[Im letzten Jahrtausend hatte ich für eine Weile einen selbst-»gebastelten« Vaporizer (Vaporisator, Verdampfer) in Betrieb. Die älteste Fassung des Textes, den die Wayback Machine kennt, ist von 1997.]
Zentraler Bestandteil war ein stufenlos regelbares Heißluftgebläse von Bosch mit einer Temperaturanzeige in Form einer Reihe von LEDs. Mit dem Gebläse pustet man in einen speziellen Einsatz hinein, der Dampf blubbert zur Kühlung durch etwas Wasser in einer Punica-Pipe® und wird in die Lungen des Glücklichen förmlich reingedrückt. Eine wohlschmeckendere und lungenschonendere Form des Konsums kann man sich kaum vorstellen. Von der Klarheit des Törns will ich gar nicht anfangen.
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Sonntag, 29. Juni 1997
Eine Wolke aus deutschem Haschischdampf
Samstag, 28. Juni 1997
Historisches von A wie a42.de bis Z wie zivilisationsversager.de
[Die älteste Fassung dieses Textes, die ich auftreiben konnte, ist v6.6 vom 25. Juni 2000 v2.7 vom 28. Juni 1997, ältere Fassungen kennt die Wayback Machine leider nicht...]
Anfang der 90er des letzten Jahrhunderts war ich mit Windows 3.11 zum erstem Mal »richtig« (mit eigener IP) im Internet (»Trumpet Winsock« machte es möglich). Meine private Website enstand unter dem originellen Titel »Just Another Web°Space« irgendwann zwischen 1992 und 1994. Etwa zur gleichen Zeit baute ich eine recht populäre Firmen-Website für meinen Arbeitgeber: www.kawumm.de war so beliebt, dass die Site nach England umziehen musste, weil der Traffic, den die verursachte, in Deutschland schlichtweg nicht bezahlbar war.
Die ersten Versionen meiner Seiten entstanden mit Hilfe des recht spartanischen »Norton Editor« unter DOS. Mein Weg ins Internet lief damals über ein 28k8-Modem, später über eine ISDN-Wählleitung zum Internet privat e.V. (IPeV), einem Verein, der im Individual Network e.V. organisiert war und Internet für private Nutzer anbot – und bis heute anbietet!
www.saar.de/~bong wurde von einem recht schmalbrüstigen, aber unter Linux 1.0.9 stabil laufenden System (bellona.wg.saar.de) über eine ebenso schmalbrüstige 128 kBit-Leitung ausgeliefert, erst via Uni Saarbrücken, später über deren Provider-Projekt SaarLink zu XLink, dem Vertragspartner des Individual Network. Auf dem gleichen System und über die gleiche Leitung lief damals auch der komplette Usenet-Newsfeed des Vereins, während gleichzeitig mehrere Einwähler surften. Ich wiederhole es gern nochmal: 128 kBit für alles zusammen. Das ging. Multimediale Websites hatten farbigen Text auf einem gekachelten Hintergrund und eine Midi-Datei als Soundtrack. Animierte GIFs waren schon bei ihrer Einführung out. Mit ganz, ganz wenigen Ausnahmen.
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Die ersten Versionen meiner Seiten entstanden mit Hilfe des recht spartanischen »Norton Editor« unter DOS. Mein Weg ins Internet lief damals über ein 28k8-Modem, später über eine ISDN-Wählleitung zum Internet privat e.V. (IPeV), einem Verein, der im Individual Network e.V. organisiert war und Internet für private Nutzer anbot – und bis heute anbietet!

Internet privat e.V.
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Geschrieben von Marc
in Kabelfreak
um
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Tags für diesen Artikel: a42.de, Blogging, Computergeschichte, Connectivity, Linux, Microsoft, Serendipity
Dienstag, 17. Juni 1997
Wilhelm Reich
[Ich erlaube mir, an dieser Stelle Passagen über Dr. Wilhelm Reich aus zwei Büchern zu zitieren, die m.W. beide schon länger nicht mehr im Handel verfügbar sind. Ich danke den Rechteinhabern für stillschweigende Duldung.]
