So würde ich mir den Ablauf wünschen: Ich habe eine Chipkarte, mit der ich zum Arzt gehe und an Hand derer er meine Versicherung erkennt (soweit funktioniert das ja schon heute). Der Arzt würde mit selbiger auf eine Datenbank zugreifen, in der ganz genau steht, welchen Impfschutz ich schon habe, was für Komplikationen auf Grund meiner medizinischen Vorgeschichte auftreten könnten und was ich jetzt für Impfungen brauche. Wenn ich eine Hep A Impfung will, dann könnte er direkt über die Karte abprüfen, ob die Versicherung den Preis erstattet oder nicht und ich könnte noch im Behandlungszimmer entscheiden, ob ich die kosten selbst trage. Wenn diese Sache geklärt ist, speichert er das Rezept direkt auf die Karte. In einer Welt in der Milch und Honig fließen würden er auch gleich sehen, welche örtliche Apotheke den Stoff vorrätig hat. Mit der Karte würde ich zur Apotheke gehen, die Bezahlbestätigung würde, genau, auf der Karte vermerkt und wenn sie Versicherung den Preis erstattet, direkt über die Karte bezahlt.
Genau, in einer perfekten Welt würden uns datenschutzrechtliche Bedenken nicht fortwährend davon abhalten, effizient zu sein. Die Versicherungskonzerne könnten viel effizienter entscheiden, wie hoch die individuellen Beiträge aufgrund der vorliegenden Vorschädigungen und Verhaltensweisen zu sein haben.
Dank des DNA-Profils auf der perfekten Gesundheitskarte könnte man genetische Prädispositionen, die bei der pränatalen Auslese übersehen wurde, frühzeitig kommunizieren — man lebt ja so viel besser, wenn man sich mit 16 schon darauf einrichten kann, dass man wohl mal an Krebs sterben wird. Zumindest für den Arbeitgeber ist es hilfreich, wenn er weiß, dass sich eine mehrjährige Ausbildung wohl nicht wirklich rechnen wird.
Vater Staat wird in dieser perfekten Welt sicher gute Gründe für den Datenabgleich finden — dass man ganze Rassen nicht über einen Kamm scheren kann, haben wir zwar eben erst gelernt (auch wenn wir dafür tausend Jahre gebraucht haben), aber das Suchtgen lauert um die Ecke... und die Pädophilie- und Terrorismusgene möglicherweise nicht weit dahinter. Wir tun den Betroffenen schließlich einen Gefallen, wenn wir sie vor sich selbst schützen.
Es ist nur ein konsequenter nächster Schritt, wenn die Public-Private Partnership, die die Datenbank verwaltet, ihren Partnern in der Wirtschaft gezielte Informationskampagnen ermöglicht, z.B. per Mailing an alle männlichen Diabetiker über 50 mit mehr als 8 Dioptrien. Gut, dass wir so viel Vertrauen haben, in unsere IT-Unternehmen, in ihre Kollegen von der Pharmaindustrie und in die Henkel-weiße Weste, in der sie alle stecken.
Da es Leute gibt, die den gleichen Namen tragen und am gleichen Tag geboren sind, wir aber Verwechslungen sicher ausschließen müssen, haben wir in einer perfekten Welt auch endlich eine eindeutige Personenkennziffer (die wir auf Aufforderung auswendig nennen können sollten, wenn wir uns nicht verdächtig machen wollen). Damit man auch bei Bewusstlosigkeit die richtige Behandlung bekommt, kann man sich einen RFID-Chip mit dieser Kennziffer implantieren lassen, Plicht ist das aber für Erwachsene nicht, dafür wäre keine Akzeptanz da. Aber bei Kleinkindern wird es einfach bei einer der Pflichtuntersuchungen erledigt.
Schöne, neue Welt!



