Fakt: Die Polizeibehörde von Los Angeles steht seit September 2000 für fünf Jahre unter der Aufsicht durch das US-Justizministerium. Der Grund für diese Überwachungsaktion ist ein Polizeiskandal (der »Rampart«-Skandal), der begann, als das Verschwinden von mehreren Kilo Kokain aus der Asservatenkammer auffiel, und auf dessen Höhepunkt gegen etwa 70 Beamte ermittelt wurde. Mehrere Mitglieder einer Spezialeinheit für Straßengangs (»CRASH«) wurden wegen Diebstahl, Körperverletzung, Fälschung von Indizien, Meineids und anderer Verbrechen zu Haftstrafen verurteilt.
Die Polizeiserie »The Shield« wurde von diesen Ereignissen inspiriert. »NYPD Blue« trifft »Training Day«:
Farmington, ein (fiktiver) Stadtteil von Los Angeles, ist gezeichnet von ethnischen Konflikten, Bandenkriegen, Prostitution, Drogenhandel. Das Polizeirevier hat einen neuen Captain bekommen, den politisch ambitionierten Latino Aceveda (Benito Martinez), es wurde eine Einsatzgruppe, das »Strike Team« gebildet, die Polizei will Präsenz zeigen. Das Strike Team erzielt Ergebnisse, aber es spielt nach seinen eigenen Regeln: kaum ein Verhör ohne Einsatz von Gewalt, keine große Beschlagnahmung, ohne dass ein Teil zur eigenen Altersversorgung abgezwackt wird.
Vic Mackey, hervorragend gespielt von Michael Chicklis [bei uns am ehesten bekannt als Darsteller von Ben (alias Das Ding) aus den »Fantastic Four«-Comic-Verfilmungen], leitet das Team. Obwohl er ein echtes Arschloch ist, kann ich nicht umhin, mich immer wieder auf seiner Seite zu finden - z.B. wenn ich ihn als liebenden, verzweifelten Vater eines autistischen Kindes erlebe oder ihn dabei beobachte, wie er versucht, mit seinem Gewissen fertig zu werden, seine Entscheidungen vor sich selbst zu rechtfertigen. […]
In den Staaten erregt die Serie nicht nur wegen ihre kontroversen Themenwahl (Korruption, Prostitution, Gewalt in der Familie, Pedophilenringe, Serienmord, usw.) die Gemüter: es handelt sich um die erste nennenswerte Eigenproduktion des kleinen (zu Fox gehörenden) Kabelkanals F/X, der sich z.B. nicht darum schert, dass man die berühmten »four letter words« auf dem Bildschirm eigentlich nicht sagt und Schießereien zur Prime Time gefälligst in »A-Team-Choreographie« (alle ballern wild um sich, aber niemand wird getroffen) zu zeigen hat. […]
Die Serie vermittelt einen hohen Grad an Authenzität… ich hab natürlich keine Ahnung vom Polizeialltag auf den Straßen von L.A., ich vergleiche nur mit anderen Serien, aber ich finde die Darsteller und ihre Sprache überzeugend, ich lasse mich von der verwackelten Handkamera einlullen (dieser Reality-TV-Look scheint inzwischen echt beliebt zu sein) und ich mag die verflochtenen und über Folgengrenzen hinweg laufenden Handlungsstränge, die Dynamik im kleinen wie im großen.
Vielen Dank, Shawn Ryan, für diese sieben Jahre. Ich weiß nicht mehr, wie ich 2002 auf die Serie gestoßen bin, aber ich weiß, dass ich von Anfang an mitgefiebert und mitgelitten habe. Erst mit Vic, dann mit Claudette und Dutch, besonders gern mit Kavanaugh (Forest Whitaker) und schließlich, irgendwie, wieder mit Vic. Ich hab drei Staffeln auf DVD im Regal stehen — und wären mir nicht irgendwann die Augen aufgegangen, hätte ich nicht eingesehen, dass ich damit Konzerne finanziere, die ihr Geld nicht zuletzt dafür nutzen, Technik zu erfinden, die mir als Konsumenten das Leben schwerer macht, und Politiker zu kaufen, die meine Rechte an die Contentmafia übertragen, hätte ich sicher alle Staffeln gekauft. Statt dessen hab ich die Folgen halt… von Freunden bekommen.
Gerade lief die letzte Folge. *schnief*
The Shield: Highly recommended.







