Es scheint mir, als würde sich auch unter den Entscheidungsträgern langsam rumsprechen, dass eine kritische Masse der Konsumenten verstanden hat, dass DRM sich nicht zu Gunsten der Kunden auswirkt. Seltsam muss anmuten, dass sich dazu im Moment gerade die (größten?) Anbieter von DRM-Systemen skeptisch äußern.
Microsoft hat mehrere DRM-Systeme und einen eigenen Musikvertrieb am Start und Bill Gates empfiehlt ganz pragmatisch, Musik lieber auf CDs zu kaufen und dann zu rippen (eigentlich schade, dass es immer weniger CDs zu kaufen gibt und immer mehr kopiergeschützte »Produkte«, die nicht dem Blue Book-Standard entsprechen und bei denen es reine Glücksache ist, ob man sie rippen oder überhaupt abspielen kann).
Apple ist mit iTunes mit 75% Marktanteil der große Gewinner beim digitalen Musikvertrieb und Steve Jobs ruft die großen Label auf, ihre Haltung zu DRM zu überdenken. Bob Cringely spekuliert, dass sich Selbstdarsteller Jobs gerade jetzt zu dem Thema äußert, weil sich die Einsicht, dass DRM ein Holzweg war, inzwischen auch bei den Musikkonzernen durchsetzt.

Die Jobs-Jünger in meinem Umfeld werden das sicher anders sehen und davon ausgehen, dass Jobs diesen Denkprozess bei den Musikkonzernen erst angestoßen hat und darum den Ruhm verdient, DRM im Alleingang ausgehebelt zu haben. Lassen wir ihnen die Illusion. Hauptsache wir leben weiter in einer Welt, in der es auch legale Alternativen zu DRM-verkrüppelten Produkten gibt.
Nachtrag, 14. Februar 2007: Mit großer Freude lese ich bei SpOn über einen erneuten erfolgreichen (und deutlich bequemeren) Angriff auf den Kopierschutz von Blu-ray und HD DVD:
Für die Unterhaltungsindustrie scheint nun also Handlungsbedarf zu bestehen. Dabei dürfte es allerdings kaum ausreichen, einfach nur den Generalschlüssel zu ändern. Schließlich, könnten sich Hacker mit den beschriebenen Methoden jederzeit einen neuen Nachschlüssel anfertigen. Würde nun jedoch das Verschlüsselungsverfahren grundlegend geändert, wäre dies der Todesstoß für alle aktuellen HD-Player, die nach einer solchen Änderung zukünftige HD DVDs und Blu-ray-Disks nicht mehr abspielen könnten.
Wenn für bereits verkaufte Player (oder auch nur für ihre bisherige Firmware) tatsächlich die Sonne untergehen sollte, würde vielleicht auf einen Schlag einer ganzen Menge Leute außerhalb der Open Source-Community aufgehen, dass sich hirntote Konzepte wie Kopierschutzverfahren, DRM oder Softwarepatente grundsätzlich zum Nachteil ehrlicher Kunden auswirken.
Ich neige inzwischen dazu, die nächste Generation an Silberscheiben einfach mal zu überspringen, mich noch ein paar Jahre mit DVD-Qualität zufrieden zu geben und abzuwarten, in welche Richtung sich der Online-Vertrieb von Filmen entwickelt.
Nachtrag, 18. Februar 2007: Macrovision, einer der erfolgreichsten Rüstungskonzerne im Krieg der Medienriesen gegen ihren Kunden, reagiert auf den Offenen Brief von Jobs. John Gruber war so nett, die Pressemitteilung von Marketingspeak
in normales Englisch zu übersetzen.
Nachtrag, 2. März 2007: Peter Glaser, ganz offensichtlich ein Mitglied der
Generation 8-bit, hat zu diesem Thema
einen hoffnungsfrohen Kommentar bei Technology Review veröffentlicht.
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Aufgenommen: Mär 10, 19:49
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Aufgenommen: Mär 12, 17:39