Wilhelm Reich wurde verfolgt, und man hat seine Bücher nicht nur einmal, sondern zweimal verbrannt — in den dreißiger Jahren waren es die Nazis und in den fünfziger Jahren US-Amerikaner.
Zunächst wurde er in Wien Arzt, später spezialisierte er sich auf dem Gebiet der Psychotherapie und wurde noch als junger Mann ein einflußreiches Mitglied im Kreise Freuds und in der psychoanalytischen Bewegung. [...]
In den Jahren zwischen 1938 und 1939 gelangte Reich zu der Einsicht, daß es sich bei den bioenergetischen Prozessen, die er bei den therapeutischen Behandlungen beobachten konnte, nicht allein um emotionale oder psychologische Prozesse handelte, sondern um physikalische, bei denen eine spezifisch biologische Energieform eine Rolle spielte, die er Orgon nannte. Später begann er mit der Orgonenergie zu experimentieren und entwarf schrankähnliche Kabinen, die er Akkumulatoren nannte.
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Wilhelm Reich wurde verfolgt, und man hat seine Bücher nicht nur einmal, sondern zweimal verbrannt — in den dreißiger Jahren waren es die Nazis und in den fünfziger Jahren US-Amerikaner.
Zunächst wurde er in Wien Arzt, später spezialisierte er sich auf dem Gebiet der Psychotherapie und wurde noch als junger Mann ein einflußreiches Mitglied im Kreise Freuds und in der psychoanalytischen Bewegung. [...]
In den Jahren zwischen 1938 und 1939 gelangte Reich zu der Einsicht, daß es sich bei den bioenergetischen Prozessen, die er bei den therapeutischen Behandlungen beobachten konnte, nicht allein um emotionale oder psychologische Prozesse handelte, sondern um physikalische, bei denen eine spezifisch biologische Energieform eine Rolle spielte, die er Orgon nannte. Später begann er mit der Orgonenergie zu experimentieren und entwarf schrankähnliche Kabinen, die er Akkumulatoren nannte.
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Immanuel Velikovsky
[Ich erlaube mir, an dieser Stelle Passagen über Dr. Immanuel Velikovsky aus einem Buch zu zitieren, das m.W. schon länger nicht mehr im Handel verfügbar ist. Ich danke den Rechteinhabern für die stillschweigende Duldung.]
In seinem Buch »Welten im Zusammenstoß« (1950) stellte deramerikanische russische Psychologe Dr. Immanuel Velikovsky die These auf, daß sich zwischen dem 15. und 8. Jahrhundert v. Chr. eine Reihe weltweiter Katastrophen ereignete. Teile der Erdoberfläche erwärmten sich, bis sie schmolzen, Meere siedeten und verdampften. Gebirgsketten verschwanden, während an anderer Stelle neue entstanden. Kontinente hoben sich und verursachten globale Fluten. Velikovsky untermauerte sein Szenario von einer weltweiten Katastrophe mit einer Fülle von Zitaten aus alten Quellen - zum Beispiel aus dem Alten Testament, der hinduistischen Veda, der griechischen und römischen Mythologie sowie den Mythen und Legenden alter Völker - wie auch mit physikalischen Beweisen aus der Geologie und Paläontologie.
Velikovsky zufolge wurden diese gewaltigen Umwälzungen durch eine außergewöhnliche Serie astronomischer Ereignisse verursacht. Die von ihm vorgebrachten Beweise legen nahe, daß es einst Kollisionen oder Beinahkollisionen von Planeten im Sonnensystem gegeben hat und daß die Erde mit dem Schweif eines Kometen kollidiert sein muß, der dann zum Planeten Venus wurde. Diese Ereignisse, bei denen die Wechselwirkungen zwischen den Magnetfeldern der Erde und anderer Planeten eine wichtige Rolle spielten, waren laut Velikovsky dafür verantwortlich, daß sich die Umlaufbahn und die Inklination der Achse der Erde wiederholt verändert haben.
