Heise berichtet über den seit Anfang des Jahres geltenden
erweiterten Signaturzwang für Geschäftsbriefe:
Informationen, die Kaufleute bislang nur auf gedruckten Briefen unterbringen mussten und die dort zumeist die Fußzeile der ersten Seite belegen, müssen nun in Geschäftsbriefen jedweder Form auftauchen, also auch in E-Mails. Die Angaben müssen deutlich auf dem Geschäftsbrief lesbar sein.
Als Oldtimer erinnere ich mich noch an die Endlosdiskussionen, die Signaturen, die deutlich länger als vier Zeilen waren, in den 80ern (jaja, im letzten Jahrhundert) in den verschiedensten Newsgruppen auslösten. Die Signatur, die ich künftig benutzen soll ist 19 (i.W. neunzehn) Zeilen lang. Da sträuben sich mir die Nackenhaare.
Natürlich gehts mir bei meinem Widerstand gegen den Signaturwildwuchs nicht, wie »damals«, um den Traffic, sondern um Ästhetik und Usability. Die übliche Geschäftsmail besteht aus einer Kette von
TOFU-Weiterleitungen und sticht schon daher nicht durch besondere Lesbarkeit hervor, aber die Übersichtlichkeit ist endgültig dahin, wenn ein- bis dreizeilige Statements jeweils durch zehn- bis zwanzigzeiligen Zwangssignaturen voneinander getrennt sind.
Mir schien der Vorschlag naheliegend, auf die Monstersignatur zu verzichten und die Pflichtinformationen (Firmenname, Organisationsform, Handelsregisternummer usw.) einfach in kompakter Form in den Organization:-Header zu packen. Dieser Header ist in RFC 1036 für Usenet-Postings standardisiert und wird wohl auch von praktisch jedem Mailclient auf die ein oder andere Weise unterstützt — das scheint aber reine Konvention zu sein.
Das Gegenargument, das mir prompt entgegenschlug, ist griffig: der übliche Nutzer weiß nichts von der Existenz des Headers, der übliche Mailclient zeigt ihn ohne Eingriff des Nutzers nicht an und selbst wenn man weiß, dass es den Header gibt, muss man auch noch wissen, wie man seinen Client zur Anzeige überredet: unter den zahlreichen Versionen von Microsoft Outlook gibt es anscheinend keine zwei, bei denen die Kopfzeilen einer Mail auf die gleiche Weise eingeschaltet werden können.
Da bleibt mir wohl nur die Option, von Textmails endlich auf HTML-Mails umzustellen, damit ich die Pflichtdaten wenigstens in einen Winzfont packen kann?
Und wie mach ich das künftig beim Instant Messaging? Die Mitteilungspflicht betrifft schließlich »jegliche schriftliche Mitteilung nach außen«. Muss ich Gesprächspartner immer mit einem passenden Textbaustein begrüßen?
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