Ich hab den Verdacht, dass unser Telekom-T-Home-Entertain-VDSL-Router, ein Speedport W-721V (aus dem Hause AVM), vor einer Weile eine frische Firmware bekommen hat. Ich war’s nicht, jedenfalls nicht absichtlich, aber ich hatte wohl darauf verzichtet, die »EasySupport«-Funktion, die sich um automatische Firmware-Upgrades kümmert, abzuschalten.
Die Bugs, die mit der alten Firmware auftraten, konnte ich verschmerzen, weil ich sie umgehen konnte. Dass der Router z.B. schlampig mit NAT-Verbindungen umging, war mir egal, weil fast alle meine Verbindungen über ein VPN laufen.
Die neue Firmware aber bringt anscheinend einen frischen Bug mit, der mich nicht mehr kalt lässt: unser Nutzungsprofil scheint dazu zu führen, dass der Router mehrfach täglich neu startet. Und ich meine damit nicht, dass er die DSL-Verbindung neu aufbaut. Nein, er bootet und vermerkt das auch korrekt als »Neustart des Geräts« in seinem Log.
Die Entertain-Störungsannahme hatte von einem solchen Problem natürlich noch nie gehört und bot erst mal den Austausch an. In der Hoffnung, dass ich so vielleicht ein Modell mit alter Firmware bekommen könnte, stimmte ich dem Austausch zu. Satz mit »X«: Das Austauschgerät kam — wohl frisch refurbished direkt aus dem Servicecenter — auch gleich mit der aktuellen Version 64.04.74, dafür aber ohne jedes Zubehör… insbesondere ohne Netzteil. Das fand ich schade, weil ein defektes Netzteil durchaus eine Erklärung für das unregelmäßige Durchbooten des Routers sein könnte.
Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich kein bisschen überrascht war, als einige Stunden nach dem Austausch des Routers plötzlich das Internet mal wieder weg war und die Lämpchen am Router erzählten, dass er gerade aufgewacht sei und, noch schlaftrunken, nach einer DSL-Verbindung suche.
Die Entertain-Störungsstelle hatte von einem solchen Problem natürlich noch nie gehört — ich frage mich, wie oft ich anrufen muss, bis das Problem jedem bekannt ist — und schlug vor, das alte Netzteil einfach mal in eine andere Steckdose zu stecken. Na bitte, da will ich mal nicht so sein, ich hab sogar ein Verlängerungskabel genommen und es an eine andere Sicherung gehängt.
Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich kein bisschen überrascht sein werde, wenn das Internet gleich wieder weg ist.
Wenn ich mit meinem Verdacht richtig liege, dass die Firmware ein Problem hat, das nur bei bestimmten Nutzungsprofilen sichtbar wird, dann könnte die Wlan-Funktion einen maßgeblichen Anteil daran haben. Am Anfang trat das Problem nämlich nur sporadisch auf, d.h. ein- bis zweimal am Tag. Erst seit ich ein Wlan-nutzendes Händi habe, bootet der Router (gefühlt) alle paar Stunden. Ich hab auch schon erlebt, dass er mehrfach hintereinander bootete — just als das Händi seine Podcastfeeds aktualisieren und viele neue Podcasts herunterladen wollte. Mag ein Zufall sein, muss aber nicht.
Bei der Telekom finde ich leider keine alten Firmware-Revisionen, aber dafür den Quellcode der Router-Software, zusammen mit der »GNU GERNAL PUBLIC LICENSE« (sic).
> wait
Time passes.
Ich hätte gleich richtig googeln sollen, ich Hirni. Im T-Home-Forum gibt es einen 15-seitigen Thread zu genau diesem Problem (
»Speedport 721V seit firmware update ständige reboots«). Nein, es liegt wohl nicht am Wlan, sondern an der Zahl der gleichzeitig geöffneten Verbindungen - da alles außer Wlan-Traffic bei mir über eine einzige VPN-Verbindung läuft, tritt der Fehler bei mir entsprechend nur auf, wenn viele Wlan-Verbindungen gleichzeitig aufgebaut werden, also z.B. wenn mein Händi versucht, zwei Dutzend Podcasts gleichzeitig zu aktualisieren.
Abhilfe bringt wohl z.Zt. nur ein Gerätewechsel.
Ich bin mal gespannt, was die »Endgerätehotline« mir morgen anbietet. Mal sehen, was die kostenpflichtige Entertain-Technik-Hotline mir sofort anbietet. Irgendwas müssen die für ihr Geld ja leisten. (Dies tippe ich übrigens, während ich nach der (gefühlt) siebenunddreißigsten Schilderung des Problems in der kostenpflichtigen Warteschlange hänge. Der Agent klang verblüffend zuversichtlich. Ich bin gespannt, ob er es schafft, mir das Nachfolgemodell W 920V zu organisieren.)