Bereits im Jahre 1946 hatte Velikovsky mit der Macmillan Company einen Vertrag für dieses Buch geschlossen, und im Jahre 1950 lag es zur Veröffentlichung vor. Im Januar jenes Jahres erschienen in der Zeitschrift »Harper’s Magazine« zwei gekürzte Artikel des Buches unter der Überschrift »Der Tag, an dem die Sonne stillstand«. Die Zeitschrift war sofort ausverkauft. Zeitungen in den USA und im Ausland druckten die Artikel nach, und weitere, populärwissenschaftlich gehaltene, erschienen in »Reader’s Digest« und in »Collier’s Magazine«. Die meisten Artikel waren reißerisch abgefaßt, und Velikovsky drohte, sie nicht als seine eigenen anzuerkennen, falls sie nicht im Ton gemäßigt würden.
Als diese sensationellen Geschichten überall kursierten, begann das wissenschaftliche Establishment zu reagieren. Kurz bevor das Buch veröffentlicht werden sollte, erhielt Macmillan zwei Schreiben von Harlow Shapley, Professor für Astronomie an der Harvard University. In seinem ersten Brief äußerte Shapley sein Erstaunen darüber, daß Macmillan es auch nur in Erwägung gezogen habe, sich in den Bereich der »Schwarzen Kunst« vorzuwagen, zeigte sich jedoch zufrieden darüber, daß man nun Vernunft angenommen und beschlossen habe, das Buch nicht herauszugeben. Als der Verlag darauf antwortete und dem Professor erklärte, daß er einem Gerücht aufgesessen sei, weil die Veröffentlichung wie geplant erfolgen werde, erwiderte Shapley, obwohl er das Manuskript noch nicht gesehen hatte: »Es wird interessant sein, in einem Jahr von Ihnen zu erfahren, ob der Ruf von Macmillan Co. durch die Veröffentlich von Welten im Zusammenstoß Schaden nahm oder nicht.« Er schloß seinen Brief mit dem Hinweis, man solle doch einmal Velikovskys Background überprüfen, da es sehr gut möglich sei, daß es sich bei diesem Buch um »intellektuellen Betrug« handele.
Im Februar 1950 wurden Velikovskys Ideen in einer Ausgabe des von Shapley herausgegebenen »Science News Letter« gründlich verrissen. Dieser vernichtende Bericht erschien zu gleicher Zeit wie das Buch, das noch keiner der Kritiker bis dahin gesehen hatte.
Velikovsky hatte seine Theorien mit sehr detaillierten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen untermauert, und zwar aus den unterschiedlichsten Disziplinen wie Geschichte, Anthropologie, Geologie, Astronomie und Biologie, um nur einige zu nennen. Ja, seine Fachkenntnisse zu diesem Thema übertrafen bei weitem die Kenntnisse einiger seiner Kritiker, was die unschwer zu erratende Konsequenz zur Folge hatte, daß sie sich nicht mit den zur Diskussion stehenden wissenschaftlichen Fragen beschäftigten, sondern Velikovsky persönlich angriffen.
In den folgenden Monaten konnten sich die Zeitungen des Landes der beleidigenden Rezensionen wissenschaftlicher Kapazitäten kaum noch erwehren. Jedoch mit den wissenschaftlichen Fragen hatten sich die wenigsten auseinandergesetzt; man begnügte sich damit, Velikovsky zu verspotten. [...]
Aber im Mai, als die höchsten Verkaufszahlen erreicht wurden, hatte man Velikovsky zu Macmillan zitiert und ihn davon unterrichtet, daß die Professoren bestimmter Universitäten sich weigerten, die Vertreter von Macmillan zu empfangen. Das brachte den Verlag in ernsthafte Schwierigkeiten, denn ein wesentlicher Teil seiner Einnahmen stammte aus dem Verkauf von Lehrbüchern an Universitäten. Außerdem hatte man Briefe von Wissenschaftlern erhalten, die von Macmillan verlangten, den Vertrieb des Buches einzustellen. [...]
