Es fällt mir immer leichter, meinen Boykott gegen die großen Medienkonzerne durchzuhalten. Ich bin zum Konsumenten erzogen worden, aber nicht zu blindem Konsum. Man hat mich erzogen, auf das Preis-/Leistungsverhältnis zu achten und dabei auch über versteckte Kosten nachzudenken. Die offenen und versteckten Kosten für die Produkte, die ich in den Regalen der Medien-Abteilung finde, steigen permanent, während die Leistung gleich bleibt oder gar weniger wird.
Wenn ich vor ein paar Jahren eine CD gekauft hab, konnte ich noch allerhand damit machen - heutzutage gibt’s kaum noch CDs, sondern nur noch kopiergeschützte Produkte. DVDs haben eine ähnliche Entwicklung durchgemacht - und auch wenn die Sicherheitsrisiken der verwendeten Kopierschutzverfahren für mich nur theoretisch existieren (ich guck keine DVDs unter Windows, meine Windowskiste ist ausschließlich zum Spielen da), reicht es mir schon, wenn ich mir vor dem Hauptfilm einen nicht-überspringbaren »Raubkopierer«-Spot und dann noch einige »Empfehlungen« ansehen muss, um mich vom Kauf abzuhalten (und weil man das einer DVD im Laden ja nicht ansehen kann, verzichte im Zweifel lieber einmal zu oft).
Die kommenden HDTV- und DVD-Nachfolger-Standards - welche auch immer das sein mögen - werden den Kopierschutz schon gleich eingebaut haben und, wenn’s nach dem Willen der Konzerne geht (wer zweifelt daran), auf dem gesamten Weg vom Datenträger bis zum Anzeigegerät. Dass die Technik dadurch deutlich komplexer und fehleranfälliger wird, leuchtet sogar mir ein.
heise online dokumentiert, mit was man konfrontiert wird, wenn man versucht, Filme »legal« (also gegen Geld) herunterzuladen: digitales Restriktionsmanagement, das nur unter Windows funktioniert (Apple- und Linux-Nutzer bleiben außen vor, wer noch alternativere Betriebssysteme nutzt, erwartet ja schon gar nicht mehr, an der kommerziellen Multimediawelt teilnehmen zu können); lange Downloadzeiten; mangelhafte Bildqualität (lt. Heise deutlich schlechter als die üblichen SVCD-Rips auf zwei CDs); entgegen der Angaben kein Dolby Digital 5.1-Ton und nicht zuletzt massive Sicherheitsprobleme... und man kann den heruntergeladenen Film natürlich nicht auf ‘ne normale DVD brennen, um ihn in einen DVD-Player reinzuwerfen.
Für den Download des rund 2 GByte großen Gratisfilms »Harry Potter und der Stein der Weisen« benötigte die Redaktion in einem Test satte 15 Stunden – nach einem flotten Start mit einer Downloadrate von rund 4 MBit/s sackte die Transfergeschwindigkeit schließlich auf magere 350 kBit/s ab. Mal eben schnell am Abend einen Film legal herunterzuladen scheint damit bislang ein unmögliches Unterfangen.
Nachtrag, 26. April 2006: Verdi warnt vor dem aktuellen Urheberrechtsentwurf:
Die Geräteindustrie soll den Reibach machen, während die Vergütung für die Kreativen, ohne deren Inhalte viele Geräte unverkaufbar wären, in den Keller rutscht.
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Aufgenommen: Mär 10, 19:49