Ich finde übrigens, dass es nicht für die Entertain-Hotline spricht, dass sich ein Problem, das dem »T-Home Team« im Forum seit Monaten bekannt ist und das ganz offensichtlich zahlreiche Kunden betrifft, nicht bis ins Callcenter durchspricht. Man könnte dahinter fast Absicht vermuten: mit einer Verzögerungstaktik — »Setzen Sie das Gerät doch mal auf die Werkseinstellungen zurück und richten Sie es komplett neu ein.« — »Probieren Sie es doch mal mit einem Austauschgerät!« — »Probieren Sie doch mal eine andere Steckdose!« — »Wackeln Sie doch mal am Kabel!« — »Richten Sie die Antenne doch mal gen Mekka aus!« — kann man das Problem vielleicht aussitzen, bis eine korrigierte Firmware zur Verfügung steht. Mal ganz abgesehen davon, dass es auch kein gutes Bild auf die Telekom und ihren Hardwarelieferanten (AVM?) wirft, dass eine offensichtlich nicht ausreichend getestete Firmware-Version auf die Router der Kunden gepushed wird und drei Monate später immer noch kein Bugfix verfügbar ist.
Auch bei der Telekom gilt das
SPRUSKO-Prinzip: Schund produzieren, um Schund zu konsumieren.
Nachtrag, 10. September 2009: Natürlich kam wieder ein Speedport W 721V. Jetzt haben wir davon drei Stück hier stehen. Es kristallisiert sich heraus, dass es bei der Telekom von heute (im Gegensatz zu der Telekom, bei der ich mein Praktikum gemacht hab) zwischen »Telekom-Mitarbeitern, die im direkten Kundenkontakt stehen« und »Telekom-Mitarbeitern, die Entscheidungen treffen dürfen« keine Schnittmenge mehr gibt. Besser noch: die beiden Teilmengen reden anscheinend auch nicht mehr direkt miteinander. Als Kunde hat man zwar reichlich Kontakt mit der ersten Gruppe (bei meinem Telefonat eben durfte ich mein Problem z.B. mal wieder mit drei unterschiedlichen Personen besprechen), aber jemand mit Entscheidungsbefugnis kriegt man natürlich nicht ans Rohr — bestenfalls darf man dabei zuhören, wie der aktuelle Gesprächspartner eine Bitt-Mail an die Entscheider verfasst.
Nachtrag, 25. September 2009: Nach ewigem Hin und Her und zahlreichen leeren Versprechungen hab ich resigniert. Statt weiter um ein funktionierendes Austauschgerät für den Schrottrouter zu betteln, werde ich eben jenes jetzt für einen kleinen monatlichen Obulus (<€4) mieten. Zum einen, weil die Kommunikation mit dem Vertrieb schneller und freundlicher verläuft als die mit der Störungsstelle oder mit der Abteilung für »Kaufrückabwicklung«, zum zweiten, weil bei einem Mietgerät auftretende Probleme per Definition in die Zuständigkeit der Telekom fallen (bei einem »Kaufgerät« ist das ja offensichtlich nicht so einfach) und zum Dritten, weil ich zu faul bin, mir auf eBay ein VDSL-Modem zu schießen und mit pfSense eine eigene Lösung zu basteln.
Nachtrag, 1. Oktober 2009: Ende gut, alles gut. Beim ersten Speedport W 920V, den die Telekom lieferte, war Wlan kaputt.
PEBKAC konnte ich mit relativ hoher Sicherheit ausschließen, weil ich die Wlan-Konfiguration mit den Austauschgeräten für den W 721V bereits ausgiebig geübt hatte. Ich durfte mich an der kostenpflichtigen Endgerätehotline nacheinander mit drei verschiedenen Technikern auf die Fehlersuche begeben — »Und das Wlan-Lämpchen am Router leuchtet wirklich?« — bevor mir ein Austauschgerät angeboten wurde.

Da will ich mich auch gar nicht drüber beschweren: ich kann gut nachvollziehen, dass es sich vermutlich bei 99,9% aller »Wlan ist kaputt«-Probleme nicht um Hardwarefehler des Routers handelt, da stellt man lieber doppelt und dreifach sicher, dass man alle Einstellungen überprüft hat.
»Und jetzt schauen Sie mal unten rechts auf dem Bildschirm, sehen sie da einen Fernseher, aus dem Wellen kommen?« Ja, ich musste für die Troubleshoots das Notebook ins Windows booten, Linux oder Wlan-fähige Händies unterstützt die Telekom-Endgerätehotline nicht.
Der neue W 920V war heute in der Post und tut endlich das, was der W 721V bis zu dem Firmwareupdate im Juni auch tat. Geht doch!