Als Velikovsky an »Welten im Zusammenstoß« schrieb, glaubten die Astronomen, daß der Planet Venus ein alter Planet sei, dessen Oberfläche wie die der Erde kühl sei und dessen Athmosphäre vorwiegend aus Wasserdampf oder Kohlendioxid bestehe. 1946 hatte Velikovsky das Manuskript für sein Buch fertiggestellt und versuchte nun, die Unterstützung von Wissenschaftlern zur Durchführung von Experimenten zu gewinnen, mit denen seine These kritisch überprüft werden sollte. Was den Planeten Venus betrifft, machte er drei Voraussagen, die im Prinzip alle durch Experimente falsifizierbar waren. Als erstes behauptete er, daß die Oberflächentemperatur der Vernus, sofern sie ein relativ junger Planet sei, immer noch sehr heiß sein würde. Zweitens würde die Venus dann von Kohlenwasserstoffwolken umgeben sein — nämlich den Überresten eines kohlenwasserstoffhaltigen Kometenschweifs. Und drittens müßte sie eine anomale Rotationsbewegung haben, da Perturbationen von ihrem erst relativ kurz zurückliegenden Eintritt in eine Umlaufbahn zurückgeblieben seien.
Als Velikovsky 1953 vor Hochschulabsolventen der Universität Princeton sprach, wies er auf zwei weitere überprüfbare Phänomene hin: daß das Magnetfeld der Erde genauso weit in den Weltraum hineinreiche wie die Umlaufbahn des Mondes und für dessen Libration oder Schwankungen verantwortlich sei und daß der Planet Jupiter (von dem seiner Meinung nach der Komet Venus abstamme) im Hochfrequenzbereich des elektromagnetischen Sprektrums strahle.
Diese Voraussagen waren für die Wissenschaftler der fünfziger Jahre der Beweis für Velikovskys Unwissenheit, seinen Wahnsinn oder auch beides. Harlow Shapley wollte absolut nichts mit den experimentellen Forschungen, mit denen Velikovskys Ideen bestätigt werden sollten, zu schaffen haben. Als man beispielsweise vorschlug, Shapley könne doch das Harvardobservatorium benutzen, um nach Beweisen für das Vorhandensein von Kohlenwasserstoff in der Venusatmosphäre zu suchen, antwortete Shapley, daß er an Velikovskys »Sensationsmeldungen« nicht interessiert sei, da sie gegen die Gesetze der Mechanik verstießen. »Wenn Velikovsky recht hat,« meinte er, »dann sind wir anderen alle verrückt.«
Ein Jahrzehnt nach der Veröffentlichung des Buches wurden alle Thesen Velikovskys experimentell bestätigt. Die Raumsonde Mariner übermittelte 1963, daß die Oberflächentemperatur der Venus im Bereich von 500 Grad Celsius liegt und daß sich die über 20 Kilometer dicke Atmosphäre des Planeten aus schweren Kohlenwasserstoffmolekülen und möglicherweise noch komplexeren organischen Verbindungen zusammensetzt.
Im April 1955 berichteten Dr. B.F. Burke und Dr. K.L. Franklin der American Astronomical Society von ihrer zufälligen Entdeckung des Funkrauschens, das Jupiter sendet. Im Jahre 1962 verkündeten das US Naval Research Laboratory in Washington und die Goldstone Tracking Station in Südkalifornien, radiometrische Beobachtungen würden eine rückläufige Bewegung der Venus zeigen. Im gleichen Jahr entdeckte der Satellit Explorer das Magnetfeld der Erde in einem Abstand von mindestens zweiundzwanzig Erdradien, und 1965 wurde berichtet, daß es sich ‘mindestens bis zum Mond’ erstreckt.
Richard Milton: Verbotene Wissenschaften
Copyright 1994 by Richard Milton
Für die deutsche Übersetzung: Copyright 1996 by
Zweitausendeins, Frankfurt
In seinem Buch »Welten im Zusammenstoß« (1950) stellte der
Velikovsky zufolge wurden diese gewaltigen Umwälzungen durch eine außergewöhnliche Serie astronomischer Ereignisse verursacht. Die von ihm vorgebrachten Beweise legen nahe, daß es einst Kollisionen oder Beinahkollisionen von Planeten im Sonnensystem gegeben hat und daß die Erde mit dem Schweif eines Kometen kollidiert sein muß, der dann zum Planeten Venus wurde. Diese Ereignisse, bei denen die Wechselwirkungen zwischen den Magnetfeldern der Erde und anderer Planeten eine wichtige Rolle spielten, waren laut Velikovsky dafür verantwortlich, daß sich die Umlaufbahn und die Inklination der Achse der Erde wiederholt verändert haben.
