptet. Und im dritten Wahlgang hatte Wulff die absolute Mehrheit, $gauck wäre also auch nicht gewählt worden, wenn die Linke sich nicht geschlossen enthalten hätte.
Besonders aufschlussreich fand ich einen Kommentar von Thierse, der für mich eigentlich einer der wenigen verbliebenen Sympathieträger der SPD war, und der die mangelnde
Jo, vermutlich gibt es diesen Kampf immer noch, aber die Ursachen sind längst nicht mehr historisch. Ich war daran beteiligt, Schröder zur Macht zu verhelfen, weil ich eine linke Politik für Deutschland wollte. Und was hab ich bekommen?
- Die Verschärfung des Betäubungsmittelgesetzes,
- den Abbau von Bürgerrechten zu Gunsten von Verbraucherrechten,
- Steuersenkungen für die Abzocker,
- die Demontage der gesetzlichen Rentenversicherung,
- die Deregulation der Finanzmärkte,
- die »Flexibilisierung« des Arbeitsmarktes,
- »Fördern und Fordern« (sprich: die Förderung von Zeitarbeit und die Forderung nach Sanktionen für Menschen, für die unsere Gesellschaft keine menschenwürdige Arbeit übrig hat),
- die Übertragung politischer Kompetenzen an nicht demokratisch kontrollierte Gruppen (Privatisierung von Staatseigentum, Lobbyisten als Mitarbeiter in Ministerien, Konzeptionierung politischer Strategien durch Expertengremien ohne jede Beteiligung des Parteivolkes, das ja eigentlich zur Meinungsbildung beitragen sollte)
- und die Teilnahme an imperialistischen Angriffskriegen (deren Notwendigkeit uns mit den üblichen Lügen verkauft wurde, die man vor jedem Krieg zu hören bekommt)
…und diese Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.
Na, ich will nicht ungnädig sein, die rot-grüne Regierung hatte ja auch einen Erfolg zu verbuchen: den Abschluss eines löchrigen Vertrages zur Abschaltung alter Atomkraftwerke, der ausgehebelt werden wird, ohne dass auch nur ein einziges AKW außer Betrieb gegangen ist. Tolle Wurst.
So definiert man also »Regierungsfähigkeit«: die Fähigkeit, unmittelbar nach einem Wahlsieg alles zu vergessen, was man in der Opposition oder während des Wahlkampfes vertreten hat, kombiniert mit der Kunst, nach einer vernichtenden Niederlage genau so lange Kreide zu fressen, bis die Umfragewerte wieder ein bisschen steigen. Die Linke hat gestern die Chance nicht ergriffen, von der SED-Nachfolgepartei zur SPD-Nachfolgepartei zu werden und der SPD in die Unwählbarkeit zu folgen.
(Mancher Linke sieht das so ähnlich wie ich. Andere Linke sehen das alles natürlich ganz anders.)
Nachtrag, 3. Juli 2010: Mein direkt gewählter Volksvertreter (SPD) sieht das so.
Geschrieben von Marc
in Medienjunkie, Schwarzseher
um
13:14
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