Bereits im Jahre 1946 hatte Velikovsky mit der Macmillan Company einen Vertrag für dieses Buch geschlossen, und im Jahre 1950 lag es zur Veröffentlichung vor. Im Januar jenes Jahres erschienen in der Zeitschrift »Harper’s Magazine« zwei gekürzte Artikel des Buches unter der Überschrift »Der Tag, an dem die Sonne stillstand«. Die Zeitschrift war sofort ausverkauft. Zeitungen in den USA und im Ausland druckten die Artikel nach, und weitere, populärwissenschaftlich gehaltene, erschienen in »Reader’s Digest« und in »Collier’s Magazine«. Die meisten Artikel waren reißerisch abgefaßt, und Velikovsky drohte, sie nicht als seine eigenen anzuerkennen, falls sie nicht im Ton gemäßigt würden.
Als diese sensationellen Geschichten überall kursierten, begann das wissenschaftliche Establishment zu reagieren. Kurz bevor das Buch veröffentlicht werden sollte, erhielt Macmillan zwei Schreiben von Harlow Shapley, Professor für Astronomie an der Harvard University. In seinem ersten Brief äußerte Shapley sein Erstaunen darüber, daß Macmillan es auch nur in Erwägung gezogen habe, sich in den Bereich der »Schwarzen Kunst« vorzuwagen, zeigte sich jedoch zufrieden darüber, daß man nun Vernunft angenommen und beschlossen habe, das Buch nicht herauszugeben. Als der Verlag darauf antwortete und dem Professor erklärte, daß er einem Gerücht aufgesessen sei, weil die Veröffentlichung wie geplant erfolgen werde, erwiderte Shapley, obwohl er das Manuskript noch nicht gesehen hatte: »Es wird interessant sein, in einem Jahr von Ihnen zu erfahren, ob der Ruf von Macmillan Co. durch die Veröffentlich von Welten im Zusammenstoß Schaden nahm oder nicht.« Er schloß seinen Brief mit dem Hinweis, man solle doch einmal Velikovskys Background überprüfen, da es sehr gut möglich sei, daß es sich bei diesem Buch um »intellektuellen Betrug« handele.
Im Februar 1950 wurden Velikovskys Ideen in einer Ausgabe des von Shapley herausgegebenen »Science News Letter« gründlich verrissen. Dieser vernichtende Bericht erschien zu gleicher Zeit wie das Buch, das noch keiner der Kritiker bis dahin gesehen hatte.
Velikovsky hatte seine Theorien mit sehr detaillierten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen untermauert, und zwar aus den unterschiedlichsten Disziplinen wie Geschichte, Anthropologie, Geologie, Astronomie und Biologie, um nur einige zu nennen. Ja, seine Fachkenntnisse zu diesem Thema übertrafen bei weitem die Kenntnisse einiger seiner Kritiker, was die unschwer zu erratende Konsequenz zur Folge hatte, daß sie sich nicht mit den zur Diskussion stehenden wissenschaftlichen Fragen beschäftigten, sondern Velikovsky persönlich angriffen.
In den folgenden Monaten konnten sich die Zeitungen des Landes der beleidigenden Rezensionen wissenschaftlicher Kapazitäten kaum noch erwehren. Jedoch mit den wissenschaftlichen Fragen hatten sich die wenigsten auseinandergesetzt; man begnügte sich damit, Velikovsky zu verspotten. [...]
Aber im Mai, als die höchsten Verkaufszahlen erreicht wurden, hatte man Velikovsky zu Macmillan zitiert und ihn davon unterrichtet, daß die Professoren bestimmter Universitäten sich weigerten, die Vertreter von Macmillan zu empfangen. Das brachte den Verlag in ernsthafte Schwierigkeiten, denn ein wesentlicher Teil seiner Einnahmen stammte aus dem Verkauf von Lehrbüchern an Universitäten. Außerdem hatte man Briefe von Wissenschaftlern erhalten, die von Macmillan verlangten, den Vertrieb des Buches einzustellen. [...]
Als Velikovsky an »Welten im Zusammenstoß« schrieb, glaubten die Astronomen, daß der Planet Venus ein alter Planet sei, dessen Oberfläche wie die der Erde kühl sei und dessen Athmosphäre vorwiegend aus Wasserdampf oder Kohlendioxid bestehe. 1946 hatte Velikovsky das Manuskript für sein Buch fertiggestellt und versuchte nun, die Unterstützung von Wissenschaftlern zur Durchführung von Experimenten zu gewinnen, mit denen seine These kritisch überprüft werden sollte. Was den Planeten Venus betrifft, machte er drei Voraussagen, die im Prinzip alle durch Experimente falsifizierbar waren. Als erstes behauptete er, daß die Oberflächentemperatur der Vernus, sofern sie ein relativ junger Planet sei, immer noch sehr heiß sein würde. Zweitens würde die Venus dann von Kohlenwasserstoffwolken umgeben sein — nämlich den Überresten eines kohlenwasserstoffhaltigen Kometenschweifs. Und drittens müßte sie eine anomale Rotationsbewegung haben, da Perturbationen von ihrem erst relativ kurz zurückliegenden Eintritt in eine Umlaufbahn zurückgeblieben seien.
Als Velikovsky 1953 vor Hochschulabsolventen der Universität Princeton sprach, wies er auf zwei weitere überprüfbare Phänomene hin: daß das Magnetfeld der Erde genauso weit in den Weltraum hineinreiche wie die Umlaufbahn des Mondes und für dessen Libration oder Schwankungen verantwortlich sei und daß der Planet Jupiter (von dem seiner Meinung nach der Komet Venus abstamme) im Hochfrequenzbereich des elektromagnetischen Sprektrums strahle.
Diese Voraussagen waren für die Wissenschaftler der fünfziger Jahre der Beweis für Velikovskys Unwissenheit, seinen Wahnsinn oder auch beides. Harlow Shapley wollte absolut nichts mit den experimentellen Forschungen, mit denen Velikovskys Ideen bestätigt werden sollten, zu schaffen haben. Als man beispielsweise vorschlug, Shapley könne doch das Harvardobservatorium benutzen, um nach Beweisen für das Vorhandensein von Kohlenwasserstoff in der Venusatmosphäre zu suchen, antwortete Shapley, daß er an Velikovskys »Sensationsmeldungen« nicht interessiert sei, da sie gegen die Gesetze der Mechanik verstießen. »Wenn Velikovsky recht hat,« meinte er, »dann sind wir anderen alle verrückt.«
Ein Jahrzehnt nach der Veröffentlichung des Buches wurden alle Thesen Velikovskys experimentell bestätigt. Die Raumsonde Mariner übermittelte 1963, daß die Oberflächentemperatur der Venus im Bereich von 500 Grad Celsius liegt und daß sich die über 20 Kilometer dicke Atmosphäre des Planeten aus schweren Kohlenwasserstoffmolekülen und möglicherweise noch komplexeren organischen Verbindungen zusammensetzt.
Im April 1955 berichteten Dr. B.F. Burke und Dr. K.L. Franklin der American Astronomical Society von ihrer zufälligen Entdeckung des Funkrauschens, das Jupiter sendet. Im Jahre 1962 verkündeten das US Naval Research Laboratory in Washington und die Goldstone Tracking Station in Südkalifornien, radiometrische Beobachtungen würden eine rückläufige Bewegung der Venus zeigen. Im gleichen Jahr entdeckte der Satellit Explorer das Magnetfeld der Erde in einem Abstand von mindestens zweiundzwanzig Erdradien, und 1965 wurde berichtet, daß es sich ‘mindestens bis zum Mond’ erstreckt.
Richard Milton: Verbotene Wissenschaften
Copyright 1994 by Richard Milton
Für die deutsche Übersetzung: Copyright 1996 by
Zweitausendeins, Frankfurt
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Tags für diesen Artikel: Bücher, Geschichte
Mein "Was ist was?"-Weltbild und wo es bröckelt...
[Ich bin nicht ganz sicher, welche Teile dieses zehn Jahre alten Textes mir inzwischen peinlich sein sollten... ich übernehme ihn mal verbatim, nur die Verlinkungen mit der Wikipedia hab ich nachgetragen.]
Eigentlich war mein Weltbild seit meiner frühesten Jugend strikt naturwissenschaftlich geprägt. In Anlehnung an die bevorzugte Sachbuchreihe meiner Kindheit bezeichne ich es gerne als »Was ist was?«-Weltbild. Ab und zu stieß ich aber auf Ideen, die mit meinem angelesenen Wissen eigentlich nicht vereinbar waren. Interessanterweise war irgendetwas in mir sehr effektiv im Verdrängen von Phänomenen, die meinem fundamentalistisch-materialistischen Weltbild gefährlich werden konnten.
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Eigentlich war mein Weltbild seit meiner frühesten Jugend strikt naturwissenschaftlich geprägt. In Anlehnung an die bevorzugte Sachbuchreihe meiner Kindheit bezeichne ich es gerne als »Was ist was?«-Weltbild. Ab und zu stieß ich aber auf Ideen, die mit meinem angelesenen Wissen eigentlich nicht vereinbar waren. Interessanterweise war irgendetwas in mir sehr effektiv im Verdrängen von Phänomenen, die meinem fundamentalistisch-materialistischen Weltbild gefährlich werden konnten.
Jeder Realitätstunnel, jedes neurosemantische System ermuntert uns, irgend eine Bedeutung zu »sehen«, auf ganz bestimmte Signale zu achten. Die Astronomen, die (aus mathematischen Gründen) an einen zehnten Planeten hinter Pluto glauben, achten beispielsweise sehr genau auf etwaige Signale aus diesem Teil der Raum-Zeit. Ein Maler dagegen wird nach Signalen einer ganz anderen Raum/Zeit-Konstellation Ausschau halten. Ein Schriftsteller, besonders ein Dichter, wird sich eher für Klänge und Konnotationen interessieren als für rein visuelle Stimuli usw.
Jeder Realitätstunnel tendiert dazu, die Aufmerksamkeit und das Interesse für andere Arten von Signalen zu dämpfen. Ich ärgere mich, wenn ich vor der Schreibmaschine sitze und das Telefon klingelt. Bobby Fischer, der amerikanische Schachgroßmeister, unterbrach angeblich einmal eine politische Diskussion mit der gereizten Frage: »Was zum Teufel hat das eigentlich mit Schach zu tun?« Wie C.P. Snow sagte: Die meisten Künstler wissen nicht nur nicht, was das zweite Gesetz der Thermodynamik besagt, sondern schämen sich ihrer Unkenntnis nicht einmal - es ist einfach irrelevant für sie.
Gemäß den Imperativen der Besitzstandswahrung der Primatenneurologie wird ein Teil der Information nicht nur ignoriert, sondern aktiv unterdrückt. Abneigung, Ärger oder Lust, den Überbringer »schlechter Nachrichten« zu bestrafen, sind allgemein bekannte Verhaltensweisen unserer Spezies. Je bewußter wir uns dieser Neigungen sind und versuchen, dagegen anzukämpfen, um so eher werden wir wagen, unwillkommene Signale zu »suchen«, beispielsweise indem wir Zeitungen von Gruppierungen lesen, deren Realitätstunnel den unsrigen widersprechen, wie Bertrand Russell immer wieder empfohlen hat. Je mehr wir die uns innewohnenden Primatentendenzen ignorieren oder vergessen, um so leichter fallen wir in Fundamentalismus, Götzendienst und inquisitorische Verhaltensmodelle zurück. (Robert A. Wilson, Die neue Inquisition)
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